Titel: Alban's Mittheilungen aus seinem Leben und Wirken als Maschinenbauer.
Autor: Alban, Ernst
Fundstelle: 1852, Band 126, Nr. XXIX. (S. 161–180)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj126/ar126029

XXIX. Mittheilungen aus meinem Leben und Wirken als Maschinenbauer; von Dr. Ernst Alban in Plau.

K. Fortsetzung der Mittheilungen über meine neuern Hochdruckdampfmaschinenkessel und meine neuesten Erfahrungen in Bezug auf sie und die dazu gehörigen Organe, sowie die darauf gegründeten Verbesserungen.

Ich schmeichle mir mit der Hoffnung, daß diese neuern Kessel das Interesse meiner Collegen und des gewerbetreibenden Publicums in dem Grade erregt haben dürften, daß Ihnen meine und Anderer Beobachtungen und Erfahrungen über ihre Erfolge willkommen seyn werden. Mir erscheinen solche Mittheilungen aber um so wichtiger, als die Brauchbarkeit und der Nutzen dieser Kessel für das praktische Leben so immer deutlicher hervortreten dürften, und meine in dieser Beziehung gehegten Hoffnungen, sowie die vollkommene Nichtigkeit meiner Berechnungen und Pläne bestätigt werden. Die größere und allgemeinere Verbreitung der Hochdruckmaschinen basirt hauptsächlich auf die immer größere Vollkommenheit, Sicherheit und Gefahrlosigkeit ihrer Kessel. Je näher man diesem Ziele tritt, umsomehr werden die bisherigen Vorurtheile gegen dieselben bei dem gewerbetreibenden Publicum schwinden, und der Sieg einer von mir dringend empfohlenen Angelegenheit dürfte immer mehr vorbereitet werden. Man wird sich von Jahr zu Jahr immer mehr überzeugen, daß dieser Gegenstand nicht bloß in die Kategorie der Lieblingsthemate bei mir gehört, sondern daß ich auch gute Gründe habe, demselben so unausgesetzt und mit solchem Eifer und so eiserner Beharrlichkeit das Wort zu reden. Es hat mir eine unendliche Genugthuung gewährt, daß auch andere Maschinenbauer in neuester Zeit diesen meinen Bemühungen so freundlich zu Hülfe kommen, und |162| ich bin ihnen dafür zu dem wärmsten Danke verpflichtet. Es fällt kein Baum auf einen Schlag der Art; je mehr gerüttelt wird an dem alten Schlendrian, an verjährten Vorurtheilen und Irrthümern, je mehr Kräfte sich die Hand dabei reichen und sich freundlich unterstützen, je mehr Unbefangenheit dabei waltet, je eher wird die gute Sache, von ihren Schlacken gereinigt, an das Tageslicht hervortreten. Wird doch so der Glaube immer mehr entfernt, als wenn der Erfinder in seiner Begeisterung für eine heilsame Sache übertreibe, in derselben zu sehr befangen sey, und dadurch verführt werde, von der Wahrheit abzuweichen, ja dieser Erfinder selbst in seinem Fortstreben höher gewürdigt und gerechtfertigt ist. So viel ich mich auch bemühe, den Boden der strengsten Wahrheit unter meinen Füßen zu behalten, so innig und warm ich auch durchdrungen bin von meiner guten und redlichen Absicht, alles zu vermeiden, was meine Mittheilungen über mein Wirken verdächtigen könnte, so wenig verkenne ich doch auch, daß ich nicht frei sey von menschlicher Schwäche bei meinem regen Eifer im Fortstreben und im Punkte der Ehre. Ich darf aber hoffentlich mir auch schmeicheln, meine freundlichen Leser dadurch beruhigt zu haben, daß ich die von mir begangenen Fehler und Mißgriffe immer offen aufdecke, und mit reinem und uneigennützigem Willen sie zu verbessern und gut zu machen mich bestrebe. Doch nun zur Sache.

Ich habe seit meinem letzten Berichte über meinen Kessel die Freude gehabt, wieder mehrere derselben, zum Theil größere (von 20 bis 30 Pferdekräften) aufzustellen und von andern Maschinenbauern aufgestellt zu sehen, die immer mehr die Zweckmäßigkeit des bei ihrem Baue befolgten Planes, und die Richtigkeit meiner Berechnungen, sowie endlich das denselben beigelegte Lob bestätigen. Möge es mir gelingen, diese Bestätigung meiner Collegen recht klar, umfassend und eindringlich vorzutragen. Soviel möglich sollen sie auch durch Zeugnisse derjenigen Maschinenbauer, die diese Kessel bereits bauen, und der Fabrikanten, die sie anwenden, belegt werden.

Ich will nach Anleitung meines frühern Aufsatzes (polytechnisches Journal Bd. CXV S. 321) und ungefähr in der dort befolgten Ordnung die verschiedenen Beobachtungen und Erfahrungen, die seit 1 1/2 Jahren wieder an denselben gemacht sind, der Reihe nach und in verschiedenen Nummern zusammengestellt vortragen.

I. Die Kessel bewähren sich immer mehr hinsichtlich ihres geringen Brennmaterialverbrauchs und der vortheilhaften Verwendung der in ihrem Ofen entwickelten Hitze. Dieser Satz ist nicht besser als durch |163| diejenige Erfahrung bestätigt, daß die neuen Kessel bei einer und derselben Maschine an die Stelle der frühern tretend, weit weniger Brennmaterial als diese bei gleicher Kraft der Maschine verbrauchen. In meinem größern Werke über Hochdruckdampfmaschinen habe ich zu verschiedenen Malen meine Zweifel ausgedrückt, daß ein solches Resultat in dem Maaße erreicht werden könne, als es jetzt vor mir liegt, und angenommen, daß die Verbesserung der Dampfmaschinen überhaupt nicht von einer immer größern Vollkommenheit der Kessel zu erwarten sey; es sind mir nun aber doch schon mehr Fälle vorgekommen, wo in Absicht auf die erzielte Brennmaterialersparung eine zweck- und naturgemäße Bauart der Kessel den Ausschlag gab, und mit jeder neuen Dampfmaschine, die ich errichtete, scheinen sich diese Fälle eher vermehren als vermindern zu wollen. Die Gründe für diese Erscheinung habe ich, wie ich hoffe, in meinen letzten Mittheilungen über meine neuern Kessel so ziemlich erschöpfend angegeben, ja sie sind schon in meinem Hauptwerke S. 48 ff. bei Nr. II meiner Kessel deutlich genug dargelegt. Hier will ich jetzt einiger Fälle aus meiner späteren Praxis gedenken, die entscheidend für diesen Gegenstand werden dürften. Wenn verschiedene Fälle in Absicht auf diese Materie nicht ganz gleiche Erfolge gaben, so war auf dem jetzigen Standpunkte der Sache zwar noch nicht die Ursache dieser Erscheinung allemal zu ermitteln, jedoch fanden sich immer genug Fingerzeige, die in der Folge auf die Wahrheit führen, und mehr Sicherheit in die Berechnungen der Kessel bringen dürften, und die ich später anzudeuten nicht versäumen werde.

Ein Beispiel von der Brennmaterialersparung meiner jetzigen neuern Kessel gegen meine frühern mit Nr. I meines Hauptwerkes bezeichneten habe ich schon in der letzten Abhandlung über diesen Gegenstand24) vorgeführt, und zwar an dem Kessel meines Etablissements; hier will ich jetzt noch auf ein anderes, noch überzeugenderes, aus meiner jüngsten Praxis den Leser aufmerksam machen.

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In der Walk-, Spinn- und Appretiranstalt in Malchow bestand an der dort arbeitenden und von mir erbauten Dampfmaschine von 20 Pferdekräften ein Kessel nach dem Principe von Nr. II meines Hauptwerkes gebaut, jedoch mit weitern, nämlich 10 Zoll im Durchmesser haltenden Entwicklungsröhren in der Weise ausgerüstet, wie ich es in diesem Journale Bd. CXI S. 174 näher bezeichnet habe. Der Kessel hatte bei kurz nach der Aufstellung der Maschine entstandenem Brandunglücke, wobei das ganze Etablissement in Flammen aufging, sehr gelitten, arbeitete aber dennoch 7 Jahre fast Tag und Nacht zur Zufriedenheit des Besitzers, als im letzten Spätherbst eine der 3/16 Zoll starken, von Blech zusammengenieteten Siedröhren desselben zersprang25) wobei zwar der Ofen bedeutend beschädigt wurde, aber das Gebäude der Fabrik durchaus unversehrt blieb und kein Mensch verletzt oder gar getödtet wurde. Der Besitzer wandte sich nun wegen eines neuen Kessels an mich, den ich ihm auch zu Anfang vorigen Jahres aufstellen ließ. Dieser Kessel hatte zwar an seinen Siedröhren gegen 40 Quadratfuß Feuerberührungsfläche mehr als der frühere, seine Rostfläche war aber um den vierten Theil kleiner und der Heizraum enger als bei dem ersten Kessel. Dessenungeachtet liefert dieser neuere Kessel hinreichend Dampf für die Maschine bei einem à Tag beinahe um die Hälfte verminderten Brennmaterialverbrauche (es wird Torf der früher gebrauchten Sorte angewandt), so daß bei den dortigen Preisen der angewandten Torfsorte26) nach der Versicherung des Besitzers die Ersparung an Brennmaterial |165| mit Hinsicht auf den frühern Brennmaterialverbrauch beinahe 1 1/2 Rthlr. pro Tag beträgt. Daß die Sache sich wirklich so verhalte, möge das jetzt folgende Zeugniß, von dem Besitzer ausgestellt, bewahrheiten.

Zeugniß.

Ich bezeuge hierdurch dem Hrn. Dr. Alban in Plau, daß derjenige Dampfkessel, den er vor ungefähr dreiviertel Jahren in meinem Etablissement für die in demselben früher von ihm aufgestellte Hochdruckmaschine von 20 Pferdekräften neu errichtet hat, so viel Brennmaterial gegen den früher bestehenden, und auch von ihm erbauten Kessel erspare, daß diese Ersparung bei gleicher Torfgattung und Anwendung gleicher Kraft der Maschine nach den hier üblichen Torfpreisen pro Tag gegen 1 1/2 Rthlr. beträgt. Ich gebrauche jetzt nämlich in 12 täglichen Arbeitsstunden nur 2700 bis 3000 Soden Torf, während ich früher gegen 5000 anwenden mußte, um dasselbe Resultat für mein Etablissement zu erzielen.

Malchow, den 8. Juli 1851.

Johann Hallwachs,
Fabrikant.

Dieser Kessel hat 90 zwei Zoll im Durchmesser haltende und in zwölf Reihen über einander liegende Siedröhren, jede von 6 Fuß 2 Zoll Länge und zwei Recipienten von 20 Zoll äußerm Durchmesser, und eine Rostfläche von 5 Fuß Länge und 24 Zoll Breite. Er nimmt mit seinem Ofen nur einen Raum von 5 Fuß Breite, 7 Fuß 3 Zoll Länge und 8 Fuß Höhe ein. Der Cylinder der Maschine hat 11 Zoll Durchmesser im Lichten und der Hub 2 1/2 Fuß Länge. Die Maschine macht 50 Umgänge in der Minute.

Wenn nun gleich zugegeben werden muß, daß durch die Reparatur der zu diesem Kessel gehörigen Dampfmaschine und ihre Ausrüstung mit einem Metallkolben von neuer Construction gegen den früher bestehenden Hanfkolben zum Theil dieses günstige Resultat herbeigeführt seyn könne, so ist doch nicht glaublich, daß darauf so viel Gewicht zu legen sey, um diese außerordentliche Ersparung an Brennmaterial hinreichend zu erklären.

Der Kessel der Revallenser Maschine, dessen ich schon früher Erwähnung that, gab zwar nicht dieselben glänzenden Resultate, indessen waren selbige auch noch sehr befriedigend. Es wirkt bei demselben eine |166| Menge widriger Umstände ein, die eine genaue Schätzung seines wirklichen Effectes unmöglich machten. Es waren dieses folgende:

  • a) Er wurde mit einer sehr schieferigen Kohle geheizt, die trotz alles Schürens alle 3 oder 4 Stunden den Rost so verlegte, daß der ganze Herd davon gereinigt werden mußte. Unter solchen Umständen konnten die Resultate nur schwankend ausfallen, weil die Hitzeentwicklung der Kohlen auf dem Roste zu veränderlich war, um eine genaue Abschätzung zu erlauben. Nach meiner Abreise sind Kohlen angewandt, deren Erfolg ich aber nicht selbst beobachtet habe. Indessen schrieb mir Hr. Eggers, der Besitzer der Maschine, daß die Maschine später sehr befriedigende Resultate gegeben habe, indem sie 22–24 Holländer klein gemahlener Lumpen in 24 Stunden abgeliefert habe. (4 Holländer wurden durch die Maschine betrieben, 2 Ganz- und 2 Halbzeugholländer, in denen, und zwar in jedem, über 100 Pfd. Lumpen eingetragen wurden, die indessen allerdings schon ein wenig vorgerissen waren.)
  • b) Die Nutzlast war für die Maschine während des ersten Betriebes derselben zu groß. Die Holländer zeigten sich nämlich während meiner Gegenwart in Reval bei den ersten Versuchen noch nicht in Ordnung, hatten zu scharfe Scheren, arbeiteten zu schreiend, und die Wellen der Walzen klemmten sich dermaßen in den Lagern, daß sie bei der stärksten Schmiere immer sehr heiß und trocken gingen. Diese Lager waren in einer dortigen Eisengießerei verfertigt und aptirt, und die Arbeiter hatten dabei wohl zu oberflächlich verfahren.27)
  • c) Die Halb- und Ganzzeugholländer waren von ungewöhnlich großen Dimensionen, erstere hatten zu viel Schienen in der Walze sowohl als in der Platte (in ersterer 51 und in der Platte 17 Schienen), und wurden zu geschwind betrieben, indem sie 180 bis 200 Umgänge in der Minute machten.
  • |167| d) Die vermahlenen Lumpen waren zuerst von einer sehr zähen Sorte, später sollen die mit Gas gebleichten viel leichter zu bearbeiten gewesen seyn.
  • e) Es wurde in die Holländer ungeheuer stark eingetragen.
  • f) Das mit an die Maschine gehängte große Wasserpumpwerk hatte zu große Dimensionen, und die Treibhöhe für das Wasser war unnöthigerweise bis auf 30 Fuß ausgedehnt.
  • g) Die Holländer gingen sämmtlich mit Riemen, was ihren Betrieb etwas erschwert, und wurden sie oft zu stark auf die Platten niedergeschroben – eine üble Angewohnheit so mancher Papiermacher.28)
  • h) Das ganze Werk mit der Dampfmaschine war zur Zeit der Versuche damit noch nicht ganz eingelaufen, und die Maschine zeigte hie und da noch Mängel, wie es denn bei jeder Dampfmaschine anfangs gewöhnlich der Fall ist, namentlich brachen die Federn am Metallkolben mehreremale, und es ging noch Dampf durch Undichtheiten an den kupfernen Röhrenleitungen und der Maschine verloren, auch hatte der Metallkolben sich noch nicht gehörig dicht eingearbeitet.
  • i) Die Heizer waren durchaus völlig roh und unerfahren, verstanden das schwierige Heizen mit Steinkohlen, namentlich dieser schlechtern Kohlensorte, gar nicht.

