Titel: Baudet's ununterbrochen wirkende Polirmaschine für metallene Gegenstände.
Autor: Baudet, Armand
Fundstelle: 1853, Band 127, Nr. LXXXVII. (S. 418–419)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj127/ar127087

LXXXVII. Ununterbrochen wirkende Polirmaschine für metallene Gegenstände; von Armand Baudet, Juwelier in Paris.

Aus Armengaud'sGénie industriel, Decbr. 1852, S. 297.

Mit einer Abbildung auf Tab. VI.

Dieser Apparat hat hauptsächlich den Zweck, Metallarbeiten durch gegenseitige Berührung und Reibung zu poliren. Von andern Apparaten dieser Art unterscheidet er sich durch die Einrichtung der Zapfen, um welche sich das Polirfaß dreht.

Das Gefäß, in welchem das Poliren vorgenommen wird, ist ein Faß von gewöhnlicher Form, an welchem die Zapfen in diagonaler Richtung angebracht sind, so daß sie einen gewissen Winkel mit der geraden Linie bilden, welche durch die Mittelpunkte der beiden Böden des Fasses geht.

Aus dieser Einrichtung folgt, daß man die Polirtonne bis zu 1/4, oder 1/3, ja selbst bis zur Hälfte ihrer ganzen Räumlichkeit mit Metallarbeiten, wie Schmucksachen, Ketten, Schrauben, Nägel u.s.w. anfüllen kann, und daß, wenn man der Tonne eine ununterbrochen drehende Bewegung ertheilt, alle diese Gegenstände nothwendig eine doppelte Bewegung erleiden, so daß sie stets über einander rollen. Jedes einzelne Stück verändert unaufhörlich in allen Richtungen seinen Platz und erlangt durch die ununterbrochene Reibung auf allen Flächen und an jedem Punkt eine gute Politur, es mag was immer für eine Form haben.

Fig. 9 zeigt eine äußere und perspectivische Ansicht dieser Polirtonne mit excentrischen Zapfen. Aus der bloßen Betrachtung dieser Figur erkennt man, daß die beiden Zapfen a und b, um welche sich die Tonne dreht, an den beiden entgegengesetzten Böden angebracht sind, und zwar der eine an dem oberen und der andere an dem unteren Ende. Es folgt daraus, daß die gerade Linie, welche durch den Mittelpunkt dieser beiden Zapfen geht, mit der Achsenlinie der Tonne, welche durch die Mittelpunkte beider entgegengesetzten Böden geht, einen mehr oder weniger großen Winkel bildet und folglich geneigt, wenn letztere horizontal ist.

Jeder Zapfen ist unter einem gewissen Winkel mit dem einen oder dem andern Boden der Tonne verbunden, und der größeren Festigkeit |419| wegen ist diese Verbindung auch mit den Faßdauben hergestellt. Beide Zapfen liegen in den Pfannen c, c', die auf dem Gestell B der Maschine befestigt sind.

Die zu reinigenden oder zu polirenden Arbeiten werden mittelst einer Oeffnung in den Apparat gebracht, welche an der Stelle des gewöhnlichen Spundes angebracht und mittelst eines mit Schraubengewinden versehenen Stöpsels d, oder auf irgend eine andere Weise verschlossen ist.

Bei gewissen Arbeiten, z.B. bei Schmucksachen, darf man die Tonne nur bis auf etwa 1/3 ihres Volums oder ihres Inhalts anfüllen und muß ihr eine drehende Bewegung ertheilen, deren Geschwindigkeit im umgekehrten Verhältniß zu dem Durchmesser steht.

Aus der Neigung der Achse der Tonne folgt nothwendig, daß die Gegenstände, welche sie enthält, unaufhörlich auf- und niedergehen müssen, indem sie sich fortwährend um sich selbst drehen und rollen. Weil alle Punkte der inneren Wände der Tonne eine ungleiche Entfernung von der durch die Zapfen gehenden Achse haben, beschreiben sie im Verhältniß zu diesen eine Reihe Peripherien, die nothwendig excentrisch sind. Dasselbe findet bei den darin enthaltenen Gegenständen statt, welche außerdem durch ihr eigenes Gewicht, wegen der geneigten Lage der Tonne, den tiefsten Punkt derselben zu erreichen suchen.

Durch diese doppelte Bewegung wird die gegenseitige Berührung außerordentlich vervielfacht und die Politur der Oberflächen sehr beschleunigt, so daß der Proceß eine fünf- bis sechsmal kürzere Zeit dauert, als bei dem gewöhnlichen Verfahren. Die Arbeiten erhalten eine so schöne Politur und einen solchen Glanz, daß man annehmen könnte, sie wären brünirt.

Man kann diesen Polir-Apparat in sehr verschiedenen Zweigen der Metallverarbeitung benutzen, und ihm, je nach der Größe der zu polirenden Gegenstände, größere oder geringere Dimensionen geben.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Tafeln


Orte
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: