Titel: Krankheit der Knollen von Ullucus tuberosus.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1852, Band 126/Miszelle 14 (S. 320)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj126/mi126mi04_14

Krankheit der Knollen von Ullucus tuberosus.

Die in öffentlichen Blättern ausgesprochene Vermuthung, daß für das durch die bekannte Pandemie mit dem Untergang bedrohte Kartoffelgeschlecht ein Ersatzmittel in den Knollen des Ullucus tuberosus zu finden seyn dürfte, beweg mich, mit dieser schon längere Zeit in Quito cultivirten Portulakart gleichfalls Versuche anzustellen. Ich bezog eine Anzahl von Knollen dieses Gewächses von Hrn. Booth in Hamburg, und pflanzte sie nach dessen Vorschrift theils in einen der Keuperformation angehörigen, sandig thonigen, magern, theils in einen aus verwittertem Liasschiefer gebildeten, lockern und wohlgedüngten Boden. In ersterem, in welchem der gemeine Portulak sehr gut fortzukommen pflegte, trieb die Pflanze ein auffallend üppiges Kraut, allein sie setzte im Herbst, mit Ausnahme eines einzigen haselnußgroßen Knollens, nur äußerst wenige, meist erbsengroße Knöllchen an; aus letzterem dagegen erhielt ich ziemlich viele kleine und mehrere wallnußgroße Knollen. Zu meiner Ueberraschung jedoch zeigten einzelne sowohl der größern, als der kleinern Knollen ganz unzweifelhafte Erscheinungen derselben Krankheit, welche meine in der Nähe stehende Kartoffelernte heuer in betrübendem Grade und ganz im Gegensatz zu den anderwärts gemachten Erfahrungen zerstört hatte, während die Blätter und kriechenden Stengel der Pflanze anscheinend gesund sich erhalten hatten.

Ist somit diese neue Knollenart der gleichen Krankheit, wie die Kartoffeln, unterworfen, so wird um so weniger der Fortsetzung ihrer Cultur das Wort geredet werden dürfen, als ihre Ergiebigkeit überdieß als eine äußerst geringe erscheint und ihr Geschmack, welcher ekelhaft rübenartig ist, sich bei weitem nicht mit dem der Kartoffeln selbst vergleichen läßt.

Dagegen aber glaube ich ohne Anstand den Anbau des kleinen gelben Mais (Zea praecox, dwarf corn der Amerikaner) für kältere hochgelegene Gegenden empfehlen zu dürfen. In einer Höhe von 1500 Fuß über der Meeresfläche, wo frühere Versuche Mais zu pflanzen, durchaus mißglückt waren, gerieth derselbe heuer, obgleich spät gesäet, sowohl nach Ergiebigkeit als Reifegrad im Liasboden vorzüglich. Professor Autenrieth in Tübingen. (Riecke's Wochenblatt, 1852, Nr. 44.)

Mulder hat (von Scharlée ausgeführte) Untersuchungen über die Wurzel von Ullico tuberosus mitgetheilt. Im Mittel enthält die frische Wurzel 87,9 Procent Wasser. Die feste Substanz der Wurzel besteht aus 3,1 Fett; 29,4 Fruchtzucker und Extractivstoff mit einem Harz; 4,0 Gummi; 33,3 Stärkmehl; 11,9 festem Eiweiß; 18,3 Cellulose und andern unlöslichen Theilen. Die Asche (9,1 bis 9,7 der getrockneten Wurzel) enthält Kalk, Eisenoxyd, wenig Magnesia, Natron, wenig Kali, Kohlensäure, Schwefelsäure, viel Phosphorsäure und Chlor, wenig Kieselerde. (Liebig's Jahresbericht für 1850, S. 553.)

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