Titel: Ueber Zeilithoid (Getreidestein), um in der kürzesten Zeit Bier zu bereiten. Gutachten, erstattet an den Verwaltungsausschuß des polytechnischen Vereins zu Würzburg, von Hrn. F. Carl, Vorstand der Apotheke des k. Julius-Hospitals.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1853, Band 127/Miszelle 5 (S. 236–239)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj127/mi127mi03_5

Ueber Zeilithoid (Getreidestein), um in der kürzesten Zeit Bier zu bereiten. Gutachten, erstattet an den Verwaltungsausschuß des polytechnischen Vereins zu Würzburg, von Hrn. F. Carl, Vorstand der Apotheke des k. Julius-Hospitals.

Unter dem Namen Zeilithoid (Getreidestein)34) erhielt der Unterfertigte ein hölzernes Kästchen mit einer mit Stanniol umhüllten gelbbräunlichen spröden Masse, |237| welche an den der Luft preisgegebenen Stellen schnell feucht und erweicht wurde. Die Masse hat einen nicht unangenehmen süßlichen, dabei etwas bitterlich aromatischen, |238| an Malz und Hopfen erinnernden Geschmack, und einen eigenthümlichen schwach leimartigen Geruch, löste sich leicht in kaltem, schneller in warmem Wasser mit hellgelblicher, in größerer Masse mit schmutzig gelbbräunlicher Farbe auf. Die Lösung hatte den süßlich bittern Geschmack der Masse und hielt sich einige Tage, ohne sauer zu, werden, selbst in einer Temperatur von + 15° R. Mit Ferment versetzt trat jedoch schon bei + 10–12° R. in kurzer Zeit die Gährung ein, nach 12–15 Stunden hatte dieselbe geendet und die Flüssigkeit wurde ziemlich hell.

Es wurden nun verschiedene Reactionen auf Zucker, Amylon, Tannin, Harz u.s.f. vorgenommen und gefunden, daß die Masse vollständig frei von Amylon, aber sehr reichhaltig an Zucker war, und Spuren von Gerbestoff, Kali, Harz und Fett zu erkennen gab. Beim Verbrennen entwickelte sich neben einem schwach zuckerartigen Geruche derselbe Geruch, wie er beim Verbrennen frischen Brodes sich kund gibt. Absoluter Alkohol zog sehr wenig eines bitterschmeckenden Extractivstoffes aus.

Aus den verschiedenen Wahrnehmungen ist mit Sicherheit zu entnehmen, daß die Masse in der Art bereitet ist, daß Abkochungen verschiedener Getreidearten mit einer Abkochung oder Infusion von Hopfen zu einem Extract abgedampft wurden, welches Extract wahrscheinlich in noch heißem Zustande mit Zucker vermengt und in die Holzbüchsen ausgegossen wurde. Um das Feuchtwerden der Masse zu verhindern, sind diese Holzkästchen mit Stanniol gefüttert.

Es wurden nun Versuche nach der von der hochlöblichen Direction gegebenen Vorschrift angestellt, um ein trinkbares Bier zu erhalten. Zu diesem Zwecke wurde die Masse mit gutem sowohl wie mit einem schlechten, fad und ekelig schmeckenden Brunnenwasser, sowie mit destillirtem Wasser behandelt und hierzu 15 Thle. Zeilithoid in 100 Thln. der ebengenannten Wasser bei einer Temperatur von + 10° R. durch öfteres Umrühren in Zeit einiger Stunden aufgelöst und sodann 1 Thl. gewöhnlicher |239| Bierhefe zugesetzt. In einigen Stunden trat die Gährung ein, indem sich auf der Oberfläche ein zarter weißer Schaum bildete, der sich nach und nach in einen gekrausten verwandelte, und endlich in große gelbliche Blasen überging. Nach 12–15 Stunden sanken diese Blasen zusammen und die Gährung war vollendet. Da nur kleinere Partien zu Gebote standen, so wurde das nun fertige Jungbier unmittelbar auf kleine Fläschchen gebracht und einige Tage verschlossen hingelegt, wobei ein Bodensatz sich ablagerte. Nach dieser Zeit wurden die Fläschchen geöffnet und zum Versuchen in Trinkgläser ausgegossen.

Das so erhaltene Bier war schön hell und glänzend, hatte den Geruch und Geschmack eines gehaltvollen Bieres, dem nur eine größere Menge Kohlensäure zu wünschen gewesen wäre, um es wirklich gutes Bier nennen zu können. Würden Versuche im Großen damit angestellt, so zweifle ich kaum, daß nicht auch dieser Mißstand beseitigt werden kann. Wenn nun auch aus Vorliegendem nicht der Schluß zu ziehen ist, daß ein mit dem Zeilithoid bereitetes Bier dem gewöhnlichen guten Biere vorzuziehen ist, so ist dasselbe dann doch als ein gutes Getränke überall zu empfehlen, und ist besonders von Wichtigkeit für das Seewesen, indem hierdurch allem Nothstande vorgebeugt wird, der durch das Ausgehen des Trinkwassers auf Schiffen entsteht. Das fast ungenießbare Seewasser wird bei Dampffeuerung oder bei Segelschiffen durch Anhängung einer etwas größeren Pfanne an die Küchenfeuerung sehr leicht und in großer Menge destillirt, und läßt sich mit diesem destillirten Wasser und dem Getreidestein ein sehr angenehmes Getränke bereiten. Auch für jene heißen Länder, wo es unmöglich ist auf gewöhnlichem Wege Bier zu bereiten, dürfte der Getreidestein (Zeilithoid) von größter Wichtigkeit und höchstem Nutzen seyn. Möchten größere Versuche damit angestellt werden. (Gemeinnützige Wochenschrift, 1853, Nr. 3.)

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Die beiliegende Gebrauchsanweisung der Zeilithoid-Fabrik-Direction zu Böhmisch-Rudoletz in Mähren sagt darüber Folgendes: Zeilithoid (Getreidestein) ist eine Erfindung des Gefertigten, welche darin besteht, aus Getreidesorten einen sehr harten, leicht verführbaren Stoff (Zeilithoid, Getreidestein) zu bereiten, welcher zwar in diesem Zustande ungenießbar, aber im Handel und aufgelöst in der Industrie von großer Anwendbarkeit ist, worunter die Bierbrauerei den ersten Rang einnimmt. Diese Erfindung ist besonders für die Schifffahrt und jene heißen Länder, wo es unmöglich auf gewöhnlichem Wege Bier zu brauen, von höchster Wichtigkeit und Nutzen.

Das Verfahren, aus Getreidestein Bier zu bereiten, ist so leicht, daß Jedermann sich selbst in der kürzesten Zeit alle Gattungen dieses Getränkes zu verhältnißmäßig billigen Preisen erzeugen kann, und zwar durch bloße Auflösung und Gährung des Getreidesteins in ungekochtem gewöhnlichem Trink-, Regen- oder Flußwasser, welches in äußersten Nothfällen auch etwas verdorben oder unrein seyn darf, sowie mit einmal destillirtem Seewasser. Letztere Eigenschaft |237| ist um so wichtiger für das Seewesen, als hierdurch allem Nothstande vorgebeugt wird, der durch das Ausgehen des Trinkwassers auf Schiffen entsteht, wenn unter dem Proviante derselben ein mäßiges Quantum von Getreidestein sich befindet, womit das sonst ungenießbare Seewasser in ein gesundes Getränk verwandelt werden kann. Destillirtes Seewasser läßt sich bei Dampffeuerung oder bei Segelschiffen durch Anhängung einer etwas größeren Pfanne an die Küchenpfanne, wie Jedermann bekannt, sehr leicht und in größerem Maaßstabe gewinnen, ohne besonderen Verlust von Feuermaterial.

Folgende Erklärung wird den in der Bräuerei nicht Erfahrenen die Bereitungsart verständlich machen. Für den im Brauwesen Geübten wird nur bemerkt, daß er die Gährung des in Wasser aufgelösten Getreidesteins ganz so, wie er selbe nach seiner Erfahrung bei gewöhnlichem Biere vorzunehmen gewohnt war, einleiten möge, ohne sich durch die für den Laien hier mitgetheilte Gährungsinstruction beirren zu lassen.

Je nachdem man starkes oder leichtes Bier zu bereiten wünscht, sind zu dem Gewichte des Wassers, welches in Bier verwandelt werden soll, 10, 15 bis 20 Procent Zeilithoid erforderlich. Angenommen also, man will aus 100 Pfund Wasser ein mittelstarkes Bier bereiten, so geschieht es wie folgt:

Man nehme ein gewöhnliches hölzernes Gefäß (Bottich) welches so groß seyn muß, daß, nachdem die hierzu bestimmte Quantität Wasser eingefüllt, noch eine Hand hoch vom oberen Rande leer bleibt, bohre circa drei Finger hoch über den Boden ein Loch, und versehe dieses mit einem gewöhnlichen Hahne, stelle dieses Gefäß auf eine etwas erhöhte Unterlage in irgend einen kühlen, vor den Sonnenstrahlen geschützten Raum, fülle den Bottich mit 100 Pfd. Wasser, zerschlage mit einem Hammer oder Beile auf kleine Stücke 15 Pfd. Zeilithoid und werfe selbige in den mit Wasser gefüllten Bottich. Wenn sich der Zeilithoid vollkommen aufgelöst hat, welches längstens in einem Tage erfolgt, besonders wenn einigemal umgerührt wurde, so nehme man ungefähr ein Pfund frischen flüssigen Gährungsstoff (sogenannte Hefe) wie selbe in der Bierbrauerei oder von Bäckern zur Erzeugung von Weißbrod verwendet wird, wozu man aber auch den Bodensatz, der sich bei guten unverdorbenen Flaschenbieren gebildet hat, verwenden kann, gieße denselben in ein kleines hölzernes Gefäß, schöpfe ungefähr 4 bis 5 Pfd. von der aufgelösten Flüssigkeit aus dem Bottich und verdünne damit den Gährungsstoff. Nachdem diese Verdünnung tüchtig abgemischt und außerdem von einem Gesäß in ein anderes 10- bis 15mal aus einer Höhe von 2 bis 4 Fuß umgegossen wurde, schütte man sie in den Bottich, rühre die ganze Flüssigkeit noch einigemal um und lasse sie ruhig, unzugedeckt stehen.

In einigen Stunden, jedoch bei kühlerer Temperatur oder nicht ganz kräftigem Gährungsstoffe auch erst nach Verlauf eines Tages, tritt die Gährung ein, welche damit beginnt, auf der Oberfläche einen weißen zarten Schaum zu bilden, der sich nach und nach in einen gekrausten verwandelt und endlich in große gelbliche Blasen übergeht. Sinken diese Blasen zusammen, so ist die Gährung vollendet, und nachdem man die von der Hefe zurückgebliebenen Hefenbestandtheile abgeschöpft, ziehe man das nun fertige Jungbier durch den Hahn in ein Faß, welches ganz voll werden muß und bei dem Spundloche einige Tage etwas Hefe ausstoßt. Nachdem dieses aufgehört, wird das Faß leicht zugespundet. Während einigen Tagen fülle man es mit übriggebliebenem Jungbiere oder Wasser nach, und spunde erst dann das Faß fest zu. In kurzer Zeit ist es trinkbar, wird jedoch durch das längere Ablagern immer besser.

Will man das Bier sehr schnell trinkbar haben, so fülle man es nach der Gährung unmittelbar auf Flaschen. Es ist jedoch bei diesem Verfahren nicht zu vermeiden, daß sich in den Flaschen ein Bodensatz bildet, worauf beim Einschenken Rücksicht genommen werden muß, indem die einmal geneigte Flasche nicht wieder aufgerichtet werden darf.

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Was die vorstehend beschriebene Auflösung des Zeilithoid zum Behufe der Bierbereitung betrifft, so soll das zur Auflösung bestimmte Wasser, wenn man mit Unterzeughefe gähren lassen will, nicht unter 7, und nicht mehr als 10 Grade nach R. über Null seyn; hat man jedoch nur Oberzeughefe zur Gährung, so darf das Wasser, welches zur Auflösung angewendet wird, nicht unter 10 und nicht mehr als 15 Grade haben. Dasselbe gilt auch bei den Gährlocalitäten. Indeß kann für Nothfälle, wenn das Bier nicht längere Zeit aufbewahrt werden soll, die Oberzeuggährung auch bei einer viel höheren Temperatur vorgenommen werden.

Die bei dieser Manipulation verwendeten hölzernen Gefäße sind nach jedesmaligem Gebrauche sorgfältig zu reinigen, und wo es seyn kann, zur Vermeidung der Versäuerung, mit gelöschtem Kalke inwendig auszustreichen.

Böhmisch-Rudoletz, den 1. Januar 1852.

Bemerkung.

I. Da auf Schiffen in der hohen See nicht immer frischer Gährungsstoff zu haben ist, so kann man sich selben bei der Ausfahrt dadurch leicht sichern, wenn man einige Fäßchen oder eine Partie in starken Flaschen mit gutem jungen, unlängst abgegohrenen Bier gefüllt an den Bord nimmt. Dieses junge Bier bildet einen ziemlich starken Bodensatz sowohl in den Fäßchen als auch in den Flaschen, welcher ganz gut zur Gährung bei dem neuen Bieransatze verwendet werden kann, wie schon oben bemerkt wurde.

II. Daß der Genuß des aus Zeilithoid bereiteten Bieres der Gesundheit als besonders zuträglich zu betrachten ist, geht aus den damit bereits an der kaiserlichen Josephsakademie zu Wien vorgenommenen Untersuchungen und Proben hervor, worüber Documente zu Jedermanns Einsicht vorliegen.

III. Der Zeilithoid (Getreidestein) ist keinem Verderben unterworfen, und läßt sich jahrelang in dicht verschlossenen Kisten oder Fässern aufbewahren; sowie auch das daraus erzeugte Bier vollkommen haltbar ist.

Der sächsische Centner kostet 24 fl., unter 5 Pfd. wird nicht verkauft.

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