Titel: Graeger, Untersuchung einiger Leimsorten.
Autor: Graeger, N.
Fundstelle: 1852, Band 126, Nr. XXVI. (S. 124–128)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj126/ar126026

XXVI. Untersuchung einiger Leimsorten. Von Dr. N. Graeger in Mühlhausen.

Aus Böttger's polytechnischem Notizblatt, 1852, Nr. 19.

Es wird Manchem als ein gewagtes Unternehmen erscheinen, über die Güte eines Leims auf chemischem Wege entscheiden zu wollen, und ich selbst muß bekennen, daß ich mir von vornherein von einem derartigen Versuche nicht eben besondere Erfolge versprach; es lag jedoch eine specielle Veranlassung vor, wo eine solche Untersuchung gewünscht wurde, welchem Verlangen ich mich nicht wohl entziehen konnte.

Von der Ansicht ausgehend, daß vom chemischen Standpunkte aus, abgesehen von dessen Ursprung, die Güte eines Leims abhängig sey von seinem Gehalte an reinem Glutin, und der Abwesenheit fremdartiger Substanzen die seine Bindekraft schwächen, kam es darauf an sowohl jenes, als auch diese ihrer Menge nach zu bestimmen; es hat sich hierbei noch ergeben, daß das Wasser, je nach der größern oder geringeren Kraft, mit welcher es von einem Leime zurückgehalten wird, einen Anhaltspunkt gewährt für Beurtheilung der Natur der Stoffe, aus denen derselbe bereitet wurde, indem bekanntlich der Leim um so mehr Wasser bindet (wenigstens bis zu einem gewissen Grade) und dasselbe mit um so größerer Hartnäckigkeit zurückhält, je mehr er frei ist von andern fremden Körpern, als Fett, Salzen und dergl. Und hiernach müssen also die Verhältnisse, nach welchen Wasser, Glutin und fremde Körper an der Zusammensetzung eines Leims Theil nehmen, für die Beurtheilung seiner Güte maßgebend seyn; die Resultate der chemischen Analyse, wenn man ihnen als Zahlenausdruck, dem man bei allen Untersuchungen nachstreben muß, nicht den Vorzug geben will, können wenigstens als Controle für den technischen Befund dienen.

Manche Fabrikanten setzen dem Leime aus einem, mir nicht bekannt gewordenen Grunde kohlensaures, schwefelsaures oder auch wohl chromsaures Bleioxyd zu, die jedoch auf seine Bindekraft einen Einfluß nicht zu haben scheinen, vielleicht daß man ihm dadurch nur ein besseres Ansehen geben will.

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Die Untersuchung selbst bietet Schwierigkeiten nicht dar, erfordert nur Geduld, eine Tugend, die der Chemiker außerdem Gelegenheit oft genug hat zu üben. Eine gewogene Menge Leim wurde bei 120° C. so lange getrocknet, bis bei dieser Temperatur eine Gewichtsabnahme nicht mehr stattfand; in der Regel waren hierzu 5 bis 6 Stunden erforderlich, und der Gewichtsverlust als Wasser berechnet. Zur Bestimmung des Glutins wurde eine zweite Probe von bekanntem Wassergehalte in der zwanzigfachen Menge kochenden Wassers gelöst, und nach vollkommener Abkühlung zu einer Auflösung von Tannin, ebenfalls 1 Theil auf zwanzig Theile Wasser gefügt, worauf sich tanninsaures Glutin in Form eines käseartigen Niederschlags, über welchen eine weingelbe, vollkommen klare Flüssigkeit steht, absetzt. Wollte man die beiden Flüssigkeiten noch heiß oder nur warm mit einander mischen, so würden ein zusammengeballter harzartiger Niederschlag, und eine milchichte Flüssigkeit, die auch in diesem Zustande durch das Filter geht, entstehen, mit welchen nichts anzufangen ist. Das tanninsaure Glutin wird dann auf einem Filter gesammelt, ausgewaschen, und an der Luft vollkommen getrocknet. Sobald es sich pulvern läßt, bringt man es, vom Filter entfernt, in einen Trockenapparat, und trocknet bei 120° C. vollständig aus; man muß sich hüten, von vornherein die Temperatur rasch zu steigern, weil sonst der Niederschlag schmilzt, und sich dann nur schwierig austrocknen läßt; es dauert selbst bei Befolgung dieser Vorsicht ohnedieß sehr lange, 8 bis 10 Stunden, ehe die Waage eine Gewichtsabnahme nicht mehr anzeigt. Aus dem Gewichte des Niederschlags, dessen Zusammensetzung, nach Davy und Mulder, zu 42,74 Procent Glutin und 57,26 Procent Tannin angenommen wurde, ward der Gehalt des Leims an reinem Glutin berechnet.

Zur Bestimmung der in einigen Leimsorten enthaltenen Beisalze wurde die Leimlösung bis zur Zerstörung des Leims mit Salpetersäure gekocht, worauf sich das unlösliche schwefelsaure oder chromsaure Bleioxyd absetzten, auf einem Filter gesammelt und bestimmt werden konnten; das in salpetersaures Bleioxyd verwandelte Bleiweiß (kohlensaure Bleioxyd) aber wurde als oralsaures Bleioxyd gefällt, ausgewaschen, getrocknet und durch Glühen in reines Bleioxyd verwandelt, und aus diesem der Gehalt an kohlensaurem Bleioxyd berechnet.

Bei der mannichfachen Verwendung, die der Leim in den Gewerben findet, und wo oft eine geringe Sorte die beste vertreten kann, ist neben der Güte noch der Preis zu berücksichtigen; ich habe daher denselben überall beigefügt.

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1) Leim zu 11 Thaler die 110 Pfund. Klar durchscheinend, von dunkel bernsteingelber Farbe, spröde und beim Biegen zersplitternd, in kochendem Wasser leicht löslich.

2,600 Grm. verloren beim Trocknen 0,190 Grm. = 7,31 Proc. Wasser.

2,600 Grm. in Wasser gelöst und durch Tanninlösung gefällt, gaben 4,410 Grm. tanninsaures Glutin = 1,885 Grm. Glutin = 72,5 Proc. Glutin.

100 Theile enthalten:

7,31 Wasser,
72,50 Glutin,
20,19 fremdartige Stoffe.
––––––
100,00

2) Leim zu 9 2/3 Thaler der Centner. Dunkler als Nr. 1, trübe durchscheinend, ebenfalls spröde, leicht löslich.

2,235 Grm. gaben 0,112 Grm. Wasser = 5,02 Proc.

2,235 Grm. gaben 3,694 Grm. tanninsaures Glutin = 1,578 Grm. Glutin = 70,72 Proc.

5,02 Wasser,
70,72 Glutin,
24,26 fremde Stoffe.
––––––
100,00

3) Leim zu 13 Thaler der Centner. Hellgelb, klar durchsichtig, biegsam, leicht löslich.

2,325 Grm. gaben 0,235 Grm. Wasser = 10,10 Proc.

2,310 Grm. gaben 3,955 Grm. tanninsaures Glutin = 1,690 Grm. Glutin = 73,18 Proc.

10,10 Wasser,
73,18 Glutin,
16,72 fremde Stoffe.
––––––
100,00

4) Leim zu 18 Thaler der Centner. Heller als Nr. 3, klar durchsichtig, nur nach langem Kochen auflöslich.

2,040 Grm. gaben 0,250 Grm. Wasser = 12,25 Proc.

2,040 Grm. gaben 3,890 Grm. tanninsaures Glutin = 1,652 Grm. Glutin = 81,00 Proc.

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12,25 Wasser,
81,00 Glutin,
6,75 fremde Stoffe.
––––––
100,00

5) Leim zu 18 Thaler der Centner. Dunkelbraun, nur trübe durchscheinend, sehr fest und cohärent, schwer löslich.

2,300 Grm. gaben 0,275 Grm. Wasser = 11,95 Proc.

2,300 Grm. gaben 3,950 Grm. tanninsaures Glutin = 1,688 Glutin = 73,40 Proc.

11,95 Wasser,
73,40 Glutin,
14,65 fremde Stoffe.
––––––
100,00

6) Leim zu 18 Thaler der Centner. Dieser Leim war mit Bleiweiß versetzt, in Folge dessen er undurchsichtig war und von schmutzig weißer Farbe, außerdem sehr fest.

2,830 Grm. gaben 0,290 Grm. Wasser = 10,24 Proc. und 4,786 Grm. tanninsaures Glutin mit Bleiweiß = 169,10 Proc.

5,240 Grm. gaben 0,344 Grm Bleioxyd = 0,412 Bleiweiß = 7,86 Proc.

169,10 – 7,86 = 161,24 Proc. tanninsaures Glutin = 68,98 Proc. reines Glutin.

10,24 Wasser,
68,98 Glutin,
7,86 Bleiweiß,
12,92 fremde Stoffe.
––––––
100,00

7) Leim zu 18 Thaler der Centner. Diesem Leime war statt Bleiweiß chromsaures Bleioxyd (Chromgelb) zugemischt, er besaß in Folge dessen eine schöne gelbe Farbe.

Die Analyse gab:

10,45 Wasser,
8,09 chromsaures Bleioxyd,
68,07 Glutin,
13,39 fremde Stoffe.
–––––––
100,000

8) Leim zu 10 Thaler der Centner. Im Aeußern stimmte er mit den unter Nr. 1 und 2 untersuchten Sorten überein. Die Analyse gab:

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7,20 Wasser,
70,26 Glutin,
22,54 fremde Stoffe.
––––––
100,00

9) Leim zu 10 Thaler der Centner. Eine ähnliche Sorte, wie Nr. 8. Die Analyse gab:

6,27 Wasser,
71,65 Glutin,
22,08 fremde Stoffe.
––––––
100,00

Diese beiden letztern Leimsorten stammten aus einer andern Fabrik und sind zur Beurtheilung der Preiswürdigkeit der früheren ähnlichen Sorten untersucht worden.

10) Weißer Leim zu 16 Thaler der Centner. Dieser Leim wird hier unter dem Namen „Kölner Leim“ von auswärts zu dem oben angegebenen Preise bezogen; in der technischen Verwendung ertheilt man ihm einen kleinen Vorzug vor ähnlichen hier fabricirten Sorten. Die Untersuchung hatte ebenfalls nur den Zweck der Ermittelung der Preiswürdigkeit der hiesigen Sorten.

Die Analyse gab:

13,92 Wasser,
70,40 Glutin,
8,13 Bleiweiß,
7,55 fremde Stoffe.
––––––
100,00
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