Titel: Ueber Stärkeglanz und Glanzstärke.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1852, Band 126/Miszelle 12 (S. 434–435)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj126/mi126mi06_12
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Ueber Stärkeglanz und Glanzstärke.

Wenn man erwägt, daß in den Färbereien von leinenen und baumwollenen Stoffen beim Appretiren und Glätten derselben schon seit langer Zeit Talg, Wachs und dergleichen Materialien der Stärke und dem Leim zugesetzt werden, um einestheils die Sprödigkeit zu mildern, anderntheils den Glanz zu befördern, so muß es befremden, daß dieses Verfahren nicht auch schon in den Haushaltungen beim Plätten und Glänzen der Wäsche eingeführt wurde.

Den HHrn. Klotten und Comp. in Köln war es aufbehalten, erst in der neuesten Zeit mit einem Fabricat unter dem Namen Stärkeglanz hier in Berlin aufzutreten, welches sie als Zusatz zur Stärke als Glanzmittel empfahlen, wonach die Wäsche nicht allein zarter, sondern auch glänzender nach dem Plätten erscheinen sollte. Obgleich das Mittel kein neues war, so war es doch jedenfalls ein zweckentsprechendes und hat sich auch bereits Eingang und Anerkennung verschafft.

Jedermann erkannte sofort diesen Stärkeglanz als in Tafeln gebrachtes Stearin (Stearinsäure); nur war der Preis etwas theuer.

Zweckmäßiger schien es mir daher, die Stärke vorher im gröblich-gepulverten Zustande mit geriebenem Stearin zu vermengen und dann anzuwenden, wodurch die Vereinigung beim Kochen der Stärke erleichtert wurde. Auf ein Pfund Stärke schienen zwei Loth Stearin das beste Verhältniß zu seyn (am leichtesten pulvert man das Stearin, indem man es auf einem gewöhnlichen Reibeisen reibt). In dieser Vermengung wird auch jetzt schon in Berlin ein Präparat unter dem Namen „Glanzstärke“ verkauft, welches sich bei dem betreffenden Publikum alles Lobes erfreut; die damit behandelte Wäsche wird nicht nur weißer und glänzender als mit gewöhnlicher Stärke, sondern das Plätten der Wäsche wird bedeutend erleichtert und befördert, indem das Plätteisen schneller und leichter darüber hingleitet. Insofern ist die Anwendung des Stearins als Glanzmittel immerhin ein industrieller Fortschritt bei Behandlung der Wäsche.

Man nannte dieses Mittel zuerst amerikanischen Stärkeglanz, weil es zuerst in Amerika angewandt wurde (nach einer Mittheilung im polytechn. Journal, 1846, Bd. CI S. 328). L. Denzer.

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