Titel: Ueber einen grünen Farbstoff aus China; von Professor J. Persoz.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1852, Band 126/Miszelle 5 (S. 238–239)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj126/mi126mi03_5

Ueber einen grünen Farbstoff aus China; von Professor J. Persoz.

Hr. Daniel Koechlin-Schuch übergab mir im Herbst vorigen Jahrs eine Probe von Kattun, welcher in China sehr haltbar meergrün gefärbt worden war, und wünschte die Zusammensetzung dieser grünen Farbe zu erfahren. Alle Versuche welche ich mit dieser Probe in der Absicht anstellte daraus einen blauen oder gelben Farbstoff abzuscheiden, blieben ohne Resultat, und ich war bald überzeugt, daß dieses Grün ein einfacher Farbstoff von eigenthümlicher Natur ist. Ferner ergaben meine Versuche, daß dieser Farbstoff vegetabilischen Ursprungs ist, und daß das Gewebe, worauf er befestigt war, ziemlich viel Thonerde und ein wenig Eisenoxyd nebst Kalk enthielt, welche folglich als Beizmittel angewandt worden waren.

Diese so positiven Resultate widersprachen nicht nur Allem, was wir in Europa über die Zusammensetzung der grünen Farben wissen, sondern auch Allem, was über die Verfahrungsarten der Chinesen beim Grünfärben geschrieben worden ist, und erheischten also meinerseits eine gründlichere Untersuchung; ich wandte mich daher im November v. J. an Hrn. Forbes, amerikanischen Consul in Canton, welcher die Gefälligkeit hatte mir beiläufig 1 Gramm von diesem grünen Farbstoff zu überschicken.

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Derselbe bestand in Blättern von einer blauen Farbe, welche derjenigen des Java-Indigos sehr ähnlich war, er unterschied sich übrigens vom Indigo durch seine Zusammensetzung und alle seine chemischen Eigenschaften.

Als ich ein sehr kleines Stück von dieser Substanz mit Wasser infundirte, färbte sich dasselbe bald dunkelblau, mit grünlichem Reflex. Die Flüssigkeit wurde nach und nach zum Sieden erhitzt und ein Kattunstück hineingetaucht, das mit Thonerde- und Eisenbeizen bedruckt war, welches sich auch wirklich färbte, und zwar gaben: 1) die mit Thonerde gebeizten Stellen des Gewebes ein mehr oder weniger dunkles Meergrün, je nach der Stärke der Beize; 2) die mit Thonerde und Eisenoxyd gebeizten Stellen ein dunkles Meergrün, welches in Olivenfarben stach; 3) die mit reinem Eisenoxyd gebeizten Stellen wurden dunkel Olivenfarben. Die nicht mit Beize bedruckten Stellen des Gewebes blieben ziemlich weiß.

Diese verschiedenen Farben verhielten sich gegen die Reagentien gerade so wie das früher von mir untersuchte chinesische Grün.

Aus meinen Versuchen geht also hervor, daß die Chinesen einen Farbstoff (Lack) besitzen, welcher wie Indigo aussieht, und die Thonerde- und Eisenbeizen grün färbt; daß dieser Farbstoff aber weder Indigo, noch ein Präparat desselben enthält.

Der Präsident der Pariser Handelskammer, Hr. Legentil, ist seit einiger Zeit bemüht, sich eine Quantität dieses schätzbaren Farbstoffs, sowie verläßliche Auskunft über dessen Ursprung und Bereitung zu verschaffen. (Comptes rendus, Oktober 1852, Nr. 16.)

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