Titel: Leder, Lederarbeiten und Gerbematerial auf der Industrieausstellung in London.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1852, Band 126/Miszelle 3 (S. 76)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj126/mi126mi01_3

Leder, Lederarbeiten und Gerbematerial auf der Industrieausstellung in London.

(Aus dem Berichte des Hrn. Prof. Dr. v. Volz in Tübingen.)

Als neu trat Leder vom Meerschwein auf aus Quebek, wo es wegen seiner Geschmeidigkeit viel zu Schuhen und Stiefeln gebraucht wird. Merkwürdig waren ferner die Polirscheiben-Ueberzüge aus Wallroßfell, sowie die Känguruh-Häute aus Australien.

Die Lederarbeiten, namentlich Sattlerwaaren und Fußbekleidungen, waren durchschnittlich höchst preiswürdig; deutsche Handwerker fanden die englischen Preise so billig, daß sie, ungeachtet der Zollbeschwerung, Aufkäufe an Sätteln und Zäumen zum Wiederverkauf machten.

Ungemein belehrend waren die Sammlungen von Gerbematerial des englischen Handels, welche nun theilweise in Musterlager der Centralstelle sowie in der technologischen Sammlung zu Tübingen zu sehen sind. Man fand für die Kürschnerei neben dem Olivenöl gesalzene Butter und als Sägestaub denjenigen von Birkenholz, Mahagoni- und Rosenholz ausgestellt; ferner zum Gerben der Sohlleder Myrobalanen, Früchte, welche in Ostindien von der Größe der Oliven bis zu derjenigen der Gallnüsse vorkommen und deren Fleisch dort zur Gerberei und Schwarzfärberei angewendet wird; sie waren in Europa bisher für diesen Zweck zu theuer, verbreiten sich nunmehr aber in England; sie kommen aus Calcutta, Malabar, Ceylon, Cochinchina und China. Auch Korkeichenrinde gewinnt bei der englischen Lederbereitung Ausdehnung. Der zu Maroquin gebrauchte Sumach ist aus Sicilien, vorzüglich aus Palermo, wo die beste Sorte von Alkamo, welche 20 Proc. theurer als alle übrigen ist, verladen wird. Cederwachholderbeeröl verdien. für die Sämischgerberei Aufmerksamkeit, indem die flüchtigen sauerstofffreien Oele die Fette der Bindehaut auflösen, sich viel rascher als die Thrane oxydiren, und sich in Weichharze verwandeln, welche mit den Fetten und den hinzutretenden Alkalien festere, die Bindehautfasern umgebende Harzseifen bilden dürften, als dieß die Thrane thun; denn auf die Bildung solcher sichernden Faserhüllen scheint sich die ganze Fettgerberei wesentlich zu beschränken. (Tübinger staatswissenschaftliche Zeitschrift 1852, S. 143)

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