Titel: Bemerkungen zur Einrichtung der Sicherheitsventile bei Dampfkesseln; von A. Strecker.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1852, Band 126/Miszelle 2 (S. 152–153)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj126/mi126mi02_2

Bemerkungen zur Einrichtung der Sicherheitsventile bei Dampfkesseln; von A. Strecker.

Der gebräuchlichsten Construction der Sicherheitsventile und deren Zuhaltungen bei Locomotiven macht man den Vorwurf, sie öffneten sich beim Eintritte der ihrer Belastung entsprechenden Dampfspannung nicht hinlänglich, und seyen daher nicht hinreichend geeignet, eine möglicher Weise entwickelte größere Dampfmenge abzuführen, in dessen Folge dann auch viel größere als die Gesetzlich erlaubten Dampfspannungen entstehen könnten. Diese Behauptung wird durch folgende, in der Zeitschrift des österreichischen Ingenieur-Vereins 1852 mitgetheilte Beobachtung bestätigt.

Die Zuhaltungsfeder am Handventile einer Locomotive zweiter Kategorie aus der Wien-Gloggnitzer Maschinenfabrik genau abgewogen, erwies für je 5 Pfd. Dampfspannung per Quadratzoll des Sicherheitsventils mit geringen Abweichungen 3 Linien Spiel.

Nachdem die Feder mit dem Gehäuse wieder eingesetzt und auch das Manometer derselben Locomotive durch unmittelbares Abwiegen controlirt und richtig gefunden |153| war, wurde der Kessel geheizt. – Die Feder wurde auf 60 Pfd. gespannt, und der Dampf begann bei dieser, auch vom Manometer richtig angezeigten Spannung abzublasen.

Mit einer schon bereit gehaltenen Menge zerkleinerten trocknen Holzes wurde nunmehr die Heizung fortgesetzt und in kurzer Zeit die Dampfspannung bis auf 90 Pfd. per Quadratzoll erhöht; das Ventil lüftete sich etwas stärker und blies sehr heftig ab, dessen Zeiger zeigte jedoch an der Scala des Federgehäuses nicht 90, wie man erwarten sollte, sondern nur beiläufig 67 1/2; es hatte sich also die Feder statt 18 Linien, wie es der Zunahme des Druckes um 30 Pfund entspricht, nur um 4 1/2 Linien ausgedehnt, und die Lüftung des Ventils betrug bei der Hebelübersetzung von nahe 1 : 9, statt 2 Linien, nur 1/2 Linie. – Dieser Versuch, öfter und an mehreren Maschinen wiederholt, zeigte jedesmal ein ähnliches Resultat und rechtfertigt obige Behauptung, daß auch bei Federn mit dem besten Spiele eine der Dampfspannung entsprechende Lüftung des Sicherheitsventils nie erfolgt. – Diese Erscheinung läßt sich dadurch erklären, daß der ausströmende Dampf bereits eine geringere Spannung hat als der im Kessel, und daß der hydraulische Druck kleiner ist als der hydrostatische. Ueberall, wo bei Wirkungen entgegengesetzter Kräfte eine Bewegung stattfindet, muß die der Bewegung entgegenwirkende Kraft (der Widerstand) die kleinere seyn; – bewegt sich demnach der Dampf in einem Rohre oder in dem kurzen Ansatze für die Führung des Ventils, so wird an der Ausflußmündung die Spannung eine geringere als die im Kessel, und wird gegen diese an der untern Fläche des Ventilkopfes um so verschiedener seyn, je mehr derselbe über dem Ventilfitze schon erhoben ist, weil der darunter befindliche Dampf nach allen Seiten abfließt. Die Feder am Ende des Hebels kann dann auch nur die auf die untere Ventilfläche wirksame und nicht die im Kessel wirklich stattfindende Spannung anzeigen.

Ganz derselbe Vorgang wird übrigens auch bei den mit Gewichten belasteten Sicherheitsventilen der stationären Dampfkessel stattfinden müssen, und es wird, gegen die bisherige Annahme, eine weit größere Spannung im Kessel entstehen können als die der Belastung des Sicherheitsventils entsprechende, worüber Beobachtungen anzustellen der Verfasser jedoch keine Gelegenheit hatte.

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