Titel: Goadby, über die Conservirung thierischer Substanzen.
Autor: Goadby, Henry
Fundstelle: 1853, Band 127, Nr. LXXIX. (S. 363–372)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj127/ar127079

LXXIX. Ueber die Conservirung thierischer Substanzen; von Dr. Henry Goadby, früher Prosector am königl. Collegium der Wundärzte in England.

Aus Sillimans's american Journal of science and arts, second series, Vol. XII Nro. 36.

In den conservirenden Flüssigkeiten, deren ich mich bediene, kommen folgende Ingredienzien vor: Steinsalz, Alaun, Aetzsublimat und weißer Arsenik (arsenige Säure).

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Diese Substanzen werden nie alle zusammen angewandt, und müssen mit Umsicht gebraucht werden, damit sie die naturhistorischen Exemplare statt zu erhalten, nicht vielmehr zerstören.

Zu diesem Behufe halte ich es für zweckmäßig, ehe ich die Vorschriften für die Flüssigkeiten mittheile, die Eigenschaften eines jeden dieser Körper zu beschreiben.

Das Steinsalz ist ein sehr gutes Präservativmittel und erhält alle Gewebe in ihrer ungeschwächten Eigenthümlichkeit, besser als jedes andere mir bekannte Agens, vorausgesetzt daß die Stärke seiner Auflösung richtig bemessen ist; ich bediene mich auch der bloß salzigen (oder B-) Flüssigkeit viel häufiger als jeder andern.

Der Alaun besitzt in hohem Grade die Eigenschaft zu conserviren; er ist adstringirend, bringt das Eiweiß in gewissem Maaße zum Gerinnen und macht durchsichtige Gewebe undurchsichtig, im Verhältniß des mit ihnen in Berührung gebrachten Alaunvolums; aber er zerstört den kohlensauren Kalk, indem er ihn in unlöslichen schwefelsauren Kalk verwandelt. Die Alaun- (oder A, 2-) Flüssigkeit ist jedoch eine sehr schätzbare Mischung, welcher ich viele wichtige Präparate verdanke, die sich sowohl in meiner eigenen Sammlung als im Hunter'schen Museum befinden, und welche ohne Beihülfe des Alauns nie hätten hergestellt werden können.

Der Alaun verbindet sich mit den thierischen Geweben so vollkommen, daß er durch lang fortgesetztes Maceriren in Wasser nicht aus denselben ausgezogen werden kann. Wenn die Anwendung alaunhaltiger Flüssigkeiten als nothwendig erachtet wird, entweder um einem Thier oder Thiertheile, oder einem zarten Gewebe vermöge ihrer adstringirenden Eigenschaft Form und Consistenz zu geben, oder um durchscheinende Thiere oder Gewebe so undurchsichtig zu machen daß sie sichtbar werden, so muß man nachher den Ueberschuß von Alaun mittelst Wassers wegwaschen und hierauf den thierischen Körper, mit wenigen Ausnahmen, aus der alaunhaltigen Flüssigkeit nehmen und bleibend in der B-Flüssigkeit aufbewahren. Man darf nie außer Acht lassen, daß die Wirkung frischer Alaunflüssigkeit genau beobachtet werden muß, damit der Alaun keinen nachtheiligen Erfolg hat; bei gehöriger Sorgfalt kann man aber seine schätzbaren Eigenschaften vollauf benützen für die zarten Theile eines in einer Schale (Muschel) von kohlensaurem Kalk eingeschlossenen Thieres, weil die Muskel-, Nerven- und andere zarten Gewebe vom Alaun viel schneller afficirt werden, als die dichten Gewebe, welche kohlensauren Kalk enthalten. Die Alaunflüssigkeit gestattet folglich keine allgemeine Anwendung.

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Der Aetzsublimat ist ebenfalls adstringirend und bringt das Eiweiß zum Gerinnen; durch seine Anwendung beabsichtigt man aber nicht diese Eigenschaften zu benutzen, sondern bloß zu verhindern, daß in den einzelnen Flüssigkeiten Vegetation platzgreife. Da jedoch das Eiweiß dem Aetzsublimat einen Theil seines Chlors entzieht und ihn so in Calomel verwandelt, alle thierischen Gewebe aber mehr oder weniger eiweißhaltig sind, so fragt es sich noch, ob man ihn überhaupt anwenden sollte.

An Orten, wo Keimkörner von Pilzen in Menge vorhanden sind, wie in den Vorrathszimmern großer Museen, kann selbst der Zusatz von Aetzsublimat die Vegetationen auf der Oberfläche aller meiner Aufbewahrungsflüssigkeiten nicht verhindern, wenn sie thierische Materie irgend einer Art enthalten und sich in offenen, d.h. nicht hermetisch verschlossenen Gefäßen befinden; ich muß jedoch als das Ergebniß langer Erfahrung erwähnen, daß bei der Aufbewahrung thierischer Theile in offenen Cylindergläsern, Schalen etc. (bis an sie die Reihe kam bleibend als Präparate hergestellt zu werden) die Oberfläche der Flüssigkeit sich während der Sommermonate zwar bedeutend mit Vegetation bedeckte, welche immer zunahm und wochenlang herrlich blühte, diese Vegetation jedoch niemals in die Flüssigkeit hinabstieg oder die Präparate (wenn diese nur gut mit Flüssigkeit bedeckt waren) irgendwie angriff. In der That schützt auch jede dieser Flüssigkeiten Pflanzen so leicht und sicher wie Thiere, und der Pilz würde, wenn er in die Flüssigkeit hinein wüchse, folglich getödtet und conservirt werden. Ich habe während meiner vierzehnjährigen Erfahrung niemals ein Stäubchen Vegetation in irgend einem der mit meinen Flüssigkeiten in verschlossenen Gefäßen aufbewahrten Präparate gefunden; und während der letzten sechs Jahre bediente ich mich dieser Flüssigkeiten sowohl für bleibende Präparate als für Vorräthe, ohne Aetzsublimat zuzusetzen, und stets mit befriedigendem Erfolg. Ich glaube daher, daß man den Aetzsublimat recht wohl weglassen kann, obwohl ich ihn in die Recepte der Flüssigkeiten mit aufnehmen werde.

Der Arsenik kann, da er die Glasgefäße angreift, indem er sich mit dem Bleioxyd des Glases verbindet, und auch aus andern Gründen, für Präparate welche permanent bleiben sollen, nicht angewandt werden. Er besitzt die Eigenschaft die thierischen Gewebe in hohem Grade zu erweichen, und diese Eigenschaft hat keine Gränze.

Vor einigen Jahren ward ich von den Examinatoren der Anatomie an der Londoner Universität ersucht, einen Cadaver den Sommer über für die Examina im Herbst zu conserviren. Da ich alle Gewebe so gut als möglich in natürlichem Zustand erhalten wollte., so setzte ich der B-Flüssigkeit |366| Arsenik zu. Einige Monate lang war der Erfolg ein unübertrefflicher, und wenn ich die Flüssigkeit gewechselt und durch B-Flüssigkeit ohne Arsenik ersetzt hätte, so wäre, wie ich glaube, der Cadaver bleibend conservirt gewesen. Dieß wurde jedoch vernachlässigt, und nach Verlauf von zwölf Monaten fand ich den ganzen Körper (mit Ausnahme der Knochen) in Beschaffenheit und Aussehen sich zersetzendem Kleister ähnlich, nur war er vollkommen fäulnißfrei geblieben. Mehrere Versuche, welche ich hierauf anstellte, gaben gleiche Resultate; der Charakter des Muskels, der Sehne, des Nerven etc. verschwand nach und nach, bis nur. noch eine eiweißartige Flüssigkeit zurückblieb, die aber immer vollkommen fäulnißfrei war.

Die erweichende Eigenschaft ist es, wegen welcher ich den Arsenik anwende, entweder um Thiere wieder herzustellen, die in Alkohol erhärten oder zusammenschrumpfen, oder um die beschwerliche Zergliederung von Nerven vornehmen zu können. Dr. T. S. Beck in London hätte die feine Zergliederung der Gebärmutternerven nie ausführen können, ohne die Beihülfe von Arsenik, dessen nachtheilige Wirkung er dadurch verhinderte, daß er ihn von Zeit zu Zeit wegwusch, wieder erneuerte u.s.f.; die Nerven wurden unter dem gut regulirten Einfluß des Arseniks so zähe, daß sie ohne Nachtheil gestreckt werden konnten.

Die Alaunflüssigkeiten bezeichnete ich mit dem Buchstaben A und benannte sie 1 oder 2, je nachdem dasselbe Gewicht der Ingredienzen in 1 oder 2 Quart Wasser aufgelöst wurde; sie werden wie folgt bereitet:

A, 2.

Steinsalz 4 Unzen
Alaun 2
Aetzsublimat 4 Grains
Siedendes Wasser 2 Quart54)

Die Flüssigkeit A, 1 unterscheidet sich dadurch, daß sie nur halb- soviel Aetzsublimat und Wasser enthält. Sie wird nur sehr selten angewandt, weil sie zu adstringirend ist.

B

Steinsalz 8 Unzen
Aetzsublimat 2 Grains
Siedendes Wasser 1 Quart.
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Der Aetzsublimat darf niemals über 2 Grains per Quart Wasser betragen, weil sich sonst mit der Zeit ein weißer Niederschlag auf dem Präparat bildet, welcher nicht entfernt werden kann und dasselbe sehr entstellt.

Wenn die B-Flüssigkeit nach obigem Recept bereitet wurde, so ist ihr spec. Gewicht bei 12 1/2° R. 1,100 und mit ihr können Land- und Süßwasserthiere gut aufbewahrt werden.

Für Seethiere muß sie durch Zusatz von Salz auf 1,148 spec. Gewicht verstärkt werden, weil sich diese sonst zersetzen. Viele Seethiere erfordern in den ersten Stadien ihrer Aufbewahrung Alaun; derselbe muß aber vorsichtig gebraucht und sorgfältig beobachtet werden, und man muß das Thier, sobald der Alaun seinen Dienst gethan hat, in reinem Wasser gut auswaschen und in B-Flüssigkeit bringen. Auf diese Weise kann der Alaun auch öfters angewandt werden.

Die Arsenik-Flüssigkeit. – Wenn ich mich des Arseniks wegen seiner erweichenden Eigenschaften bediene, so gebrauche ich ihn für sich allein; wenn jedoch der Proceß viel Zeit in Anspruch nehmen würde, so verbinde ich ihn mit obiger B-Flüssigkeit (als C, B-Flüssigkeit), indem ich ihr 20 Grains Arsenik beigebe. Der Arsenik darf mit kohlensaurem Kalk ebensowenig zusammengebracht werden wie Alaun; soll er ja bei einem Weichthiere (Molluske) in Anwendung kommen, so ist das Thier aus seiner Schale zu nehmen, ehe man es in Arsenik bringt. – Die Arseniklösungen, welche ich anwende, enthalten 20 bis 60 Grains in der Pinte Wasser (Imperial-Maaß, 20 Unzen) oder der Pinte B-Flüssigkeit. Um den Arsenik ohne Zeitverlust aufzulösen, koche ich ihn mit einer halben Pinte Wasser in einem Glaskolben auf der Weingeistlampe, bis alles aufgelöst ist, worauf ich die Lösung durch Zusatz von Wasser oder Aufbewahrungsflüssigkeit verdünne.

Eines merkwürdigen Falles habe ich hier zu erwähnen, nämlich der mittelst dieser Flüssigkeit erzielten Conservirung eines Thieres sammt dessen Farbe. Vor mehr als sechs Jahren nämlich sammelte mein Sohn für mich mehrere Exemplare der Larven des Weidenbohrers (Cossus ligniperda), dessen eigenthümliche Farbe noch nie conservirt wurde; in Weingeist jeder Stärke wird sie ganz schwarz, das gewöhnliche Resultat der Aufbewahrung von Raupen in Alkohol; überdieß sind die meisten Insectenfarben in Alkohol auflöslich.

Unter den Exemplaren waren Larven des ersten und zweiten Jahres und eine schöne dreijährige, letztere auf dem Punkte sich zu verpuppen. Von den erstern bewahrte ich einige in der Flüssigkeit A, 2 auf und die übrigen in der B-Flüssigkeit; die letzte brachte ich in Arseniklösung. Die |368| Alaunflüssigkeit verhärtete und entstellte die Raupen fast in demselben Grade wie es Spiritus gethan hätte; weicher und in einem für die Zergliederung geeignetem Zustand blieben sie in der B-Flüssigkeit; in beiden Flüssigkeiten aber verloren sie ihre rosenrothe Farbe gänzlich und wurden theilweise schwarz.

