Titel: Untersuchung des Brodes auf den Gehalt an Kleie; von Wetzel und van Haas.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1852, Band 126/Miszelle 9 (S. 316–317)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj126/mi126mi04_9

Untersuchung des Brodes auf den Gehalt an Kleie; von Wetzel und van Haas.

Den genannten Chemikern wurde aufgegeben, zu untersuchen ob und in welcher Menge dem Brode in betrügerischer Weise Kleie zugesetzt sey. Zur Beantwortung dieser Frage mußte zuerst festgestellt werden, wie viel Kleie die verschiedenen im Handel vorkommenden Sorten Korn enthalten. Es wurden demnach 6 Loth Roggenschrot auf dem Dampfapparat bei 80° R. anhaltend mit Wasser ausgezogen, die Flüssigkeit mit den löslichen Bestandtheilen öfters durch ein Haarsieb abgegossen und das Ausziehen mit frischem Wasser so oft wiederholt, bis das Wasser klar und geschmacklos ablief. Der unlösliche Rückstand wurde nun ausgepreßt und bei etwa 30 bis 36° R. im Trockenschrank getrocknet. Als Mittelergebniß der angestellten Versuche erhielt man aus 6 Loth Roggenschrot 194 Gran unlösliche trockene Kleie. 107 Gran unlöslicher Kleie entsprachen 288 Gran gewöhnlicher Roggenkleie. Bei der Taxe des Schwarzbrodes wurden 5 1/4 Pfund Roggenschrot von der Behörde zur Anfertigung eines siebenpfündigen Brodes berechnet, welches nach diesem Ansatz 60 2/3 Loth gewöhnliche Roggenkleie enthalten darf. Ob Weizen- oder Roggenkleie in betrügerischer Weise zugesetzt sey, läßt sich nach dem Auskochen und Austrocknen sehr gut entscheiden. Die Weizenkleie nimmt nämlich nach dem Austrocknen eine hellgelbe Farbe an, während die von Roggenkleie viel dunkler erscheint; jene zeigt sich auch sehr glatt und dünn, während diese mehr zähe und zusammengeschrumpft ist.

Für das praktische Leben ist übrigens diese Unterscheidung ziemlich gleichgültig; bei einer gerichtlichen Untersuchung jedoch dadurch wichtig, daß der Gehalt an löslichen und nahrhaften Bestandtheilen in beiden Kleiensorten so verschieden ist. Es entsprechen nämlich 50 Gran trockener Weizenkleie nur 100 Gran gewöhnlicher, 50 Gran trockener Roggenkleie dagegen 134 69/107 Gran gewöhnlicher Roggenkleie.

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Zur Untersuchung des Brodes wird eine gewogene Menge des Roggenschrot ausgekocht und der unlösliche getrocknete Rückstand gewogen. Aus diesem wird nun der Gehalt an gewöhnlicher Kleie berechnet. Aus der Untersuchung von 13 Broden geht hervor, daß bei einem betrügerischen Zusatz von Kleie das Brod eines größern Gehalts an Wasser bedarf, wodurch der Betrug sich verdoppelt. Man kann annehmen, daß der Wassergehalt bei einem schlechten Brode ungefähr soviel mehr betrögt, als Kleie betrügerischer Weise zugesetzt ist. (Schweizerischen Gewerbeblatt, 1852, Nr. 20.)

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