Titel: Zweckmäßige Getreideernte.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1852, Band 126/Miszelle 12 (S. 319)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj126/mi126mi04_12

Zweckmäßige Getreideernte.

Um die Verluste zu verhüten, welche anhaltende Regengüsse in den Ernten herbeiführen, ist das Verfahren anzuempfehlen, dessen man sich seit dreißig Jahren in der Normandie und den angränzenden Gegenden beim Binden der Garben bedient.

So oft der Schnitter einen Armvoll geschnitten hat, hebt eine Frau davon auf, was sie mit zwei Händen erfassen kann, und bindet es mit einem oder zwei Strohhalmen unterhalb der Aehren zusammen, welche zu einem Büschel vereinigt sind; sie weitet den Bund dann zu einem Kegel aus, dessen Basis sie auf den Boden aufstellt. Hierauf nimmt sie wieder die Hände voll und bindet wieder zusammen, aber diesesmal nicht am Ende der Aehre, sondern am entgegengesetzten Ende; sie erweitert den Bund wieder zu einem Kegel, welchen sie dem bereits auf dem Boden stehenden wie einen Hut aufsetzt. Auf diese Weise werden natürlich die Aehren des untern Kegels durch den obern vor Regen geschützt und diejenigen des obern, mit nach unten gekehrter Spitze, sind vermöge ihrer Richtung ebenso geschützt. Es müßte schon ein sehr heftiger Wind blasen, wenn er diese kleinen Garben umzuwerfen im Stande wäre, namentlich wenn man die Halme etwas in die Erde gedrückt hat. Diese Garben (vicillottes, demoiselles, auch manillottes oder monillettes genannt) werden so ganze Monate lang ohne alle Gefahr im Regenwetter auf den Feldern gelassen.

Sollte aber auch diese Vorsicht nicht angewandt worden seyn und die Körner auszuwachsen (zu keimen) beginnen, so glaube man ja nicht, daß deßwegen die Ernte verloren sey; der mehlige Eiweißkörper wird durch die Keimung des Embryo's nur in dem Maaße, als diese in ihrer Entwickelung vorschreitet, also nach und nach, verdorben. Wenn man daher diesen gekeimten Embryo absondern könnte, so würde das gewonnene Mehl keinen schlechten Geschmack behalten. Dieser Zweck ist aber im Großen durch die Umwandlung des Korns in Graupen, wie bei der Gerste (Perlgerste), leicht zu erreichen. Es wird nämlich durch diese Operation das Korn sowohl seines gekeimten oder nicht gekeimten Embryo's, als seiner Rindensubstanz beraubt, deren Ueberreste in der Mühle die Kleie geben, und so geperlter Weizen oder Gerste liefert beim Mahlen das schönste Mehl. F. V. Raspail. (Moniteur industriel, 1852, Nr. 1690.)

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