Mittelst des Arseniks gelang es mir eine Raupe so zu conserviren, daß ihre charakteristische Farbe, bis zum zarten Tone, sich bis jetzt vollkommen erhielt. Das Innere wurde durch die erwähnte erweichende Wirkung des Arseniks, wie ich glaube, nicht zerstört, weil sich sonst in der Flüssigkeit ein bedeutender Bodensatz gebildet hätte, der aber nicht entstand; auch würde in diesem Fall das Insect seine Runde und Fülle nicht behalten, sondern im Gegentheil durch die Entfernung derjenigen Gewebe (Muskeln), welche der Hülle ihre Form geben, schlaff werden. Da diese Raupe gegen die Einwirkung des Lichts über 12 Monate verwahrt geblieben war, beschloß ich den andauernden Einfluß des Lichtes auf sie zu versuchen, dem sie drei Jahre in England und ein halbes Jahr hier in Amerika exponirt blieb; noch ist aber ihre Schönheit unversehrt.

Ich halte die erfolgreiche Anwendung des Arseniks zur Conservirung der Farbe dieser Raupe für wichtig; Sammler der Larven von Lepidopteren und anderer Insecten können sich meine Erfahrung zu Nutzen machen.

Anwendung der Aufbewahrungs-Flüssigkeiten. – Die Kenntniß der Art und Weise, wie diese Flüssigkeiten anzuwenden sind, ist für den guten Erfolg nothwendig; denn dieselben haben in andern Händen, als den meinigen, eher die Zerstörung als die Conservirung der Exemplare herbeigeführt. Man hat meine Flüssigkeiten immer so angewandt, als hätte man es mit Spiritus zu thun, und übersah dabei einen wichtigen Umstand, nämlich den großen Unterschied zwischen ihrem spec. Gewicht und demjenigen des Alkohols. Letzterer hat eine so geringe Dichtigkeit, daß jedes Thier sogleich darin untersinkt; bei jenen ist es gerade der umgekehrte Fall, indem jedes Thier, vom kleinsten bis zum größten specifisch leichter ist und folglich auf jeder dieser Flüssigkeiten schwimmt.

Von meinen Flüssigkeiten (die arsenikalische stets ausgenommen) darf keine sogleich in ihrer ganzen Stärke angewandt werden, und was darin conservirt werden soll, muß vorher in reinem Wasser macerirt werden, dem nach einiger Zeit Aufbewahrungsflüssigkeit zugesetzt werden kann, bis das Thier sich an die Oberfläche begibt. Die Flüssigkeit und das Wasser müssen durch Umrühren jedesmal innig gemischt werden.

Das Thier absorbirt nach und nach die Bestandtheile der Aufbewahrungs-Flüssigkeit und wird mit denselben, jedoch in einem Zustand |369| bedeutender Verdünnung, gesättigt; man erhöht nun stufenweise die Stärke der Flüssigkeit (sie jedesmal innig mischend), bis das Thier wieder in die Höhe geht und nach einiger Zeit wird es dann mit dieser dichten Flüssigkeit gesättigt seyn. In vielen Fällen ist es rathsam, das Thier künstlich durch Gewichte auf dem Boden des Gefäßes zu halten, hauptsächlich bei heißer Witterung, wo die Conservirung thunlichst beschleunigt werden soll. Ob das Thier mit der Flüssigkeit gesättigt ist, erfährt man leicht durch Entfernung der Gewichte, und in diesem Fall schreitet man zum Verstärken der Flüssigkeit. Die in den ersten Stadien gebrauchte verdünnte Flüssigkeit muß man weggießen und fleißig erneuern, weil sie wegen der aufgenommenen thierischen Flüssigkeiten die Elemente der Zersetzung in sich trägt und die Schwierigkeiten eines guten Erfolgs erhöht. Diese Bemerkung bezieht sich jedoch weniger auf die Alaun-, als auf die B-Flüssigkeit, weil der Farbstoff und animalische Ablagerungen aller Art von dem Augenblick an unauflöslich sind, wo sie mit Alaunlösung in Berührung kommen; aus diesem Grund kann der Alaun im ersten Stadium der Conservirung fast immer bei Beobachtung der angegebenen Vorsichtsmaßregeln angewandt werden. Die Conservirung von Thieren mittelst meiner Flüssigkeiten läßt sich also nur durch täglichen Zusatz von Flüssigkeit bewerkstelligen, womit man fortfährt bis das Geschöpf mit der Flüssigkeit von der ganzen angegebenen Stärke gesättigt ist. Auch damit darf die Sorgfalt des Operators nicht sogleich aufhören, denn die Flüssigkeit muß von Zeit zu Zeit erneuert und ihre Stärke oft geprüft werden. Um diese Arbeit abzukürzen, verschaffte ich mir eine 2 1/2 Zoll lange und 3/4 Zoll weite Glasröhre mit flachem Boden, die als Probirglas dient; ferner einige Glaskugeln, welche genau so adjustirt sind, daß sie in der Flüssigkeit, deren ganz richtige Stärke sie anzeigen sollen, sehr langsam aufsteigen; ist die Flüssigkeit etwas schwächer, so sinken sie zu Boden und bleiben dort liegen; ist sie stärker, so erheben sie sich schnell. Ich habe dieselben mit A¹, A², B, S bezeichnet; letztere entspricht einer gesättigten Steinsalzlösung, womit ich die B-Flüssigkeit in der beschriebenen Weise täglich verstärke.

