Titel: Die Maschinen zur Verarbeitung der Seide von Dalvenport, Frost etc. auf der Londoner Ausstellung.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1852, Band 126/Miszelle 2 (S. 74–76)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj126/mi126mi01_2

Die Maschinen zur Verarbeitung der Seide von Dalvenport, Frost etc. auf der Londoner Ausstellung.

Unter den Maschinen zur Verarbeitung der Seide, von denen Exemplare im Glaspalast zu sehen waren, zeichneten sich besonders die von Dalvenport und Frost aus, welche im Katalog in der 6ten Classe (Großbritannien) unter Nr. 80 und 84 aufgeführt sind. Dieselben konnten als deutlicher Beweis gelten, welche Aufmerksamkeit in England der Verarbeitung der Seide geschenkt wird. Obige Maschinen umfassen die Operationen des Windens, Doppelns und Zwirnens (Tramirens) in geordneter Stufenfolge. Sie erregten durch ihre einfache, solide und zweckmäßige Construction die Beachtung aller Sachkenner; erst kürzlich gedachte ihrer auch sehr ehrenvoll der Delegirte der Mailänder Handelskammer, Hr. De Christoforis, in seinem dieser Behörde vorgelegten sehr interessanten Berichte. Wir wollen diese Maschine hier besprechen, da wir in London dieselbe nicht nur in ihrer Construction, sondern auch in ihren Leistungen beobachten konnten. Wie so manche andere, waren nämlich auch diese fast beständig in voller Thätigkeit. Vorerst darf wohl der schönen genauen Ausführung lobend gedacht seyn, die man im allgemeinen an diesen Stücken beobachten konnte. Dieselbe erstreckte sich auch auf alle einzelnen Theile, welche so viel wie möglich in Metall ausgearbeitet waren, während man an dieser Art von Maschinerie noch gar zu häufig das Holz angewendet findet. In dieser Beziehung sind vorzüglich die noch allzuoft vorkommenden hölzernen Zahnräder tadelnswerth, mit ihrer zum Theil aller gesunden Theorie widersprechenden Form der Zähne. Nicht nur geht durch die vermehrte Reibung viele Kraft verloren, sondern es hat auch diese fehlerhafte Construction einen ungleichen Gang, ein nachtheiliges Strecken und Zerren zur Folge, welches zahllose Fadenbrüche veranlaßt. Der geringere Kostenaufwand |75| kann diese Nachtheile keineswegs ausgleichen. Mit Beziehung auf das Abwinden der Seide war an der einen der genannten englischen Maschinen noch zu beobachten, daß der Spindel, auf welcher die Seidespule (der Zapfen) ausgestellt ist, die Bewegung nicht nur am einen Ende derselben durch eine kleine hölzerne Scheibe mitgetheilt wird, wie dieses meistens auch an unsern Winden stattfindet, vielmehr läuft jede dieser Spindeln auf zwei solcher Scheibchen, von denen je eines auf jedem ihrer Enden die Bewegung auf sie selbst überträgt. Die Wirkung ist eine festere Unterlage der Spindel, ein mehr concentrischer, gleichmäßigerer Gang der auf derselben befestigten Spule. Bei alle dem ist aber auch mit diesem Systeme der Uebelstand verbunden, daß, da die Geschwindigkeit sich immer gleich bleibt, bei vermehrterer Anhäufung der auf der Spule (Zapfen) sich aufwickelnden Seide, somit größerm Durchmesser derselben, alsdann in gleicher Zeit ein ungleich längerer Faden aufgewunden wird, als so lange die Spule noch beinahe leer ist. Von daher eine ungleiche, verminderte Leistungsfähigkeit und eine weniger vollkommene Arbeit. Diesem abzuhelfen finden wir an dem einen der in Frage stehenden Windeapparate eine erwähnenswerthe Abänderung. Die Spindel erhält nämlich ihre Bewegung nicht von einer oder zwei unter ihren Enden angebrachten Scheiben, sondern nur von einer solchen, die sich gerade unter ihrer Mitte befindet und auf welcher die Spule mit der aufgewundenen Seide unmittelbar aufliegt. Diese Scheibe ist zur Erlangung der erforderlichen Reibung, zugleich auch zur Schonung der Seide, auf ihrem Umkreis mit feinem Tuch belegt. Es ist klar, daß bei dieser Anordnung die Anzahl der Umdrehungen der Spule sich in demselben Verhältnisse vermindert, in dem die Seide selbst auf derselben zunimmt, somit die Leistung der Maschine stets eine gleichmäßige bleibt. Dadurch wird eine etwas veränderte Einrichtung der Lager, in denen die Spindel liegt, bedingt, wie es sich von selbst versteht.

Im weitern wichen die von besagten Ausstellern vorgewiesenen Maschinen nicht bedeutend von den bei uns beliebten Systemen ab, zeichneten sich aber, wie schon gesagt, durch ihre sorgfältige delicate Construction aus, wie denn eine solche dem zu bearbeitenden kostbaren Stoffe vorzugsweise entspricht. Nicht minder erfreulich war ihr rascher gleichförmiger Gang. Ganz besondere Aufmerksamkeit schien auch der Verfertigung der kleinen Haspel („Häspeli“) geschenkt, auf denen die Grezzestangen aufgelegt werden und von denen der Seidefaden auf die Spule abläuft. Wir wollen hier einer zwar nicht auf der Ausstellung bemerkten, jedoch von competenter Seite vorgeschlagenen, diese Häspelchen betreffenden Verbesserung gedenken. Wie allgemein bekannt, ist es die sich drehende Spule selbst, welche mittelst des sich abwindenden Seidefadens diesen sich flüchtig drehenden, leichtgebauten Dingen die Bewegung mittheilt. Diese Bewegung oder Drehung ist aber nur zu oft eine ungeregelte, denn da der Faden nicht immer frei ist, sondern durch den der Seide eigenthümlichen Kleberstoff an dem übrigen Theile der Strähne oder Strange anhängt, so entsteht an solchen Stellen eine Art von Stockung; der Faden streckt sich und reißt, oder er löst sich plötzlich los, das Häspelchen geräth dadurch in ungebührlichen Schwung, macht eine oder zwei vorschnelle Umdrehungen, wodurch hinwieder eine zu lange Strecke des Fadens abfällt, was dann, wenn die Spule denselben wieder an sich gezogen hat, ein neues ruckweißes Zerren und Reißen veranlaßt. Dieses hat, wie jede Winderin es weiß, eine Menge der so mißlichen Fadenbrüche und daheriger Knoten zur Folge. Unser Gewährsmann glaubt nun diesem Uebelstande zu begegnen, indem er eine Aenderung an den kleinen Zapfen vornimmt, auf denen das Häspelchen läuft. Der eine derselben soll zwar bleiben wie bisher, nämlich als ein Stückchen polirten in die kleine Achse getriebenen Drahts. Der andere dagegen soll von Holz, in mäßiger Dicke, rund abgedreht seyn. Dieser Zapfen läuft in einem ihn leicht umschließenden hölzernen Cylinder, welcher durch die Maschinerie mittelst Rollschnur, in gleicher Richtung wie das Häspelchen sich bewegt. Jedoch soll die Bewegung dieses Cylinderchens eine gemäßigtere seyn – etwas langsamer nämlich als die Bewegung, welche dem Häspelchen durch die Spule mitgetheilt wird. Jener Cylinder nun wird regelnd auf das Häspelchen selbst wirken; hemmend, bremsend gleichsam, wenn es sich in seinem Laufe überstürzen möchte; fördernd, sachte antreibend, wenn es stockt. Es scheint dieser Gedanke der Beachtung werth; die dadurch zu erzielenden Vortheile, nämlich unendlich weniger Fadenbrüche, sonach weniger Abgang, weniger Knoten (Knöpfe), mit dem dadurch entstehenden günstigen Einfluß auf die ganze weitere |76| Verarbeitung, dürften die geringen Mehrkosten, welche eine solche Einrichtung erfordern würde, ohne Zweifel vielfach ersetzen. (Schweizerische Handels- und Gewerbezeitung, 1852 Nr. 17.)

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