Titel: Vegetabilische Bronzefarben aus Rothholz und Blauholz.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1852, Band 126/Miszelle 8 (S. 432–433)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj126/mi126mi06_8
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Vegetabilische Bronzefarben aus Rothholz und Blauholz.

Wenn man in einem durch mehrtägige Ruhe geklärten Absud von Rothholz (St. Martins-, Japan- oder Bimasholz), Alaun mittelst Wärme auflöst, so entsteht beim Erkalten der Auflösung ein freiwilliger Niederschlag, der sich durch längeres Stehen der Flüssigkeit vermehrt und fast allen Farbstoff enthält. Wäscht man den abgeschiedenen Niederschlag einmal mit Wasser aus und streicht ihn etwas dick auf Papier, so trocknet er mit einer schön goldglänzenden, sich etwas ins Grüne ziehenden Farbe auf, welche den Flügeldecken der getrockneten spanischen Fliegen ziemlich ähnlich ist. Versetzt man den zur Breiform gebrachten Niederschlag mit etwas Leim und Satinstoff (Glanzstoff) – bestehend aus einer Auflösung von Wachs in Seife – und bestreicht dann mittelst eines Pinsels das Papier einigemale damit, so läßt er sich mit einem Achat oder mit einer Glaskugel glätten und nimmt einen schönen gelben Metallglanz, ganz ähnlich der Bronze, an. Es ist hierbei aber nöthig daß das Papier so dick damit überzogen wird, daß es vollkommen undurchscheinend ist.

Aehnlich wie dieser Farbstoff aus Rothholz verhält sich einer aus Blauholz, nur ist die Bereitung etwas verschieden und der Metallglanz zieht sich mehr ins Kupferfarbige, während jener sich mehr dem Messing nähert.

Nimmt man eine frisch bereitete concentrirte Abkochung von Blauholz und versetzt sie, in einem kupfernen Kessel erhitzt, mit Zinnchlorür (Zinnsalz), so erhält man einen reichlichen dunkelbraunen Niederschlag, den man unausgewaschen läßt. Dieser Niederschlag eben so behandelt wie der vorige, ertheilt dem Papier eine Kupferbronze. Eine von letzterer verschiedene Nuance erhält man, wenn man die erwärmte Blauholzbrühe mit wenig Alaun und dann mit noch weniger rothem chromsaurem Kali versetzt; dieser Niederschlag ist dunkler und sein Glanz auf dem Papier zieht sich mehr ins Gelbliche, so daß er gleichsam zwischen beiden ersteren die Mitte hält.

Diese Niederschläge eignen sich alle drei ganz vorzüglich zur Buntpapier- und Tapetenfabrication; denn, ist die Mischung von Leim, Glanzstoff und Farbe eine gut getroffene, so erscheint der Metallglanz schon durch bloßes Reiben mit einer mäßig steifen Bürste.

Als Anhaltspunkt zur Fabrication dieser Farben gebe ich nachstehende Formeln:

1) 10 Pfd. gutes Rothholz oder Fernambuk werden durch viermaliges Auskochen mit Flußwasser von ihrem Farbstoff befreit und die gesammelten Brühen vier bis acht Tage in einem offenen hölzernen Bottich der Ruhe überlassen. Dann wird die klare Brühe vom Bodensatz abgezogen und in das vorher gereinigte Gefäß zurückgebracht. In einem Theil der klaren Brühe löst man jetzt mittelst Wärme 5 Pfd. Alaun auf und vermischt die Auflösung mit dem Ganzen. Nach acht Tagen wird sich der beabsichtigte Niederschlag gesammelt haben, den man mittelst Seihetücher zur Breiform bringt und als solchen aufbewahrt.

2) 10 Pfd. Blauholz kocht man zweimal mit Flußwasser aus und läßt die durchgeseihete Brühe in dem Kessel bis zur Hälfte abdampfen; dann setzt man 20 Loth Zinnsalz hinzu und bringt den Niederschlag auf Seihetücher.

3) Zu der wie vorher abgedampften Brühe setzt man zuvörderst 20 Loth Alaun und läßt ihn sich lösen; dann streut man so lange zerriebenes rothes chromsaures Kali nach und nach hinein, als eine herausgenommene auf Papier gestrichene Probe noch dunkelblau erscheint, wozu ungefähr 2 1/2 Loth erforderlich sind. Zuviel chromsaures Kali macht die Farbe schwarz und verdirbt sie. Man bringt sie ebenfalls sogleich auf Seihetücher. L. Denzer.

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