Titel: Ueber die Uhren auf der Londoner Industrie-Ausstellung.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1852, Band 126/Miszelle 4 (S. 155)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj126/mi126mi02_4

Ueber die Uhren auf der Londoner Industrie-Ausstellung.

Unter den Hemmungen (échappements) der Uhren ist besonders eine hervorzuheben, deren ganzes aber bedeutendes Verdienst in ihrer Einfachheit und Dauerhaftigkeit besteht. Der gewöhnliche Stiftengang ist der Ausgangspunkt, allein statt des Stiftenrades ist hier nur eine kleine Scheibe mit einem einzigen excentrischen Rubinstift, und statt des Koppelhafen- oder Seitenankers eine staffelförmig geschlitzte Scheibe, in welcher der Stift läuft, und welche so geformt ist, daß der Impuls in der Mitte der Pendelschwingung, und hauptsächlich nach geradliniger Richtung, statt nach einer schiefen, gegeben wird. Die von dem Erfinder behaupteten Vortheile des geringen Erfordernisses an Oel und Wohlfeilheit, sind wohl nicht zu bestreiten, und es kann dasselbe unsern Uhrmachern empfohlen werden; in dem Musterlager der Centralstelle zu Stuttgart kann eine solche Hemmung eingesehen werden.

Der berühmte Chronometermacher Dent ist auch durch seine erfolgreichen Bemühungen bekannt, den zweiten Haupttheil der Chronometrie, die Compensation, zu verbessern. Das Hauptmittel ist schon ganz frühe die Wahl eines, den Einflüssen der Temperaturveränderung wenigst möglich unterliegenden Materielles gewesen, und in dieser Richtung sind die gläsernen Unruhfedern und Unruhen, welche Dent an seinen Seechronometern zur Anwendung brachte, hervorzuheben; die auf dem Observatorium zu Greenwich und am Bord des Wachtschiffes Fairy damit vorgenommenen Prüfungen haben sie als gut bezeichnet. Auch die 1842 demselben patentirte Secundär-Compensation war zu sehen. Hieher gehörten nun auch die gläsernen Quecksilber-Compensationsunruhen von Loseby (beschrieben im polytechn. Journal Bd. CXXV S. 11). Sie sind aus gläsernen sanft gekrümmten Schwungröhren gebildet, welche sich in kleinen gläsernen Kugeln endigen; diese bilden die Quecksilberbehälter. Bei Erhöhung der Temperatur, bei welcher Vergrößerung der Hebelsarme erfolgt, tritt nun Quecksilber aus den Kugeln in die Arme gegen den Mittelpunkt der Umdrehung, es findet daher eine Gewichtsverschiebung nach innen statt.

Eine ausgedehnte Anwendung des Glases im Uhrenbau hatte Edwards aus Stourbridge gemacht; man sah von ihm ein Werk mit Radscheiben von Glas mit bronzenen Zahnreifen, gläsernem Zifferblatt, und Pendellinse von Krystall. (Aus dem Berichte des Hrn. Prof. v. Volz in der Tübinger staatswissenschaftl. Zeitschrift.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: