Titel: Collins' Verfahren Gußstahl zu fabriciren.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1852, Band 126/Miszelle 2 (S. 312)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj126/mi126mi04_2

Collins' Verfahren Gußstahl zu fabriciren.

Der englische Civilingenieur William Collins ließ sich am 24. März d. J. hiezu folgendes Verfahren patentiren: Der Puddelofen wird mit beiläufig 4 Cntr. grauen Roheisens beschickt, welches man auf gewöhnliche Weise mit einer großen Quantität Eisensilicat schmilzt (zum breiartigen Zustande bringt). Die erste Periode des Aufkochprocesses muß ohne ein Durcharbeiten des geschmolzenen Eisens mit Brechstangen durchgeführt werden, im Gegensatz mit dem gewöhnlichen Verfahren, wobei die geschmolzene Masse sogleich umgerührt wird; der Patentträger läßt die geschmolzene Masse ruhig einem sehr hohen Hitzgrad ausgesetzt, wobei die Verunreinigungen, mit Ausnahme des Kohlenstoffs, verbrannt (oxydirt) werden. Nach dieser ersten Periode des Aufkochens, welches 15 bis 30 Minuten lang fortgesetzt werden muß, je nach der Beschaffenheit des angewandten Roheisens, wird das Eisen eine Neigung zum Aufsteigen zeigen; dann muß der Puddler anfangen das Eisen mit Anwendung des höchsten Hitzegrads kräftig und ununterbrochen durchzuarbeiten, um es sobald als möglich in balls für den Stirnhammer oder das Präparirwalzwerk zu verwandeln. Das Product ist ein feinkörniges Eisen von großer Reinheit, welches nach dem Zängen und Ausrecken zu flachen Stäben sich leicht mit Kohlenstoff in verschiedenen Verhältnissen vereinigt. Dazu werden die erhaltenen flachen Stäbe, ohne vorheriges Cementiren, in Tiegeln mit Zusatz von kohligen Substanzen geschmolzen, wodurch man einen zu vielen Zwecken geeigneten Gußstahl erhält. Je nachdem man mehr oder weniger Kohle zusetzt, wird dieser Stahl mehr oder weniger hart. Eine bessere Qualität von Gußstahl, welcher für Meißel und andere Werkzeuge geeignet ist, erhält man, wenn man die erwähnten Eisenstäbe mit einem größeren Verhältniß von Kohle schmilzt, und das Product, welches stark gekohlter spröder Gußstahl ist, mit frischen Stücken solcher Eisenstäbe umschmilzt. (London Journal of arts, Novbr. 1852, S. 317.)

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