Titel: Ueber Aufbewahrung der Kartoffeln im Sommer; von C. Büchner in Leipzig.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1852, Band 126/Miszelle 8 (S. 79)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj126/mi126mi01_8

Ueber Aufbewahrung der Kartoffeln im Sommer; von C. Büchner in Leipzig.

Wem sollte es nicht bekannt seyn, daß die Kartoffeln in der Regel nur so lange gut genießbar sind bis sie im Felde wieder zu wachsen anfangen; von da an aber, selbst in guten Kellern immer schlechter, endlich schwarz und ganz ungenießbar werden. Sie treiben in den Kellern lange Keime und verfitzen sich so untereinander, daß sie nur noch mit spitzigen Werkzeugen auseinander zu bringen sind.

Das Abkeimen, welches übrigens sehr viel Mühe macht und Versäumniß verursacht, hilft nur auf kurze Zeit, und überdieß lehrt die Erfahrung daß das Umlesen im Frühjahr vor allem beiträgt, das Schwarzwerden zu befördern. Dieß war schon immer der Fall, wo die Kartoffeln noch nicht in ihrem jetzigen Krankheitszustande waren.

Es ist eigenthümlich mit dieser Knollenfrucht, die wenn die Zeit kommt, in der sie nach den Naturgesetzen ihre Wachsthumszeit hat, von selbst sich regt, und kommt nur ein wenig freie Frühlingsluft an dieselbe, mit aller Gewalt ihre Keime hervortreibt. Doch wirkt der Keimtrieb am mächtigsten, wenn die Knolle in der Kühle des Bodens oder des Kellers liegt, im Augenblick, wo sie von der Frühlingsluft gemildert wird. Anders verhält es sich, wenn man die Knollen mit der freien erwärmten Luft in unmittelbare Berührung bringt, wo dann der Keimtrieb zu stocken anfängt, oder vielmehr zurückgehalten wird, indem die Knollen selbst zu welken und auszutrocknen anfangen.

Dieser Umstand hat wohl die Landbewohner mancher Gegenden, z.B. im obern Voigtlande, darauf geleitet, ihre Kartoffeln, die sie den Sommer über gebrauchen wollen, nicht in den Kellern zu lassen, sondern auf luftigen Böden in Haufen von höchstens 1 Fuß Höhe aufzuschütten, wo sie sich zwar mit kurzen Keimauswüchsen etwas verfilzen, doch keine langen Keime mehr treiben. Zwar verwelken dabei die Knollen gleichzeitig, doch dieß thut nichts. Wenn sie gebraucht werden sollen, legt man sie Abends zuvor in einen Kübel mit frischem Wasser, durch welches sie so angefrischt werden und wieder aufschwellen, daß man sie roh schaben und schälen, und alles was zur Speisebereitung nöthig, mit ihnen vornehmen kann. Man hat nicht nöthig an diesen aufgeschütteten breit liegenden Haufen etwas zu thun, ja man darf sie nicht einmal stören noch umlesen, weil dieß das Schwarzwerden der Knollen mehr befördern als hindern würde. Auch zur Samenbenutzung bringt man die dazu ausgelesenen ganzen oder zerschnittenen Knollen auf luftige Böden, schüttet sie daselbst ganz dünn und so auf, daß sie wo möglich ganz einzeln liegen. Durch das Welken wird der Keimtrieb, wie erwähnt, auch hier zurückgehalten, der aber, wenn diese welken Samenstücke in die Erde kommen, mit voller Gewalt und in ungleich kürzerer Zeit hervorbricht, als wenn dieselben frisch aus dem Keller genommen wären. (Deutsche Gewerbezeitung, 1852, S. 238.)

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