Titel: Ueber Reinigung des Graphits zu Schreibstiften; von Prof. Runge.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1853, Band 127/Miszelle 3 (S. 76–77)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj127/mi127mi01_3

Ueber Reinigung des Graphits zu Schreibstiften; von Prof. Runge.

Um Graphit zu Schreibstiften zu verarbeiten, wird er bekanntlich sehr fein gerieben, mit irgend einem Bindemittel zu einer steifen Masse zusammengeknetet, in eine Form gedrückt, getrocknet, zersägt und dann in Holz gefaßt. Nach einer neueren Art schmelzt man ihn in verschiedenen Verhältnissen mit Schellack zusammen, pulvert die Mischung und schmelzt sie noch einmal. Die Masse wird dann geformt, gesägt und in Holz gefaßt. Sie scheint mir zu hart zu seyn.

Bei dieser Gelegenheit kann ich nicht umhin, meine Verwunderung darüber auszudrücken, daß noch niemand auf den Gedanken gekommen ist, diese Schreibstifte dahin zu verbessern, daß sie einen schwärzern Strich geben. Oft kann man nach einigen Tagen das damit Geschriebene nicht mehr lesen. Ein kleiner Zusatz von einer sehr schwarzen, weichen Kohle, z.B. Kienruß, oder auch vom schwarzen Manganoxyd (Braunstein), würde hier wahrscheinlich sehr gute Dienste leisten.

Der englische Graphit ist sehr rein und kommt in so großen Stücken vor, daß man diese ohne weiteres zersägt und in Holz faßt. Die Schreibstifte aus den Graphitarten anderer Länder, die weniger Zusammenhang haben, werden, wie gesagt, aus Graphitpulver mittelst eines Bindemittels bereitet. Sie werden allgemein für schlechter gehalten und sind es auch, da dieser Graphit oft sehr unrein ist.

Es wäre also wichtig, den Graphit zu reinigen. Ich habe in dieser Hinsicht zahlreiche Versuche angestellt, und zwar mit dem glücklichsten Erfolge. Das beste Mittel ist starke Schwefelsäure, worin man soviel feines Graphitpulver einrührt, daß ein dünner Brei entsteht. Das Gemenge erhitzt sich und wird nach 36 Stunden mit Wasser ausgewaschen. Man erhält dann einen Graphit, der sehr schöne Schreibstifte gibt und zwar zu einem äußerst wohlfeilen Preise. Das Pfund englischen Graphits kostet in Berlin 3 Thaler, das Pfund spanischen nur 4 Sgr., und mit 4 Pfund Schwefelsäure (à 1 Sgr.) behandelt, gab er 3/4 Pfund Graphit, der eben |77| so rein war wie der englische. Wer im Großen diese Reinigungsweise vornehmen will, der thut wohl, gleichzeitig Eisenvitriol zu fabriciren, wodurch die Ausgabe für Schwefelsäure so ziemlich gedeckt wird. (Runge's Grundriß der Chemie, I Theil S. 69.)

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