Titel: Jacquelain, über die künstlichen Dünger.
Autor: Jacquelain, V. A.
Fundstelle: 1852, Band 126, Nr. LXXI. (S. 377–388)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj126/ar126071

LXXI. Ueber die künstlichen Dünger; von V. A. Jacquelain, Präparator an der Centralschule für Künste und Manufacturen zu Paris.

Aus dem Bulletin de la Société d'Encouragement, Novbr. 1851, S. 697.

Mit Abbildungen auf Tab. VI.

Bemerkungen über Zusammenstellung der Resultate bei Dünger-Analysen. – Ueber die bei Bereitung der Dünger zu befolgenden Regeln. – Ueber die bei Bestimmung des landwirthschaftlichen Werthes eines Düngers zu beobachtenden Punkte. – Verfahren zum Analysiren sehr complicirter Dünger.

Der neue Industriezweig der Düngerfabrication wird mit der Zeit seine eigenen Märkte, seine Mäkler, Probirer und seine Gesetzgebung erhalten, da eine Anzahl leicht zu beurtheilender Producte von charakteristischen Eigenschaften jetzt schon ihren festen Curs hat. Leider wurde der Düngerhandel in Frankreich bisher nicht selten in wucherischer Weise betrieben, indem eine Anzahl Fabrikanten, auf die Leichtgläubigkeit vieler |378| Landleute speculirend und auf die Schwierigkeit der Analyse complicirter Dünger bauend, es wagte, ziemlich werthlose Gemenge anzufertigen.

So schwierig es ist, die Gegenwart gewisser organischen Substanzen im Dünger zu ermitteln, so schwer ist auch ihre quantitative Bestimmung. Diese Substanzen werden daher bei der Analyse der künstlichen Dünger oft sehr ungenügend bestimmt. Ich theile zur Unterstützung des Gesagten im Folgenden wörtliche Citate mit, nicht um das Verdienst der betreffenden Analytiker zu verkleinern, sondern bloß um die gebrauchten Bezeichnungen zu erörtern.

So führt Hr. Sussex, Verfasser eines Werks über die Dünger,84) bei seinen Analysen der Dünger von Huguin, Bikes und Dusseau folgende Bezeichnungen auf:

Huguin. Bikes. Dusseau.
38,50 10,00 1,82 stickstofffreie organische Substanzen;
1,00 1,50 3,00 Stickstoff;
27,50 0,00 4,60 phosphorsaure Salze;
5,20 1,50 0,00 Salze;
0,00 7,70 0,00 Kohle;
0,00 67,00 0,00 Gyps;
2,80 9,00 7,68 Schwefelsäure;
25,00 12,30 82,90 Wasser.

In erster Reihe erscheinen hier die Worte: stickstofffreie organische Substanzen. Durch diese Bezeichnung erfährt man nichts über die Natur der organischen Bestandtheile; es ist aber nicht gleichgültig, ob in einem Dünger Humus oder Kleister von verdorbenem Stärkmehl ist, oder sehr schlechte, bloß durch Säuren oder Alkalien ihres Zusammenhangs beraubte Leinen-, Hanf- oder Baumwolllumpen. Hierauf heißt es Stickstoff, wobei wir uns wundern müssen, diesen einfachen Körper in der procentischen Zusammensetzung zu finden, da doch die Bestimmung dieses Elements in der Regel in der Absicht besonders vorgenommen wird, den Werth eines Düngers leichter annähernd schätzen zu können. Man hätte sonach den Stickstoff besonders aufführen, und die stickstoffhaltigen und stickstofffreien organischen Bestandtheile des Düngers in der procentischen Zusammensetzung desselben speciell angeben sollen.

Ferner finden wir phosphorsaure Salze, und Salze ohne nähere Bezeichnung angegeben; in gewissen Fällen wäre es aber z.B.

|379|

vorzuziehen, kieselsaures und salpetersaures Kali statt des Kochsalzes und schwefelsauren Natrons zu haben. So leuchtet auch jedermann ein, daß wenn man, in Ermangelung anderer brauchbarer Stoffe, was die Kohle betrifft, bei der Düngerfabrication zwischen gepulverter Holzkohle und Anthracit zu wählen hätte, erstere vorzuziehen wäre.

