Titel: Ein neuer Goldfirniß, dessen Farbe an Licht und Luft nicht verbleicht.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1852, Band 126/Miszelle 9 (S. 433–434)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj126/mi126mi06_9

Ein neuer Goldfirniß, dessen Farbe an Licht und Luft nicht verbleicht.

Diejenigen Farbstoffe, welche man bisher zum Färben der Goldfirnisse verwendete, verschießen mehr oder weniger in ziemlich kurzer Zeit am Tageslichte, und das schöne Ansehen der damit überzogenen Metallarbeiten und Bronzen geht verloren, wie man dieß an den Schaufenstern der damit Handelnden, wo dergleichen |434| Sachen längere Zeit dem Lichte ausgesetzt bleiben, oft genug beobachten kann. Keine von den gewöhnlich angewendeten Farben entsprach meinen Anforderungen, ich nenne davon: Orlean, Drachenblut, Gummigutt, Sandeltinctur, Saffran. Alle erbleichten in kürzerer oder längerer Zeit, nur der Saffran hielt sich noch am längsten. Die Reihe der harziggelben Farbstoffe, welche zu diesem Behuf anwendbar sind, ist ziemlich beschränkt, und deßhalb ist man auch vorläufig bei demselben stehen geblieben.

Die außerordentliche Dauerhaftigkeit und Aechtheit des rothen Krapp-Pigments (Alizarins) veranlaßte mich Versuche zu machen, es zu obigem Zweck zu verwenden, und es ist mir auch gelungen, einen sehr haltbaren Goldfirniß auf folgende Weise damit herzustellen.

4 Loth bestes französisches Garancin übergoß ich in einem Glase mit 12 Loth Alkohol von 90 Proc. Tralles und digerirte zwölf Stunden, dann preßte ich aus, filtrirte und erhielt so eine intensive klare Tinctur. Ferner löste ich hellen, orangefarbigen Schellack in eben solchem Alkohol auf kaltem Wege auf und filtrirte die Auflösung durch Fließpapier. Den filtrirten klaren Lack ließ ich so weit verdunsten, bis er die Consistenz eines sehr dünnen Syrups hatte; alsdann setzte ich von der Garancin-Tinctur soviel hinzu, bis durch eine aufgestrichene Probe auf einer polirten Metallfläche nach dem Trocknen die Goldfarbe erschien.

Die mit diesem Goldfirniß bestrichenen Gegenstände haben sich Jahre lang in unveränderter Farbe erhalten, nur ließ die Aehnlichkeit mit der Goldfarbe noch etwas zu wünschen übrig, indem dieser Lack einen Stich ins Bräunliche hatte. Diesem Uebelstande half ich indessen dadurch ziemlich genügend ab, daß ich etwas von einer intensiven Saffrantinctur, welche mit demselben Alkohol bereitet war, hinzufügte.

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