Titel: Penny, über eine maaßanalytische Methode zur Bestimmung des Jodgehalts im käuflichen Jod und Jodkalium.
Autor: Penny, Fr.
Fundstelle: 1853, Band 127, Nr. XII. (S. 60–64)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj127/ar127012

XII. Ueber eine maaßanalytische Methode zur Bestimmung des Jodgehalts im käuflichen Jod und Jodkalium; von Dr. Fr. Penny, Professor der Chemie in Glasgow.

Aus der Chemical Gazette, 1852, Nr. 240.

Eine schnell ausführbare und genaue Methode zur Bestimmung des Jodgehalts im käuflichen Jod und Jodkalium hat man in Glasgow längst gewünscht, als dem Hauptplatz der Fabrication von Kalisalzen und Jod aus Kelp, wo solche Proben häufig gemacht werden müssen. Es werden jährlich beiläufig 6000 Ton. Kelp nach Glasgow gebracht: i. J. 1850 kamen wegen der stärkeren Nachfrage nach Kalisalzen sogar 10,000 Tonnen Kelp auf den dortigen Markt. Die Fabrication ist jedoch nicht auf Glasgow beschränkt; es gibt auch Jodfabriken zu Borrowstowness, Greenok und Falkirk in Schottland, zu Ramelton in Irland, und zu Cherbourg und Brest in Frankreich.

Die hier zu beschreibende maaßanalytische Methode zur Jodbestimmung mittelst zweifach-chromsauren Kalis gründet sich auf die Thatsache, daß die Chromsäure bei Gegenwart von Salzsäure die vollständige Zersetzung |61| des Jodkaliums und aller auflöslichen Jodmetalle verursacht, indem Chlorchrom und ein Chlorid des andern Metalls entstehen, während das Jod in festem Zustande abgeschieden wird. Die Chromsäure wendet man aber am besten in Form von zweifach-chromsaurem Kali an. Die Reaction mit Jodkalium zeigt folgende Gleichung:

3 Kl + KO, 2 CrO³ + 7 HCl = I³ + 4 KCL + Cr²Cl³ + 7 HO.

Die Wirkung erfolgt augenblicklich, und vorausgesetzt, daß man die Lösungen kühl erhält, bildet sich kein secundäres Product. Das abgeschiedene Jod setzt sich schnell zu Boden und hinterläßt die überstehende Flüssigkeit ganz klar, jedoch schwach gefärbt durch wenige auf der Oberfläche schwimmende Jodtheilchen. Setzt man der Auflösung des sauren chromsauren Kalis zu viel Jodkalium zu, so wird sie dunkelroth, weil sich etwas Jod in dem überschüssigen Jodkalium auflöst. Durch diese Farbenveränderung erkennt man also sogleich, daß das Zusetzen von Jodkalium zu weit getrieben worden ist.

Jodkalium.

Um Jodkalium auf seinen Jodgehalt zu prüfen, verfährt man folgendermaßen:

Man löst 10 Gran zweifach-chromsaures Kali in einer halben Unze kaltem Wasser auf, und gießt dann ein Viertel-Unzenmaaß Salzsäure zu.

Ein Alkalimeter von 100 Maaßtheilen wird nun auf gewöhnliche Weise mit einer Auflösung von 50 Gran Jodkalium in Wasser voll gemacht, und diese Lösung derjenigen des zweifach-chromsauren Kalis zugesetzt, bis die Chromsäure vollständig zersetzt ist. Um genau den Punkt der vollständigen Zersetzung zu treffen, bereitet man eine gemischte Auflösung von reinem schwefelsaurem Eisenoxydul und Schwefelcyankalium, welche schwach mit Salzsäure angesäuert ist, setzt einzelne Tropfen davon auf einer Porzellanplatte ab, und bringt mittelst eines Glasstabs eine kleine Menge der chromsauren Kalilösung in Berührung mit denselben. So lange als den Flecken durch dieses Reagens eine rothe Farbe oder nur eine dunkle Färbung ertheilt wird, ist noch Chromsäure vorhanden; entsteht aber keine dunkle Färbung mehr, so ist die Zersetzung eine vollständige und die Operation beendigt. Man liest nun genau die Anzahl der verbrauchten Maaßtheile ab, und erhält die Gewichtsprocente Jod in dem angewandten Jodkalium, wenn man 5080 durch jene Zahl dividirt, |62| weil 10 Gran zweifach-chromsaures Kali 25,4 Jod und 33,3 Jodkalium entsprechen.