Hinsichtlich einer andern Düngerprobe gibt Hr. E. Moride als Resultate seiner Analyse an, daß der Huguin'sche Dünger 90 Theile Thierkohle aus Raffinerien und 10 Theile Pflanzenleim85) enthalte. Hier frägt es sich wieder, was ist unter Pflanzenleim (colle végétale) zu verstehen; ist es Mehl- oder Stärkekleister, welche ebensogut Pflanzenleime sind, wie Dextrin, geröstetes Stärkmehl, Gummi und Pektin.

In einem Bericht an den landwirthschaftlichen Verein der Marne, vom August 1850, drückt sich Hr. Ponsard wie folgt aus: „Der Dusseau'sche Dünger soll für die Hektare bestehen aus 1 Kil. salzsaurem Ammoniak, 10 Liter Wasser, 1 Kil. in der Flüssigkeit suspendirter Thierkohle oder getrockneten Bluts.“ 86) Die Trennung des Bluts von der Thierkohle ist aber zu wichtig und zu leicht, als daß ein Chemiker sie unterlassen dürfte, zumal ihr Düngwerth ein sehr verschiedener ist.

Ebenso verhält es sich mit der von Girardin und Lepage 87) ausgeführten Analyse des Huguin'schen Düngers. Dieselben bestimmten den Gehalt an organischen Substanzen und Kohle zusammen. Bei dem Dusseau'schen Dünger gebrauchen sie die Bezeichnungen: stickstoffhaltige organische Substanzen, stickstofffreie Substanzen mit phosphorsauren Salzen.88) Lassen sich bei solchen Angaben über die Zusammensetzung eines Düngers nicht sehr vielerlei Gemenge denken, indem man nur das Verhältniß der einzelnen Zuthaten abändert, ohne an der Ziffer ihres Gesammtbetrages etwas zu ändern?

In den Dünger-Analysen des Hrn. Soubeiran 89) werden unter der Benennung „organische Materie“ der Kohlenstoff der Thierkohle und die stickstoffhaltigen Substanzen (Blut, Gallerte etc.) vereinigt, auch gebraucht er den allgemeinen Ausdruck „erdige Materie.“ Folgendes sind die beiden Analysen Soubeiran's:

|380|
Dünger für Hanf
und Lein.
Für Bäume
und Sträucher.
Kochsalz (Seesalz) 2,80 3,40
Salpeter 2,00 1,90
schwefelsaures Natron 2,18 2,27
„ Kali 0,87 1,10
„ Kalk 2,40 2,70
phosphorsaurer Kalk 29,00 26,60
kohlensaurer Kalk 5,70 5,30
organische Materie 45,25 46,30
erdige Materie 10,43 10,10
Wasser 4,50 5,10
––––––––––––––––––––––
100,00 100,00
Stickstoff 5,62 Proc. des Düngers.

Diese Art die Resultate von Analysen anzugeben, ist zu unrichtig und entspricht weder dem Zweck des Verkäufers noch dem des Käufers.

Wenn wir die von den Pflanzen in der Regel verwendeten und assimilirten Stoffe zu classificiren suchen, so erhalten wir wenigstens sechs Kategorien: 1) phosphorsaure Salze; 2) Alkalisalze mit anderen Säuren; 3) Ammoniaksalze; 4) stickstofffreie Substanzen; 5) stickstoffhaltige organische Substanzen; 6) unwirksame absorbirende Stoffe.

Es müssen nicht nur alle diese Bestandtheile sorgfältig quantitativ bestimmt werden, sondern es muß auch die Gattung und Art des ursprünglich vorhandenen Salzes, die Natur der organischen Substanzen, sowie diejenige der kohligen oder absorbirenden Stoffe möglichst genau angegeben werden.

Betrachtet man die Erscheinungen der Ernährung und Respiration der Thiere bloß nach dem Endresultate der vortrefflichen Versuche Boussingault's über die Ernährung der erwachsenen Thiere, so kann man folgenden Satz aufstellen:

„Ein erwachsenes Thier, welches die zu seinem Unterhalt erforderliche Ration erhält und dabei eine Arbeit verrichtet, welche die durch diese Ration wieder herzustellenden Kräfte nicht überschreitet, ist lediglich ein mehr oder weniger intelligenter Apparat, welcher zuerst durch Verbrennen des Kohlenstoffs sowie des Wasserstoffs der verzehrten Nahrungsmittel Kraft erzeugt, dann aber dem Landwirthe alle Materialien seines Düngers liefert.“

Zu behaupten, daß die verzehrten Nahrungsmittel gar nicht assimilirt werden, hieße einen großen Irrthum vertheidigen. Durch den Act der Verdauung wird die Assimilirung in der Art vorbereitet, daß |381| die Stoffe der modificirten Nahrungsmittel sich in dem Organismus fixiren, um die von ihm bei der regelmäßigen Erfüllung der Lebensverrichtungen erlittenen Verluste jeder Art wieder zu ersetzen. Das mit der zu seinem Unterhalt erforderlichen Ration gefütterte Thier scheidet folglich durch eine Art periodischer Erneuerung aus seiner Oekonomie täglich ein Quantum von Stoffen aus, welche durch die behufs seiner Ernährung und Respiration aufgenommenen Elemente quantitativ und qualitativ repräsentirt werden.

Diese kurze Abschweifung war nothwendig, um darzuthun, daß unsere geschicktesten landwirtschaftlichen Chemiker mit Recht gut zubereiteten landwirthschaftlichen oder Stall-Dünger als Anhaltspunkt für alle als Dünger dienenden Natur- oder Kunstproducte wählen. Wenn auch einige Culturen besondere Dünger erheischen, welche von irgend einem organischen oder salzigen Bestandtheil mehr enthalten, so bleibt dennoch guter Stalldünger in vielen Fällen der Typus der Dünger, der Normaldünger. Derselbe vereinigt alle wesentlichen Bestandtheile der Streu und des den Thieren gegebenen Futters; er enthält überdieß die organischen oder organisirten Stoffe in einem solchen Zustand von Veränderung, daß er den Pflanzen während der ganzen Dauer ihres Wachsthums ihren Bedarf zu liefern vermag.

Die Düngerfabrikanten müssen folglich darnach trachten, Gemenge zu bereiten, deren Zusammensetzung sich möglichst derjenigen des Stalldüngers nähert. Dabei haben sie noch auf das Klima, die Beschaffenheit des Bodens und den Cohäsionszustand der organischen Substanzen Rücksicht zu nehmen, weil durch diese Umstände eine mehr oder weniger leicht eintretende Veränderung bedingt wird, entweder in Berührung mit der Luft und dem Boden, oder durch Einwirkung chemischer Agentien, wie z.B. der Säuren auf stickstoffhaltige Substanzen, oder der alkalischen Basen auf die stickstofffreien organischen Substanzen.

Bei allen fäulnißfähigen thierischen oder pflanzlichen Substanzen, wodurch sie den Stalldünger ersetzen wollen, haben sie deren Stickstoffgehalt zu berücksichtigen, um die dem Stallmist äquivalente Menge derselben berechnen zu können. Wenn das theoretische Aequivalent von der Erfahrung noch nicht bestätigt ist, so sind von Sachverständigen Versuche darüber zu veranlassen.

