Titel: Alban's Mittheilungen aus seinem Leben und Wirken als Maschinenbauer.
Autor: Alban, Ernst
Fundstelle: 1852, Band 126, Nr. XLIII. (S. 241–267)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj126/ar126043

XLIII. Mittheilungen aus meinem Leben und Wirken als Maschinenbauer; von Dr. Ernst Alban in Plau.

Mit Abbildungen auf Tab. V.

(Schluß von S. 180 des vorhergehenden Heftes.)

Ich frage nun aber: lassen sich noch andere kräftige Gegenmittel gegen ein solches ungünstiges Speisewasser als die oben angegebenen anwenden oder nicht? Ich sollte meinen: Ja! Ich will meine Ansichten darüber vorlegen.

  • 1)

    Vor allen Dingen muß bei dem Gebrauche der Maschine Tag und Nacht hindurch wenigstens alle acht Tage die Reinigung des Kessels vorgenommen werden; ist es noch öfter möglich, desto besser. Dieß ist denn auch zuletzt in Warschau geschehen, und hat, verbunden mit einem öftern Ausblasen, allen Uebelständen so erträglich abgeholfen, daß nun für die Entwicklungsröhren weniger zu fürchten ist. Das Reinigen hat nur immer 8 Stunden in Anspruch genommen, 2 bis 4 Stunden zum Ablassen des Dampfes, dem Abkühlen des Kessels und Abzapfen des Wassers aus demselben55), |242| 2 Stunden zum Ab- und Wiederanschrauben der Heizthüren und der Recipientendeckel, und 2 Stunden zum Reinigen selbst. Der frühere Kessel hat 1 1/2 Tag stehen müssen, um ihn und den Ofen in dem Maaße abkühlen zu lassen, daß Menschen ohne Gefahr in denselben haben steigen können, das Reinigen selbst hat aber eine Zeit von 2 Tagen erfordert.

  • 2)

    Ein noch besseres Mittel, welches das Ablagern von Kesselstein fast ganz zu verhüten im Stande wäre, würde, vorzüglich bei größern Maschinen, und wenn Condensationswasser hinreichend zu Gebote stünde, die Anwendung eines Röhrencondensators nach meiner früher in diesem Journale Bd. CXX S. 241 beschriebenen Einrichtung seyn. Dieser Condensator könnte so eingerichtet werden, daß er fast allen aus der Maschine kommenden Dampf verdichtete und mit einer kleinen Klappe zum Auslassen der anfangs in demselben vorhandenen Luft und einer Pumpe von kleinem Caliber versehen würde, welche die condensirten Dämpfe aus ihm herauszöge und der Speisepumpe zuführte. Das dann noch etwa fehlende Speisewasser könnte durch das vorhandene schlechte Wasser ersetzt werden. Man würde dann zwar noch etwas Concrement im Kessel vorfinden, die Menge desselben würde aber von so geringem Belange seyn, daß der Kessel davon nur dann und wann, und zwar in größern Intervallen, befreit zu werden brauchte.56)

  • |243| 3)

    Wollte man diese kostspielige Vorrichtung vermeiden, so müßte man die Entwicklungsröhren von größerm Durchmesser als von 2 Zoll nehmen (etwa von 3 Zoll) und nur 8 oder 10 Röhrenreihen nach Beschaffenheit des Brennmaterials über einander anwenden. Diese weitern Röhren würden sich nicht so leicht und so bald durch Niederschläge verlegen, und könnten leichter rein gehalten werden als die engern. Daß natürlich die Feuerberührungsfläche an einem solchen Kessel dieselbe bleiben müsse, als an solchem mit zweizölligen Röhren, halte ich für überflüssig zu bemerken.

  • 4)

    Man könnte aber auch noch, wenn das Speisewasser vorzugsweise viel kohlensauren Kalk oder Gyps enthielte, das Speisewasser durch einen Vorwärmer von größerm cubischen Inhalte, durch den das Exhaustionsrohr der Maschine in einer gehörigen Erweiterung oder in mehreren Windungen geleitet würde, gehen lassen, bevor es in den Kessel tritt. In diesem würde sich durch die starke Vorwärmung des Speisewassers und bei dem ruhigen Stande darin, der größte Theil jener Stoffe niederschlagen und daraus mit leichter Mühe entfernt werden können, wenn die Einrichtung eines solchen Vorwärmers dergestalt getroffen wäre, daß man ihn, wie meine Recipienten, mit leichter Mühe öffnen und reinigen könnte. Es würde dann auch gewiß von Vortheil seyn, eine oder mehrere oben offene Schalen in dem Vorwärmer aufzustellen, die den Niederschlag aufnähmen. Um diesen dann aus dem Vorwärmer zu entfernen, wäre es nur nöthig, nach seiner Oeffnung die Schalen herauszunehmen und zu reinigen.

    Bei dieser Einrichtung würde ich empfehlen, das Speisewasser durch die Speisepumpe kalt in den oder die Vorwärmer pumpen zu lassen, wo es dann gleich unter den im Kessel vorhandenen Druck käme, und in dem Maaße, als es durch die Pumpe hineingefördert würde, durch ein Rohr in den eigentlichen Kessel überträte. Die Einrichtung müßte dann aber auch so getroffen seyn, daß die Pumpe es an einem Ende des Vorwärmers einförderte, und daß es am entgegengesetzten Ende durch das eben genannte Rohr in den Kessel gelangte.

    Ein solcher Apparat würde zugleich den großen Vortheil haben, daß er ein Speisewasser von 80° Reaumur in den Kessel lieferte, ein Gewinn, der hier durchaus kein besonderes Opfer fordert, als das, was schon durch das schlechte Speisewasser bedingt ist.57) Er |244| ist überhaupt zugleich nach meiner Ueberzeugung der zweckmäßigste Apparat für die Erwärmung des Speisewassers, indem er bei gehöriger Ausdehnung der erhitzenden Fläche des Exhaustionsrohrs in seinem innern Raum ein Wasser von möglichst hoher Temperatur, wie gesagt, von 80 Grad Reaumur, liefert, wodurch allerdings schon etwas gewonnen ist, wenn gleich nicht so viel als manche Maschinenbauer träumen. Zugleich braucht bei seiner Anwendung die Speisepumpe kein warmes oder gar heißes Wasser zu gewältigen, welcher Umstand, wie ich schon in meinem Hauptwerke aus der Erfahrung dargethan habe, leicht ihre gehörige Wirkung aus dem Grunde stört, weil durch das heiße Wasser die durch den Kolben der Pumpe gebildete und das Aufsaugen des Wassers bedingende Leere getrübt wird, und so den Saugproceß der Pumpe leicht unvollkommen macht und stört.

    Bevor ich von diesem Gegenstande zu einem andern übergehe, will ich noch einige Worte zur Erläuterung hinzufügen über den auf Tab. V Fig. 14 abgebildeten Vorwärmer, der mein in dieser Beziehung vorzuschlagendes Princip darthut. A ist hier der eigentliche Vorwärmer, von starkem Eisenbleche nach Art der Recipienten genietet, und von demselben Durchmesser und derselben Länge. Er kann, wenn zwei Recipienten an einem Kessel vorhanden sind, wie in Fig. 15 dargestellt ist, zwischen den beiden bei a oder sonst seitwärts von demselben nach dem Schornstein hin liegen, und ist ganz wie die Recipienten mit Schlußdeckeln verschlossen, und diesen überhaupt vollkommen ähnlich. Fig. 14 zeigt denselben im perpendiculären Längs- und Fig. 15, A, im perpendiculären Querdurchschnitte. In beiden Figuren mündet bei b das von der Speisepumpe kommende Speiserohr in ihn ein, bei c hingegen sieht man das Verbindungsrohr |245| zwischen ihm und einem der Recipienten, gleichviel mit welchem. Es muß immer von dem obern Theile des Vorwärmers ausmünden, und zwar, wie ich schon oben bemerkte, an dem dem Speiserohre entgegengesetzten Ende desselben. Da nämlich das im Vorwärmer enthaltene am meisten erwärmte Wasser wegen seines geringern specifischen Gewichtes immer in den obersten Theil desselben steigt, so muß es auch von hier aus in den Recipienten übertreten, und am meisten wird es sich in dem vom Speiserohre am entferntesten liegenden Ende des Vorwärmers erwärmen. B ist in Fig. 14 das von der Maschine kommende Exhaustionsrohr. Es tritt in den hintern Deckel des Vorwärmers A, und erstreckt sich inwendig beinahe bis ans Ende desselben. Hier öffnet es sich in den vorne bei d verschlossenen Dampfbehälter C, der, an den hintern Deckel des Apparates dicht angeschroben, frei in den Vorwärmer hineinragt. Aus diesem leitet ein gleiches Rohr D die verdichteten und nicht verdichteten Dämpfe wieder nach außen und aus dem Gebäude heraus. Dieses ist daher als die Fortsetzung des Exhaustionsrohres zu betrachten, und es muß so tief aus C ausmünden, daß die condensirten Dämpfe leicht in dasselbe übertreten können, ohne daß sie sich in C anzuhäufen brauchen.

    Die Wirkung der Vorrichtung ist leicht erklärlich. Die aus der Maschine strömenden Dämpfe treten durch B in C und zwar bei e ein, erfüllen den Behälter C und treten bei f wieder aus demselben. Während des Durchströmens durch denselben theilen sie durch die Wände des Behälters C dem im Vorwärmer enthaltenen Wasser ihre Wärme mit. Wird der vordere Deckel g des Vorwärmers A abgeschroben und weggenommen, so wird man diesen vom Kesselstein leicht reinigen können. Fig. 14 und 15, h, stellt die vorhin erwähnte in dem Vorwärmer aufgestellte Schale vor, die aus leichterm Eisenblech angefertigt werden kann.

    Zum Reinigen der Kessel muß auch noch diejenige Operation gerechnet werden, die ihre äußere dem Feuer dargebotene Fläche (vorzugsweise der Röhren), die Hitzevertheilungsplatte und die Züge im Ofen vom Ruße und von Asche zu befreien bezweckt. Habe ich in neuerer Zeit die Entwicklungsröhren auch weiter aus einander gelegt, und in diesem Journale Bd. CXI Seite 167 die größere Zweckmäßigkeit dieser Maßregel dargethan, und an dem Kessel meines Etablissements bewiesen, der nun schon 3 1/2 Jahre ohne Reinigung der Röhren zur Zufriedenheit arbeitet, so glaube ich |246| doch, daß, namentlich bei Steinkohlenfeuerung, Vorsicht nöthig sey, und habe ich trotz der günstigsten Erfahrungen doch immer eine Oeffnung in der Seite des Ofens anbringen lassen, um möglicherweise von hier aus eine Reinigung der Röhren vornehmen zu können.58) Diese Oeffnung habe ich nach meiner Revallenser Reise noch höher hinauf reichen lassen als früher geschah, um zugleich bei der Reinigung der Röhren die der Hitzevertheilungsplatte und des obern Raums unter den Recipienten sowie des Zuges in den Schornstein mit seinen Zungen vornehmen zu können. In Reval hatte sich nämlich an allen diesen Stellen bei der schlechten Sorte von Steinkohlen so viel Ruß angesetzt, daß er mich beunruhigte, und mich eine baldige bedeutende Verminderung des Zuges im Ofen befürchten ließ. Vor Kurzem sagte mir auch noch Hr. Hallwachs in Malchow, daß er die Reinigung von Ruß und Asche in seinem Ofen alle 14 Tage vornehmen lasse, und daß sie dann nur immer außerordentlich wenig Mühe und Zeit koste, so z.B. in 2 bis 3 Stunden des Sonntags vollkommen beendigt würde. Er behauptete, an seinem Kessel bemerkt zu haben, daß er, obgleich er mit Torf geheizt werde, der nur Asche und sehr wenig Ruß absetzt, vor der jedesmaligen Reinigung immer eine, wenngleich sehr unbedeutende Verminderung des Zuges und deßhalb auch seines Effectes blicken lasse.

    Bei Schiffskesseln wird man wohl thun, immer eine der seitlichen Wasserkammern oder beide für den Zweck der Reinigung in der Art leicht abnehmbar einzurichten, als es jetzt an unserm Plauer Dampfschiffe eingeführt ist, und sich als höchst zufriedenstellend erwiesen hat. Daß dann aber zugleich im Schiffe auf beiden Seiten des Kessels ein gehöriger Raum gelassen werden muß, um das Abnehmen der Kammern und Reinigen der Röhren mit Bequemlichkeit vornehmen zu können, halte ich für überflüssig zu bemerken.

    Bei gemauerten Oefen lasse ich die Oeffnung in der Seitenwand derselben nach dem Reinigen immer wieder mit einer einfachen Mauerschicht verblenden, und zwar in solcher Weise, daß die innere Fläche dieser Verblendung mit der innern Wand des Ofens Flucht hält, also auch bis 3/4 Zoll an die äußersten Röhren herantritt.

|247|

V. Meine Wasserstandszeiger bewähren sich von Jahr zu Jahr immer mehr, selbst bei einer nur mittelmäßigen Aufmerksamkeit darauf bleiben sie immer eines der sichersten und untrüglichsten Mittel, den Wasserstand im Kessel genau zu erkennen. Nie habe ich die Schwimmer in Unordnung kommen sehen, nie werden sie ungelenkig, die immerwährende Bewegung, worin sie sich befinden, leidet das nicht. Und wie leicht ist zu ihnen zu kommen, und ihnen zu helfen. Das einzige Organ meiner Wasserstandszeiger, welches einige Aufmerksamkeit erfordert, ist der Draht und seine Stopfbüchse, und doch kann man nicht sagen, daß irgend etwas ungewöhnliches dabei zu beobachten sey. Wird die Stopfbüchse immer reinlich und gut und richtig geliedert gehalten, so conservirt sich der Draht sehr lange, und bemerkt man, daß derselbe nach mehrjährigem Gebrauche sich etwas abnutzt, nun so bindet man mit wenig Mühe und selbst bei geringer Sachkenntniß leicht einen andern neuen ein. Und so ein Renovatum verursacht so gut als gar keine Kosten. Sehr leicht ist auch zu erfahren, ob der Wasserstandszeiger in Ordnung sey oder nicht. Die Notwendigkeit, ihn immer zu beobachten, führt auch zur leichten und augenblicklichen Bemerkung und Ausfindung seiner Mängel, und hat der Heizer nur einige Kenntniß von seiner Construction und seinem Zwecke, so weiß er diese Mängel auch gleich zu deuten und ihnen abzuhelfen. Ich habe schon früher erinnert, daß die größere oder geringere freie Beweglichkeit seines Zeigers der untrüglichste Maaßstab für seine Zustände sey. Ist alles an ihm in Ordnung, so befindet sich dieser in einer beständigen oscillirenden Bewegung, indem er den Wallungen des Wassers im Kessel bei jeder Bewegung nachgibt. Zeigt er sich ruhig, so darf man annehmen, daß ihn irgend etwas in seiner freien Bewegung hindert, z.B. sein Draht ist entweder zu stark geliedert oder verbogen durch irgend eine Unvorsicht von Seiten des Heizers. Fällt er plötzlich, so ist der Draht gerissen etc. In solchen Fällen wird es immer das geeignetste seyn, mit dem Heizen inne zu halten und nachzusehen. Und ein Glück, daß dieß bei meinen Kesseln nach Ablassen des Wassers aus den Recipienten (die Röhren müssen gefüllt bleiben, damit sie nicht zu sehr von der Hitze des Ofens, dessen Wände sich zum Theil, vorzugsweise in der Gegend der untern Röhren, in einem glühenden Zustande befinden, leiden) zu jeder Zeit gleich nach dem Stillhalten der Maschine und nach der Herausnahme des Feuers zu bewerkstelligen ist, was bei den großen voluminösen Kesseln wegen der hohen Temperatur derselben unendliche Schwierigkeiten hat, ja in den meisten Fällen unmöglich ist.

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Bei dem Revallenser Kessel kam mir zum erstenmale eine Erscheinung am Wasserstandszeiger vor, die ich sonst noch nie bemerkt hatte. Bei allen Zeichen von mehr als reichlichem Wasserstande im Kessel fiel plötzlich der Zeiger auf seinen niedrigsten Stand. Nachdem ich mich überzeugt hatte, daß der Kessel auf keinerlei Weise plötzlich eine große Wassermasse eingebüßt habe, ließ ich aus Vorsicht das Feuer unter dem Kessel auslöschen, und fand nun beim Oeffnen des Sicherheitsventils mit der Hand, daß der Kessel alle Zeichen von Ueberladung mit Wasser von sich gab. Es strömte nämlich viel Wasser aus dem Ventil aus und die Maschine gab auch alle Merkmale von sich, daß Wasser durch dieselbe dringe. Als ich darauf anfing, Wasser aus dem Kessel abzulassen, und der Wasserstand um einige Zoll wieder gesunken war, hob sich der Zeiger des Wasserstandszeigers plötzlich wieder auf die frühere Höhe. Einiges Nachdenken ließ mich gleich die Ursache dieser merkwürdigen Erscheinung entdecken. Sie war diese: das Gegengewicht des Schwimmers innerhalb des Kessels war an diesem Kessel etwas groß ausgefallen und stand deßhalb niedriger als gewöhnlich, und als die Regel gibt. Bei dem Eintreten der Ueberfüllung des Kessels mit Wasser war es allmählich unter den Wasserstand desselben gekommen, und hatte dadurch einen Theil seines notwendigen Gewichtes verloren. Es erhielt nun der Schwimmer, seines Gegengewichtes zum großen Theil beraubt, eine zu große Schwere, gegen das Wasser im Kessel gehalten, und sank unter, und mit ihm fiel natürlich der Zeiger bis in seine niedrigste Stellung. Um die Wiederkehr eines solchen Uebelstandes für die Folge zu verhüten, habe ich dem Schwimmerhebel und dem Gegengewichte in neuester Zeit eine andere Stellung gegeben, und zwar eine solche, die in Fig. 16 Tab. V dargestellt ist, und die auch vollkommene Abhülfe geschafft hat. Sie besteht darin, daß ich auf den oder die Recipienten statt des frühern Dampfröhren-Verbindungssystems kleine gußeiserne Dome a anbringe, in deren einem das Gegengewicht b des Schwimmers c sich bewegt, so daß es auf diese Weise recht leicht von dem zu stark sich hebenden Wasserstande im Kessel erreicht werden kann. Die übrige Einrichtung des Wasserstandszeigers, seines Hebels d, des Drahtes e, Zeigers f etc. ersieht man vollkommen aus der Zeichnung, ohne daß ich besonders darauf aufmerksam zu machen brauche.

Ich muß hier noch eines Umstandes erwähnen, der wieder recht deutlich zeigt, wie neue Verbesserungen im Dampfmaschinenfache, die aufs materielle Wohl der Menschheit den wohltätigsten Einfluß zu üben beginnen, zum Theil im großen Publicum angefeindet und verlästert |249| werden, der aber zugleich einen Beleg gibt zu meiner in meinem Hauptwerke S. 171 angeführten Erfahrung, daß die gewöhnlichen Glasröhren, auf Maschinen mit höherm Drucke angewandt, unsichere, leicht zerbrechliche Wasserstandszeiger sind. Hr. Bialon hat in der, in der Walkmühle des Hrn. Malck (Neue Jacobsstraße Nr. 13 und 14, Berlin) nach meinem Principe gebauten Dampfmaschine von 4–6 Pferdekräften, um der preußischen Verordnung wegen Dampfmaschinen zu genügen, neben meinem Schwimmer einen Wasserstandszeiger mit Glasrohr anbringen müssen. Das Glas desselben zersprang, und die daraus hervordringenden Dämpfe von 8 Atmosphären Druck erfüllten die Walkmühle und brachten ein großes brausendes Geräusch hervor. Durch den heißen Dampfbrudel war der Maschinenmeister verhindert worden sogleich die von mir in dieser Beziehung schon als nutzlos erkannten Hähne zu schließen. Gleich darauf erschien in der Voß'schen Zeitung Nr. 189 des Jahrganges 1850 folgender Aufsatz:

„In der Walkmühle, welche sich hinter den Häusern Nr. 13 und 14 der neuen Jacobsstraße befindet, geschah gestern gegen Nachmittag eine Explosion mit solcher Heftigkeit, daß man anfänglich auf die Vermuthung gerieth, es sey ein Schuß gefallen. Man erkannte jedoch sehr bald als den wahren Grund des heftigen Schlages, der die Explosion begleitete, daß die Dämpfe den Dampfbehälter an der Maschine gesprengt hatten. Unter heftigem Zischen strömte der Dampf über die Nachbargrundstücke aus, und auch bedeutende Stücke Steine wurden in beträchtliche Entfernung geschleudert. Gleichwohl hat man von erheblichen Beschädigungen des Gebäudes nichts vernommen. Menschen scheinen gar nicht beschädigt worden zu seyn.“

Hr. Bialon liest dieses Gemisch von Uebertreibung und offenbarer Lüge in der Zeitung, und wundert sich, daß ihm von der Explosion gar keine Notiz zugekommen sey. In die Droschke springend, fährt er sogleich an den Ort der gräulichen Verwüstung, und findet die Maschine – im gemächlichen Gange, erfährt auch, daß sie kurze Zeit nach der fürchterlichen Explosion wieder in Thätigkeit gesetzt sey. Was kann das Springen eines Glasrohres denn auch für Verwüstungen anrichten, zumal eines Glasrohres von kaum einem Zoll äußerm Durchmesser? – Parturiunt montes etc.

Man wird mir diese kleine Abschweifung freundlich zu Gute halten. Sie hat bloß den Zweck, den Erfindern ein Bild vorzuhalten, welches sie überzeuge, wie das Erfinden oft lange nicht so schwer sey, als das Einführen einer einflußreichen Erfindung ins praktische Leben. Ich habe in dieser Beziehung Erfahrungen gemacht, worüber ich ein starkes Opus liefern könnte. Mehr als hundertmal wurde ich überzeugt, daß diejenigen |250| Erfindungen, die am meisten, hervorstehendsten und wohlthätigsten ins menschliche Leben eingreifen, immer die sind, welche am meisten angefeindet und verketzert werden. Das Gute bricht sich nur immer langsam Bahn, und die meisten Erfinder erleben die Freude nicht, welche die allgemeine Anerkennung ihrer Schöpfungen bringt.

VI. Meine neuern Manometer (s. ihre Beschreibung in diesem Journale Bd. CXII Seite 249) bestätigen ihre Zweckmäßigkeit auf eine erfreuliche Weise, jedoch habe ich eine kleine Veränderung daran vorgenommen, die sie augenscheinlich empfindlicher macht. Ich nehme nämlich den kleinen Cylinder mit seinem Stempel von größerm Durchmesser, und zwar in Folge der Betrachtung, daß die Reibung der Stempelliederung im Verhältnisse zum Areal des Stempels sich günstiger stelle als bei dem frühern kleinern Durchmesser desselben. Die Gründe für diese Betrachtung liegen auf der Hand. Der Erfolg war auch in jeder Beziehung der erwartete. Zugleich suchte ich aber die Reibung des Stempelkörpers an den Cylinderwänden dadurch zu verringern, daß ich ihm 1/2 Zoll unter der Liederung einen kleinern Durchmesser gab, wodurch er von der Cylinderwand zurücktrat, und diese nur an seinem obern stärkern Theile berührte. Um nun aber seiner Bewegung mehr Sicherheit zu geben, ließ ich ihn am untern aus dem Cylinder hervorragenden Theile durch eine kleine Führung gehen. Das untere Querstück des denselben mit den Riemen verbindenden Rahmens wurde nun vom Stempel durchdrungen und stützte sich gegen einen kleinen Satz desselben. In Fig. 16 Tab. V Bd. CXII sieht man einen solchen Cylinder mit seinem Stempel im senkrechten Durchschnitte bei a. Bei b steckt das Querstück des Rahmens auf seinem schwächern Theil c, während sein stärkerer die Liederung trägt. Bei f sieht man den kleinen Satz, der als Stütze des Rahmens dient, und bei g die Führung. Den Cylinder schraube ich jetzt nicht mehr an die hintere, sondern an die Seitenwand des das Instrument aufnehmenden Kastens. Er steht so günstiger für die Verbindung mit dem vom Kessel kommenden Rohre, und dieses ist durch einen kleinen Conus an denselben angedichtet.

Im Verlaufe der Aufstellung eines meiner neuern Kessel, und zwar an dem Malchower, habe ich noch die Erfahrung machen müssen, daß man sehr wohl thue, das das Manometer mit dem Kessel verbindende Rohr mehr von dem hintern Ende des betheiligten Recipienten austreten zu lassen. Es fand sich nämlich, daß dasselbe, vom vordern Theile des Recipienten ausgehend, leicht Schmutz aufnimmt und verstopft wird, indem in diesem Theile die Bewegung des Wassers so groß ist, daß in demselben befindlicher Schmutz leicht in das Rohr getrieben wird.

|251|

Diese Manometer helfen nach meiner Erfahrung wirklich einem großen Bedürfnisse in Beziehung auf die Messung des Dampfdruckes im Kessel ab. Sind sie auch nicht so genau als die Quecksilbermanometer, so legen sie dafür andere wichtige Vortheile in die Waagschale. Sie kommen nämlich höchst selten in Unordnung. Das vom Kessel zum Manometer führende Rohr braucht nicht jedesmal beim Stillstand der Arbeit des Kessels und dem dadurch bewirkten Erkalten desselben abgeschlossen zu werden, um beim Entstehen einer Luftleere im Kessel das Austreten der Luft aus dem Quecksilbermanometer zu verhüten; auch werden diese Manometer bei höherm Drucke genauer, während die gewöhnlichen Quecksilbermanometer ungenauer erscheinen, indem bei ihnen die Scala in abnehmendem Verhältnisse steigt, während sie dieß bei meinem Manometer im zunehmenden thut; die Entfernung der verschiedenen, die Anzahl der Atmosphären bezeichnenden Striche von einander also größer wird. Eine Vergleichung meines in diesem Journale a. a. O. abgebildeten Manometers mit einem Quecksilbermanometer und einem von mir Bd. CXII Seite 250 beschriebenen Federmanometer wird dieß deutlich darthun.

Ich habe die neuern Manometer von Schinz 59) nicht versucht, kann indessen meine Zweifel an ihre längere Genauigkeit und Dauerhaftigkeit nicht verhehlen. Die kleinen ovalen kupfernen Röhren dürften nämlich bei längerm Gebrauche nach und nach wie die Federn der Federmanometer von ihrer Elasticität einbüßen, zumal Kupfer kein besonders elastisches Metall ist. Sollte eine längere Erfahrung das Gegentheil beweisen, so will ich gerne diese meine Bedenken zurücknehmen. An meinem Manometer ist keinerlei schädliche Veränderung durch das Material zu fürchten, woraus er verfertigt ist. Ein Strecken des Riemens ist durchaus von keinerlei Nachtheil begleitet, da höchstens ein tieferer Stand des Stempels im Cylinder die Folge davon seyn würde, der in Absicht auf die genauen innern Verhältnisse des Instrumentes keinen Einfluß übt, auch kann hier durch die Stellschraube am Haken des Rahmens leicht nachgeholfen werden. Uebrigens habe ich auch nie eine Streckung des Riemens in solchem Grade bemerkt, daß sie bedenklich werden könnte. Ein Riemen bleibt in der Regel auf einem gewissen Punkte der Streckung stehen, und verändert sich dann nicht mehr, vorzüglich wenn man ihn vor Feuchtigkeit schützt, und diese ist |252| bei der von mir angewandten Construction des Instruments nicht leicht zu fürchten.60)

Ich muß hier noch einer Beobachtung gedenken, deren ich früher (s. dieses Journal Bd. CXI Seite 9) schon Erwähnung gethan habe, und die bei der Revallenser Maschine von mir mit mehr Genauigkeit als früher angestellt wurde. Sie betraf das beim Anheizen des Kessels bemerkte gleichmäßige Steigen des Quecksilbermanometers, während doch die Scala daran die die Anzahl der Atmosphären andeutenden Striche in abnehmendem Verhältnisse darstellt. Ich hatte nämlich der Scala außer der Bezeichnung der Atmosphären noch, und zwar gleich neben dem Glasrohre, eine besondere Reihe von Strichen gegeben, die 1/4 Zoll auseinander standen. Als das Quecksilber zu steigen begann, nahm ich eine Uhr zur Hand, und es zeigte sich nun die merkwürdige Erscheinung, daß bei möglichst gleichmäßiger Feuerung bis zur regelmäßigen Spannung der Dämpfe von 8 Atmosphären hinauf, das Quecksilber in jeder Viertelminute die Entfernung von einem Striche zum andern durchlief; eine Abweichung im höhern Spannungsgrade war so unbeträchtlich, daß sie kaum in Rechnung zu bringen war. Eine Wiederholung dieses Versuchs gab immer dieselben Resultate. Welche Folgerungen ich früher (s. dieses Journal Bd. CXI Seite 10) aus diesen Erscheinungen zu ziehen wagte, möge man an der betreffenden Stelle nachlesen.

So leicht es auch ist, die Scala für meinen neuen Manometer durch Rechnung zu finden, so habe ich es doch immer vorgezogen, sie durch an den Stempel angehängte Gewichte zu bestimmen, insoferne hier die durch die Reibung des Stempels im Cylinder verursachten Ungenauigkeiten eher berücksichtigt erschienen, auch ist dieses Verfahren so leicht und erfordert so wenig Zeit, daß es schon aus diesem Grunde vorzuziehen seyn dürfte.

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Ich habe früher schon erwähnt, daß mein Manometer zwar für physikalische Experimente nicht genau genug genannt zu werden verdiene, die Erfahrung hat aber ergeben, daß es für den Heizer ein durchaus genügendes und äußerst praktisches Instrument sey. Eine Einschränkung dürfte seine Anwendung nur da finden, wo der Kessel und das Manometer sich nicht im vollkommenen Zustande der Ruhe befinden, sondern merklichen Schwankungen ausgesetzt sind, wie z.B. auf Schiffen und Locomotiven. Hier müßte man sich lieber solcher Federmanometer bedienen, als ich in diesem Journale Bd. CXII Seite 250 angegeben habe.

VII. Wenn Hr. Professor Rühlmann in Hannover, der Recensent meines Hauptwerkes über Hochdruckmaschinen, meine darin beschriebenen Kessel (Nr. II) für complicirt erklärt, und der Meinung ist, daß ihre praktische Anfertigung große Schwierigkeiten habe61), so hat er wohl so ganz Unrecht nicht. In einer Beurtheilung meiner jetzigen Kessel würde er indessen gewiß andere Ansichten äußern, das bin ich überzeugt, und hier nur noch das, daß Hr. Dr. Lüders vom Mägdesprung mir von daher ungefähr vor einem Jahre schrieb, wie er sich wundere, mit welcher Leichtigkeit und Bequemlichkeit, mit welcher Ersparung an Arbeit und Zeit meine neuen Kessel zu liefern seyen. Er äußert unter anderm, daß er jetzt die alten gewöhnlichen Kessel gar nicht mehr anfertigen möge, und ganz zu den meinigen übergehen würde, wo sie nur irgend anzuwenden wären. Wenn ein Mann, der in seinem Leben schon so viele Kessel der verschiedensten Construction hat anfertigen lassen, dieß so unumwunden erklärt, so denke ich, ist auf eine solche Aeußerung ein großes Gewicht zu legen, und sollte Hr. Professor Rühlmann in das früher (s. dieses Journal Bd. CXV Seite 405) über diesen Punkt von mir Gesagte noch irgend Zweifel sehen, so mag er nun nur den ihm so nahen Hrn. Dr. Lüders zu Rathe ziehen, und er wird in jeder Beziehung beruhigt werden.

Und wie leicht die Reparatur meiner neuesten Kessel sey, daran dürfte gewiß keiner mehr zweifeln, der nur irgend mit der Fabrication von Kesseln überhaupt vertraut ist, zumal da diese Reparatur größtentheils nur die Entwicklungsröhren betrifft, die wenig Werth haben, und deren Herausnahme und Wiedereinsetzen eine Operation von gar |254| keinem Belange ist, mit der ein guter und tüchtiger Heizer zur Noth allein fertig werden kann, wenn er nur einige Handfertigkeit und Genauigkeit bei Ausführung seines Geschäftes besitzt. Wie häufig sind solche Heizer aber früher auch Schmiede oder Schlosser gewesen, und wie gut würde es seyn, wenn es alle wären, da es bei Behandlung eines Kessels großen Werth hat, wenn einer in Eisenarbeiten etwas Einsicht und Geschick besitzt.

VIII. Was das Dampfdichtschaffen meiner Kessel betrifft, so habe ich mir in neuerer Zeit wieder viele Erfahrungen darüber erworben. Vorzüglich gilt dieß in Hinsicht der Herzthüren und Anker, von denen erstere sehr oft abzunehmen, und beim Anschrauben sogleich wieder dicht zu schaffen sind; so sehr mir auch Hr. Bialon den vulcanisirten Kautschuk empfahl, so bin ich doch in neuester Zeit wieder ganz davon zurückgekommen, da er die hohe Temperatur meiner Dämpfe und des Wassers in meinen Kesseln doch nicht recht verträgt, vielmehr bei jedem Ab- und Anschrauben der Herzthüren erneuert werden muß, welcher Umstand nicht unbedeutende Kosten verursacht. Ich habe früher mein Bedenken gegen die Anwendung dieses Dichtungsmaterials ausgesprochen, auch die früher gemachten Erfahrungen über diesen Punkt mitgetheilt. Jetzt bin ich völlig überzeugt, daß das Blei in der in diesem Journale Bd. CXV S. 407 bezeichneten Weise angewandt, weit mehr Sicherheit gewähre und eine viel größere Dauer als Kautschuk verspreche, auch hat es sich ja früher schon bei den Dichtungen an meinen Maschinen selbst für lange Zeit stets vollständig bewährt. Wie glücklich mußte ich mich schätzen, diese Dichtungsmethode bei dem Revallenserkessel angewandt zu haben, denn da mir zu demselben schlechte Siedröhren von England gesendet waren, die beim Festkeilen in die hinteren Herzplatten sehr häufig aufrissen und dann sich leck zeigten, und bei denen daher im Anfange sehr viel nachzuhelfen war, so mußten zu diesem Zwecke die Herzthüren oft jeden Tag zwei- bis dreimal geöffnet werden. Welchen Calamitäten wäre ich da ausgesetzt gewesen, wenn ich jedesmal andern Kautschuk hätte anwenden müssen, und welche Kosten hätte dieß verursacht, zumal in Reval und in Rußland überhaupt, wo noch kein vulcanisirter Kautschuk fabricirt werden durfte. Und in welchem hohen Grade bewährte sich hier mein oben bezeichnetes verbessertes Verfahren bei Anwendung der Bleidichtungen an den Thüren. Wurden die Fugen nach anfänglichem starken Anziehen der Schrauben doch sogleich vollkommen dicht befunden, und bedurfte es später, als sie sich einmal nach den zu dichtenden Flächen accommodirt hatten, nach jedesmaligem |255| Abnehmen doch nicht einmal des starken Anziehens der Schrauben, so daß die ganze Operation des Oeffnens der Thüren stets in sehr kurzer Zeit und in Absicht auf dichte Verbindung in so zufriedenstellender Weise ausgeführt wurde, daß man namentlich an den am Rande der Thüren befindlichen Dichtungsflächen nie den geringsten Leck bemerken konnte. Ich kann diese Dichtungsmethode, die sich jahrelang in einem ungetrübten Zustande erhält, und bei ihrer einmal nothwendig gewordenen Restauration mit sehr leichter Mühe, in kurzer Zeit und ohne erhebliche Kosten wieder hergestellt werden kann, jetzt gar nicht genug empfehlen. Sie leistet alles, was man davon verlangen kann. Dieß haben nach dem Revallenserkessel auch die nach ihm gebauten und aufgestellten Kessel in einem Grade bewiesen, der nichts zu wünschen übrig läßt. Schade nur, daß in der davon in diesem Journale Bd. CXV Seite 407, Tab. V Fig. 6 gegebenen Beschreibung und Zeichnung die auf die Thüren aufgenieteten eisernen Leisten nicht deutlich genug dargestellt sind. Es geben hier einige Striche einen wichtigen Ausschlag, die der Lithograph vielleicht für unwesentlich gehalten hat. Um diesen Fehler zu verbessern, will ich die Zeichnung hier noch einmal liefern, und bitte sie, mit der a. a. O. angegebenen Beschreibung zusammen zu halten. Die Wichtigkeit des Gegenstandes wird diese Wiederholung (Fig. 17 auf Tab. V) entschuldigen.

Was die Dichtung meiner übrigen Kesseltheile betrifft, so ist sie sehr leicht zu bewerkstelligen, wie ich dieß schon oft zu erwähnen und zu beweisen Gelegenheit hatte, und spreche ich daher nicht weiter darüber. Ich habe jetzt zum Nieten der Recipienten mir so brauchbare, tüchtige und zuverlässige Arbeiter herangebildet, daß nie Unregelmäßigkeiten bei der Fabrication der Kessel vorkommen, daß vielmehr selbige sich immer sogleich und ohne einer Nachhülfe zu bedürfen, als vollkommen dicht erweisen.

IX. Meine neueren Kessel beweisen sich fortwährend als völlig gefahrlos, und sind Theile an denselben geplatzt, so waren es nur immer die Siedröhren, und das Zerspringen dieser ist, wie der Warschauer Kessel, an dem zwei Röhren wegen Verstopfung mit Kesselstein aufrissen, von neuem bewiesen hat, nie von nur irgend bemerkenswerthen Zufällen begleitet gewesen.

Daß die Herzen und Recipienten nicht leicht einer Gefahr des Zerspringens unterliegen, weil sie, vorzüglich letztere, gar keiner intensiven Hitze ausgesetzt, daher auch nicht leicht zerstört werden, habe ich früher schon ausführlich auseinandergesetzt. Die Recipienten des |256| Hallwachs'schen Kessels dienen hier zum Beweise. Dieselben waren nämlich, wie ich schon oben erwähnte, sieben Jahre lang in fast unausgesetztem Gebrauche (Tag und Nacht), und litten bei dem Abbrennen des Etablissements durch das Feuer bedeutend, stellten sich aber dennoch als so sicher und vollkommen erhalten dar, daß ich sie zu dem neuen Kessel unbedenklich wieder verwandt habe, indem ich überzeugt bin, daß sie noch eine längere Zeit bestehen werden, als sie schon zur größten Zufriedenheit ausdauerten. Die Hitze, die sie trifft, übersteigt die des Apparates oder der in selbigem entwickelten Dämpfe aber auch wenig oder gar nicht. An den Herzen sind nur die hintern Platten einer stärkern Hitze ausgesetzt. Die Entwicklungsröhren dienen aber als soviele Anker, die sie stützen, abgesehen von denjenigen Ankern, die die hintere und vordere Herzplatte mit einander verbinden. Auch sind die Platten von so starkem Bleche, daß eine geraume Zeit erfordert wird, um sie in dem Grade zu destruiren, daß sie unsicher werden. Beim Herausnehmen und Auswechseln von Siedröhren erhält man immer leicht Gewißheit über den Fortschritt ihrer Destruction. Eine beinahe eilfjährige Erfahrung hat hierüber zur Genüge entschieden, namentlich in der Dampfmaschine unserer Plauer Tuchfabrik, die ich stets in Aufsicht habe.

Ich habe früher in meinem Hauptwerke Seite 147 und 249 erzählt, daß zwei Explosionen an meinen frühern Kesseln mit Entwicklungsröhren von größerem Durchmesser (7 bis 10 Zoll) namentlich an den kupfernen der früher Bützow'schen, später Brockelmann'schen Maschine (in Rostock) keine bedenklichen Zufälle herbeiführten, obgleich die Röhren in einer bedeutenden Länge aufrissen, und daß ich selbst bei einer dieser Explosionen vor dem Ofen und der geöffneten Heizthür desselben stand, ohne irgend eine Gefahr zu erleiden. Es sind jedoch später zwei Explosionen vorgekommen, die mehr Schaden anrichteten, namentlich den Ofen auseinanderrissen, wenn gleich sie weder einen Menschen noch das Gebäude irgend verletzten. Die eine Explosion ereignete sich an einer der zehnzölligen Röhren des Brockelmann'schen Kessels, und bestand darin, daß der eine Deckel dieses Rohres in Folge einer galvanischen Destruction der ihn festhaltenden eisernen Schraubenbolzen bei sehr hoher Spannung der Dämpfe abgesprengt wurde. Der erfolgende Rückstoß schleuderte das Rohr aus dem Ofen und gegen die gegenüberstehende Wand des Kesselhauses, und da das Rohr durch mehrere andere kleinere Röhren mit dem übrigen Kessel in Verbindung stand, so wurde dieser mit losgerissen und der Ofen theilweise zerstört. Das Kesselhaus nahm jedoch keinen Schaden. Die Kesselröhren, vorzüglich die untern, wurden bei |257| der Untersuchung hinsichtlich ihrer kupfernen Wände so geschwächt befunden, daß nicht zu begreifen ist, wie sie dem zuletzt angewandten Drucke noch so lange widerstanden hatten. Der übertriebene Dampfdruck im Kessel wurde dadurch motivirt, daß Hr. Brockelmann seine Oelfabrik nach und nach immer mehr vergrößert hatte, und die Kraft der Dampfmaschine nun nicht mehr hinreichte, die hinzugekommenen Werke mit dem gewöhnlichen Dampfdrucke in Thätigkeit zu setzen, er sich also durch eine verstärkte Feuerung einen höhern Dampfdruck zu verschaffen suchte. Er hat mich selbst versichert, daß derselbe oft bis auf 130 bis 140 Pfund auf den Quadratzoll getrieben sey. Die Zerstörung des Metalles der Röhren war aber aus dem Umstände sehr erklärlich, daß die Röhren überhaupt nicht stark construirt, nur von 3/16 Zoll starkem Kupferbleche mit Schlagloth zusammengelöthet waren, und daß nach seinem sechs- oder siebenjährigen Gebrauche in Bützow neun oder zehn Jahre hindurch Steinkohlenfeuerung in größerer Intensität angewandt wurde, wobei die sich aus den Kohlen entwickelnde schweflige Säure das Kupfer in einem weit höhern Grade als Eisen angreift.

Bei dem Malchow'schen Kessel war der Fall ein anderer. Hier riß eine von den 10 Zoll im Durchmesser haltenden von Eisenblech zusammengenieteten Siedröhren in der Mitte durch und wurde in ihrer Längenrichtung aus dem Ofen herausgeschleudert, so daß der Ofen mehr oder weniger zertrümmert erschien. Ueber die Ursache der Explosion waren so manche Gerüchte im Umlaufe, die sich darin vereinigten, daß der Maschinenmeister zu spät erschienen sey, um die Maschinen angehen zu lassen, und daß der Heizer fortgeheizt und, um nicht den Dampf aus dem Sicherheitsventile entweichen zu lassen, dieses zugestülpt habe. Hr. Hallwachs will von dieser Erklärung der Explosion nichts wissen, und im Grunde genommen ist sie auch ohne diese motivirt genug durch den Umstand, daß mir eine der 10 Zoll im Durchmesser haltenden Siedröhren an einer Stelle, wo das aus einem Leck des über ihn liegenden Rohres kommende Wasser sie längere Zeit getroffen hatte, durch Oxydation in dem Grabe geschwächt erschien, daß ihre Wand rundherum an der betheiligten Stelle kaum 1/32 Zoll stark befunden wurde.62)

|258|

Es ist durch diese Explosion attestirt, wie sehr von den Maschinenbauern die Furcht vor dem hohen Drucke und die daraus hergeleitete Nothwendigkeit, sehr starke Röhren anzuwenden, übertrieben werde, indem sie den Beweis liefert, daß selbst sehr geschwächte und sehr destruirte Kesselwände doch noch lange einen bedeutenden Druck aushalten, selbst wenn die Röhren von größerm Durchmesser sind. Wenn Hr. v. Reichenbach in München schon fand, daß kupferne birnförmige Gefäße von einer Linie dickem Kupferblech und acht Zoll Durchmesser einen innern Dampfdruck von 90 Atmosphären aushielten, bevor sie zersprangen, so erscheinen alle Vorschriften, die Blechdicke. für Kessel verschiedenen Durchmessers zu bestimmen, etwas extrem, und die Formeln, die in die Gesetzgebung für die Construction und Prüfung der Kessel übergegangen sind, überaus vage und unerwiesen. Explodiren aber dennoch Kessel, so bin ich überzeugt, daß dieß in den meisten Fällen mehr einer Unvorsichtigkeit und Fehlern in ihrer Behandlung zuzuschreiben sey, als einer zu geringen Wandstärke derselben. Ueberhaupt dürfte wohl selten ein Kessel wegen allmählich zugenommenen starken Dampfdruckes zerspringen, es müssen vielmehr wohl andere den Kessel und seine Wände widernatürlich erschütternde Einflüsse zugleich einwirken, wenn er explodiren soll, oder die Dampfentwickelung muß auch eine plötzliche Steigerung erfahren, so daß die schnell entstandene Dampfmasse sich aus der gewöhnlichen Oeffnung des Sicherheitsventils nicht erschöpfen kann, wie dieß beim Glühendwerden einzelner nicht vom Wasser bespielten Stellen des Kessels und nach einem plötzlichen Hinüberwallen von Wasser über selbige der Fall ist. Ueberhaupt halte ich diesen Umstand für die gewöhnlichste Ursache der Explosion, und man kann nicht läugnen, daß die Form unserer bisherigen Kessel und die unsichere Wirkung ihrer gewöhnlich üblichen Wasserstandszeiger sehr dazu geeignet erscheinen, solche Umstände herbeizuführen. Wie meine Kessel aber gerade geeignet sind, diese Klippe zu vermeiden, habe ich früher schon erwiesen.63)

|259|

Ueberhaupt dürfte es niemand, der nur einige Begriffe von den Grundsätzen hat, wonach Kessel gebaut werden müssen, die auf Sicherheit Anspruch machen sollen, entgehen, wie ich von jeher eifrig bemüht gewesen bin, die in meinem Hauptwerke Seite 101 ausgesprochenen Grundsätze, die Kessel so zu bauen, daß die Gefahr des Zerspringens bei ihnen bis auf ein Minimum gebracht ist, ja sie selbst so zu construiren, daß sie bei einer Explosion keinen Schaben anrichten, immer mehr ins Leben treten zu lassen, und daß ich diesem Ziele immer näher zu treten auch wirklich das Glück gehabt habe. Wer meine bisher nach und nach vorgenommenen Verbesserungen der Hochdruckkessel mit aufmerksamem Auge verfolgt hat, der wird nicht verkannt haben, wie ich die gesammelten, unangenehmen und angenehmen Erfahrungen immer benutzt habe, darauf günstigere und gediegenere Pläne zu bauen, und auch gestehen müssen, daß meine Pläne immer den Gegenstand möglichst erschöpfend behandelt, und darum auch zu immer günstigem Erfolgen geführt haben. Auch ist Gott Lob, obgleich ich einen so ungewöhnlichen Druck anwende, noch nie ein Menschenleben durch meine Hochdruckmaschine in Gefahr gekommen, noch weniger geopfert worden, und frei und dankbar gegen die Vorsehung darf ich bekennen, daß mein Werk von dem gesegnet sey, der alles zum Besten führt, zum Beweise gegen die, die mich gerne verkleinern und verketzern. Werden sie noch nicht bald offen bekennen, daß ich ihre Vorurtheile besiegt und sie überzeugt habe, daß meine Kessel das wirklich sind, was ich ihnen davon verspreche, daß sie in Wahrheit einen reellen Fortschritt in der Sache der Dampfmaschinen bezeichnen, und endlich alle Hindernisse, die der allgemeinen Anwendung der Hochdruckmaschinen bisher im Wege standen, wegzuräumen gegründete Aussicht darbieten? – Man muß nur keine Wunder von meinen Kesseln verlangen, und durch die Ueberspannung der Jetztzeit seine Erwartungen zu hoch treiben über die Gesetze der Natur hinaus.

––––––––––

Ich werde diesen Zeilen noch einige Bemerkungen hinzufügen, welche die Bedingungen fester zu stellen suchen, wonach die Construction meiner Kessel in einigen Theilen und für gewisse Fälle zu modificiren nothwendig erscheinen dürfte. Sie sind die Resultate einer längern Erfahrung und fleißiger Beobachtungen und Versuche. Stehen sie auch zum Theil noch nicht als unumstößlich begründet da, so dürften sie |260| doch ein fruchtbares Material für den vorliegenden Zweck darstellen, und deßhalb dem praktischen Maschinenbauer, der sich mit Ausführung meiner Kessel zu beschäftigen willens ist, fürs erste sehr willkommen seyn. Auch werden sie dazu beitragen, ihn in die Grundsätze, wonach meine Kessel gebaut werden müssen, immer mehr einzuführen und ihn darin zu befestigen, so wie ihn vor Fehlgriffen dabei zu warnen und zu behüten.

Eine vorzügliche Beachtung beim Bau meiner Kessel verdient die Anordnung der Siedröhren, nicht in Hinsicht auf ihre Stellung im Ofen, sondern

  • 1) in Absicht auf ihre für jeden zu erreichenden Zweck nöthige Anzahl,
  • 2) auf ihre als nothwendig erscheinende Länge,
  • 3) ihre Anordnung in gewisse Reihen und die nach verschiedenen Umständen zu bestimmende Anzahl dieser Reihen über einander,
  • 4) endlich auf ihren für gewisse Fälle zu nehmenden Durchmesser.

ad 1) Was die für einen gewissen Zweck nöthige Anzahl von Röhren betrifft, die bei meinem Kessel angewandt werden müssen, der von möglichst genügendem Effecte seyn und diesen mit einem Minimum von Brennmaterialaufwand erzielen soll, so hat die Erfahrung mir ergeben, daß auf die Pferdekraft bei Maschinen von 1 bis 10 Pferdekräften wenigstens 14 bis 16 Quadratfuß Feuerberührungsfläche an den Röhren, d.h. fünf Röhren von 6 Fuß Länge kommen.64) Von da an bis zu 30 Pferdekräften wenigstens 12. Unter diese Zahl würde man nur bei sehr großen Maschinen gehen können, da ich auch hier und gerade vorzugsweise bei diesen Kesseln die Regel aufstellen muß, lieber zu viel als zu wenig zu thun, indem eine größere Feuerberührungsfläche für einen gewissen Zweck immer die Brennmaterialersparung befördert, und man, wenn man eine zu große Wirkung erzielt hätte, immer durch eine Mäßigung des Feuers helfen kann, im Gegentheil eine zu geringe Feuerberührungsfläche durch nichts anders als durch einen unnöthig vermehrten Brennmaterialaufwand wieder aufwiegen kann. Da man nun die Röhren, wie weiter gezeigt werden wird, aus verschiedenen |261| Rücksichten ist verschiedener Länge anwenden kann, so läßt sich diese Regel noch bequemer so stellen, daß auf die Pferdekraft für Maschinen von 1 bis 10 Pferdekräften 30 laufende Fuß Röhrenlänge, für die größern Maschinen 24 Fuß kommen. Bei solchen Umständen wird sich immer ein Arrangement der Röhren treffen lassen, welches allen möglichen Anforderungen genügt, und namentlich eine symmetrische, hinsichtlich ihrer dichten Stellung neben einander völlig genügende Anordnung der Anker in den Herzen zuläßt, die man doch immer gerne so beschafft, daß die Zwischenräume zwischen denselben und der Raum zwischen ihnen und dem die Herzplatten anschraubenden Bolzen so ziemlich gleich groß werden. Ueber die mögliche leichte und bequeme Ausführung dieser Anordnung für alle verschiedenen Fälle dürfte man wirklich überrascht werden.

Alle diese Regeln gelten aber nur für den Fall, daß meine Kessel auf Maschinen von meiner Construction angewandt werden. Die Warschauer Angelegenheit hätte den Beweis hiefür in die Hand gegeben, wenn ich nicht schon früher überzeugt gewesen wäre, daß man bei Hochdruckmaschinen von gewöhnlicher Einrichtung und ohne Expansion wirkend, gar nicht Vorsicht genug anwenden könne, um mit meinen Kesseln zu einem erwünschten Ziele zu gelangen. Man glaube sich daher ja nicht in Ordnung, wenn Bestellungen auf bloße Kessel eingehen, und einem die Anzahl der Pferde angegeben wird, die der Kessel repräsentiren soll. Dieser Anhaltspunkt ist ein sehr unbestimmter, und man würde ebenso unvorsichtig verfahren, wenn man dann nach den eben angegebenen Regeln seine Anordnungen treffen wollte, als wenn man bei einer Verproviantirung von Menschen sich nicht darum kümmerte, von welchem Schlage diese Menschen sind, ob Kinder oder Erwachsene, stark oder wenig essende Subjecte etc. In solchen Fällen kann man, wie der Warschauer Kessel gezeigt hat, gar nicht zu viel thun, und man nehme lieber das Doppelte, was meine obigen Regeln geben, als weniger. Der Kessel der Malchower Maschine hat dieselben Dimensionen, die der Warschauer hat, ist mit diesem ganz nach einer Zeichnung gearbeitet, und in Malchow ist er an einer nach meinem Princip gebauten Maschine von 20 Pferdekräften eher zu groß als zu klein, während er in Warschau, noch dazu bei einer Heizung mit Holz, also einem viel günstigem Brennmaterial als derjenige Torf ist, mit welchem die Malchower Maschine geheizt wird, anfangs nicht viel über die Hälfte der Kraft hervorbrachte.

|262|

ad 2) Die Länge der Röhren wird vorzugsweise von zweierlei Umständen bestimmt:

  • a) Durch die Forderung, im Verhältniß zur Feuerberührungsfläche der Röhren möglichst wenig Fläche im Heizraume des Ofens zu erhalten, da diese Fläche, je größer, je mehr Wärme absorbirt. Nimmt man kürzere Röhren, so müssen mehrere derselben angewandt werden, um dieselbe Feuerberührungsfläche zu erhalten, und die innern Wände des Ofens werden kürzer, treten also in ein günstigeres Verhältniß zu dieser Feuerberührungsfläche, worauf großes Gewicht zu legen ist. Diese Rücksicht hat vorzüglich Gewicht bei Kesseln kleinerer Maschinen.
  • b) Durch die Forderung, bei kleinen Kesseln nicht zu lange Roste zu bekommen. Die Breite derselben würde dann, da immer eine Rostfläche von bestimmter Größe bei irgend einer hervorzubringenden Kraft nöthig ist, im Verhältniß zur Länge zu schmal ausfallen, welcher Umstand für den Heizproceß Unbequemlichkeiten hat, auch nöthig macht, den Heizraum von den Röhren bis zum Rost hinunter einzuziehen, eine immer schwierige Aufgabe für die Maurer, welche oft die feuerfesten Steine zu diesem Zwecke behauen müssen – eine Operation, welche bei dieser Sorte von Steinen theils mehr Schwierigkeiten als bei den gewöhnlichen Ziegeln hat, theils die Steinflächen weniger dauerhaft gegen das Feuer macht.

ad 3) Dem Leser wird von früher her noch erinnerlich seyn, daß ich statt der zuerst angeordneten acht Röhrenreihen über einander, jetzt 10 und auch 12, und zwar mit sehr günstigem Erfolge, nehme. Jedoch dürften auch hier einige Modifikationen gelten, z.B. dann, wenn

  • a) mit sehr hellbrennendem und viele Flamme gebendem Brennmaterial, namentlich schönen, eine sehr helle und hohe Flamme entwickelnden Steinkohlen oder Holz gefeuert wird. Ich sah in dieser Beziehung bei dem Revallenser Kessel Erscheinungen, die eine Vermehrung der 12 Röhrenreihen noch um wenigstens 4 wünschenswerth machten. Die daselbst verwandte Kohle gab nämlich eine starke Flamme, und ich mußte bemerken, wie diese Flamme noch über die Röhren, durch die Oeffnung der Hitzevertheilungsplatte in den aus dem Ofen in den Schornstein führenden Canal zog. Es entwich in diesem Falle also augenscheinlich viele Hitze aus dem Ofen, die, wenn mehr Röhrenreihen über einander angebracht gewesen wären, noch nützlich verwendet worden wäre. Derselbe |263| Fall würde gewiß eintreten, wenn die Flamme durch einen gebläseartigen Zug oder gar durch ein Gebläse angefacht und dadurch genöthigt würde mit großer Eile durch den Heizraum und zwischen die Röhren hindurch zu streichen.65)
  • b) Es kann aber auch bei gewissen Brennmaterialien, die nur dunkel brennen, und deren Hitze sich nicht hoch über den Rost erhebt, z.B. bei manchen Sorten Braunkohlen und Torf, nöthig werden, die Anzahl der Röhrenreihen bis auf 8 zu vermindern.
  • c) Dieselbe Rücksicht würde eintreten, wenn, wie bei Seeschiffen, Röhren von weiterm Durchmesser als von 2 Zoll, etwa von 2 1/2 bis 3 Zoll Durchmesser angewendet würden; denn die Flächen, welche die Hitze während ihres Aufsteigens im Heizraume berührt, erscheinen an den weitern Röhren größer und ausgedehnter als an den zweizölligen.

ad 4) Weitere Durchmesser als die von 2 Zoll dürften in allen den Fällen sehr zu empfehlen seyn, wo viel Kesselstein aus dem Speisewasser sich ablagert, und eine baldige Verstopfung enger Röhren zu fürchten ist, oder bei Seekesseln, um dem sich bildenden Seesalze weitere Abzugswege zu den Herzen und den an denselben angebrachten Ausblasehähnen hin zu eröffnen, wenn man nicht die Rücksicht bei Anwendung weiterer Möhren gelten lassen will, daß Kessel mit solchen Röhren im Verhältniß zu ihrer Feuerberührungsfläche mehr Wasser enthalten als die mit engen Röhren, was für manche Zwecke gewiß sehr wünschenswerth erscheint, namentlich da, wo öftere Pausen im Betriebe der Kessel vorkommen, z.B. auf Dampfschiffen an den Landungsplätzen, oder wo man ein Brennmaterial anwenden muß, mit dem keine ganz gleichmäßige Hitze im Ofen zu erzielen ist, z.B. bei Feuerung mit Kiefernholz, Sägespänen etc.

