Titel: Neues Kobaltsalz, eine gelbe Malerfarbe.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1852, Band 126/Miszelle 4 (S. 312–313)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj126/mi126mi04_4
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Neues Kobaltsalz, eine gelbe Malerfarbe.

Ein junger Chemiker, Hr. G. Saint-Evre übergab der franz. Akademie der Wissenschaften seine Untersuchungen über eine neue Kobaltverbindung. Wenn man eine kalte und concentrirte Auflösung von salpetersaurem Kali mit einer ebenfalls kalten Auflösung von salpetersaurem Kobalt versetzt, so bemerkt man folgende Erscheinungen: es entbindet sich Stickoxydgas und zugleich entsteht ein unauflöslicher Niederschlag von eigenthümlicher gelber Farbe, wenn man die Flüssigkeit untersucht, worin der Niederschlag entstand, so findet man darin eine beträchtliche Menge salpetrigsaures Kali.

Man erhält den neuen Körper auch, wenn man das salpetersaure Kobalt mit einem schwachen Ueberschuß von Aetzkali niederschlägt, bis sich das rosenrothe Kobaltoxydulhydrat gebildet hat, und dann in das Gemisch einen Strom Stickoxydgas leitet.

Die Verbindung ist glänzendgelb und von so lebhaftem Ton, daß sie den Typus des Gelb in Chevreul's Farbenkreis bildet, sie ist neutral gegen Lakmus. Unter dem Mikroskop betrachtet, zeigt sie quadratische Prismen mit dreiflächigen Zuspitzungen an den Enden. In Wasser ist sie merklich auflöslich, aber ganz unauflöslich in Aether und Alkohol. Kochendes Wasser zersetzt sie, indem es bei ausgeschlossener Luft Stickoxydgas entbindet; beim Zutritt der Luft aber mit Bildung von Salpetersäure; zugleich wird die Flüssigkeit alkalisch und färbt sich rosenroth; man findet darin gewöhnliches salpetersaures Kobalt und salpetrigsaures Kali. In Wasser suspendirt widersteht die neue Verbindung lange Zeit einem Strom von Chlorgas oder von Schwefelwasserstoffgas; schwefelwasserstoffsaures Ammoniak zersetzt sie aber augenblicklich, wobei schwarzes Schwefelkobalt entsteht. Versetzt man die in Wasser suspendirte neue Verbindung mit Säuren, so entwickelt sich Salpetergas; Aetzkalilösung scheidet daraus das Kobaltoxyd-Oxydul als Hydrat ab. In Berührung mit Luft in einer Glasröhre erhitzt, verändert die Verbindung ihre Farbe, welche einen orange-gelben Ton annimmt; später schmilzt sie, und zersetzt sich, röthliche Dämpfe von Untersalpetersäure entbindend, wobei Kobaltoxyd-Oxydul und salpetrigsaures Kali als Rückstand bleiben. Die wahrscheinliche Zusammensetzung dieser neuen Verbindung ist: Stickstoff, 15,34; Sauerstoff, 35,07; Kobaltoxydul, 20,82; Kali, 26,30; Wasser, 2,74; ihre Formel ist

Az⁴O¹⁶, 2 CoO, 2 KO, HO.

Der neue Körper ist also eine Verbindung von Salpetersäure und salpetriger Säure mit Kali, Kobaltoxydul und Wasser.

Hr. Saint-Evre vermuthete, daß dieses Kobaltgelb wegen der Schönheit seiner Nüance und weil es dem Chlor und Schwefelwasserstoff so gut widersteht, mit Vortheil in der Malerei angewendet werden könnte. Versuche, welche seit einem Jahr von mehreren Künstlern begonnen wurden, beweisen, daß es sich ohne alle Veränderung in der Oel- und Wassermalerei anwenden läßt, sowohl für sich allein, als im gemengten Zustande. (Cosmos, revue encyclopédique, Oct. 1852, Nr. 27.)

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