Titel: Einige Bemerkungen über Hrn. C. Schneitler's „Instrumente und Werkzeuge der höheren und niederen Meßkunst“; von Professor C. M. Bauernfeind in München.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1853, Band 127/Miszelle 11 (S. 159–160)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj127/mi127mi02_11

Einige Bemerkungen über Hrn. C. Schneitler's „Instrumente und Werkzeuge der höheren und niederen Meßkunst“; von Professor C. M. Bauernfeind in München.

Hr. C. Schneitler in Berlin hat mir die Ehre erwiesen, in der vor Kurzem erschienenen zweiten Auflage des in der Ueberschrift genannten Buchs mein Prismenkreuz unter die daselbst abgebildeten und beschriebenen Meßinstrumente aufzunehmen. Er hat sich diese Aufnahme dadurch sehr erleichtert, daß er mit Einrechnung der Figuren mehr als die Hälfte von meiner im Jahre 1851 bei J. Palm in München erschienenen Abhandlung über die Theorie und den Gebrauch des Prismenkreuzes in einer eigenthümlichen Weise wörtlich abschrieb, ohne etwas anderes als den Titel meiner Schrift anzuführen. Diese Eigenthümlichkeit besteht darin, daß er meine Abhandlung, ohne sie gelesen oder verstanden zu haben, in mehrere Stücke zerriß, einige davon bei Seite warf und die übrigen verkehrt zusammenleimte. Es ist ihm dadurch begegnet, daß er die Gebrauchsanweisung für ein in seinem Buche gar nicht beschriebenes Instrument einem anderen von diesem verschiedenen Instrumente beigab, zu dem sie „wie die Faust auf das Auge“ paßt.

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Ich habe nämlich mein Prismenkreuz anfangs anders eingerichtet als später: die erste Einrichtung ist mit einem Diopter versehen, die zweite nicht. Obwohl meine Broschüre nur dieser späteren Construction gilt, so theile ich doch in ihr die ursprüngliche Zusammensetzung mit und erläutere deren Gebrauch. Ich führe auch die Gründe an, welche mich bestimmten, von der ersten Einrichtung abzugehen. Diese Gründe sind: der einfachere Bau, welcher sich durch Weglassung des Diopters ergibt, und die Beseitigung des Uebelstandes, an welchem alle mit Dioptern versehenen Meßinstrumente leiden: daß nämlich der Objectiv faden und der anvisirte Gegenstand in Folge der Einrichtung unserer Augen nicht gleichzeitig deutlich gesehen werden können, wodurch nothwendig auch das Zielen ungenau wird. Nun führt sonderbarerweise Hr. C. Schneitler Seite 92 diese Gründe wörtlich an, und doch spricht er S. 94 und 95 bei der Anwendung des zweiten Instruments, das gar kein Diopter hat, wie man dieses Diopter zu richten habe und welche Bilder mit dem Objectivfaden zusammenfallen müssen!

Hieraus geht klar hervor, daß er sich nicht einmal die Mühe gab, richtig zu lesen und abzuschreiben. Hätte er nur dieses gethan – so würde ich zu seinem Verfahren schweigen, wie es wahrscheinlich diejenigen thun werden, deren Arbeiten er zwar ohne ihren Namen, aber doch ohne Verstümmelung wörtlich wieder gegeben hat. In dem vorliegenden Falle kann ich aber die Entstellung meiner Arbeit um so weniger mit Stillschweigen übergehen, als mein Instrumentchen, das erst seit zwei Jahren in die Welt trat, mit einem falschen Reisepasse, wie ihn Hr. C. Schneitler unbefugt ausstellte, in arge Verlegenheit kommen könnte.

Wenn ich vorhin behauptet habe, daß Hr. Schneitler die Arbeiten Anderer wörtlich abgeschrieben habe, ohne sie zu nennen, so kann ich dieses auch beweisen; ja es würde mir leicht den Beweis zu liefern, daß der bei weitem größere Theil seiner Schrift Wort für Wort aus Büchern und Zeitschriften abgedruckt ist. Ich will aber den vollständigen Nachweis so lange versparen, bis ihn der Hr. Autor selbst verlangen wird, und dem geneigten Leser vorläufig nur eine Probe dieses Beweises vorlegen.

Man erlaube mir, daß ich wieder mit meiner eigenen Arbeit beginne. In meinem bereits angeführten Schriftchen über das Prismenkreuz erkläre und berechne ich auf S. 8 und 9 den Gang eines Lichtstrahls durch ein Glasprisma, wie es bei Meßinstrumenten Anwendung findet. Diese Auseinandersetzung ist auf Seite 53 und 54 des Schneitler'schen Buches ohne meinen Namen wörtlich abgedruckt, und nur das Brechungsverhältniß zwischen Luft und Glas ist von 1,5 auf 1,534 erhöht.

Hr. Professor Decher in Augsburg lieferte im polytechn. Journal Bd. CXVI S. 29 einen Aufsatz über den Reichenbach'schen Distanzmesser: das Schneitler'sche Buch enthält ihn (auf S. 58 bis 65) von S. 30 bis 37 wortgetreu, ohne auch nur mit einer Sylbe weder des Verfassers noch des Journals zu gedenken.

In ähnlicher Weise ist das ganze Buch zusammengesetzt; und wenn auch häufig selbstständige Werke oder Zeitschriften genannt werden, so geschieht es doch immer so, daß man auf die Vermuthung geführt wird, Hr. Schneitler habe, wie es sich gebührt hätte, nach Anleitung der Originalarbeit seine eigene geliefert, während die aufgewendete Mühe doch nur darin bestand, einige Theile des Originals wegzulassen und die übrigen mit oder ohne Sinn und Zusammenhang wörtlich abzudrucken.

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