Während der Operation muß man die Flüssigkeit ganz kalt erhalten und gegen den Schluß muß man die Jodkaliumlösung im Alkalimeter sehr langsam zusetzen, damit sie Zeit genug hat auf die Chromsäure ihre Wirkung auszuüben, welche man durch wiederholtes und schnelles Umrühren noch befördert.

Die Mischung von schwefelsaurem Eisenoxydul und Schwefelcyankalium, welche ein höchst empfindliches Reagens auf zweifach-chromsaures Kali ist, muß man in sehr verdünntem Zustande anwenden und die Vorsicht gebrauchen, erst in dem Augenblick, wo es nöthig ist, Tropfen davon auf die Porzellanplatte zu bringen, auf deren Oberfläche man dieselben dann dünn ausbreitet; den Tropfen der zu prüfenden Flüssigkeit setzt man bloß im Centrum des Fleckes ab, welchen man ihn bloß berühren läßt, ohne irgend umzurühren. Die Färbung oder Nüancirung entsteht augenblicklich, wenn Chromsäure vorhanden ist. Es ist nicht immer leicht, sich schwefelsaures Eisenoxydul zu verschaffen, welches vollkommen frei von Oxyd ist; die mit solchem unreinen Eisenvitriol bereitete Mischung hat dann eine röthliche Farbe; dieß ist jedoch von keinem Belang, wenn die Farbe sehr hell ist, weil sie nach dem Ausbreiten der Mischung auf der Platte außerordentlich schwach und kaum merklich wird. Sollte die Mischung jedoch wegen der Unreinigkeit des Eisenvitriols dunkel gefärbt seyn, so thut man besser, ein kleines Stück Eisendraht in verdünnter Salzsäure aufzulösen und einen Theil der klaren Auflösung auf einmal dem vorher in Wasser aufgelösten Schwefelcyankalium zuzusetzen.

Wenn eine sehr große Genauigkeit verlangt wird, ist es rathsam, 30 Gran von dem Jodkalium in einer kleinen Menge Wasser aufgelöst, auf einmal der Auflösung des zweifach-chromsauren Kalis zuzusetzen; dann den Alkalimeter mit 10 oder 20 Gran des Jodkaliums voll zu machen und mit der Operation fortzufahren wie vorher angegeben wurde. Indem man auf diese Weise eine sehr schwache Auflösung von dem Jodkalium anwendet, ist es ganz leicht das Resultat bis auf einen Zehntels-Gran genau zu erhalten.

Ich habe dieses Verfahren wiederholt mit sorgfältig gereinigtem Jodkalium versucht; die Resultate, welche nie um mehr als einen Zehntels-Gran von einander abwichen, zeigen daß 100 Theile zweifach-chromsaures Kali 333 Jodkalium und 254 Jod entsprechen; hiernach sind 10 Gran zweifach-chromsauren Kalis 24,4 Gran Jod äquivalent.

|63|

Als ich verschiedene Muster käuflichen Jodkaliums nach diesem Verfahren probirte, erhielt ich folgende Resultate:

Muster. Jodkalium.
Nr. 1. 99,8 Proc.
2. 99,5 „
3. 93,6 „
4. 88,8 „
5. 79,3 „
6. 30,2 „

Das letzte Muster bestand hauptsächlich aus kohlensaurem Kali.

Jod.

Wenn Jod untersucht werden soll, so muß man es vorher in ein auflösliches Jodid verwandeln. Das Jodzink scheint zu diesem Zweck am geeignetsten. Man bringt 50 Gran von dem zu prüfenden Jod in ein Fläschchen mit einigen Stücken reinen Zinks und einer halben Unze Wasser; man schüttelt die Mischung, bis das Jod vollständig in Jodzink verwandelt ist, was man daran erkennt, daß die Lösung ihre anfängliche dunkelrothe Farbe verliert und fast farblos wird. Die Lösung wird dann in einen Alkalimeter decantirt, welchen man mit dem Waschwasser des überschüssigen Zinks bis 0 auffüllt.

Nun löst man 10 Gran zweifach-chromsaures Kali in einer kleinen Schale in einer halben Unze Wasser auf, und setzt nachher eine Viertelunze Salzsäure zu.

Die übrigen Operationen sind ganz dieselben wie sie für das Jodkalium vorgeschrieben wurden. Man tropft die Lösung des Jodids (Jodzinks) in diejenige des zweifach-chromsauren Kalis, bis die Schwefelcyanidmischung keine Färbung mehr hervorbringt; 5080 durch die Anzahl der verbrauchten Maaßtheile dividirt, gibt dann den Jodgehalt des Musters in Gewichtsprocenten.

Dieses Verfahren ist offenbar nicht anwendbar, wenn das Jod mit Eisenjodür oder Eisenoxydulsalzen, arseniger Säure oder Substanzen von ähnlichem chemischen Verhalten verunreinigt ist; die Gegenwart derselben ist aber leicht zu entdecken und ihr Einfluß zu verhüten.

Kelp und Kelplauge.

Auf Kelp und Kelplaugen läßt sich das beschriebene Verfahren offenbar nicht direct anwenden, weil dieselben Sulfuride, schwefligsaure und |64| unterschwefligsaure Salze, nebst Schwefelcyaniden enthalten, welche sämmtlich bei Gegenwart von Salzsäure leicht das zweifach-chromsaure Kali zersetzen. Man kann diese Verbindungen jedoch vollständig beseitigen, wenn man die Auflösung des Kelp vorsichtig mit Salzsäure behandelt und zur Trockne abdampft, und diese Operationen nöthigenfalls wiederholt, bis jene Verbindungen zersetzt sind.

Um ein Kelpmuster zu prüfen, verfährt man folgendermaßen. Ein bekanntes Gewicht desselben wird auf gebräuchliche Weise mit Wasser ausgezogen; die einzelnen Flüssigkeiten werden dann zusammengegossen, abgedampft und zum Krystallisiren stehen gelassen. Die Mutterlauge wird abgegossen, dann schwach mit Salzsäure übersättigt, gekocht und filtrirt. Das Filtrat wird vollständig zur Trockne verdampft, wobei man gegen das Ende ein wenig kohlensaures Natron zusetzt, wenn die Salzsäure in solchem Ueberschuß vorhanden seyn sollte, daß sie das Jodkalium angreift; dieß erkennt man daran, daß Jod frei wird und folglich die Lösung eine dunkle Farbe bekommt. Der trockene Rückstand wird mit einer kleinen Menge kalten Wassers behandelt und filtrirt. Die Auflösung prüft man dann auf die Gegenwart der erwähnten Substanzen; ist sie rein, so gießt man sie (ganz oder theilweise, je nach der Menge des angewandten Kelp) in den Alkalimeter, und tropft aus demselben in die hergerichtete Auflösung von zweifach-chromsaurem Kali und Salzsäure, wie es im Vorhergehenden beschrieben wurde. Sollte die Auflösung jedoch noch ein wenig schwefligsaures, unterschwefligsaures etc. Salz enthalten, so muß man die Behandlung mit Salzsäure wiederholen. Wenn die Beseitigung der erwähnten Verbindungen mit Schwierigkeit verbunden ist, so kann man, wie ich gefunden habe, das Jodkalium aus dem Rückstand sehr gut mittelst Alkohol ausziehen.

Der Kelp enthält wenig Jod und in sehr verschiedenem Verhältniß, von 2 bis 5 und 12 Pfd. in der Tonne.

Das Verfahren zum Prüfen der Kelplaugen ergibt sich aus der für den Kelp angegebenen Methode von selbst.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Orte
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: