Titel: Verbesserung der Landwirthschaft durch Flüssigmachen des Düngers; von Hrn. Kennedy.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1852, Band 126/Miszelle 10 (S. 317–318)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj126/mi126mi04_10

Verbesserung der Landwirthschaft durch Flüssigmachen des Düngers; von Hrn. Kennedy.

Die eingreifendste Verbesserung, welche in der letzten Zeit in der Landwirthschaft versucht wurde, machte Hr. Kennedy, welcher den Pachthof Myer-Mill, südöstlich von der Stadt Ayr in Schottland, bewirthschaftet.

Die Hauptproduction war früher auf Milch, später auf Mastvieh gerichtet. Die höchste Zahl, welche letzteres erreichte, war 80–100 Rinder und 4–500 Schafe. In Folge seines neuen Systems hält Hr. Kennedy jetzt das ganze Jahr hindurch durchschnittlich 200 Rinder, 140 Schweine und 12–1400 Schafe in Mastung, welche das ganze Jahr ununterbrochen fortgesetzt wird, indem, was abgeht, sogleich durch magere Thiere ersetzt wird. – Dazu kommen noch 5–15 Milchkühe für den Hausbedarf.

Das System des Hrn. Kennedy besteht in der Umwandlung alles Düngers in flüssigen Dünger. Allerdings wird dieses Mittel in der Schweiz, in Holland, in den Vogesen etc. längst angewandt, das Verfahren wurde aber von K. so verbessert, daß das frühere nicht mehr darin zu erkennen ist.

Vier ungeheure bedeckte Reservoirs, welche zusammen 1,817,000 Liter fassen und mit Rührvorrichtungen versehen sind, um das Absetzen der festen Theile zu verhindern, empfangen alle Excremente des Viehes. Die Ställe sind so gebaut, daß die Excremente aus denselben leicht in diese Reservoirs ablaufen, wo sie dann 3–4 Monate bleiben, ehe sie angewandt werden. Es werden ihnen beträchtliche Mengen Guano's und mit Schwefelsäure behandelter Knochen zugesetzt. Endlich wird ihnen vor ihrer Anwendung, je nachdem das Wetter naß oder trocken ist, das gleiche bis vierfache Volum Wasser zugesetzt.

Als Triebkraft, um die Rührer in Bewegung zu setzen, das Wasser herbeizuschaffen etc. aber auch um das Getreide zu dreschen, Wurzeln zu schneiden, Korn- und Preßkuchen zu pulvern, Futter und Stroh für das Vieh zu schneiden – dient eine Dampfmaschine, wie sie auf keinem größern schottischen Pachthof fehlt. Diejenige des Hrn. K. hat 12 Pferdekräfte, und verbraucht etwas über 5 Kilogr. Steinkohlen per Stunde und Pferdekraft.

Ganz neu erscheint bei K's. System, daß er, um den Dünger auf die Felder zu führen, Röhrenleitungen anwendet, wie man sie in den Städten für das Wasser und das Gas hat. Gußeiserne Röhren von 2 bis 2 1/2 Zoll innerm Durchmesser gehen von dem Pachthof aus nach allen Richtungen bis zu den fernsten Punkten. Diese Röhren liegen etwa drei Fuß tief. Da ein Theil der Felder in gleichem Niveau oder höher als der Hof liegt, so wird die Flüssigkeit mittelst einer Druckpumpe dorthin getrieben.

Behufs der Vertheilung der Flüssigkeit ist jede Röhre von Strecke zu Strecke mit einem Aufsatz oder Kopf versehen, d.h. mit einem vertikalen Rohr, welches auf Oeffnungen der Leitungsröhren aufgeschraubt und unten mit Vorrichtungen versehen ist, womit die horizontale Leitung nach Belieben geschlossen werden kann, so daß die Flüssigkeit durch das verticale Rohr austritt, dessen obere Mündung mit einem aufgeschraubtem Deckel verschlossen ist.

Sollen nun die Felder, welche um ein solches vertikales Rohr herumliegen, gedüngt werden, so begeben sich ein Mann und ein Kind dorthin, verschließen die Leitungsröhren, öffnen deren Aufsatz, und schrauben auf letztern ein Gutta-Percha-Rohr, an dessen Ende sich ein Mundstück wie bei den Feuerspritzen befindet. – Auf ein von ihnen gegebenes Zeichen setzt der Maschinist die Dampfmaschine mit der |318| Druckpumpe in Verbindung, nachdem alle Röhren außer derjenigen, welche wirken soll, verschlossen wurden.

Nach einigen Secunden langt die Flüssigkeit an, der Arbeiter hält das Mundstück 50–60° gegen den Horizont geneigt. Der Strahl steigt 36 bis 42 Fuß hoch und fällt als feiner Regen auf den Boden herunter; direct gegen diesen wird er niemals gerichtet.

Wenn die Kreisfläche, welche mit der ersten Röhre erreicht werden kann, hinlänglich gedüngt ist, so thut der Arbeiter der Pumpe durch ein Signal Einhalt, nimmt das Mundstück ab, paßt dafür zwei Schlauchlängen an, schraubt das Mundstück an dieselben und beginnt das Begießen von neuem. Das Kind wird erst dann verwendet, wenn der Schlauch schon eine ziemliche Länge erreicht hat; es bleibt dann bei dessen Mitte stehen und hilft den Platz desselben verändern.

Das gewöhnliche Volum flüssigen Düngers für eine Düngung ist 43600 Liter per Hektare. Dieß entspricht einer Flüssigkeitsschicht von etwas über 4 1/3 Millimeter Dicke und ist das durchschnittliche Aequivalent eines mehrere Stunden dauernden Regens. Dieses Quantum ist gering im Vergleich mit der gewöhnlichen Begießung mit 400 bis 1000 Kubikmetern per Hektare. Hinsichtlich der Anzahl der Düngungen bindet sich Hr. K. an gar keine Regel; sie hängt von der Fruchtart und dem Boden ab. Durchschnittlich düngt er ein Grundstück jährlich sechs- bis zwölfmal.

Wir kommen nun auf den Kostenpunkt.

Die Anschaffung der Reservoirs (7,500 Frks.), der Dampfmaschine (3,750 Fr.), der Pumpen (2,000 Fr.), der gußeisernen Röhren mit ihren Aufsätzen (25,000 Fr.) und der Vertheilungsschläuche von Gutta-Percha (1,400 Fr.), zusammen 39,650 Fr. (18,503 fl. 20 kr.) berechnen sich, da der Pachthof 200 Hektaren mißt, per Hektare (2,9 bayer. Tagwerk) auf 198 1/4 kr. (92 fl. – per Tagwerk beiläufig 31 fl.).

Die jährlichen Ausgaben betragen: Interessen des Capitals (zu 7 1/2% 2973,75 Fr.), jährliche Löhne etc. (2,600 Fr.) und Brennmaterial (1,462,50 Fr.), zusammen 7,036,25 Fr. (3,283 fl. 35 kr.), was für die Hektare 35 Fr. 18 Cent. (für das bayer. Tagwerk nicht ganz 6 fl.) macht.

Die oben in Zahlen angegebene Production bei diesem Düngungssystem steht zu diesen Ausgaben in lohnendem Verhältniß. (Moniteur industriel, 1852, Nr. 1679.)

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