Titel: Ueber Benützung einiger Hölzer in England.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1852, Band 126/Miszelle 13 (S. 399–400)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj126/mi126mi05_13

Ueber Benützung einiger Hölzer in England.

In England werden die dort, wie bei uns, einheimischen Hölzer theilweise umfassender benützt als bei uns. So wird die Stechpalme für zu bemalende und vorzüglich mit Wasserfarbe zu bemalende Gegenstände, Kästchen, die Quadrate von Schach- und ähnlichen Brettern, weiße und schwarze Einlegstäbchen für Kunstschreinerei und Instrumentenkästen, für Zeugdruckformen, für Drehbankfutter gebraucht. Auch im südlichen Italien wird sie zu Rollen und ebenfalls zu eingelegter Tischlerarbeit verwendet, und in Croatien und Ungarn werden musikalische Instrumente daraus gefertigt. Von der Rinde wird in England wie anderwärts durch Maceration Vogelleim gewonnen. Es scheint, daß man die feineren Anwendungen des Holzes aus Unkenntniß mit der erforderlichen Vorbereitung desselben zum Gebrauche bei uns unterlassen hat. In England wird dasselbe unmittelbar nach dem Hieb in die Werkholzform, Bretter, Furnüre, Drechslerrundholz gebracht. Die Furnüre werden abgesondert zum Trocknen aufgehängt, weil sie nach nur zwei- oder dreistündiger Berührung miteinander fleckig werden. Die Rundstücke werden 2 bis 3 Stunden im Wasser gekocht herausgenommen, aufeinander gehäuft und mit Sackleinwand Wohl vor dem Zutritt der Luft gesichert, weil sie sonst reißen würden. Man läßt die Luft nur nach und nach, nach Maßgabe des Trocknens, hinzutreten. Nach Verlauf von ungefähr vier Wochen haben die Stücke ein grünliches Ansehen bekommen, und sind mit Schimmel, manchmal 1/16'' dick bedeckt, dieser wird alle 3 bis 4 Wochen abgebürstet, und nach etwa sechs Monaten ist das Holz zum Gebrauche fertig. Ein gutes Auskochen kann jedoch den Proceß abkürzen. Für rohere Zwecke, wie Drehbankfutter, ist diese Vorbereitung begreiflich nicht erforderlich. Das Holz nimmt eine sehr schöne Politur an.

Das Holz der Roßkastanie wird in England sehr viel verarbeitet, besonders zu Bürstenschildern und Drechslerarbeiten, vorzüglich aber für größere zu bemalende und zu firnißende Flächen, für welche man die Stechpalme nicht in erforderlicher Dicke bekommen könnte.

Das Lindenholz ist seit einigen Jahren zu den Gestellen der besten lackirten und mit Perlmutter eingelegten Stühle in England benutzt worden; es ist hierzu auch wegen seiner Leichtigkeit sehr geeignet.

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Die Rinde der Weißpappel, welche fast so leicht als Kork ist, wird von den englischen Fischern, statt dessen, zum Tragen der Netze verwendet.

Das Sägmehl von Buchs wird, da das Holz besonders kieselfrei ist, von den englischen Goldarbeitern sehr viel zum Reinigen der Arbeit gebraucht. (Württembergisches Gewerbeblatt, 1852, Nr. 48.)

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