Eine große Berücksichtigung verdient der Bau der Oefen für meine Kessel; denn der Einfluß, welchen ein guter und zweckmäßiger Ofen auf die Wirkung des Kessels übt, ist, wie ich dieß wieder in Warschau erfahren habe, ein außerordentlicher, und es kann daher |264| nicht Sorgfalt genug angewendet werden, ihn richtig nach meinen Vorschriften aufzuführen. Wenn ich auch sonst die Aufstellung einer Dampfmaschine nicht so genau mehr beaufsichtige als früher, so thue ich es doch noch immer gerne beim Bau der Oefen für die Kessel; denn ein kleines Versehen kann hier oft den ganzen gehofften Erfolg der Dampfmaschine vereiteln. Im Allgemeinen dürften folgende Regeln bei Aufzeichnung der Pläne für die Oefen und beim Aufrichten derselben vorzugsweise gelten:

  • 1) Man sorge dafür, daß der Feuerherd immer beinahe so lang werde als die Entwickelungsröhren, und so breit als der Heizraum. Daß dieß möglich sey, darauf habe ich eben bei a der vorhergehenden Zeilen hingewiesen.
  • 2) Man richte den Aschenfall nie zu niedrig ein, das Minimum seiner Höhe sollte nie unter 18 Zoll gehen.
  • 3) Man braucht vom Roste an gerechnet nur bis zur halben Höhe des Heizraumes hinauf feuerfeste Ziegelsteine anzuwenden; denn weiter hinauf erscheint die Hitze im Heizraume schon sehr gemildert.
  • 4) Man richte den Zwischenraum zwischen den einzelnen Röhren und den Heizungsraumswänden genau nach der in diesem Journale Bd. CXI S. 166 von mir gegebenen Regel ein. Größere Zwischenräume als die dort angegebenen verursachen Hitzeverschwendung, indem die Hitze zu schnell durch sie an den Röhren vorüberstreicht, nicht genug an sie herangedrängt wird; engere verstopfen sich leicht mit Asche und Ruß. Vorzügliche Beachtung verdient aber die Entfernung der äußersten Röhren von der Ofenwand. In meinem Hauptwerke habe ich diese Entfernung so bestimmt, daß sie die Hälfte derjenigen zwischen den einzelnen Röhren betrage, und dieß haben meine späteren Erfahrungen immer als richtig erkannt. Richtet man die Entfernung zu groß ein, so wird ein zu freier Abzugscanal für die Hitze zwischen Röhrenwand und Ofen gebildet, und diese wird immer lieber durch diesen, also den weitern Weg, als durch die engern Zwischenräume zwischen den Röhren gehen. Man vergleiche hier, was ich in diesem Journale Bd. CXVIII S. 325 über diesen Punkt gesagt habe. Bei den Seekesseln gelten für die Zwischenräume zwischen Röhren und seitlichen Wasserkammern dieselben Regeln.
  • 5) Man richte die Oeffnungen in der Hitzevertheilungsplatte genau nach der in meinem Hauptwerke gegebenen Regel ein. Bei sehr |265| starkem Zuge gebe man ihnen eher etwas kleinere Dimensionen, auch beschränke man ihre Anzahl auf nicht zu wenige Nummern. Auf jede 5 Zoll der Breite des Heizungsraums muß wenigstens eine Längsreihe von Oeffnungen fallen.
  • 6) Man lasse die Hitzevertheilungsplatte nicht zu schwach gießen, weil sie sich sonst leicht wirft. Sie sollte wo möglich 3/4 Zoll stark seyn, und querüber zwischen den Oeffnungen und ihrer untern Fläche Rippen enthalten; auch muß sie auf dem Mauerwerke nicht zu knapp aufliegen, sondern wenigstens 3 Zoll breit auf jeder Seite.
  • 7) Die mittlere Entfernung der Hitzevertheilungsplatte von der obern Fläche der höchsten Röhrenlage muß wenigstens immer 5 Zoll, diejenige von der Platte bis zu den Recipienten 8 Zoll betragen.
  • 8) Vor allen Dingen hat man aber dahin zu sehen, daß der aus dem Heizungsraume horizontal in den Schornstein führende Zug möglichst von der Mitte des Heizungsraumes ausgehe, immer bedeutend breiter als hoch sey, und sich bis zu der berechneten Breite vom Heizraume aus allmählich zusammenziehe. Um ihn decken zu können, wird er mit Zungen versehen. Die zwischen diesen freibleibenden Oeffnungen müssen zusammen genommen dasjenige Areal haben, was ich in meinem Hauptwerke für den Canal angegeben habe.

Ich muß schließlich noch auf einen Punkt aufmerksam machen, der bei Anlage meiner Kessel eine Hauptberücksichtigung verdient, wenn man den gehörigen Effect von denselben erreichen will.66) Er ist der, daß |266| man dieselben durchaus mit demjenigen Dampfdrucke arbeiten lassen muß, der für meine Maschinen gilt, ich meine den von 7 bis 8 Atmospären. Meine von meiner spätern Erfahrung immer mehr bestätigt werdenden Gründe für die Aufstellung dieses Satzes ergeben sich zwar schon aus meinen frühern Mittheilungen über meine Kessel, indessen will ich hier noch folgendes anführen:

  • 1) In dem Falle, daß man meine Kessel mit zu niedrigem Drucke arbeiten läßt, müssen sie im Verhältnisse zum Effecte der Maschine mehr Wasser verdampfen, und desto größer muß die Speisepumpe seyn. Man vergleiche, um mich hier ganz zu verstehen, das was ich in diesem Journale Bd. CXI S. 8 gesagt habe. So paradox dieß auch anfangs klingen mag, so wahr ist es doch, und jeder Mechaniker, der sich einmal auf meinem Felde des höhern Drucks versucht hat, wird diese wieder von mir in späterer Zeit, unter andern in Reval und Warschau gemachte Erfahrung vollkommen bestätigt finden. Deßhalb muß ich hier auch wiederholt anrathen, meine Kessel mit einem a. a. O. schon empfohlenen Valcourd'schen Druckventile zu versehen, wenn man in die Nothwendigkeit versetzt werden sollte, sie für einen niedrigeren Druck als den von 7 bis 8 Atmosphären in Thätigkeit zu setzen.
  • 2) Bei Anwendung eines zu niedrigen Drucks in meinen Kesseln wird der Kesselstein eine festere Gestalt annehmen, und es werden dann alle diejenigen Schwierigkeiten eintreten, die dessen Entfernung aus so engen Gefäßen, als mein Kessel enthält, herbeiführt, und deren große Unannehmkeit jeder Mechaniker zur Genüge kennt.
  • 3) Die Wallungen in meinen Kesseln werden bei Anwendung eines niedrigen Druckes zu stark, indem die in dem Wasser aufsteigenden Dämpfe ein größeres Volumen einnehmen, und mehr Wasser aus den Röhren austreiben, so daß dieses nicht mehr so innig mit den Röhrenwänden in Berührung bleibt, und diese dann leicht überhitzt werden. Auch enthalten meine Kessel aus diesem Grunde bei niedrigem Drucke nicht so viel Wasser als bei hohem.

–––––––––––

Allen Mechanikern, die Neigung haben, meine Kessel und Maschinen nachzubauen, und hinsichtlich der von mir gegebenen und bei dem Bau |267| derselben geltenden Regeln vielleicht zu ängstlich wären, bin ich gerne erbötig, Zeichnungen dazu bei mir unentgeltlich anfertigen zu lassen, wenn sie mich in dieser Hinsicht mit ihrem Vertrauen beehren, und mir genau die nöthige Stärke der Maschine angeben, auch über die Localität für dieselbe und die Einrichtung der zu betreibenden Werke gehörige und durch Zeichnungen erläuterte Auskunft geben wollen.

|241|

Dieses wird immer am besten so vorgenommen, daß man, wenn der Dampf abgeblasen ist, nach und nach kaltes Wasser zulaufen läßt, während man den Abzapfhahn öffnet. Das kalte Wasser wirkt auf diese Weise nicht so plötzlich auf den Kessel ein, sondern vermindert die Temperatur desselben, indem es sich zuerst mit dem heißen Wasser mischt, allmählich. Zuletzt läßt man nicht mehr kaltes Wasser zulaufen, und den Abzapfhahn so lange offen, bis alles Wasser aus dem Kessel abgelaufen ist. Beim Ablassen des Wassers muß man auch sehr vorsichtig seyn, namentlich den Ofen, dessen Wände durch den längern Betrieb glühend geworden sind, vorher bei offener Heizthür und starkem Zuge von kalter Luft durch denselben etwas abkühlen lassen, sonst wirkt die Glühhitze desselben nachtheilig auf den leeren Kessel und dessen Fugen, vorzüglich aber auf die Röhren und ihre Dichtungsstellen ein. Besorgt man des Sonntags die Reinigung, so kann man die Nacht vorher den Ofen auf diese Weise sich abkühlen lassen.

|242|

Die vielen chemischen und mechanischen Mittel, um den Niederschlag des Kesselsteins in den Kesseln theils zu verhüten, theils ihn locker zu erhalten oder gar aufzulösen, will ich hier nicht erwähnen. Die meisten derselben sind unpraktisch, indem sie theils das Wasser im Kessel dick und trübe, schmierig und schleimig machen, wobei dieses leicht aufschäumt und mit allem Schlamm in die Maschine überkocht, und dann immer abgelassen werden muß, theils, als mehr chemisch einwirkend, für das Metall der Kessel oft schädlicher als der Kesselstein selbst sind. Ein neuer ganz merkwürdiger Vorschlag als Mittel, um die Absetzung des Steins zu verhüten, ist wieder derjenige, Scheite Eichenholz in den Kessel zu thun. Man hört von manchen Seiten günstige Zeugnisse über dieses Mittel, und es sollen manche Erfahrungen zu seinem Vortheile sprechen Da es aber ein solches Zeugniß mit allen bisher empfohlenen Mitteln gemein hat, so gebe ich im Ganzen nicht zu viel darauf. Ich habe keine Versuche darüber anstellen können, weil meine Kessel in allen Theilen zu klein von Durchmesser sind, um gehörig Holzscheite in sich aufnehmen zu können. Sie enthalten schon an sich zu wenig Wasser, um diesen Wasservorrath noch durch eine dem Verdampfungsprocesse entsprechende Menge Holzscheite zu verdrängen, und so zu verkleinern. Sollte der Holzsaft und der Gerbestoff im Eichenholze hier das Wirksame seyn, so wäre übrigens das Mittel auch nicht mehr neu, denn Gerberlohe ist früher schon vorgeschlagen. Man brauchte dann die Scheite selbst auch nicht einmal in den Kessel zu thun, sondern könnte durch Dämpfe die wirksamen Bestandtheile vorher aus dem Holze ausziehen, und sie für sich in den Kessel thun. Sie würden überdieß auch leichter in denselben zu bringen seyn, als große Scheite, die schon immer eine Oeffnung der Recipienten verlangen.

|243|

Trevithik und Vivian wandten schon bei den gußeisernen Kesseln ihrer ersten Lokomotiven solche Vorwärmer zum Zwecke der Erneuerung des Speisewassers |244| durch die aus der Maschine blasenden Dämpfe an. Man vergl. Christian's Traité de mécanique industrielle, Planche 25, die Buchstaben V und Q. Auch Perkins empfahl einen ähnlichen Apparat, und nahm ein Patent darauf. Die Erwartungen, die er davon hegte, waren aber eine seiner sanguinen Extravaganzen, die bei ihm leider nur zu sehr aus der Branntweinstasche kamen. Man sehe seine Patentbeschreibung über diesen zu genialen Gedanken in diesem Journale Bd. XIII S. 305, wo auch eine Abbildung desselben gegeben ist. Der gute Mann hat nur vergessen, daß der aus der Hochdruckmaschine strömende Dampf sich, er mag im Kessel und in der Maschine einen noch so hohen Druck gehabt haben, bei seinem Ausströmen aus letzterer bis zum Drucke einer Atmosphäre herunter ausdehnt, und folglich auch nur dessen Temperatur behält. Ein Dampf von 80 Grad kann aber dem Wasser keine höhere Temperatur als höchstens seine eigene mittheilen. Man sehe hier nach, was ich schon Bd. XXVII S. 347 dieses Journals in der Note 3 gesagt habe.

|246|

Hr. Dr. Lüders hat mir mitgetheilt, daß bei Braunkohlenfeuerung sich die Zwischenräume zwischen den Röhren leicht verschlammen, und daß dieser Schlamm so schmierig und so zähe sey, daß er nur mit einiger Mühe zu entfernen ist.

|251|

Polytechn. Journal Bd. CXIII S. 85. Sie werden vorzugsweise von den HHrn. Schaeffer und Comp. in Magdeburg angefertigt, und ist deren Fabricat besonders zu empfehlen.

|252|

Die HHrn. Schaeffer und Comp. in Magdeburg hatten die Güte, mir vor einiger Zeit einen Manometer nach Art des Schinz'schen, jedoch mit einigen zweckmäßigen Veränderungen, zur Probe an meinen Kesseln für hohen Druck zuzusenden. Derselbe ist an dem Kessel meines Etablissements von mir so angebracht worden, daß ich ihn stets vor Augen habe. Ich kann demselben zu seinem Ruhme nachsagen, daß, wenn er auf lange Zeit aushalten sollte, kein besserer Manometer gedacht werden kann, als er repräsentirt. Seine Empfindlichkeit ist so groß, daß er wie ein Quecksilbermanometer jeden Hub der Maschine anzeigt. Auch hat derselbe seit beinahe einem Vierteljahre seines täglichen Gebrauchs keinerlei nachtheilige Veränderungen gezeigt, namentlich tritt er beim Erkalten des Kessels stets genau in seine anfängliche Stellung zurück, welche Erscheinung durchaus gegen ein Nachlassen seiner Federkraft spricht.

|253|

Man vergleiche hier Hrn. Professor Rühlmanns Recension meines Hauptwerkes in den Mittheilungen des Gewerbevereins für das Königreich Hannover, 1842, 31ste Lieferung, S. 267.

|257|

Man hat überhaupt sehr darauf zu sehen, daß Lecke am Kessel, namentlich an den Recipienten da sehr vermieden werden, wo selbige im Mauerwerke des Ofens liegen. Die Ofenwand erhält sich an der betheiligten Stelle dann immerwährend feucht und bewirkt dadurch an dem Metalle des Kessels einen so hohen Grad von Oxydation, daß, wie ich verschiedenemale zu bemerken Gelegenheit hatte, tiefe Gruben von größerm oder geringerm Umfange hineinrosten, die leicht gefährlich werden |258| können. Ich gebe deßhalb meinen Kesseln vor dem Einlegen in den Ofen immer gerne einen zwei- oder dreifachen Anstrich von fetter Oelfarbe, und vermeide vor allen Dingen Lecke sehr sorgfältig. Es sind mir alte cylindrische Kessel vorgekommen, wo das Metall an den tief eingerosteten Stellen kaum noch eine Linie stark geblieben war. Vielleicht ist dieser hier angeregte Gegenstand Ursache mancher Explosion geworden, und verdient daher große Beachtung.

|258|

Vorzüglich schützend gegen diese Art von Explosionen tritt wohl die geringe Metallstärke derjenigen Wände meiner Kessel auf, die den Dampf liefern, also der Röhrenwände. Werden selbige auch einmal überhitzt, so ist die Anhäufung von Wärmestoff in dünnen Wänden in dem Maaße geringer, als sie weniger Metall enthalten (dem Volumen und dem Gewichte nach).

|260|

Ich habe früher schon bemerkt, daß man, bei Anwendung engerer Röhren und weiterer Zwischenräume zwischen denselben, mehr Feuerberührungsfläche nöthig habe, als bei den Kesseln Nr. II meines Hauptwerkes, daher denn auch die daselbst gegebenen Regeln hier eine Abänderung finden müssen.

|263|

Bei dem hiesigen Dampfschiffe wirkt ein gebläseartiger Zug auf den Kessel ein, und die Hitze würde gewiß weniger Wirkung auf die acht Röhrenreihen desselben hervordringen, und mehr oder weniger ungenutzt aus dem Ofen entweichen, wenn die Röhrenreihen bei diesem Kessel nicht enger an einandergedrängt wärenso daß die zwischen ihnen durchstreichende Hitze mehr Widerstand bei ihrem Durch, gange findet.

|265|

Im polytechn. Journal Bd. CXX S. 233 ist unter dem Titel: Kleine Dampfkessel mit sehr hohem Drucke eine Notiz von dem Civil-Ingenieur Karl Kohn mitgetheilt, worin er angibt. daß ein Dampfkessel von 5 Fuß Länge, 2 Fuß Durchmesser und von 6 Linien starkem Bleche construirt, dessen Oderfläche 27,68 Quadratfuß und circa 25 Quadratfuß Feuerfläche beträgt, und dessen Leistung nach der gewöhnlichen Annahme gleich 1 1/2 Pferdekraft ist, bei einer constanten Spannung von zwölf Atmosphären Ueberdruck denselben Dienst bei continuirlichem Gang der Maschine von acht Pferdekraft, wie ein Kessel von 20 Fuß Länge, 4 Fuß Durchmesser und 3,5 Linien dickem Bleche bei 2 1/2 Atmosphären Ueberdruck leistete. Der Brennmaterialverbrauch des kleinen Kessels verhielt sich zu dem des großen wie 7 zu 9. Wenn diese Notiz gleich eine Bestätigung meiner Ansichten über die Vortheile sehr hochdrückender Dämpfe ist, so scheint sie mir doch ebenso, wie die Oliver-Evans'sche Angabe in diesem Punkte über die Wirklichkeit hinauszugehen, und ist mir dergleichen noch nie vorgekommen, obgleich ich schon mit einem weit höhern Drucke als dem von 12 Atmosphären wirklich gearbeitet habe. (S. mein Hauptwerk S. 94 und dieses Journal Band XXVIII S. 337.)

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