Schüttet man etwas Flüssigkeit in das Probirglas und wendet zur Ermittelung ihrer Dichtigkeit eine solche Kugel an, so erfährt man sogleich, ob die Flüssigkeit die gehörige Stärke hat, oder schwächer oder stärker ist.

Wenn eine der erwähnten Flüssigkeiten zum Aufstellen von Präparaten in einer öffentlichen oder Privatsammlung dienen soll, so muß sie gut filtrirt werden, zu welchem Behufe man sie oftmals durch feinen Flanell, der in den Hals eines großen irdenen Trichters gesteckt ist, oder zwei- bis dreimal durch gutes Filtrirpapier laufen läßt. Ist das Filtriren |370| gehörig bewerkstelligt, so sind diese Flüssigkeiten ganz hell und weiß; behufs des rohen Filtrirens genügt es die Flüssigkeiten einmal durch einen Beutel aus dickem Flanell zu seihen, oder sie in dem Gefäß, worin sie bereitet wurden, stehen zu lassen, bis sie ganz kalt sind und dann das Klare sorgfältig abzugießen; die im Steinsalz stets enthaltenen fremdartigen Substanzen fallen zu Boden, namentlich in der Alaunflüssigkeit, welche die Eigenschaft besitzt, alles, was die Durchsichtigkeit des Wassers beeinträchtigt, niederzuschlagen.

Keine meiner Flüssigkeiten kann in offenen Gefäßen, Glastöpfen oder selbst verkorkten Flaschen eine Zeitlang aufbewahrt werden. In offenen Gefäßen verdunstet das Wasser, das Salz krystallisirt und zerstört die in der Flüssigkeit enthaltenen Exemplare. Da das Salz sehr zerfließlich ist, so wird die der freien Luft ausgesetzte (obere) Portion bei feuchtem Wetter stark verdünnt, steigt an den Hals der Flasche hinauf und fließt dann an den Seiten derselben herunter. Wird das Wetter wieder trocken, so krystallisirt das Salz und bildet so am nächsten Regentag eine Leitung für die Flüssigkeit, wodurch sie mit der Zeit ganz aus der Flasche abziehen kann. Eine Blase, womit man die Cylindergläser bei Spiritus-Präparaten verbindet, hält meine Flüssigkeiten nicht zurück; man muß das Cylinderglas mit einer Glasscheibe bedecken und diese mit Marineleim55) aufkitten, welchen man mittelst eines heißen Eisens auf dem Glas erweicht.

Das beste Verfahren ist folgendes. Man gibt kleingeschnittenen Marineleim in eine kupferne Schale und erhitzt diese in einem kochenden Leinölbad. Den flüssiggewordenen Leim muß man rasch auf den Rand des Cylinderglases auftragen (welcher ganz trocken und frei von Fett seyn muß). Dieß geschieht mit einem Pinsel, und zwar wird der allein hierzu taugliche folgendermaßen verfertigt. Ich nehme ein Stück Spanisch-Rohr von der Länge eines Bleistifts und schneide die Rinde von dem einen Ende desselben vorsichtig soweit weg, als ich den eigentlichen Pinsel lang haben will. Ich weiche nun das Rohrende eine kurze Zeit lang in Wasser ein und klopfe es, noch naß, mit einem Hammer auf einer harten Unterlage (Eisen oder Stein) unter beständigem Umdrehen mit der Hand, bis alle Fasern des Rohrs freigemacht sind, worauf der Pinsel fertig ist. Ich bediene mich eines solchen Pinsels schon mehrere Jahre sehr häufig, während kein anderer zweimal benutzt werden kann, ohne daß die Haare mit dem Marineleim ausgehen und eine gute Dichtung verhindern. Eine |371| Glasscheibe wird so geschnitten, daß sie oben auf das Cylinderglas paßt, gereinigt, und der Theil, welcher mit dem Cylinderglas in Berührung kommt, ebenfalls dünn mit dem heißen Leim bestrichen. Durch die Mitte der Glasscheibe wird vorher ein kleines Loch (von etwa 1/8 Zoll Durchmesser) gebohrt, zu dem unten angegebenen Zweck.

Da die beiden Glasoberflächen zwar mit Marineleim bestrichen sind, derselbe sie aber nicht wirklich berührt, so muß diese Berührung hergestellt werden mittelst eines heißen Eisens, womit man einigemal über die Oberfläche des Leims fährt, bis dieser und das Glas heiß werden, wobei das Eisen beständig in Bewegung und immer am Rande des Cylinders oder der Scheibe gehalten werden muß, weil dann die Ausdehnung gleichförmig seyn wird, so daß keine Gefahr stattfindet, selbst wenn das Eisen rothglühend ist; läßt man aber das Eisen an einer Stelle verweilen oder einen anderen als den äußern Theil der Scheibe oder den Rand des Cylinderglases berühren, so brechen diese augenblicklich.

Das Cylinderglas muß auf diese Weise in leerem und trocknem Zustande vorgerichtet werden; hierauf gießt man die Flüssigkeit ein bis an die halbe Höhe des Glases und hängt das Präparat hinein. Die hierzu erforderlichen Schnüre können über den Rand des Glases gelegt und in den Leim auf demselben eingepreßt werden, wenn derselbe dazu weich genug ist; man gebe nun dem Präparat die gehörige Höhe in dem Glas und erhalte die Aufhängfäden an ihrer Stelle durch eine nasse Schnur die man auf der Außenseite des Glases einigemal um sie herum zieht. Nachdem der Marineleim trocken ist, wird die präparirte Fläche der Scheibe auf das Glas aufgelegt und man bringt beide in dichte Berührung mittelst des erhitzten Eisens, mit welchem man, wie vorher, stets am Rande herumfährt, wobei man zugleich die Scheibe aufdrückt bis diese Operation beendigt ist.

Das Cylinderglas wird nun mit der Conservirungs-Flüssigkeit angefüllt, jedoch nicht ganz, weil in Folge der Ausdehnung der Flüssigkeit (namentlich B) bei plötzlicher Temperatur-Erhöhung das Deckelglas zerbrechen könnte; hierauf richtet man einen Korkstöpsel so her, daß er das Löchlein gut verstopft, schneidet ihn waagrecht mit der Oberfläche ab, bringt ein Stückchen festen Marineleim darauf, welchen man dem Stöpsel mittelst der Spitze des heißen Eisens adhäriren macht und bedeckt ihn mit einer kleinen Glasscheibe von entsprechender Größe, womit alles fertig ist. Sollte sich ein Glasstöpsel in dem Hals einer Flasche durch Krystallisation des Salzes festsetzen, so kann man ihn leicht dadurch herausbringen, daß man das Salz in Wasser löst und das Querstück des Stöpsels an seinen äußersten Enden sachte mit einem Thürschlüssel klopft.

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Zum Schlusse will ich bemerken, daß die Aufbewahrung von Thieren sowohl in alkoholischen als in meinen Flüssigkeiten dadurch sehr erleichtert wird, daß man in den ersten Stadien des Processes ein großes Volum von Flüssigkeit anwendet. Die Thiere in einem beschränkten Raum mit nur wenig Flüssigkeit zu sehr aufeinander zu drängen, ist in der Regel nachtheilig; wenn aber ihre Conservirung schon ganz vollendet ist, so kann man die Exemplare in einem kleinen Gefäß ganz eng aneinander bringen und soviel Flüssigkeit von der gehörigen Stärke, als die Zwischenräume ausfüllt, reicht vollkommen hin, selbst viele Jahre, wenn man den Stöpsel und Hals der Flasche mittelst eines erhitzten Eisens mit Marineleim überzieht.

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Das Imperial-Quart von 40 Unzen.

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S. die Vorschrift zu seiner Bereitung im polytechn. Journal Bd. CXV S. 398.

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