Durch alle diese Umstände wurde die Maschine anfangs gezwungen, ungewöhnliche Widerstände zu überwinden, die später zum Theile beseitigt worden sind, und daher kam es denn, daß wir häufig mit 10 Atmosphären Dampfdruck und halber Cylinderfüllung arbeiten mußten, um die nöthige Kraft hervorzubringen; eine solche Uebertreibung kann aber für den Effect des Kessels nicht günstig seyn. Nach der Berechnung brauchte der Kessel, mit der obengenannten schlechtem Sorte Kohlen geheizt, für die Pferdekraft im Mittel 6 Pfd. jener Kohlen, die Kraft der Maschine nur zu der von 24 Pferden angenommen, obgleich sie auf beinahe 32 berechnet war, und bei 10 Atmosphären Druck und halber Füllung des Cylinders mit Dämpfen von beinahe 40 Pferdekräften arbeitete.

Der Kessel hat 102 zwei Zoll im Durchmesser haltende Siedröhren von 6 Fuß 2 Zoll Länge und zwei Recipienten von 18 Zoll Durchmesser |168| und 9 Fuß Länge. Die Röhren liegen in zwölf Reihen übereinander, und die Größe der Rostfläche betrug noch nicht volle 12 Quadratfuß.

Die Maschine ist ganz in der Form gebaut, wie diejenige, die ich in diesem Journale Bd. CXIII S. 322 beschrieben und abgebildet habe, also nach Art der in meinem Hauptwerke empfohlenen Normalmaschine. Ihr Cylinder hat 12 5/8 Zoll lichten Durchmesser und ihr Kolben 2 1/2 Fuß Hub. Die Anzahl der Umgänge in der Minute beträgt 52 bis 58. Sie setzt durch eine große an einer Verlängerung der Schwungradwelle befestigte Riementrommel von 10 Fuß Durchmesser die vier Holländer und den Mechanismus für die Pumpe mittelst Riemenrädern von 3 Fuß Durchmesser in Bewegung.

Wenn man die Wirkung der Maschine mit dem Verbrauche ihres Kessels an Kohlen einer schlechtern Sorte vergleicht und bedenkt, wie selten andere Maschinen diesen Effect erreichen, so muß man mir beipflichten, daß auch hier die Leistung des Kessels eine nicht ganz gewöhnliche genannt zu werden verdiene, wenigstens mit Hinblick auf die bisherigen Leistungen dieser Art Kessel im Allgemeinen. Auch hat mir Hr. Eggers in seinen Briefen zu verschiedenenmalen seine Zufriedenheit unverholen ausgesprochen, und ein Schreiben, welches ich später aus Kaluga in Rußland erhielt von einem Mann, der von da zur Besichtigung und Prüfung meiner Revallenser Maschine, die in Rußland schon Aufmerksamkeit erregt hatte, und zwar von Kalugaer und Moskauer Fabrikanten, gesendet war, trug mir ein Geschäft an, für diese Fabrikanten künftig Dampfkessel und Dampfmaschinen zu bauen.29)

Die Vortheile eines meiner neuern Kessel, den ich nach Warschau zum Betriebe einer schon bestehenden Dampfmaschine lieferte, die vier Mahlgänge zu betreiben hat und einem Hrn. Major Popow gehört, treten trotz später zu beschreibender und theils von schlechtem Speisewasser, theils von Mängeln an der Maschine herrührender Calamitäten doch in dem Maaße in die Augen, und Hr. Popow ist vom Anfange an von der endlichen Abhülfe letzterer so überzeugt gewesen, daß er unverdrossen die vorhandenen Hindernisse zu besiegen bemüht war, und dabei keine Kosten scheute, möglichst bald zu einem glücklichen Ziele zu gelangen. Ich kann diesem Manne und dem Maschinenbauer Hrn. D. Graf, der den Kessel für Hrn. Popow bei mir bestellte, |169| nicht genug Dank darbringen für die große Beharrlichkeit, die sie in Verfolgung dieses Zieles bewiesen haben. Sie haben durch diese meinen Kesseln und den Vortheilen ihres Princips ein so gutes Wort geredet, daß nun schon die Bestellung auf zwei andere Kessel der Art von Warschau bei mir eingegangen ist. Späterhin werde ich auf den Warschauer Kessel wieder näher zurückkommen, und von den vorgefundenen Calamitäten ausführlicher sprechen. Da bei dem Kessel der ganze Druck von 8 Atmosphären aus dem Grunde nicht angewandt wurde, weil die Maschine für die Anwendung einer solchen Kraft nicht stark genug gebaut war, so konnte die Ersparung an Brennmaterial nicht höher als auf 15 bis 20 Procent gegen den frühern Betrieb getrieben werden.

Außer diesen von mir in letzter Zeit verfertigten Kesseln dieser Art hat Hr. Dr. Lüders auf dem Mägdesprung (am Harze) zwei davon zugleich mit den dazu gehörigen Maschinen angefertigt, welche letztere auch nach meinem Principe betrieben werden, und zur Wasserförderung an Braunkohlenschachten dienen. Die erste hat nur 1030), die andere 30 Pferdekräfte.31) Beide sind bereits in Gang Gesetzt, und haben wegen ihrer Brennmaterialersparung am Harz jetzt schon einiges Aufsehen gemacht, obgleich beide noch nicht mit der Gesetzlichen Anzahl von Pumpen wirken, indem die Schachte noch nicht vollendet sind. Hr. Dr. Lüders ist indessen nach seiner mündlichen Aeußerung gegen mich nicht allein vollkommen überzeugt worden, daß alle von mir gerühmten Vortheile meiner neuern Kessel und Maschinen sich in Wahrheit vollkommen bestätigen dürften, sondern daß auch meine Kessel bei ihrer Anfertigung bedeutend weniger Zeit und Arbeit erfordern, als die gewöhnlichen cylindrischen Kessel mit und ohne Siedröhren. Er hat dieß in Briefen früher schon an mich mehreremale unumwunden ausgesprochen, und mich versichert, daß er künftig immer meine Hochdruckmaschinen bauen und anwenden wolle.

Nachdem beide Maschinen einige Zeit in regelmäßigem Betrieb waren, werde ich darüber berichten.

Es sind jetzt wieder mehrere Kessel nach diesem Systeme bei mir in Arbeit, zwei von 4 und 10 Pferdekräften nach Warschau und Constantinow, einer von 10 bis 12 Pferdekräften nach Schwerin für das großherzogliche Schloß, zu welchem letzterm ich auch eine Wasserhebungsmaschine |170| baue, welche die in dem großherzoglichen neuen Schlosse anzulegenden und in vier Thürmen desselben aufzustellenden Reservoirs mit Wasser versorgen soll, und das Wasser 150' hoch zu gewältigen hat, und endlich einen nach Dorf Schwerin von 5 Pferdekräften für eine Dampfrieselungsmaschine. Da jene Maschine von sehr einfacher Construction ist, und einige ganz neue werthvolle und einem lange bei Wasserförderungsmaschinen gefühlten Bedürfniß abhelfende Einrichtungen enthält, so werde ich sie nächstens in diesem Journale beschreiben und abbilden, um sie meinen Collegen zur freundlichen Berücksichtigung zu empfehlen.

Man wird es mir hoffentlich nicht verargen, wenn ich in der Zukunft fortfahre, noch mehr günstige Resultate von diesen Kesseln in Absicht auf meine Ansichten über die zweckmäßigste Mittheilung der Hitze eines Ofens an dessen Kessel, um die möglichst vollkommene Absorption der Hitze zu erzielen, zu veröffentlichen, damit meine Ansichten und Ueberzeugungen nicht länger als unreife und hinter dem grünen Tisch geborne Speculationen ohne Hoffnung auf reellen Erfolg betrachtet, und meine deßhalb gemachten Vorschläge zur speciellen Ausführung dieser wichtigen Organe für eine Hochdruckmaschine als utopische Tendenzen angesehen werden.32) Wird mancher nach der Lesung dieser Zeilen doch sich vielleicht gedrungen fühlen, frühere unreife und gehässige Urtheile über meine Bemühungen, das Hochdruckdampfmaschinenprincip wahrhaft zu verbessern, und so eingänglicher für das Leben zu machen, zurückzunehmen, d.h. wenn er nicht zu eitel ist, zu der entgegengesetzten Meinung überzugehen. Und dieß ist ja gerade mein heißester und uneigennützigster Wunsch, dieß das Ziel aller meiner beharrlichen Bestrebungen, dieß der fortwährende lautere Drang eines vielleicht bald scheidenden Herzens.

II. Ich gehe nun zum zweiten so oft bezweifelten Punkte in Absicht auf die Anwendbarkeit meiner neuern Kessel über, indem ich aus den neuesten Beobachtungen und Erfahrungen die Frage zu beantworten suchen werde, ob dieselbe auch hinsichtlich ihrer Dauerhaftigkeit empfehlbar genannt zu werden verdiene. Seit Schreibung meines letzten Aufsatzes, der diesen Punkt einer genauen Würdigung unterzog, sind wieder bereits 2 1/2 Jahre verflossen, und noch sind keine Makel in dieser Beziehung |171| an irgend einem meiner hier gemeinten Kessel zu entdecken gewesen. Unser Dampfschiffkessel, als der erste und älteste dieser Kessel, ist 42 Monate und länger in Thätigkeit gewesen33), und befindet sich nach dieser Zeit in einem so ungetrübten Zustande, daß selbst an seinen dünnwandigen Entwicklungsröhren wenig Abnutzung bemerkbar ist, und die Röhren noch eine längere Dauer versprechen, obgleich die Ruhe der Wintermonate und die darin eintretende Oxydation des Metalles zur Destruction desselben gewiß sehr thätig gewesen ist. Ist, wie ich schon früher einmal zu berichten Gelegenheit hatte, irgend ein Entwicklungsrohr gesprungen, so fand dieser Unfall nur nach einer Verstopfung des Rohres statt, deren Ursachen sowohl bei unserm Schiffskessel offen dargelegt sind, als bei dem Warschauer Kessel später mitgetheilt werden sollen, und die durchaus kein Element in sich enthalten, welches bei Anwendung meiner Kessel irgend beschränkend auftreten könnte, auch solche Umstände, als, wie wir weiter unten hören werden, beim Warschauer Kessel obwalten, selbst bei den Kesseln gewöhnlicher Construction ein großes Hinderniß für ihre Anwendung darbieten. Nie hat sich an meinen Kesseln irgend ein Umstand an den Herzen oder Recipienten gezeigt, der eine geringe Dauerhaftigkeit von ihrer Seite verkündete. Der Kessel in unserer Tuchfabrik hier, sowie andere Kessel, die früher nach dem Principe Nr. II meines Hauptwerkes gebaut wurden, und bei den Herzen und Recipienten ganz den Bau der bei den jetzigen Kesseln angewandten haben, und zum Theil schon 9 bis 11 Jahre arbeiten, dürften hier vielmehr alle mögliche Garantien aufstellen. Welcher Röhrenkessel neuerer Zeit, namentlich welcher von denen, die in England versucht und angewandt, und mit so engen Röhren als die meinigen versehen sind, könnten in dieser Beziehung mit meinem neuern Kessel in einen |172| Rang treten? In wie kurzer Zeit sind die Röhrenkessel eines Dance 34), Ogle und Summers 35), Gurney 36) etc. zerstört worden, und wie richtig habe ich Ihnen in diesem Journale Bd. XXIX S. 1 gleich bei ihrer Entstehung ihren baldigen Untergang, auf wissenschaftliche Gründe und Erfahrungen aus meiner frühern Praxis gestützt, vorhergesagt; wie hat sich alles das, was ich beim Bau von Röhrenkesseln als leitende Umstände für die Sicherheit und naturgemäße Construction angab, bisher als buchstäblich richtig erwiesen! Würden dünne Entwicklungsröhren von 1/12 Zoll Metallstärke 6 bis 7 Jahre der Einwirkung des fast gebläseartig angefachten Feuers widerstehen und sich nach dieser Zeit noch als trefflich erhalten zeigen, wenn ihre Stellung und Anordnung ihnen nicht eine vollkommen sichere Füllung und Speisung mit Wasser garantirte? Hat sich doch gezeigt, daß bei einer durch vernachlässigte Reinigung verursachten Verstopfung ihre Dauer sich kaum auf einen Tag ausdehnte. Habe ich doch die Recipienten des alten Malchower Kessels getrost wieder bei dem neuen Kessel verwenden können, weil sie bei genauer Untersuchung nach einem siebenjährigen fast Tag und Nacht dauernden Gebrauche sich als völlig sicher und gefahrlos darstellten. Sind doch stets alle Herzen meiner frühern Kessel (Nr. II meines Hauptwerkes) nach langjährigem Gebrauche in einem solchen Zustande vorgefunden, daß sie eine noch fünf- bis sechsmal so lange Dauer garantiren. Werden aber endlich Theile meiner Kessel zerstört, so hat sich gezeigt, daß es nur immer einzelne und geringfügige waren, die mit Leichtigkeit und Bequemlichkeit wieder hergestellt werden konnten, ohne den übrigen Kessel zu turbiren und unbrauchbar zu machen. Platzt endlich ein Theil, so war das Zerreißen desselben mit wenig Gefahr und gar keinem Nachtheile für die übrigen Organe des Kessels verbunden. Er wurde bald und ohne Mühe ersetzt, wie ich früher schon mit völlig sicherm Vorgefühl vorhergesagt habe.

III. Wenn auch bei meinen frühern Hochdruckmaschinenkesseln, z.B. Nr. I meines Hauptwerkes, noch hohe Schornsteine als einigermaßen nützlich anzunehmen und deßhalb entschuldbar sind, so haben sie doch |173| bei meinen neuesten Kesseln sich als völlig unnöthig erwiesen, wenn nicht andere Umstände vorwalten sie zu empfehlen, z.B. da, wo der Rauch und der oft umherfliegende Ruß, namentlich bei Steinkohlenfeuerung, die Nachbarschaft belästigt oder schädlich auf gewisse Fabricationen oder deren Producte einwirkt. Ich will hier nur an Papierfabriken erinnern, in welchen das Papier dadurch leicht geschwärzt und fleckig wird, oder an Dampfschiffe, auf welchen die Kleidungsstücke der auf dem Decke verweilenden Passagiere oft sehr unangenehm verunreinigt werden. In meinem Hauptwerke habe ich den Mißbrauch, der in neuerer Zeit vielfältig mit der Höhe der Schornsteine, selbst da, wo jene Umstände wegfallen, getrieben wird, schon scharf gerügt, und sie in solchen Fällen als eine wahre Brandschatzung für die Besitzer der Dampfmaschinen, vorzüglich solcher von kleinerer Gattung geschildert, indem der Bau des Schornsteins oft mehr Kosten als die Anschaffung der Dampfmaschine selbst verursacht.37) Bei der Dampfmaschine meines Etablissements ist der Schornstein nur 19 Fuß hoch, und hat einen vortrefflichen Zug, obgleich ihn mehrere Theile meines Fabrikgebäudes noch hoch überragen. Der Schornstein des Malchower Kessels ist nur höchstens 36 Fuß hoch, und diese Höhe wurde nur aus Rücksichten für das Fabrikgebäude und |174| das in und neben demselben betriebene Geschäft nöthig, da es nämlich verlangt wird, gleich neben dem Kesselgebäude Trockenrähme für das Tuch anzulegen. Der Zug dieses Schornsteins ist dabei wahrhaft dröhnend. Ich bin völlig überzeugt, daß meine neuen Kessel auch ohne jeglichen Schornstein einen genügenden Zug haben würden, wenn diese Einrichtung nur auszuführen wäre. In Reval habe ich, so wie hier in der hiesigen Tuchfabrik, einen alten vorhandenen gar nicht hohen und (in Reval) weit vom Kessel (wenigstens 40 Fuß) liegenden Schornstein mit dem größten Erfolge benutzt. Auf dem hiesigen Dampfschiffe ist der eiserne Schornstein nur 14 Fuß hoch, und der frühere Kessel mit natürlichem Zuge (siehe dieses Journal Bd. CIX S. 182) hatte einen wahrhaft dröhnenden Zug. Hrn. Bialon's erste in Berlin arbeitende und nach meinem Princip gebaute Dampfmaschine hat einen Schornstein von nicht viel über 30 Fuß Höhe, und er ist auf allen Seiten von höhern Gebäuden umgeben. Ueberhaupt ist mir unbegreiflich, wie manche, und ich kann wohl sagen die meisten ältern und neuern Techniker auf die Idee gekommen sind, hohe Schornsteine bei Dampfkesseln für durchaus nothwendig zu halten. Ich habe mir manches bei unserm alten Dampfmaschinenschlendrian erklären können, aber dieses nie. Außer den oben angebenen Umständen sehe ich auch nicht einen einzigen Grund für diese Uebertreibung. Selbst bei vielen horizontalen Zügen eines Ofens ist er unnöthig, wie mein Wehrendorfer Kessel mit 12 Fuß und mein Crakower mit 14 Fuß hohem Schornsteine beweisen. Und angenommen, zur Hervorbringung eines lebhaften Zuges unter Dampfkesseln seyen hohe Schornsteine nothwendig, wozu überhaupt einen so sehr lebhaften Zug? Derselbe ist selbst bei höherm Druck viel entbehrlicher als die meisten Mechaniker glauben. Ein ruhigeres Feuer ist völlig hinreichend und schont die Bleche und Röhren der Kessel ungemein. Aber da hat man wieder die alte Anglomanie, die deutsche Nachbeterei! Ach daß wir Deutschen doch einmal auf eigenen Füßen gehen lernten! Daß doch einmal ein Deutscher dem andern Vertrauen schenkte! Aber ein niedrigerer Schornstein wäre nun vollends nach den jetzigen Zeitbegriffen zu reactionär, hätte so etwas Kriechendes, Unterthäniges, Serviles, und jetzt ist die Losung recht hoch zu stehen und sich breit zu machen, wäre es auch nur, um über das Proletariat zu herrschen und dieses zu verdutzen. Das Niedrigere steht aber sicherer und festerer als das Hohe, und das in bescheidener Stille wirkende trägt meistens den Sieg davon. Streben doch viele nur hoch, um, wie der hohe Schornstein, mehr Zug (Wind) und Dröhnen zu machen.

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IV. Ich muß hier noch einen Punkt bei meinem neuern Kessel hervorheben, den ich schon als in völliger Ordnung betrachtete, und von dieser Seite gar nicht mehr gefährdet glaubte. Dieser Punkt betrifft eine leichte, bequeme und vollständige Reinigung desselben vom Kesselstein. So manche Kessel nach diesem Principe auch schon im Gange sind, so lange sie zum Theil auch schon arbeiten, so ist die Anhäufung von Kesselstein in denselben, selbst bei hartem Wasser, immer unbedeutend gewesen, und eine alle 14 Tage vorgenommene Reinigung derselben war stets hinreichend, sie vollkommen davon zu befreien. Auch erforderte diese Reinigung sehr wenige Mühe und Zeit, da der Kesselstein theils nicht in größern beunruhigenden Massen erschien, theils immer locker genug blieb, um ihn leicht zu entfernen.38) Ein anderes war es bei dem oben schon angeführten Warschauer Kessel, und es dürfte umsomehr Pflicht seyn, hier ein offenes Wort zu reden, als dieser Kessel, der ganz vorzüglich in der Ausführung gelungen war, ein Heer von Schwierigkeiten bei seiner ersten Anwendung dadurch herbeigeführt hat, daß bei demselben ein sehr schlechtes und völlig untaugliches Speisewasser angewandt werden mußte. Bei Einführung neuer Erfindungen ins praktische Leben ist es nämlich von großer Wichtigkeit, ihre Schattenseiten freimüthig aufzudecken und Mittel und Wege anzugeben, wodurch man ihrer schädlichen Einwirkung für die Zukunft möglicherweise enthoben werden könne.

Ich habe, wie schon bemerkt wurde, vor der Lieferung dieses Kessels bereits andere aufgestellt und in Betrieb Gesetzt, die mit hartem Wasser gespeiset wurden, und zwar mit so hartem Wasser, daß diejenigen Kessel gewöhnlicher Construction, die vor den meinigen in Thätigkeit und von bisher üblichen Formen waren, sehr oft (alle 14 Tage) gereinigt werden mußten, und dann mit einer so starken und harten Kruste belegt waren, daß diese nur dem Hammer und Meißel wich. In solchen Kesseln hatte sich indessen in den Recipienten und Herzen und den Verbindungsröhren zwischen beiden nur immer eine Kruste gezeigt, die ganz lockerer Natur war39), zum Theil mit den Händen abgebrochen, oder doch wenistens mit einem Schaber oder Klopfer40) leicht beseitigt werden |176| konnte. Sie sprang bei Anwendung vorzüglich des letzten Instrumentes immer schon leicht ab, und die Fläche des Metalles erschien dann rein. In den Entwicklungsröhren wurde nur immer ein leichter staubiger Anflug von Concrementen gefunden, der mit einem Wischer entfernt werden konnte, oder höchstens nur kleine, gar nicht an den Wänden der Röhren anhängende Blättchen, die sehr leicht zu entfernen waren, wie a. a. O. bemerkt ist.

Man wird hier aber inne werden, daß einige Erfahrungen immer noch nicht hinreichen, die praktische Anwendbarkeit einer Erfindung für alle Fälle zu attestiren, sondern daß immer noch Fälle denkbar sind, die bisher nicht geahnte Hindernisse heraufbeschwören, und hier besondere Maßregeln zur Abwehr nöthig machen. Wer dürfte aber solche Vorkommenheiten meinen Kesseln zum gerechten Vorwurfe machen können? Haben wir nicht dasselbe auch bei andern bekannten und allgemein eingeführten Kesselconstructionen erlebt, und kommen sie nicht alle Tage bei den so beliebten Locomotivkesseln vor, bei denen, wie leicht einzusehen ist, doch eine Reinigung viel größere Schwierigkeiten hat, als bei meinen Kesseln, in welche man allenthalben ungehindert gelangen kann? Wären übrigens auch gar keine Mittel denkbar, solchen schwierigen Umständen zu begegnen, wenn sie eintreten, oder sollten sie in vielen, ja in den meisten Fällen von vorne herein nicht ganz vermieden werden können? Ich zweifle keinen Augenblick daran, und werde weiter unten noch einige Vorschläge zur Verhütung oder Abhülfe des Uebels angeben. Hatte der vor meinem Kessel in Warschau bestandene Kessel (ein Cylinder mit 2 Siedröhren unter demselben nach Art der im Elsaß viel gebrauchten Kessel) doch auch schon nach sechsjährigem Gebrauche entfernt werden müssen, weil er dem schlechten Speisewasser erlag, war dann wenigstens doch eine bedeutende Reparatur an ihm nöthig gewesen, bevor er zu einem andern Zweck wieder brauchbar wurde.

Mein Kessel in Warschau war durch einen dortigen Maschinenbauer, Hrn. D. Graf, aufgestellt worden, und ich erhielt Nachricht, daß er keine Dampfspannung halte, sondern daß diese nach kurzem Gange der Maschine von 6 bis auf 1 Atmosphäre sinke. Man bat mich, jemand zu schicken, der die Sache in Untersuchung zöge. Ich war eben erkrankt als die Nachricht kam, und sandte deßhalb meinen Constructeur Lüders, den Sohn des oben oft genannten Hrn. Dr. Lüders zu Mägdesprung, einen einsichtsvollen, und mein ganzes Vertrauen besitzenden jungen Mann, hinüber. Dieser beseitigte einige |177| Mängel am Ofen und hatte darnach sogleich die Freude, den Kessel nun eine Spannung von 4 bis 6 Atmosphären41) halten zu sehen. Da er fand, daß die Maschine, die ohne Expansion arbeitete, eine große Dampfverschwendung verursachte, und daß die Speisepumpe ein viel zu großes Quantum Wasser in den Kessel fördere, so machte er den Vorschlag, die Maschine auf Expansion einzurichten und der Speisepumpe geringere Dimensionen zu geben, und dieser wurde angenommen.42)

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Er war um so mehr überzeugt, daß dieser Vorschlag noch eine günstigere Wirkung hervorbringen würde, als er sich eben auch am Malchower Kessel überzeugt hatte, daß derselbe bei zweckmäßiger Einrichtung der Maschine reichlich die Kraft von 20 Pferden und diese Kraft mit einer sehr geringen Torffeuerung hervorbringe, während unter dem Warschauer Kessel Kieferholz gebrannnt wird, welches dem Gewichte nach noch eine intensivere Hitze als Torf erzeugt. Die vorgenommene Veränderung der Maschine war auch von den besten Resultaten begleitet, indem später eine Dampfspannung von 8 Atmosphären zu halten war.

Als Hr. Lüders nach Veränderung des Ofens den Kessel wieder in Thätigkeit setzen ließ, wurde seine Freude darüber bedeutend durch die Bemerkung getrübt, daß aus den Fugen desselben, selbst bei solchen, die bei allen meinen übrigen Kesseln stets mit Leichtigkeit dicht hergestellt und erhalten werden, ja sogar, was sehr selten ist, bei manchen Nieten Wasser ausschwitze, das gleich beim Heraustreten aus den Fugen Krystalle zu bilden anfing, die das Ansehen von Flaumenfedern hatten, indem sie in kleinen baumartigen Gruppen in der Gestalt von Schimmel anschossen. Bei Oeffnung des Kessels war dieser nach 14tägigem, Tag und Nacht andauerndem Gebrauche mit Niederschlägen sehr angefüllt, und zwar in dem Maaße, daß die Röhren zum großen Theil davon ausgefüllt erschienen, und zwar einen Theils von Stücken desselben, die wahrscheinlich in den Recipienten und Herzen sich gelöset hatten und durch die Strömung in die Röhren geführt waren, andern Theils von |179| leicht beweglichem erdigem Schlamm, welcher die Röhren beinahe halb ausfüllte. Hr. Lüders überzeugte sich später bald, daß diese Niederschläge zwar locker erschienen, und leicht weggenommen werden konnten, aber doch immer in so kurzer Zeit und auf so beunruhigende Weise entstanden, daß ein öfteres alle 8 Tage stattfindendes Reinigen statt des bisher nur alle 14 Tage vorgenommenen durchaus anzurathen war. Hr. Lüders suchte nun noch andere Mittel neben dem öftern Reinigen vorzuschlagen, die indessen nur zum Theil ausgeführt werden konnten, sicherlich aber, wenn alle nach Möglichkeit ausgeführt worden wären, von sehr günstigem Erfolge begleitet gewesen wären. Diese Mittel waren folgende:

  • 1) Er ließ öfters Wasser aus dem Kessel ausblasen, um theils den Sättigungspunkt der im Wasser aufgelösten Niederschläge zu verzögern, theils diese Niederschläge nach ihrer Bildung und während sie im Wasser sich noch schwimmend erhalten, immer abzuführen. Dieses Mittel hatte bedeutenden Erfolg.
  • 2) Er ließ den aus der Maschine blasenden Dampf in ein großes Gefäß übertreten, in welchem sich ein Theil desselben verdichtete, und so als gereinigtes Wasser zur Speisepumpe zurückgeführt wurde. Dieses Mittel half nur in geringem Maaße, und wurde nachher auch wieder aufgegeben, weil das Gefäß eine unangenehme Wärme verbreitete.
  • 3) Er empfahl alles Regenwasser von den Gebäuden der Fabrik in ein großes Reservoir zu leiten, von wo es die Speisepumpe in sich aufnehmen sollte. Wurde nicht ausgeführt.
  • 4) Hr. Popow erbot sich, in müssigen Stunden Wasser aus der Weichsel mit seinen Pferden anfahren zu lassen, was auch später selten geschah.

Diese verschiedenen Mittel, von denen jedes doch einen Theil des Uebelstandes entfernt hätte, würden, in ihrer pünktlichen Anwendung zusammengenommen, wahrscheinlich so viel bewirkt haben, daß das Speisewasser eine, dem gewöhnlichen nicht zu harten Brunnenwasser nahekommende Beschaffenheit angenommen hätte, und den Niederschlag erdiger Concremente in dem Grade gemäßigt haben, daß der Kessel dadurch keinen Nachtheil erleiden, vielmehr durch ein alle 14 Tage vorgenommenes Reinigen immer hinreichend davon befreit werden konnte. Es wäre interessant, mittelst einer Analyse des Warschauer Wassers den Hauptbestandtheil des wirklich merkwürdig auftretenden Niederschlages |180| kennen zu lernen, um in Zukunft sich davor in Acht zu nehmen, wenigstens Maßregeln ergreifen zu können, die seine üblen Wirkungen einigermaßen verhüteten. Jeder Kenner wird eingestehen müssen, daß Niederschläge, in solcher Menge und in so kurzen Zeiträumen entstehend, selten vorkommen, und daß sie als Ausnahme von der Regel gelten dürften. Das Eintreten solcher Zustände mußte aber die Strömung und die Wallungen in den Siedröhren in dem Grade vermindern, daß die in ihnen nachbleibende Wasserstrieme einen zu kleinen Durchmesser erhielt, wodurch die Circulation des Wassers in den Röhren immer mehr gehemmt wurde.

(Der Schluß folgt im nächsten Heft.)

|163|

Ich theile solche Beispiele mit, weil ich fest überzeugt bin, daß sie für Fabrikanten, die doch vorzugsweise Dampfmaschinen anwenden, ja selbst dem wissenschaftlichen Techniker, die überzeugendsten seyn durften. Einzelne Versuche, selbst mit wissenschaftlicher Schärfe ausgeführt und tabellarisch aufgezeichnet, haben nach meinem Dafürhalten lange nicht den Werth, den man ihnen gewöhnlich beilegt, indem sie sich meistens auf einen kleinen Zeitraum beschränken und zu einer Zeit unternommen werden, wo Maschine und Kessel sich in vorzüglichem Zustande – und ein solcher ist wohl immer bald nach ihrer Ingangsetzung anzunehmen – befinden. Das mittlere Resultat aus einer längern Gebrauchsperiode der Maschine und des Kessels kann nur wirklich entscheidend genannt werden.

|164|

Dieses Rohr wurde an der zersprungenen Stelle kaum 1/4 Linie dick an Eisenstärke befunden, und trug wahrscheinlich ein Leck am Kessel und eine dadurch hervorgebrachte fortwährende Befeuchtung dieses Rohres und dadurch bedingte tiefe Verrostung der betreffenden Stelle die Schuld.

|164|

Der Torf ist ein hier in Mecklenburg sogenannter Backtorf, von ostfriesischen Arbeitern gemacht, und nur von sehr mittelmäßiger Güte, indem er viel erdige Bestandtheile enthält, und daher trotz der zweckmäßigen Fabricationsmethode der Ostfriesen keine gehörige Festigkeit annimmt, leicht bröckelt und beim Verbrennen viel Asche zurückläßt. Bei seiner Anfertigung wird die Torfmasse mit Wasser zu einem steifen Brei verdünnt, in Kästen gehörig durchgetreten, und dann auf einer Brücke 1 Fuß hoch aufgetragen. Ist er hier etwas vom Wasser befreit, und in einem gewissen Grade consistenter geworden, so wird auf ihm mit Füßen, an welche flache Bretter befestigt werden, so lange herumgetreten, bis er sich gehörig zusammenlagert. Nun läßt man ihn noch eine Zeitlang abtrocknen, und schneidet ihn mit eigends dazu geformten Spaten in lauter cubische Stücke, die nachher aufgestellt und weiter getrocknet werden.

Daß der hier erwähnte Torf nur von geringer Qualität sey, davon zeugt ein unter dem Kessel meines Etablissements mit demselben angestellter Versuch. Wir verbrauchen nämlich von demselben gegen 1200 bis 1300 Soden in 13 Stunden, während wir von der besten hier zu habenden Sorte nur 600 bis 700 gleich großer Soden für dieselbe Zeit nöthig haben, um gleiche Resultate an der Maschine zu erzielen. |165| Ich sehe mich indessen genöthigt, ihn vorzugsweise anzuwenden, weil die bessere Sorte zu theuer beim Transport wird, indem sie per Achse angefahren werden muß, während der andere ganz zu Wasser herbeigeschafft werden kann.

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Eine spätere Untersuchung zeigte dieß zur Genüge; denn sie wurden nach meiner Abreise von meinem dort gebliebenen Arbeiter nach meiner Anordnung und mit Erlaubniß des Hrn. Eggers noch einmal nachgesehen und nachgearbeitet, und nun nach genauen Versuchen ihre Reibung nur halb so groß als früher befunden. Die Versuche wurden so angestellt, daß ein Seil um das Riemenrad jedes Holländers geschlagen und mit Gewichten so lange belastet wurde, bis die Holländerwelle in Bewegung kam. Das Gewicht mußte vor der Verbesserung des Uebels an drei Holländern 40 Pfd., am vierten 60 Pfd. betragen, während nach derselben an allen 25 Pfd. hinreichten. Die Versuche wurden im Beiseyn des Hrn. Eggers, des Besitzers der Fabrik, vorgenommen.

|167|

Dieß geschah oft in dem Maaße, daß die Walzenwellen 1/8 Zoll in den Lagern gelüftet umliefen. Dadurch, daß Jungen zum Theil das Anschrauben der Walzen auf die Platte besorgten, ist dieser Uebelstand häufig verschuldet worden.

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In neuester Zeit ist auch eine Anfrage aus Tiflis in Caucasien wegen einer Dampfmaschine von 25 Pferdekräften an mich ergangen.

|169|

Sie arbeitet bei Aschersleben an der Braunkohlengrube des Hrn. Douglas.

|169|

Sie ist im Betrieb an der Grube von Durre und Palm in Azendorf bei Staßfurt (im Anhalt-Behrenburgischen).

|170|

Wie Viele jetzt schon auf meine Seite treten, und wie der Ruf meiner Röhrenkessel schon in weite Ferne sich verbreitete, mag man aus diesem Journale Bd. CXX S. 355 ersehen.

|171|

Leider fährt unser Dampfschiff jetzt gar nicht mehr. Die mecklenburgische Eisenbahn, die seit dem Frühlinge des Jahres 1850 in Betrieb gekommen ist, hat den Verkehr in Mecklenburg nach einer so veränderten Richtung hingezogen, daß er unsere Seen wenig mehr berührt. Die Frequenz auf dem Schiffe nahm daher so ab, daß es nicht mehr rentiren konnte. Es liegt in diesem Sommer ruhig am Pfahl, und geht so einer schnellen Auflösung entgegen. In meinem letzten Nachtrage zu dessen Geschichte (s. dieses Journal Bd. CXVIII S. 321) habe ich gezeigt, daß die Unwillfährigkeit des Eigenthümers gegen die Passagiere und der zweckwidrige Betrieb desselben ebenfalls einen großen Theil der Schuld trägt. Zwar ist seine Ruhe für die Bewohner derjenigen Städte, zwischen welchen es fuhr, schmerzlich gefühlt; zwar ist mehreres von denselben versucht worden, es wieder in Thätigkeit zu bringen, aber vergebens. Eine Aussicht, es zu verkaufen, ist auch zu Wasser geworden, auch dürfte sein Transport mit manchen Schwierigkeiten verbunden seyn, da es für unsere Canalschleusen zum Theil zu breit ist.

|172|

London Journal of arts, Febr. 1825, S. 323, polytechn. Journal Bd. LVI S. 82.

|172|

Repertory of Patent-Inventions, August 1831, S. 65, polytechn. Journal Bd. XLII S. 313.

|172|

London Journal of arts, April 1827, S. 77, polytechn. Journal Bd. XXV S. 27.

|173|

Es wurde hier in der Nähe von Plan beim Bau einer neuen Brücke über den Eldecanal eine Dampfmaschine von 4 Pferdekräften (wie ich höre, von einem Berliner Fabrikanten angefertigt) zum Auspumpen des Wassers aus den Fangedämmen verwandt, und für dieselbe ein eigener hoher und corpulenter Schornstein aufgemauert, der eine bedeutende Summe kostete, und nach kurzem Gebrauche wieder abgetragen werden mußte. Eine Wasserförderungsmaschine fast von derselben Kraft, die ich vor 3 Jahren bei Crakow (einer kleinen Stadt hier in Mecklenburg) errichtete, hat dagegen bei einem cylindrischen Kessel mit durchgehendem Feuerrohr einen leichten eisernen Schornstein von 14 Fuß Höhe und 10 Zoll lichtem Durchmesser, der nur unbedeutende Kosten, vielleicht nicht den zehnten Theil derjenigen verursacht hat, die bei jenem erforderlich waren, und der viele Jahre stehen kann, zumal wenn unter dem Kessel nur Torf gebrannt wird. Hätte ich hier einen großen Schornstein von Mauersteinen, wie den obigen, anwenden wollen, so wäre aus dem Bau der Dampfmaschine nichts geworden, und der schöne Torfmoor ungenutzt geblieben, da der städtischen Commune zum Bau der Dampfmaschine nur geringe Mittel zu Gebote standen, und ein hoher gemauerter Schornstein wegen seines ungeheuren Gewichts auf einem Torfmoor auch gar nicht anwendbar gewesen wäre, wenigstens einen kostspieligen Pfahlrost gefordert hätte. Thut dieser leichte und niedrige Schornstein aber vollkommen die Wirkung des obigen, so frage ich: was kann die Errichter der erstern Dampfmaschine zu einer solchen ganz unnöthigen Geldverschwendung vermocht haben: Vorurtheil oder die Furcht vor einer nicht regelrechten Ofenanlage? Der Crakower Kessel hat vier horizontale Züge in seinem Ofen, und dieser einen sehr schönen, reichlich genügenden Zug. Sollte der Kessel der Berliner Maschine nicht gleichen Umständen sich gefügt haben, wenn die Anlage des Ofens regelrecht stattgefunden hätte? Mit vielem hält man Haus, mit Wenigem kommt man auch aus, sagt ein altes Sprüchwort, d.h. wenn man es richtig auszuführen weiß, und nicht von alten Vorurtheilen beherrscht wird.

|175|

Wan vergleiche hier, was ich in diesem Journale Bd. CXV S. 402 von dem Hummel'schen Kessel berichtet habe.

|175|

Siehe polytechn. Journal Bd. CXV S. 402.

|175|

So nenne ich eine Art Hammer oder Picke an einem langen Stiele, womit gegen die innern Wände der Recipienten leicht geklopft wird, worauf der Kesselstein, der nicht fest anhängt, in großen Stücken abfällt.

|177|

Sechs Atmosphären Spannung sollte er nach meinem Versprechen halten.

|177|

Es ist hier wieder ein Beleg gegeben, wie vorsichtig man bei Anwendung meiner neuen Dampfkessel auf ältere schon bestehende Hochdruckmaschinen seyn müsse. (Für Maschinen mit niederm Druck würde ich sie unter keinem Umstande anwenden, so auch nicht für den Fall, wenn man mehr auf die chemische als mechanische Wirkung der entwickelten Dämpfe rechnet.) Es sind hier auch zugleich meine öftern Bemerkungen vollkommen bestätigt, daß die gewöhnlichen Hochdruckmaschinen nur selten den von der Wissenschaft und Kunst an sie gemachten Anforderungen entsprechen. Nur in der Zusammenwirkung mit meinen Maschinen haben meine Kessel wirklich den Werth, den ich auf sie lege, und den von mir versprochenen Erfolg. Es müssen also doch meine Maschinen auch einen sehr großen Antheil am Verdienst haben. Ich bin, wie ich schon in meinem Hauptwerke Seite 90 klar ausgesprochen habe, sogar der Ueberzeugung, daß ihr Antheil die Hauptsache sey. Wer mein Hauptwerk und meine spätern in diesem Journale enthaltenen Abhandlungen über meine neuesten Kessel- und Maschinenverbesserungen mit gehöriger Aufmerksamkeit gelesen hat, wird die Gründe für diese meine Ueberzeugung deutlich genug ausgesprochen finden. Meine Kessel sind eigentlich von mir mehr darauf berechnet, Dämpfe von höherm Druck, wie ich sie zum Betriebe meiner Maschine gebrauche, mit möglichster Vermeidung aller bisher bei einem so hohen Drucke sonst obwaltenden Gefahr und mit mehr Bequemlichkeit und Raumersparung als bei den bisherigen Kesseln zu entwickeln, als ich Rücksicht genommen habe auf die bei solcher Entwicklung eintretende Brennmaterialersparung. Daß ich eine solche nicht einmal erwartet und darauf auch gar kein besonderes Gewicht gelegt habe, ist von mir in meinem Hauptwerke Seite 9 und in diesem Journale Bd. CXV S. 403 deutlich genug gesagt. Daß im Laufe meiner Versuche günstigere Resultate in dieser Beziehung erlangt wurden, hat mich selbst überrascht. Ist es hierdurch aber zugleich erwiesen, daß ich in Bezug auf Brennmaterialersparung mehr auf die meiner Maschine untergelegten Grundsätze rechnete, als auf die neue Construction der Kessel, so kann man mir keinen Vorwurf machen, wenn man sich nach Hintansetzung dieses Umstandes getäuscht findet, zumal dann, wenn man einen niedrigeren Druck als den von mir bezeichneten anwendet. Dieser höhere Druck ist, wie ich oft schon zu beweisen bemüht war, gerade die Ursache der Brennmaterialersparung, indem ein Dampf von höherm Druck durch den größern Antheil freier Wärme und seine dadurch bedingte größere Ausdehnung, trotz seines geringern Wassergehaltes, mehr mechanischen Effect hervorbringt, als ein solcher von niedrigerer Spannung. Man vergleiche hier die in meinem Hauptwerke Seite 402 in der Note 2 darüber gegebene Berechnung von Joseph Köchlin. Hr. Hofmann in Breslau hatte vor kurzem einem Freunde von mir erzählt, daß er einen meiner Kessel nach der Form Nr. II meines Hauptwerkes gebaut habe, und daß dieser Kessel eher weniger als mehr als ein gewöhnlicher Kessel leiste. Hr. Hofmann erzeugt damit aber nur einen Dampf von 3 Atmosphären Druck. Ob die geringere Wirkung dieses Kessels nicht in andern Umständen als in seiner eigentlichen Construction ihren Grund habe, will ich dahin gestellt seyn lassen. Wir haben oben ein Beispiel vor Augen gehabt, welchen Ausschlag schon einige Fehler in der Anlage des Ofens geben. Daß ich hinsichtlich meiner Ansichten von höherem Drucke und seiner vortheilhaften Wirkung auf Dampfmaschinen auf keinem Irrwege bin, darauf haben in neuester |178| Zeit wieder Versuche des Hrn. Kohn geführt, deren ich später näher erwähnen werde, und wenn ich gleich in Folge meiner über diesen Gegenstand gemachten Erfahrungen überzeugt bin, daß sich dabei einige Irrthümer und Ueberschätzungen von Seiten des Hrn. Kohn eingeschlichen haben dürften, so bin ich doch auch eben so gewiß, daß sie gleich wie die von Oliver Evans (Manuel du constructeur de machines à vapeur, traduit de l'anglais par Doolittle) aufgestellten und gewiß übertriebenen Berechnungen über diesen Gegenstand einige Aufmerksamkeit und Berücksichtigung verdienen, und bei manchen meiner Collegen für mich sprechen werden. Oliver Evans verfuhr insoferne einseitig, als er den höhern Druck (8–10 Atmosphären) für seine Maschinen adoptirte, und so einen großen und wichtigen Fortschritt machte, ohne die Kessel für die Entwicklung eines so hochdrückenden Dampfes gleichzeitig zu verbessern, und war dieß doch die erste Forderung, die an ihn gemacht wurde, wenn er nicht auf halbem Wege stehen bleiben wollte. Gleich als ich meinen Blick auf die Hochdruckmaschine richtete, war die Verbesserung der Kessel, namentlich in Absicht auf ihre Gefahr, meine erste Arbeit, und ich hatte eher nicht den Muth, höhern Druck anzuwenden, bevor ich hier nicht bis zu einem beruhigenden Ziele gekommen seyn würde. Von diesem Gesichtspunkte aus muß man überhaupt meine Bemühungen für eine bessere Construction der Hochdruckkessel beurtheilen. Daß ich bei dieser Verbesserung mehr fand als ich suchte, war zufällig und lag, wie ich oben bemerkte, zuerst gar nicht in meinen Berechnungen.

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