Titel: Ueber sogenanntes Ungarweinöl; von Dr. H. Schwarz in Breslau.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1853, Band 127/Miszelle 8 (S. 78–79)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj127/mi127mi01_8

Ueber sogenanntes Ungarweinöl; von Dr. H. Schwarz in Breslau.

Die ziemlich ausgebreitete Fabrication von feineren Liqueuren in Breslau verschaffte einem herumziehenden Händler mit sogenanntem Ungarweinöl einen ziemlich bedeutenden Absatz seiner Waare, obgleich er dieselbe sehr hoch im Preise hielt, nämlich 69 Thlr. das Pfund.

Seinen Angaben nach sollte es in Ungarn aus Weintrestern destillirt werden. Da dasselbe sich, in sehr geringer Menge, sehr geeignet zeigte zur Fabrication von künstlichem Cognak, so daß man denselben kaum vom ächten unterscheiden konnte, wurde ich aufgefordert, dasselbe zu analysiren.

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Die mir übergebene kleine Probe stellte ein ziemlich dünnflüssiges Oel dar, dessen in concentrirtem Zustande nicht gerade angenehmer Geruch tagelang an den Fingern haftete.

Es trübte sich nicht beim Vermischen mit Wasser, enthielt daher keinen Alkohol beigemengt.

Als ich aber dasselbe mit einer schwachen Kalilauge kochte, löste es sich klar auf, und Alkohol gieng über, der nach Zufügen von trockenem kohlensaurem Kali sich als wasserklare Schicht abschied. Dieß bewies, daß eine Aetherart vorhanden war. Bei der Sättigung des Kali durch Säure schied sich eine ölartige Schicht an der Oberfläche ab; bei der Destillation derselben mit Wasser gieng eine flüchtige, ölartige Säure mit über, während in der Retorte eine krystallinisch erstarrende Fettsäure zurückblieb, die ich ihrem Ansehen nach für Margarinsäure zu halten geneigt bin.

Das Destillat wurde mit kohlensaurem Natron übersättigt, wobei einige schwach nach Citronenöl riechende Tropfen auf der Flüssigkeit zurückblieben, zur Trockne verdampft, und wieder mit absolutem Alkohol aufgenommen, welcher beim abermaligen Verdampfen eine gelbliche, amorphe Masse zurückließ. Diese, in wenig Wasser gelöst, gab mit salpetersaurem Silberoxyd einen käsigen Niederschlag, der sich beim Kochen mit Wasser nur theilweise wieder löste. Aus der heißen Lösung setzten sich beim Erkalten kleine, weiße Körnchen ab. 0,360 Grm. derselben, im Vacum getrocknet, gaben 0,170 Gr. Ag = 47,22 Proc.

Oenanthsaures Silber verlangt 47,30 Proc. Ag.

Dieser Analyse nach könnte das fragliche Oel wohl den angegebenen Ursprung haben. Jedenfalls könnte es aber auch ebensogut auf künstlichem Wege erzeugt seyn. Das Fuselöl des Kornbranntweins enthält nach Mulder neben Kartoffelfuselöl, Oenanthsäure, Margarinsäure und sogenanntes Kornöl. Würde man dasselbe mit Kali destilliren, so würden die Säuren, daran gebunden, zurückbleiben, während der Amyl-Alkohol entfernt würde. Wenn man nunmehr die Kalisalze mit überschüssiger Schwefelsäure und Alkohol destillirte, so würde man ein Product erhalten, das bis auf das citronenartig riechende Oel in seiner Zusammensetzung dem vorliegenden Präparat ganz gleich käme.

Leider habe ich mir noch kein Kornfuselöl verschaffen können, um durch die Synthese die Analyse zu bestätigen. (Annalen der Chemie und Pharmacie, October 1852, S. 82.)

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