Titel: Verfahren, Schleifsteine rund zu erhalten.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1852, Band 126/Miszelle 4 (S. 395–396)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj126/mi126mi05_4

Verfahren, Schleifsteine rund zu erhalten.

Es ist bekannt, daß die Sandsteine, welche als Schleifsteine dienen und mittelst einer Kurbel durch den Fuß in Bewegung gesetzt werden, nicht lange ihre runde Gestalt behaupten, sondern an einigen Stellen Vertiefungen sich bilden, wodurch beim Schleifen ein stoßweises Heben und Sinken des zu schleifenden Gegenstandes entsteht, in Folge dessen die Unregelmäßigkeit des Steines immer stärker wird. Man sucht den Grund dieses Uebelstandes allgemein in einer ungleichen Härte des Steines an verschiedenen Stellen, wodurch die weicheren Stellen zuerst abgenutzt würden; allein eine Vergleichung mehrerer Schleifsteine in verschiedenen Werkstätten zeigte die auffallende Uebereinstimmung. daß die Vertiefung bei allen an derjenigen Stelle war, wo die Kurbel sich seitwärts befindet, und man vermuthete, daß dieß mehr in einem allgemein stattfindenden Fehler im Schleifen, als im Steine seinen Grund habe. Man beobachtete deßhalb aufmerksam beim Schleifen und fand bald die Ursache. Die Geschwindigkeit des Steines beim Umdrehen ist nicht immer gleich, sondern am größten, |396| wenn der Fuß die Kurbel niedertritt, und am langsamsten, wenn die Kurbel wieder in die Höhe steigt. Wenn man etwas stark auf den Stein drückt, so ist alle Kraft beim Aufsteigen des Trittes verzehrt, und man ist genöthigt, mit großer Kraft auf den Tritt zu treten. Damit aber der Stein nicht eher still stehe, als bis die Kurbel zum Niedertreten überschlagen ist, und zweitens weil man zu gleicher Zeit den Fuß aufheben und anziehen muß, hebt man unwillkürlich den zu schleifenden Körper von dem Steine auf, wodurch diejenige Stelle, welche während des Aufsteigens der Kurbel unter der Hand ist, am wenigsten abgeschliffen wird; nun folgt aber das Niedertreten des Trittes; man bewegt den Fuß mit Gewalt auf den Tritt hin, und diese Anstrengung pflanzt sich unbewußt auf die Hand fort, so daß man zu gleicher Zeit mit Hand und Fuß am stärksten drückt. Da nun die Kurbel unbeweglich mit dem Steine verbunden ist, so trifft das stärkere Drücken jedesmal dieselbe Stelle des Steines, und es schleift sich, wie dieß auch die Erfahrung gezeigt hat, der Stein vorzugsweise an der Seite ab, wo die Kurbel ist, wenn man den Stein gegen die Hand laufen läßt, und beinahe oben schleift. Läßt man aber den Stein von der Hand laufen, so trifft die Stelle des Niedertretens der Kurbel einen anderen Theil des Steines und es bildet sich noch eine Vertiefung, welche ungefähr um 3/4 rechten Winkel von der Kurbel entfernt ist, weil nämlich das Schleifen vorn am Stein geschieht, das Drücken aber, wenn die Kurbel nach hinten überschlagen ist und sich abwärts bewegt.

Es kann nicht fehlen, daß ein Stein durch dieses Verfahren sehr bald ganz unbrauchbar wird, besonders weil der gewöhnliche Arbeiter diese Rücksichten nicht kennt, und um so schonungsloser den Stein behandelt. Es läßt sich dem Uebelstande auf mehrfache Weise abhelfen. Wenn eine andere Person die Kurbel tritt oder mit der Hand bewegt, so übt der Schleifende einen gleichmäßigen Druck aus, und es ist schon viel verbessert. Allein man bedürfte alsdann zwei Personen zum Schleifen, was an sich schon lästig ist, abgesehen davon, daß der Schleifer das Bedürfniß der Schnelligkeit nur durch Worte reguliren muß, er aber beim Selbstschleifen zugleich fühlt und hilft. Am besten aber kann man diesem Uebelstande abhelfen, wenn man die Kurbel gar nicht an den Stein befestigt, sondern auf folgende Weise anbringt: An die Are des Schleifsteines befestigt man ein Rad mit einer bestimmten Anzahl von Zähnen, z.B. 20; in dieses Rad läßt man ein anderes, woran sich die Kurbel befindet, mit 21 eingreifen; hat sich nun das Rad der Kurbel mit seinen 21 Zähnen herumbewegt, so sind auch vom Rade an der Are des Schleifsteines 21 Zähne fortgerückt; da aber dieses Rad nur 20 Zähne hat, so ist es um 1/20 seines Umfanges weiter umgelaufen, und wenn nun der verstärkte Druck wieder mit der Kurbel zusammenfällt, so trifft er bei jedem folgenden Umgange eine Stelle des Schleifsteines, welche um 1/20 des Umfanges weiter liegt, und bei 20 Umgängen hat dieser Druck jede Stelle des Steines einmal getroffen, wodurch also ein vollkommen gleichmäßiges Abnutzen des Steines an allen Stellen stattfindet, und nur die ungleiche Härte des Steines noch einen Unterschied veranlaßt. Diese Einrichtung belohnt in der That durch ihre Vortheile die geringe Mühe der ersten Anlage, weil nun ein Stein viel länger aushält, indem er nicht absichtlich gerundet zu werden braucht; und ferner, weil das Schleifen viel besser und regelmäßiger geschieht, da auf einem ausgeschliffenen Steine alle scharfen Kanten gebrochen und abgerundet werden. Die Zahnräder können von starkem Holze gemacht werden, wenn man nicht Gelegenheit hat. dieselben in Eisen gießen zu lassen, und es entsteht dadurch weder eine bedeutende Erhöhung der Kosten, noch eine zu große Zusammengesetztheit des Apparates. Noch richtiger wird aber das Schleifen, wenn der Stein rascher umläuft und die Körper nur sehr leise an denselben angedrückt werden, so daß man bei der raschen Bewegung nicht im Stande ist. allen Vertiefungen des Steines nachzufolgen. Der Stein wirkt auch durch die raschere Bewegung mehr als Schwungrad, und die Bewegung wird in jedem Augenblicke gleichförmiger. Man erreicht dieses, wenn man z.B. dem Rade, woran die Kurbel ist, 25 Zähne, jenem an der Are des Steines aber 12 gibt, wobei der Stein bei jedem Tritte 2 1/12 Umgänge macht. Durch dieses Verhältniß ist ebenfalls das Wechseln der leidenden Stelle bedingt. Das Ausschleifen, welches von ungleicher Härte des Steines herrührt, läßt sich nie ganz vermeiden, obgleich sehr vermindern. (Polytechn. Zeitung, 1852, Nr. 15.)

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