Titel: Ueber die rothe Färbung der Speisen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1853, Band 127/Miszelle 7 (S. 239–240)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj127/mi127mi03_7

Ueber die rothe Färbung der Speisen.

Dr. Montagne berichtet, daß er am 14. Julius 1852 sich in Gesellschaft des Akademikers A. v. Prevost, bei einer Mad. Ricard unweit Rouen zu Gast befand. Es sollte ein am vorhergehenden Abend tranchirtes, gebratenes Huhn aufgetragen werden, das in einem Küchenschrank aufbewahrt worden war, in welchem die Temperatur die äußere (von 26° R.) noch überstieg. Die Dienerschaft aber fand dieses Huhn zu ihrem größten Erstaunen mit einer gallertartigen Schicht von der schönsten carminrothen Farbe überzogen, welche an den dünneren Stellen des Ueberzugs in zartes Rosa verlief. Dieselbe Erscheinung kommt in Italien oft bei der Polenta vor, so wie bei gekochtem Reis; die Umstände aber, durch welche sie hervorgerufen wird, sind noch unbekannt. Sie kann auch vorzüglich auf dem Reis, durch eine Art Besämung mit der Substanz nach Belieben und ziemlich schnell hervorgebracht werden. Nach Ehrenberg, welcher diese Erscheinung ebenfalls beobachtete (s. dessen Abhandlung in den Memoiren der Berliner Akademie, 1848) ist sie kein Pilz, wofür sie der italienische Gelehrte Dr. Sette (im Jahr 1824) erklärte |240| und den er zoogalactina imetropha nannte, sondern ein Infusionsthierchen, Monas prodigiosa, dessen Durchmesser zwischen 1/3000 und 1/8000 Linie variiren und das mit einem Saugrüssel versehen seyn soll, der noch kleiner ist als der übrige Körper. Diesen Rüssel konnte Dr. Montagne, trotz einer 1200fachen mikroskopischen Vergrößerung nicht erkennen und er ist daher geneigt, das stets in einer schleimigen Masse eingeschlossene Product für eine Alge, etwa der Gattung Palmella, zu erklären; mit der am Fuße feuchter Mauern häufigen Palmella cruenta hat es ohnedieß viel Aehnlichkeit. Pietro Col. ein Chemiker in Padua, bringt in Anregung, daß die schnelle Fortpflanzung dieser unendlich kleinen Wesen vielleicht in der Industrie eine Anwendung finden könnte, nämlich um die Seide in verschiedenen Nüancen acht rosa zu färben. (Journal de Pharmacie, Nov. 1852, S. 361.)

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