Titel: Ueber das Abziehen von Kupferstichen und Lithographien auf Holz (Decalquiren).
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1852, Band 126/Miszelle 9 (S. 159–160)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj126/mi126mi02_9

Ueber das Abziehen von Kupferstichen und Lithographien auf Holz (Decalquiren).

In dem Folgenden theilen wir eine neue Art des Decalquirens mit, die nicht nur ungemein schnell und leicht, selbst von Kindern und auf den billigsten Gegenständen ausführbar ist, sondern mittelst welcher auch buntgedruckte Bilder mit mehreren Farben sich abziehen lassen.

Das Verfahren besteht darin, daß die Papierbogen vor dem Drucken mit Gummigutt in Wasser gelöst so bestrichen werden, daß die Bogen ziemlich gleichmäßig damit bedeckt sind. Mit einer feinen Bürste gelingt dieses am besten. Sind die Bogen auf der angestrichenen Seite bedeckt, dann werden die Gegenstände, auf welche abgezogen werden soll, mit dem gewöhnlichen Lack angestrichen, die Bilder aufgeklebt und das Ganze getrocknet. Nachdem der Lack gehörig getrocknet ist, wird das überzogene Holz auf der Papierseite so lange mit Wasser befeuchtet, bis das Papier durchweicht und die Gummilage aufgelöst ist. Ist diese Auflösung erfolgt, dann kann man das ganze Papier, ohne daß eine Spur davon kleben bleibt, wie die Schale an einer gesottenen Kartoffel ablösen; das Bild bleibt aber unversehrt auf dem Gegenstande haften. – Die weitere Behandlung, als Firnissen u.s.w. ist die gewöhnliche.

Es leuchtet Wohl von selbst ein, daß man auf diese Weise weit schneller als bisher zum Ziele gelangt; nur wird hier eine Vorbereitung des Papiers vor dem Bedrucken vorausgesetzt, die wohl auch dadurch umgangen werden könnte, wenn man |160| bei schon fertigen schwarzen oder bunten Kupferstichen, diese auf der bedruckten Seite mit einer Lösung von Gummigutt überzöge. Die Arbeit geht übrigens so rasch von statten, daß ein Arbeiter in einem Tage 50 Dutzend Spazierstöcke von oben bis unten, wobei die Muster über den runden Stab gerollt werden müssen, zu überziehen im Stande ist.

Auch lassen sich Bilder, auf solche Art vorbereitet, sehr leicht umwenden. Dieses wird folgendermaßen bewerkstelligt. Man bestreicht nämlich gut geleimtes Papier mit Lack, wie er zum Abziehen gehört, klebt das wie oben beschrieben präparirte Bild darauf und läßt gehörig trocknen. Hierauf befeuchtet man das Bild mit Wasser, läßt es bis zum völligen Durchnässen liegen, und trennt sodann beide Papiere von einander. Es bleibt durch diese Manipulation das Bild auf dem anderen Papiere, natürlich in umgekehrter Stellung, hasten, und kann dann nach der üblichen Methode auf einen Gegenstand wieder übertragen werden, auf welchem es in richtiger Stellung erscheint. (Gewerbzeitung. Organ für die Interessen des bayer Gewerbstandes, 1852, S. 64.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: