Titel: Die Grundlage des französischen Telegraphentarifs.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1852, Band 126/Miszelle 2 (S. 429–430)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj126/mi126mi06_2

Die Grundlage des französischen Telegraphentarifs.

Es ist vor einiger Zeit der für Frankreich bestehende Telegraphentarif von Straßburg ausgehend veröffentlicht worden, dessen Construction vielleicht auch andern Telegraphenbeamten, wie mir, als sehr sinnreich erscheinen und nicht allein für Bildung ähnlicher Preistabellen für Telegraphenvereine als Muster dienen dürfte, senden auch als Vorbild für viele ähnliche Berechnungen, wobei ich namentlich die Tarife für Transportwesen auf Eisenbahnen, Canälen und Postanstalten etc. im Auge habe. Die Grundlage der Berechnung des französischen Tarifes beruht nun auf folgenden Bestimmungen:

Jeder, Tarifsatz besteht

α' aus einer constanten Taxe und deckt die allgemeinen Verwaltungskosten der Anstalt, welche diese für Gehalte, Geschäftsräume, Anschaffung der Apparate etc., Capitalzinsen und Capital vorlegen muß;

β' aus einem von der Entfernung der Aufgabestation bis zur Abgabestation abhängenden Satze, der diejenigen Kosten zu ersetzen bestimmt ist, die der Verwaltung auf zwischenliegenden Stationen zur Beförderung eines Schriftsatzes, durch Unterhaltung und Beaufsichtigung der Drahtleitung etc. entstehen;

α'' aus einem Satze, der lediglich von der Anzahl der zu telegraphirenden Worte abhängt, und somit verhältnißmäßig die durch diese vergrößerte Anzahl der Worte entstehende größere Mühe für das Telegraphiren selbst, und die größeren Kosten für Unterhaltung der Apparate, Batterien, Beleuchtung etc. vergütet;

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β'' endlich aus einem Zusatz, der von dem Producte der Entfernung der Stationen und der Anzahl der Worte abhängt, weil die Schwierigkeit der Uebertragung der Worte und somit die Kosten für die Anstalt gleichzeitig mit der Entfernung und der größeren Anzahl der Worte wächst und eine vergrößerte Sorgfalt in beiderlei Beziehung, also im zusammengesetzten Verhältnisse aus beiden Elementen, erforderlich macht.

Bezeichnet man mit

y den Tarifsatz für eine gegebene Anzahl Worte zwischen zwei Stationen, mit

x die Anzahl der Worte, mit

l die Entfernung beider Stationen, so wird

y = α' + β' b + (α'' + β'' l) x.

Für Frankreich von Straßburg ab ist

α' = 1,5000 Franken,

β' = 0,0060 “

α'' = 0,0750 “

β'' = 0,0003 “

unter der Voraussetzung, daß alle in Kilometern angegebenen Entfernungen auf die nächstfolgenden zehn Kilometer abgerundet werden.

Ganz nach denselben Sätzen ist auch der von der belgischen Gränze für Frankreich bestimmte Tarif berechnet, so daß wahrscheinlich für ganz Frankreich ein und dieselbe Norm gültig ist.

Die Bestellgebühr an den Stationsorten ist hierbei für einzelne Tarife den Tarifsätzen inbegriffen, bei andern wird dieselbe noch abgesondert zugeschlagen und ändert sich nach dem Umfang der Orte.

Darmstadt, den 15. December 1852.

J. J. L.

(Eisenbahn-Zeitung, 1852, Nr. 51.)

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