Der zu solchen Versuchen gewählte Boden muß auf der Oberfläche und in seiner ganzen bearbeitbaren Tiefe gleichartig zusammengesetzt seyn; er soll weder Dünger noch Ernterückstände enthalten, muß eben und horizontal seyn. Nach der gehörigen Bearbeitung theilt man ihn |382| mittelst des Pfluges in fünf gleiche Theile ab, zwischen welchen Platz genug gelassen wird, um jeden Einfluß der zunächst befindlichen Abtheilung und das Hinüberlaufen ihres Wassers im Falle eines Gußregens zu verhüten. – Hat man es mit einer Getreideart zu thun, so düngt man und säet mit größter Regelmäßigkeit die gleiche Gewichtsmenge Samen ein.

Jede Abtheilung erhält wenigstens zwei Aren (Quadratruthen) Fläche; eine wird zu der Saat bestimmt, die man mit Stalldünger befruchtet, die zweite wird mit dem künstlichen Dünger behandelt und die dritte für den Anbau ohne Düngung bestimmt.

Der Stalldünger sowohl als der künstliche Dünger werden in einem solchen Zustand der Zertheilung angewandt, daß man ihrer gleichartigen Zusammensetzung versichert ist. Zwei weitere Abtheilungen widmet man zwei Düngerportionen, deren eine größer und die andere kleiner ist als das nach dem Stickstoffgehalt berechnete Aequivalent.

Um das Befruchtungsvermögen eines künstlichen Düngers genau beurtheilen zu können, muß er dasselbe Gewicht salziger Stoffe enthalten wie der Stalldünger womit er verglichen werden soll, damit die an ihm beobachteten guten oder schlechten Eigenschaften nur der Natur der stickstoffhaltigen organischen Substanz zugeschrieben werden können, durch welche man den Stalldünger zu ersetzen beabsichtigt.

Man zeichnet hierauf jeden Tag die niedrigste und höchste Temperatur und die Beschaffenheit des Wetters auf; notirt Regentage und Regenmengen; das Aussehen der Vegetation in ihren verschiedenen Stadien; die zwischen der Zeit der Aussaat, dem Aufgehen der Saat und der Ernte verstrichene Zeit. Letztere Aufzeichnung muß für jede Abtheilung bei gleichem Punkt der Reife geschehen, worauf man zur Ermittelung des Ertrags schreitet.

Hierzu bestimmt man zuerst das Gewicht der Garben, dann dasjenige der Körner, sobald diese durch das Ausdreschen aus dem Stroh gelöst und durch die Putzmühle von den Hüllen befreit sind; endlich werden die Bälge und das Stroh jedes besonders gewogen.

Ist dieß alles geschehen, dann hat der Chemiker einzutreten, theils um diese Versuche zu vollenden, theils um die schon von Boussingault mit Erfolg behandelte Frage hinsichtlich des Ernährungsvermögens der Futtergewächse praktisch zu lösen.

Nachdem man, was durchaus nothwendig ist, durchschnittliche Proben der unter diesen verschiedenen Umständen angebauten Körner, des Strohs, der Bälge auf einen constanten Grad der Austrocknung gebracht und hierauf durch die Analyse die Verhältnisse der in allen |383| diesen Proben enthaltenen organischen Bestandtheile und Mineralstoffe bestimmt hat, so erhält man, wenn man diese Beobachtungen auch mit andern Düngerarten wiederholt, alle Elemente zur Lösung folgender Punkte.

Man kann in einem gegebenen Klima 1) das mittlere Aequivalent eines Düngers bestimmen; 2) sich über den Einfluß der stickstofffreien organischen Bestandtheile eines Düngers auf die Ernte Rechenschaft geben; 3) den Werth des alten Düngers bei der Aufeinanderfolge der Culturen berechnen; 4) die mittlere Temperatur finden, welche der Dauer der Vegetation in mehr oder weniger regnerischen Jahrgängen entspricht.

Nach diesen allgemeinen Bemerkungen gehe ich auf die Analyse der Dünger über.

Die Dünger, womit wir uns hier beschäftigen wollen, wurden mir von Hrn. Huguin behufs ihrer genauen Analyse zugestellt. Nach dem Urtheil Payen's 90) hatten dieselben früher eine schlechte Zusammensetzung; wenn ich dieß von den gegenwärtig im Handel vorkommenden nicht sagen kann, so kann ich doch die Bemerkung nicht unterdrücken, daß ihre Zusammensetzung zu ihrem Verkaufspreise nicht im Verhältnis steht, wie aus dem Resultat meiner Arbeit erhellen wird.

Die Zusammensetzung dieser Dünger fand ich so complicirt, daß die gegenwärtigen Hülfsmittel der organischen Chemie mir eine genaue Analyse derselben nicht möglich machten. Ich mußte daher genauere Methoden ermitteln, und glaube durch dieselben zu vollkommen genügenden Resultaten gelangt zu seyn.

Die zwei Huguin'schen Düngerproben befanden sich in Papiersäcken, deren jeder 1 Kilogr. enthielt; jedes Packet war mit dem Siegel des Polizeicommissärs Claude und mit einer Aufschrift von Seiten der Gerichts-Commission versehen, wie folgt:


Protokoll
vom 19. April
1851.
Packet Nr. 1

„ Nr. 4
„ Nr. 6
„ Nr. 7
Dünger für

„ „
„ „
„ „
Weizen, Roggen, Hafer,
Gerste und Buchweizen,
Weinstöcke.
Runkelrüben,
Zuckerrohr.

Alle diese Muster bildeten ein schwarzes, grobes Pulver, welches einen sehr deutlichen Geruch nach Ammoniak neben dem von getrocknetem Blute besaß.

|384|

Beim Zerreiben dieses Pulvers in Mörser fand man kleine Häufchen getrockneten Bluts, dessen helleres Roth gegen die Farbe des Gemenges deutlich abstach.

Ungeachtet ihres stark ammoniakalischen Geruches und ihrer deutlichen Reaction auf geröthetes Lakmuspapier, theilten diese Pulver dem Wasser eine unverkennbare Säuerlichkeit mit. Dieser scheinbare Widerspruch ist dadurch zu erklären, daß gewisse, mit der Thierkohle inniger gemengte Theile des gesäuerten Blutes genug Kalk antrafen, daß zuerst ihre Säure gesättigt, dann aber die thierische Materie durch den Kalk mit Erzeugung von Ammoniakgas zersetzt werden konnte. Alle mit ammoniakalisch gemachtem Alkohol von 36° B. behandelten Proben traten an denselben, außer der Fettsubstanz und etwas Harzseife, eine große Menge Farbstoff aus dem Blut ab, welcher den Weingeist röthlich-braun färbte und durch sein Verhalten gegen Chlor und Salpetersäure, vorzüglich aber durch das nach dem Abdampfen der alkoholischen Flüssigkeiten und dem Einäschern ihres Rückstandes hinterlassene Eisenoxyd, erkennbar war.

Andere qualitative Proben wiesen salpetersaures Kali, Kochsalz, phosphorsauren Kalk, quarzartige Kieselerde, Schwefelsäure und Wasser nach.

Folgendes ist in Kürze die von mir bei der Analyse befolgte Methode, welche auch auf minder complicirte Dünger anwendbar ist.

1) 20 Gramme des pulverisirten Düngers werden mit siedendem Aether erschöpft, filtrirt und im Wasserbad zur Trockne abgedampft, wodurch man die Spuren der Fettsubstanz des Blutes, sowie die Harzseife erhält. Ich sagte, daß sehr wenig Fettsubstanz vorhanden war, was sich durch Zersetzung der Harzseife mittelst Salzsäure und Anwendung von Fließpapier erwies.

2) Der mit Aether erschöpfte Dünger wird mit Alkohol von 38° Baumé digerirt und diese Behandlung bei 50° C. (40° R) viermal wiederholt, wodurch aller Salpeter mit ein wenig Chlornatrium und thierischer Substanz ausgezogen wird. Man dampft (im Wasserbad) zur Trockne ab, gibt ein wenig Wasser und kohlensaures Natron zu, läßt zwei Minuten lang sieden, um das Ammoniak auszutreiben, übersättigt mit Salzsäure und zersetzt dann, nach dem Einengen, durch eine ätherisch-alkoholische Auflösung von Chlorplatin; auf diese Weise läßt sich das Kali des Salpeters sehr genau quantitativ bestimmen.

Wären Ammoniaksalze vorhanden, so müßte man zuerst das Ammoniak durch reines Aetznatron austreiben und es mittelst Schwefelsäure von bekanntem Gehalt in dem unten beschriebenen Apparat quantitativ |385| bestimmen. Nach dieser Bestimmung des Ammoniakgehalts der Ammoniaksalze wird, wie eben gesagt, mit dem Chlorplatin fortgefahren.

3) Enthält der Dünger nach dem Ergebniß der Voruntersuchung salpetersaures Natron, so gießt man die mit der Salzsäure stark angesäuerte Flüssigkeit in eine unten verschlossene Röhre und bringt 1 Gramm reines Blattgold hinein; nach mehrstündigem Verweilen in dem fast kochenden Wasser wird das Blattgold wieder gewogen. Der Gewichtsverlust ist dem Salpetersäuregehalt des salpetersauren Natrons und Kalis proportional.

4) Man behandelt 10 Gr. gut pulverisirten Dünger dreimal nach einander mit Aetzkalilösung (200 Gr. Wasser + 3 Gr. Aetzkali), welche bei jeder Behandlung eine halbe Stunde lang auf 75° C. (60° R.) erhalten wird. Nachdem man die filtrirten Lösungen vereinigt hat, löst man darin 30 Gr. salpetersaures Ammoniak auf, und säuert sie dann schwach mit Salpetersäure an. Man erhält so ein Gemenge von Fibrin, Albumin und Blutfarbstoff, welches leicht zu sammeln ist, und das man nach gehörigem Auswaschen bei 120° C. (96°R.) trocknet und dann wiegt.

5) Die filtrirten Flüssigkeiten, woraus so eben die thierische Substanz des Bluts abgeschieden wurde, sättigt man mit Ammoniak, worauf man sie im Wasserbad auf die Hälfte abdampft; dann gießt man eine titrirte Auflösung von Gerbstoff und salpetersaurem Ammoniak hinein; den erhaltenen Niederschlag wascht man aus, preßt, trocknet und wiegt ihn, wodurch man den thierischen Leim bis auf 1/180 genau erhält. Wenn man die Genauigkeit noch weiter treiben will, so muß man die zusammengegossenen filtrirten Flüssigkeiten auf – 10° C. (– 8° R.) abkühlen, und am andern Tag den entstandenen schwachen Niederschlag von Gerbestoff-Leim sammeln, dessen Gewicht man wie beim vorhergehenden bestimmt, mittelst einer nach synthetischen Versuchen angefertigten Correctionstabelle.

6) Alle vorher vereinigten Flüssigkeiten werden nun mit Salpetersäure angesäuert und in drei gleiche Theile getheilt; der eine davon dient zur Bestimmung des Chlornatriums mittelst salpetersauren Silbers, der zweite zur Bestimmung der Schwefelsäure, und der dritte zur Bestimmung des Kalks.

7) Der Rückstand (4), welchem durch Aetzkali die thierische Materie vollständig entzogen wurde, wird gut ausgewaschen, bei 120° C. |386| (96° R.) getrocknet und dann gewogen. Man behandelt ihn hierauf mit Salzsäure, wodurch man einen Rückstand erhält, welcher aus dem Kohlenstoff der Thierkohle, zufälligen Holzüberresten und Sand besteht. Nach dem Auswaschen und Austrocknen wird er wieder gewogen und dann eingeäschert, wodurch man direct den Kohlenstoff plus den organischen Ueberresten einerseits, und anderseits den Sand bestimmt.

8) Die vorhergehenden salzsauren Flüssigkeiten werden hierauf mit Ammoniak gesättigt, wodurch der drittel-phosphorsaure Kalk erhalten wird, während ein nachheriger Zusatz von oxalsaurem Ammoniak den der Thierkohle angehörigen überschüssigen Kalk niederschlägt.

9) Die Kohlensäure wird direct mittelst des in Fig. 30 abgebildeten Apparats und Barytwassers bestimmt.

10) Bei den Huguin'schen Düngern, welche keine Ammoniaksalze enthalten, wird das freie Ammoniak mittelst des Saugapparats Fig. 31 bestimmt, welcher die äußere Luft in ein Gefäß saugt, das 10 Gramme Dünger, 6 Gramme Wasser und 4 Gramme Aetznatron enthält, die zusammen drei Stunden lang auf 60° C. (48° R.) erwärmt werden. Das Ammoniakgas und die Luft ziehen in eine titrirte Auflösung von Schwefelsäure ab.

11) Nachdem man das Gewicht des freien Ammoniaks kennt, erhitzt man 5 Gramme Dünger in einem Oelbad auf 120° C. (96° R.) bis sein Gewicht constant bleibt, worauf die Ziffer des Gesammtverlusts nach Abzug des Gewichts des Ammoniaks, dasjenige des Wassers gibt.

12) Der Stickstoff wird endlich nach der Will-Varrentrapp'schen Methode bestimmt, wodurch sich die Mengenverhältnisse der direct gewogenen stickstoffhaltigen Substanzen controliren lassen.

a, Fig. 31, Woolf'sche Flasche, welche den Dünger und die Aetzkalilösung enthält; b Röhre mit titrirter Schwefelsäure; c den Aspirator bildende Flasche; m Wasserbad von 60° C. (48° R.)

d, Fig. 30, Röhre welche Salzsäure, mit ihrem gleichen Volum Wasser verdünnt, enthält. e Waschröhre, Barytwasser enthaltend. f Röhre zum Ansaugen gegen das Ende des Versuchs, n Platinnachen mit dem Dünger.

Ich lasse nun die numerischen Resultate und das Mittel meiner Analysen folgen:

|387|
Dünger
Nr. 1.
Dünger
Nr. 4.
Dünger
Nr. 6.
Dünger
Nr. 7.
Mittel.
Salpetersaures Kali 0,455 0,477 0,500 0,728 0,540
Freies Ammoniak 0,196 0,256 0,233 0,116 0,200
91) Schwefelsäure mit 1 At. Wasser 2,866 2,520 3,444 3,008 2,959
Chlornatrium 3,600 3,600 3,428 3,268 3,474
92) Kohlensäure mit Spuren von
Schwefelwasserstoff

4,420

3,380

3,150

2,950

3,475
Kalk 1,900 1,320 1,350 2,100 1,667
Drittel-phosphorsaurer Kalk 33,000 27,100 27,550 26,900 28,637
93) Kohlenstoff der Knochen und
einige organische Reste

6,380

5,650

4,800

5,050

5,470
94) Quarzige Kieselerde 3,300 3,350 3,700 4,150 3,625
Bei 120° C. getrocknetes Blut 12,000 12,000 11,800 11,850 11,912
Bei 120° C. getrockneter thierischer
Leim

13,583

22,197

24,035

24,180

21,000
Harzseife und Spuren von Fett 1,800 1,900 2,760 2,900 2,340
Wasser 16,500 16,250 13,250 12,800 14,700
––––––––––––––––––––––––––––––––––––
100,000 100,000 100,000 100,000 99,999
Stickstoff 4,440 6,250 6,375 6,625 5,922

Die Analysen der mit den Nummern 1, 4, 6 und 7 bezeichneten Dünger zeigen, daß dieselben im Mittel 69,559, in runder Zahl 70 Proc. nutzbringende Substanzen enthalten, wie Salpeter, Ammoniak, phosphorsaure Knochenerde, Kohlenstoff der Thierkohle, Blut, Thierleim, Fett und Harz. Auf diese 70 Proc. nützlicher Stoffe kommen im Mittel 32,9, also 33 Proc. stickstoffhaltiger organischer Substanzen, und im Maximum 36 Proc.

Von diesem zweckmäßig zusammengesetzten und zubereiteten Dünger läßt sich eine befriedigende Wirkung erwarten, vorausgesetzt, daß er in der gehörigen Menge angewandt wird, um dem Boden wieder zu ersetzen, was ihm durch die Culturen entzogen wurde. Nur die Erfahrung |388| kann aber über seine dem Stalldünger äquivalente Menge entscheiden; doch möge folgende Vergleichung der Kosten hier Platz finden.

Zum Düngen von 1 Hektare Weizenfelder sind jährlich 10,000 Kil. Stalldünger erforderlich, die 41 Kil. Stickstoff und 27 Kil. phosphorsauren Kalk enthalten. Nun enthalten

694 Kilogr. Huguin'scher Dünger 41 Kil. Stickstoff und
94 „ „ „ 27 Kil. phosphors. Kalk.

Da dieser Dünger im Mittel zu viel phosphorsauren Kalk und zu wenig Stickstoff enthält, so wären von ihm wenigstens 394 Kilogr. erforderlich, um 10,000 Kil. Stalldünger zu repräsentiren.

10,000 Kil. Stalldünger kosten 75 Fr.
394 Huguin'scher Dünger (das Kil. 4 Fr.) 1576 Fr.

Die Gestehungskosten von diesem Quantum Huguin'schen Düngers betragen nach meiner Berechnung nur 183 Fr. Demnach bezahlt der Landwirth diesen Dünger 21mal theurer als den Stalldünger, und der Fabrikant verkauft denselben um den 8fachen Werth. Wenn er zu 1 Fr. per Kilogr. verkauft würde, so bezahlte ihn der Landwirth noch 5mal theurer als den Stalldünger.

Zwar empfiehlt Huguin nur 6 Kil. seines Düngers auf eine Hektare zu nehmen; allein 6 Kil. enthalten 0,354 Kil. Stickstoff und 4,02 Kil. mineralischer Substanzen, während 2394 Kil. Stroh und Korn von Weizen, die Ernte von 1 Hektare, 25,36 Kilogr. Stickstoff und 126,53 Kil. Mineralsubstanzen enthalten. Hiernach müßte sich der Boden jedes Jahr um 25 Kil. Stickstoff und 122 Kil. Mineralstoffe erschöpfen, wenn nicht die Atmosphäre es auf unbegreifliche Weise übernähme, außer den 25 Kil. Stickstoff noch 122 Kil. Mineralsubstanzen für die Ernte zu liefern.

|378|

Traité critique et pratique du commerce, du contrôle et de la legislation des Engrais, pag. 69, 70.

|379|

Polytechn. Journal Bd. CXXV S. 151.

|379|

Journal d'Agriculture pratique, 3e Serie, t. II, p. 36.

|379|

Polytechn. Journal Bd. CXX S. 447.

|379|

Polytechn. Journal Bd. CXX S. 460.

|379|

Polytechn. Journal Bd. CXVII S. 372.

|383|

Polytechn. Journal Bd. CXXV S. 149.

|387|

Die Schwefelsäure wurde im Hydratzustand aufgeführt, weil sie sich als solche in der thierischen Substanz befindet, der sie beigemischt wurde.

|387|

Außer der Kohlensäure und dem Schwefelwasserstoff wurden alle andern Körper direkt bestimmt.

|387|

Unter der Bezeichnung Kohlenstoff aus den Knochen, haben wir auch den mit diesem Kohlenstoff verbundenen Sauerstoff, Wasserstoff und Stickstoff, nebst den organischen Holzfaserresten inbegriffen.

|387|

Beinahe alle Kieselerde ist als Sand (Quarzkörner) darin vorhanden, der wahrscheinlich der Thierkohle vom Verkäufer zugesetzt wurde.

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