Titel: Blackwell, über die Benutzung der Hohofengase.
Autor: Blackwell, Sam. H.
Fundstelle: 1853, Band 127, Nr. LVII. (S. 261–271)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj127/ar127057

LVII. Ueber die Benutzung der Hohofengase und über das Aufgeben der Schmelzmaterialien in die Hohöfen; von Sam. H. Blackwell zu Dudley.

Aus dem Civil Engineer and Architects' Journal, Januar 1853, S. 17.

Mit Abbildungen auf Tab. IV.

Die Benutzung der aus der Gicht der Hohöfen entweichenden brennbaren Gase36) ist schon seit längerer Zeit auf vielen Eisenwerken des Festlandes eingeführt. Die hohen Preise der Brennmaterialien sowie die größere Aufmerksamkeit, welche der wissenschaftlichen Kenntniß der wichtigsten Hüttenprocesse gewidmet wird, haben die Verwendung der Hohofengase in Deutschland und Frankreich weit früher, als es in England geschah, veranlaßt. Auch in den Vereinigten Staaten, besonders in Pennsylvanien, hat man schon seit Jahren das Beispiel des europäischen Festlandes befolgt. Der Zweck der vorliegenden Arbeit ist der, einige von den Ursachen darzulegen, welche die allgemeinere Benutzung der Gichtgase in den großen Eisenwerken Englands verzögert haben, sowie um die Aufmerksamkeit auf einige der besten Vorrichtungen zu lenken, welche zum Auffangen der Gase und zum Aufgeben der Schmelzmaterialien dienen.

Die ersten Versuche zur Benutzung der Gichtgase in England wurden zu Ystal-y-Fera in Südwales gemacht, und es nahm Hr. Budd ein Patent auf die dazu erforderlichen Apparate.37) In dem Augenblick, in welchem die Gase aus der Gichtöffnung entweichen und sich mit der atmosphärischen Luft verbinden, erfolgt ihre Entzündung und dann muß die Flamme sofort benutzt werden, indem man sie auf die zu erhitzenden Flächen einwirken läßt, weil sonst ihre Heizkraft verschwindet und verloren geht. Bei den Versuchen, die Gichtflammen zu benutzen, mußten daher die Kessel oder die Röhren, deren Feuerung oder Erhitzung man bezweckte, in der unmittelbaren Nähe der Gichtöffnung angebracht werden. Auf vielen Werken war dieß sehr schwierig und nur bei wenigen war es nicht mit |262| wesentlichen Unbequemlichkeiten verbunden. Selbst da wo die Vorrichtungen gut anzubringen waren, wirkte aber die Flamme immer sehr stark auf den Canal, durch welchen sie aus der Gicht entwich, und erschöpfte sich im Verhältniß der Länge dieses Canals und seines Absorptionsvermögens, ehe sie noch dahin gelangte, wo sie eigentlich erforderlich war. Diese Schwierigkeit führte zu einer solchen Veränderung der Vorrichtungen, daß statt der Flamme die Gase selbst, ehe sie sich mit Luft vermischt und entzündet haben, aus der Gicht abgeleitet werden konnten.

Dieß wurde durch die in Fig. 13 dargestellte Einrichtung bewirkt. Ein Cylinder A von Gußeisen oder starkem Eisenblech, der bis zu dem unteren Rande der Röhre B, durch welche die Gase ausströmten, hinabreichte, wurde in die Gicht eingehängt, indem sein breiter Rand auf ihrem Rande auflag. Da sich der Durchmesser des Hohofenschachtes von der Gicht ab vergrößert, so entstand zwischen dem Schachtfutter und dem Cylinder ein offener Raum C, C, welcher einen Behälter für das Gas bildete, und da der Cylinder stets mit Schmelzmaterialien angefüllt war, so konnte auch keine atmosphärische Luft eindringen.

Diese Einrichtung entsprach dem Zweck vollkommen, insofern dadurch die Gase, ohne entzündet zu seyn, aufgefangen wurden; und obgleich dieselben mit einer hohen Temperatur aus dem Ofen ausströmten, so hatte sich doch der Wärmeverlust in den Canälen sehr vermindert, indem er sich auf die Strahlung der heißen aber nicht entzündeten Gase beschränkte. So weit die Gase auch geleitet werden mochten, so blieb doch ihre chemische Zusammensetzung dieselbe und die atmosphärische Luft konnte sich erst dort mit ihnen vermischen, wo sie verbrennen und als Brennmaterial wirken sollten.

Jede Schwierigkeit des Anbringens der Röhren zum Erhitzen der Gebläseluft, oder zur Feuerung der Dampfkessel war gehoben, allein es blieben zwei Quellen von Nachtheilen zurück. Erstens war ein sehr starker Zug erforderlich, der nur durch eine hinlänglich hohe Esse erreicht werden konnte, um die Gase mit Regelmäßigkeit emporzuziehen; zweitens war die Menge der Gase, welche man unter den günstigsten Umständen aus dem Hohofen emporziehen konnte, nur ein geringer Theil von dem ganzen Volum derselben, welches im Ofen erzeugt worden war, indem der größere Theil aus dem offenen Cylinder entwich.

Wo eine stark ziehende Esse zur Hand und wo die Benutzung des ganzen Quantums erzeugten Gases nicht erforderlich war, da genügte die in Fig. 13 dargestellte Einrichtung in vielen Fällen. Auf andern Werken war dieß dagegen nicht der Fall; so konnte man auf einigen den Hohofen |263| durchaus nicht in einem guten Betriebe erhalten, sobald die Gichtgase abgeleitet wurden; es fand nämlich vor den Formen ein starkes Aufwallen statt, begleitet von häufigem Kippen und Rutschen der Gichten, so daß der Gang fortwährend unregelmäßig war. Die Production verminderte sich und man mußte endlich die Benutzung der Gase wieder aufgeben, da sie mehr Nachtheile als Vortheile darbot.

In Süd-Staffordshire war dieß weit mehr der Fall als in Wales, weßhalb in jener Provinz nach mehreren Versuchen, die sämmtlich gleiche Resultate gaben, die Benutzung der Gichtgase gänzlich aufgegeben wurde. Es war schwer, die Ursache dieser großen Unregelmäßigkeit in den Resultaten zu ermitteln, jetzt weiß man dieselbe aber genau.

Im Jahre 1849 wurden dem Verfasser dieses Aussatzes zwei Hohöfen in Derbyshire zur Leitung übergeben, bei denen man die Gichtgase auffing, um damit die Luftapparate zu erhitzen. Der Betrieb der Hohöfen war, so lange man sie im Gaargange erhalten konnte, sehr gut, allein es war dieß nicht immer möglich. Der Grund davon war folgender: die Oeffnungen zum Auffangen der Gichtgase lagen so nahe an der Gichtöffnung, daß wenn der Wind gewisse Richtungen hatte, die Gase nicht regelmäßig ausströmten, oder wenn dieß auch in gehöriger Menge geschah, sie so mit atmosphärischer Luft vermischt waren, daß sie in den Canälen verbrannten und große Nachtheile veranlaßten, indem nun der Gebläsewind minder stark erwärmt wurde, die Temperatur im Ofen auch sank und der Gaargang nachließ.

Der Verfasser suchte diese Nachtheile dadurch zu vermeiden, daß er in der Gicht einen blechernen Cylinder, wie in Fig. 13, anbrachte. Die Gichten waren nicht weit und gestatteten nur Cylinder von 4 1/2 und 6 Fuß Durchmesser. Die dadurch erlangte Wirkung war insofern genügend, als man auf diese Weise ein regelmäßiges Ausströmen von entzündetem Gas erlangte; allein in dem Hohofen mit dem 4 1/2füßigen Cylinder begann ein Kippen und Rücken der Gichte, vor den Formen im Herde war es sehr unruhig und die wöchentliche Production verminderte sich. Nach zweiwöchentlichen Versuchen wurde der Cylinder herausgenommen und es wurden andere Mittel ergriffen, um die Entzündung der Gase zu verhindern, worauf der Ofen wiederum in regelmäßigen Betrieb kam. Der Hohofen, in welchem der 6füßige Cylinder angebracht worden war, hatte einen weit bessern Gang, doch keinen völlig genügenden, und als daher der Cylinder verbrannt war, traf man ähnliche Einrichtungen, wie bei dem andern Ofen. Es ist nicht nöthig auf dieselben näher einzugehen, weil weiter unten ähnliche, aber durch weitere Erfahrungen verbesserte Vorrichtungen |264| beschrieben werden; im Wesentlichen war die Einrichtung von der in Fig. 18 dargestellten nicht verschieden. Beide Hohöfen sind seitdem in einem guten Betriebe gewesen und die aufgefangenen Gase genügen, um den Gebläsewind gehörig zu erhitzen, so daß dazu keine besondere Feuerung mit Staubkohlen mehr erforderlich war.

Aus diesem Versuche, sowie aus ähnlichen, auf andern Werken erlangten Resultaten, geht hervor, daß die Betriebs-Unregelmäßigkeiten nicht bloß durch das Ableiten der Gase veranlaßt wurden, und sie konnten bloß noch einer andern Ursache zugeschrieben werden, nämlich der Verengung der Gichtöffnung; es entstand daher die Frage, auf welche Weise diese wirkte? Die erste Vermuthung, welche sich natürlich darbot, war die, daß die hervorgebrachte Wirkung von dem verminderten Querschnitt der Oeffnung herrührte, durch welche die in dem Ofen entstandenen Gase aufsteigen mußten, wodurch dem freien Durchströmen der Gebläseluft größere Hindernisse entgegengestellt wurden. Man fand jedoch bald, daß diese Erklärung unhaltbar sey.

Die Ersparniß, welche auf einigen Waleser Werken durch die Benutzung desjenigen Antheils der Gase erzielt wurde, die man mittelst der dort angewandten Cylinder auffangen konnte, erregte den Wunsch, das ganze Gasquantum verwendbar zu machen, indem man die Gichtöffnung gänzlich verschließt, so daß nichts von den Gasen in die freie Luft entweichen kann.

Dieß wurde zuerst in der Waleser Hütte Cwn Celyn 38) ausgeführt. Die angewendete Vorrichtung ist in Fig. 14 dargestellt. Zwei gußeiserne Balken A, A (von denen jedoch nur einer in dem Durchschnitt zu sehen ist), sind etwa 7 Fuß unter der Gicht, quer durch den Ofenschacht gelegt. Auf denselben ruht ein gußeiserner Kegel B, dessen Basis nicht so groß ist als die Gicht weit. Ein etwa 3 1/2 Fuß hoher Cylinder ist mittelst eines Randes in die Gicht eingehängt, und ein zweiter, etwa eben so hoher D, ruht auf dem Kegel; er ist weiter als der erste Cylinder und kann mittelst zweier eiserner Stäbe und daran befestigter Ketten, welche durch Löcher in dem Rande des obern Cylinders gehen, gehoben werden. E ist die Röhre zum Ableiten der Gase. Wenn der untere Cylinder auf dem Kegel aufliegt, wie die Figur zeigt, so ist die Gicht gänzlich verschlossen und der innere Raum der Cylinder kann mit der Erz- oder Kohlengicht angefüllt werden. Wird nun der untere Cylinder gehoben, so fallen die |265| Schmelzmaterialien rings um die Basis des Kegels in den Ofen, und wenn alsdann der Cylinder herabgelassen wird, so ist die Gicht wiederum verschlossen. Bei einer solchen Einrichtung kann man alle Gase benutzen und erlangt eine größere Hitze für den Luftwärmeapparat.

Eine andere Vorrichtung, welche denselben Zweck erfüllt, wurde etwas später in der Ebbw Vale-Hütte in Wales angewendet; sie ist in Fig. 15 abgebildet. Ein abgestumpfter Kegel A ist umgekehrt, mittelst eines Randes, der auf dem Gichtrande ruht, in die Gicht eingehängt. Das abgestumpfte Ende ist durch einen andern Kegel B verschlossen, dessen Scheitel durch das abgestumpfte Ende des oberen Kegels A in die Höhe steigt und ihn verschließt. Der untere, den Verschluß bewirkende Kegel hängt an einer Kette, die an einem Balancier mit Gegengewicht hängt, so daß er nach Belieben gehoben und niedergelassen werden kann; C ist die Röhre, durch welche die Gase abgeleitet werden. Wird der untere Kegel gehoben, so ist die Ofengicht geschlossen; es werden nun die Kohlen- oder Erzgichten mittelst der Gichtwagen darin eingefüllt und er wird alsdann niedergelassen, worauf die Materialien rings herum in den Ofen fallen. Dieser Gichtverschluß ist auf mehreren Werken der Ebbw Vale-Compagnie angebracht und man ist mit ihm sehr zufrieden. Sowohl dort als auf den Cwn Celyn-Werken sind die Hohöfen mit den verschlossenen Gichten in sehr gutem Betriebe und produciren ein eben so gutes, wo nicht besseres, und eben so viel Roheisen als die mit offener Gicht. Der Querschnitt der Oeffnung, durch welche die Gase abgeleitet werden, ist in einigen Fällen kaum so groß, als derjenige einer dreifüßigen Röhre und viel geringer als derjenige des kleinsten Cylinders, welche so ungünstige Resultate veranlaßten. Folglich konnte die nachtheilige Wirkung dieser Cylinder weder von der geringern Ausströmungsöffnung für die Gase, noch daher rühren, daß der Gebläsewind nicht gehörig durch den Ofen konnte. Die Wirkung der Cylinder konnte bloß darin bestehen, daß die Schmelzmaterialien zu sehr gegen den mittleren Theil des Hohofens niederfielen, welches, wie anderweitige Erfahrungen gezeigt haben, einen nachtheiligen Einfluß auf den Betrieb hat.

Durch die Kegel werden hingegen die in die verschlossenen Oefen gegebenen Schmelzmaterialien ringsum an den Schachtwänden verbreitet und zwar ganz so wie es bei offenen Oefen mit weiten Gichten geschieht. Es ist daher einleuchtend, daß in Wales die Cylinder nicht solche Nachtheile auf den Betrieb äußern konnten, wie in Staffordshire, weil die Hohöfen der erstem Provinz weitere Gichten haben als die der letztern, so daß dort Cylinder von 8 bis 10 Fuß Weite angewendet werden konnten, während in Staffordshire nur weit engere benutzt werden konnten.

|266|

Die Art und Weise des Aufgebens der Schmelzmaterialien auf die Hohöfen ist eine sehr wichtige Sache, welche einen bedeutenden Einfluß auf den Betrieb hat, bis jetzt aber wenig beachtet wurde.

Es ist beim Hohofenbetrieb schon seit langer Zeit als allgemeiner Grundsatz angenommen worden, daß weite Gichten einen günstigen Einfluß, besonders auf die Größe der Production haben, nicht allein bei den Kohks-, sondern auch bei den Holzkohlenhohöfen, daher bei den Hohöfen des Harzes, die bekanntlich nur mit Holzkohlen betrieben werden, schön vor 40 Jahren weite Gichten gebräuchlich waren. Auch in Steiermark wendet man jetzt weitere Gichten an; man gibt dort auch die Kohlengichten mehr in der Mitte und die Erzgichten mehr ringsum an den Seiten auf; durch diese Mittel hat man die Production sehr erhöht.

Der Grund der bessern Wirkung der weiten Gichten war früher nicht genau bekannt und erst die Benutzung der Gichtgase führte zu einer genügenden Erklärung.

Vor einigen Monaten wurde dem Verfasser der Betrieb von einem der Hohöfen der Bilston-Hütte in Staffordshire übertragen, welcher mit einem Cylinder und mit andern Einrichtungen zum Auffangen der Gase versehen war. Obgleich er überzeugt war, daß der Cylinder auf den Betrieb einen schlechten Einfluß haben müsse, so begann er den Betrieb doch, weil er den Hohofen zugestellt und zum Anblasen bereit fand und weil der Cylinder 6 Fuß im Durchmesser hatte. Der erwartete Erfolg blieb nicht aus, denn es fand ein stetes Rücken und Kippen der Gichten und ein Aufwallen vor der Form statt. Die Esse war nicht hoch genug, um ein kräftiges Abziehen der Gase bewirken zu können und der Verfasser ließ daher eine ähnliche Einrichtung wie die in Ebbw Vale vorhandene machen, welche Fig. 16 zeigt. Es gab dieß sofort ein gutes Resultat, der Betrieb wurde regelmäßig, allein das Roheisen blieb weiß, selbst als man den Erzsatz verminderte und eine gute Schlacke erhielt. Es war klar, daß eine weitere Verminderung des Erzsatzes das verlangte Resultat nicht geben würde. Offenbar war das weiße Roheisen eine Folge, der verschlossenen Gicht. Man brachte eine 9 Zoll weite Röhre in der Gicht an, jedoch ohne Erfolg, und nur ein geringer wurde mittelst einer weiteren Röhre erlangt.

Da die Production von grauem Roheisen nothwendig war, so beschloß man nun, die Benutzung der Gase lieber ganz aufzugeben, als fortzufahren weißes Eisen zu blasen. Das Ventil A auf der Haupt-Gasröhre B, sowie der Deckel E auf der Gasröhre C, C wurden nun geöffnet und man erlangte sogleich ein anderes Resultat. Das Eisen wurde grau und der |267| Betrieb regelmäßig. Das weiße Eisen war offenbar eine Folge des Drucks, welcher durch die verschlossene Gicht veranlaßt wurde. Der Ofen war so empfindlich für die geringste Beschränkung des freien Abzuges der Gase, daß schon ein starker Wind, der in die offene Röhre drang, durch welche die Gase gewöhnlich ausströmten, die Bildung von weißem Roheisen veranlaßte.

In Wales, wo man die verschlossenen Gichten mit Erfolg anwendet, betreibt man viele Oefen auf weißes, zu verfrischendes Roheisen, und daher ist die Tendenz der verschlossenen Gichten, diese Qualität zu erzeugen, nicht unvortheilhaft. In manchen Fällen sind jedoch gegen ihre Anwendung wesentliche Einwürfe zu machen; außerdem würden geschlossene Gichten allgemein eingeführt werden, da sie die Nothwendigkeit hoher Essen beseitigen und die Benutzung aller Gase gestatten.

Daß an der Tendenz zum Rohgang oder zur Erzeugung weißen Eisens nicht bloß die Ableitung der Gase aus dem Ofen schuld war, beweisen klar die Resultate der schottischen Hohöfen, bei denen diese Ableitung ohne Anwendung geschlossener Gichten bewirkt wird. Zu Dundyvan hat man auf diesen Punkt besonders eine große Aufmerksamkeit gerichtet, und die Resultate haben gezeigt, daß die Oefen, von denen die Gase abgeleitet werden, mit gleicher Regelmäßigkeit arbeiten und mit gleicher Leichtigkeit graues Roheisen produciren, wie diejenigen, welchen man die Gase nicht entzieht, und es würde leicht seyn, noch andere Beispiele anzuführen, die dasselbe Resultat liefern.39)

Die Art und Weise, wie die Gase zu Dundyvan aufgefangen werden, ist in Fig. 17 dargestellt. Der Hohofen ist 42 (engl.) Fuß hoch und hat in der Mitte 12 Fuß Durchmesser. In einer Höhe von 12 Fuß vom Boden beginnt er sich zu verengen, um die Rast und das Gestell zu bilden, welches letztere unten am Boden, oder im Herde 7 Fuß weit ist. In acht Fuß Entfernung von der Gicht, welche acht Fuß weit ist, fängt die Verengung auch an, so daß der Ofen auf 22 Fuß eine cylindrische Form hat. Unter dem sich nach der Gicht zu verengenden Theil sind acht Oeffnungen A, A, A, von 4 Fuß Höhe und 1 1/2 Fuß Weite, gleich weit von einander entfernt, angebracht. Dieselben führen zu einem ringförmigen Raum B, B, welcher rings um den Ofen und bis zum Gichtplateau |268| geht, woselbst er durch die eisernen Platten geschlossen ist, womit dieselbe belegt ist. Die Röhre C, mittelst welcher die Hohofengase abgeführt werden, ist nahe am oberen Ende des ringförmigen Raumes angebracht. Hin und wieder sind die Eingänge zu den Canälen mit einem blechernen Cylinder bedeckt, der 10 Fuß weit ist und auf einem Rande ruht und 5 bis 6 Fuß unter dem Gichtrand hinabreicht, so daß zwischen dem Cylinder und dem Schachtfutter ein etwa 1 Zoll weiter Raum bleibt. In Fig. 17 ist der Cylinder nicht dargestellt. Obgleich man mit diesem Cylinder sehr genügende Resultate erlangt hat, so ist es doch zweifelhaft, ob er überall nothwendig ist, denn jedenfalls ist es mehr als wahrscheinlich, daß er nach kurzer Zeit verbrannt seyn wird.

Bei manchen Hohöfen mit offenen Gichten, von denen die Gase abgeleitet werden, hat man die Cylinder ganz aufgegeben. In diesem Fall müssen aber die Oeffnungen in dem Schachtfutter, durch welche die Gase abziehen, weit genug von der Gicht entfernt seyn, um eine Vermischung der Gase mit atmosphärischer Luft zu verhindern. Es ist daher ganz zweckmäßig, sie 10, 12 oder 15 Fuß unter der Gicht anzubringen. In dieser Tiefe strömen die Gase leichter aus, indem die darauf liegenden Materialien einen größern Druck auf sie ausüben und sie sind daher zur Feuerung weit geeigneter.

Fig. 18 zeigt die Vorrichtung zum Auffangen der Gase, wie sie neuerlich zu Pontypool in Südwales gemacht wurde und wobei man ebenfalls auf den Gebrauch des Cylinders verzichtet hat. – In Beziehung auf die Heizkraft ist es nothwendig, die Zusammensetzung der Gase und die in dem Hohofen stattfindenden chemischen Reactionen kurz zu betrachten.

Die ausgedehntesten Untersuchungen über die Hohofengase hat der verewigte französische Chemiker Ebelmen angestellt40); auch Professor Bunsen in Heidelberg und Prof. Playfair in London haben viel zur Kenntniß derselben beigetragen.41)

Aus Ebelmen's Versuchen geht hervor, daß die erste Wirkung des Gebläsewindes bei seinem Eintritt durch die Formen in den Ofen darin besteht, durch die Vereinigung des Sauerstoffs der atmosphärischen Luft mit dem Kohlenstoff der Kohks (der Holz- oder Steinkohlen) Kohlensäure |269| zu bilden, wobei die zum Schmelzen des Eisenerzes erforderliche intensive Hitze entbunden wird. Indem nun die Kohlensäure aufwärts strömt, kommt sie mit den über der Schmelzungszone befindlichen glühenden Kohks in Berührung und wird durch Aufnahme von Kohlenstoff aus denselben, in Kohlenoxydgas verwandelt. Letzteres steigt dann in die höheren Räume des Ofenschachts empor und wirkt reducirend auf das Eisenoxyd des Erzes und verwandelt sich dadurch großentheils wieder in Kohlensäure. Die aus der Gicht entweichenden Gase enthalten in Folge dieses chemischen Processes und auch wegen der aus dem Zuschlagskalk entwickelten Kohlensäure, mehr von derselben, als wenn sie tiefer im Schacht aufgefangen worden wären, und wegen dieses größeren Kohlensäuregehalts ist ihre Heizkraft geringer.

Wo daher nur ein Theil der Gase aufgefangen wird, wie bei den offenen Gichten, ist die tiefe Lage der Canäle sowohl wegen der Heizkraft der aufgefangenen Gase, als auch deßwegen von Wichtigkeit, weil sie dann keine atmosphärische Luft beigemischt enthalten.

Im Folgenden stelle ich die Resultate zusammen, zu denen wir mit Sicherheit gelangt sind:

1. Die aus der Gicht entweichenden Gase können mit großem Nutzen zur Dampferzeugung und zur Erhitzung der Gebläseluft angewendet werden.

2. Sie müssen so aufgefangen werden, daß sie sich nicht mit atmosphärischer Luft vermischen, ehe sie zu dem Punkt gelangen, wo sie benutzt werden sollen.

3. Dieß kann auf zweierlei Wegen bewirkt werden, entweder indem man die Ableitungscanäle tief genug unter der Oberfläche der Schmelzmaterialien anbringt, oder indem man die Gicht gänzlich verschließt.

4. Der erste Weg muß dann eingeschlagen werden, wenn graues Roheisen erzeugt werden soll; dann muß aber auch ein starker Zug durch eine hinlänglich hohe Esse hervorgebracht werden.

5. Wenn die Gase einmal aufgefangen sind, so können sie auf jede Entfernung, welche mit dem Zuge im Verhältniß steht, fortgeleitet werden, ohne an ihrer Heizkraft anders als durch Strahlung zu verlieren. Die ganze Heizkraft wird dadurch erhalten, daß man die Gase erst da mit atmosphärischer Luft vermischt, wo sie verbrannt werden und ihre Heizkraft ausüben sollen.

|270|

6. Auf der Gicht darf keine Einrichtung getroffen werden, welche die Oeffnung auf mehr als 8 Fuß Durchmesser verengt; 9 bis 10 Fuß weite Gichten sind die zweckmäßigsten.

––––––––––

Nachdem vorstehende Abhandlung in dem Institut der Maschinenbauer zu Birmingham vorgetragen worden war, entstand eine Discussion darüber, aus welcher wir das Wichtigste mittheilen.

Der Vorsitzende, Hr. Rob. Stephenson warf unter anderm die Frage auf, ob man denn die Temperatur der abgeleiteten Gase nicht kenne?

Hr. Blackwell erwiederte, daß man darüber nichts Genaues wisse, daß aber die Temperatur der Gase nicht hoch seyn könne, so lange sie nicht entzündet seyen. Bei einem Verfahren zur Benutzung der Gase, welches in Frankreich angewandt worden, lasse man sie durch Wasser gehen, ehe man sie verbrenne, um sie von allen Unreinigkeiten und schädlichen Substanzen zu befreien und um jede Möglichkeit einer Explosion zu vermeiden, wobei also die freie Wärme der Gase, die sie bei ihrem Ausströmen aus dem Ofen und vor ihrer Verbrennung besitzen, verloren geht.

Hr. Gibbons bemerkte, daß sein verstorbener Bruder der erste in England war, welcher die Nachtheile der engen, gewöhnlich nur vier Fuß weiten Gichten nachwies. Eine Weite von 8 bis 9 Fuß sey die beste, auch 10 Fuß seyen noch zweckmäßig.

Hr. Blackwell sagte, er habe überall die Erfahrung gemacht, daß bei einer verschlossenen Gicht weißes Roheisen erzeugt werde.

Hr. Slate erwähnte, daß man auf der Middlesboro-Hütte im nördlichen England bei verschlossener Gicht ein weit festeres Roheisen zum Gießereibetriebe erblase, welches jedoch nicht gänzlich weiß sey; daß auch dabei eine hohe Production und eine Verminderung der Kosten erzielt werde. Er warf zugleich die Frage auf, warum man die Gase nicht so tief im Schacht auffange, daß man möglichst reines Kohlenoxydgas erhalte?

Hr. Blackwell antwortete darauf, daß seines Wissens unter 15 Fuß von der Gichtöffnung aus gerechnet, keine Gase aufgefangen werden, weil dieß Nachtheile veranlassen müsse, indem das Kohlenoxyd zur Reduction der Erze durchaus erforderlich sey.

Es entstand nun eine Discussion über die ökonomischen Vortheile, welche die Benutzung der Gichtgase gewährt.

|271|

Hr. Blackwell bemerkte, daß auf den Ebbw Vale-Werken der Dampf zum Betriebe des Gebläses gänzlich mittelst dieser Gase erzeugt und die Gebläseluft dadurch erhitzt werde; es seyen dazu unter gewöhnlichen Umständen, bei besonderer Feuerung, 15 bis 20 Ctr. Steinkohlen per Tonne Roheisen erforderlich. Der dadurch erlangte Gewinn sey freilich sehr verschieden, je nach dem Werth der zur Dampfmaschinen-Feuerung verwendeten Staubkohlen. – In Staffordshire würden daher nur 6 Pence auf die Tonne Roheisen erspart, da dort die Staubkohlen einen sehr geringen Werth haben, denn sie seyen gar nicht backend und könnten nicht zum Verkohken benützt werden. In Süd-Wales sey dieß aber der Fall und der Werth der backenden Staubkohlen dort weit höher, so daß es ein wichtiger Gegenstand sey, dieselben nicht zur Kesselfeuerung zu benutzen.

Eine andere Frage war, ob die Gase die Kessel und Winderwärmungsröhren stark angreifen und bald zerstören?

Die Meinungen der Mitglieder waren darüber getheilt. Hr. Blackwell behauptete, die Kessel und Röhren würden von den Gasen schon deßhalb mehr geschont, weil sie eine weit gleichförmigere Hitze geben als festes Brennmaterial. Bei einigen Hohöfen in Derbyshire seyen die Kessel und Heizröhren drei Jahre lang in ununterbrochenem Betriebe gewesen, ohne daß irgend eine Reparatur erforderlich war. Die Röhren wurden alle sechs Wochen von dem Gichtsand gereinigt, wie man nämlich den Erz- und Kohksstaub nenne, welcher von den Gichtgasen aufwärts geführt, und auf die Röhren abgesetzt werde. Da dieser Gichtsand ein schlechter Wärmeleiter sey, so vermindere er die Heizkraft der Rohren und müsse daher nothwendig von Zeit zu Zeit entfernt werden. – Auf andern Werken, z.B. zu Dundyvan würden aber die Röhren von den Gasen stark angegriffen, die Kessel weniger.

Als Resultat aller dieser Betrachtungen über den Vortheil der Benutzung der Gichtgase ergibt sich, daß da wo die Staubkohlen so backend sind, daß man Ofenkohks daraus fabriciren kann, der Vortheil der Gasfeuerung ganz überwiegend ist, wie z.B. in Wales und theilweise in Schottland, wogegen z.B. bei den nicht backenden und nicht verkohkbaren Staubkohlen im südlichen Staffordshire der Vortheil, welchen die Benutzung der Gase veranlaßt, so gering ist, daß dadurch die Anlagen und Unterhaltungskosten der Apparate nicht gedeckt werden.

|261|

Wir verweisen hinsichtlich dieses Gegenstandes auf die Abhandlungen von Montefiore Levi im polytechn. Journal Bd. CXVI S. 363 und 368.

A. d. Red.

|261|

Man sehe seine Abhandlung im polytechn. Journal Bd. CXIII S. 208.

A. d. Red.

|264|

Das gälische w wird wie u ausgesprochen.

A. d. Red.

|267|

Wir verweisen auf die Hohöfen der Coltneß-Hütte in Schottland, von denen die Gase auf ähnliche Weise abgeleitet werden, um sie zum Erzrösten zu benutzen; siehe S. 116 in diesem Bande des polytechn. Journals.

A. d. Red.

|268|

Polytechn. Journal Bd. LXXXV S. 33, Bd. XCIV S. 44 und Bd. CXIX S. 351.

|268|

Polytechn. Journal Bd. CVII S. 271.

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