Titel: Pépin, über die Anwendung des Marineleims zum Tränken der Leinwand.
Autor: Pépin,
Fundstelle: 1853, Band 127, Nr. LXIV. (S. 306–307)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj127/ar127064

LXIV. Ueber die Anwendung des Marineleims zum Tränken und Ueberziehen der Leinwand und verschiedener Gartengeräthschaften; von Hrn. Pépin.

Aus dem Agriculteur-practicien, Decbr. 1852, S. 90.

Die Wittwe Andouin (rue des Vieilles-Haudriettes Nr. 8 zu Paris) hat der Gartenbaugesellschaft mehrere Muster von Leinwand und Cannevas übergeben, welche sich zum Zudecken der Glashäuser, der Glasfenster auf Mistbeeten, der Schoppen und Spaliere in Gärten eignen. Diese, in Marineleim (welcher durch Erwärmen auf etwa 96° R. flüssig gemacht wurde) getauchten Tücher conserviren sich sehr lange an freier Luft und widerstehen dem Witterungswechsel vollkommen. Es wurde zur Prüfung dieses Gegenstandes eine Commission gewählt, in deren Namen ich hiemit Bericht erstatte.

Der Marineleim, eine dem Theer ähnliche Substanz, wurde vor 8–10 Jahren von Jeffery in London erfunden. Der Theer, dessen sich unsere Gärtner zum Ueberziehen der Kufen, Fässer etc. bedienen, hat bekanntlich kein Adhäsionsvermögen; das darin enthaltene ätherische Oel verflüchtigt sich an der Luft und hinterläßt einen trägen Körper, welcher keine Elasticität besitzt; bei großer Kälte schrumpft der Theer ein und wird brüchig, bei einer Sonnenhitze von 28° R. schmilzt er und fließt ab. Der Marineleim hingegen, welcher ebensoleicht aufzutragen ist, wie Tischlerleim und Theer, ertheilt zusammengefügten Hölzern eine bedeutende Cohäsionskraft. Er eignet sich nicht nur als Ueberzug, sondern auch als Anstrich, um Holz gegen Feuchtigkeit und Insecten zu schützen, läßt sich auf jedem Material anbringen und erhöht dessen Haltbarkeit und Dauerhaftigkeit. Der Feuchtigkeit ausgesetzt oder in Wasser getaucht, ist er ganz unauflöslich und ändert weder seine Dimensionen noch seine Eigenschaften; je nach dem Mengenverhältniß seiner Bestandtheile wird er entweder starr und unbiegsam, oder elastisch und geschmeidig.

Die Marineleim-Tücher der Frau Andouin sind dauerhaft, es können ihnen beliebige Farben gegeben werden und sie eignen sich zu verschiedenen Anwendungen in Gärten; die starken und dichten für Glashäuser und kleine Mistbeetfenster, auch für Schoppen; sie sind geschmeidig und lassen sich leicht rollen oder zusammenlegen. Die Tücher, welche eine |307| Art groben lose gewobenen Cannevas bilden, können im Frühjahr zur Beschützung der Spaliere gegen Spätfröste und im Sommer zur Beschirmung der Treibhauspflanzen gegen die Sonnenstrahlen dienen. Die feineren Tücher, jenen ähnlich, welche man an Spalieren etc. zum Abhalten der Vögel und Insecten von den Früchten benutzt, halten ebenfalls sehr lange aus; man bediente sich in letzterer Zeit dieser lose gewobenen Leinwand häufig zur Verfertigung von Traubensäcken. Schnüre von jeder Dicke, und namentlich diejenigen, welche man zur Verfertigung der Strohmatten verwendet, werden durch Tränken mit flüssigem Marineleim sehr dauerhaft und widerstehen der Feuchtigkeit und dem Wetter vortrefflich.

Auch Schläuche zum Begießen kann man von Leinwand anfertigen, in welchen nach dem Gebrauch keine Feuchtigkeit zurückbleibt. Alles Holzwerk in Gärten, wie Fässer, Schutz- und Zaunpfähle, die Sparren der Glashäuser etc. kann man mittelst Marineleim gegen Feuchtigkeit und Insecten schützen.

Wir machten seit drei Jahren Versuche mit 300 Stück eichener Pfähle, die wir sieben Monate lang in der Erde stecken ließen, und seit zwei Jahren mit 200 Stück Kastanienstangen, welche bis jetzt nicht die geringste Veränderung erlitten. Auch ermangelten wir nicht Erkundigungen über den Erfolg der Anwendung des Marineleims in mehreren Gärten einzuziehen und erfuhren, daß man mit so getränkter Leinwand statt der Strohmatten etc. seit einer Reihe von Jahren sehr zufrieden ist; mit bestem Erfolg hat man auch die Kästen, in welche Orangebäume etc. gepflanzt werden, mit Marineleim angestrichen.46)

|307|

Der Marineleim zu den angegebenen Zwecken kostet in Paris:

1 Kilogr.grüner.80Centimes
holzfarbiger70
schwarzer60

Ein sehr gutes Product erhält man bei der Anfertigung des Marineleims nach der Vorschrift von Dr. Winterfeld, mitgetheilt im polytechn. Journal Bd. CXV S. 398.

A. d. Red.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: