Titel: Die Mehrenberger Walker-Erde.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1853, Band 127/Miszelle 8 (S. 240)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj127/mi127mi03_8

Die Mehrenberger Walker-Erde.

Bekanntlich entbehrte die deutsche Tuch-Industrie bisher einer ausgezeichneten und billig zu beschaffenden Walker-Erde, während die englischen Fabrikanten durch den Besitz dieses Materials in trefflichster Qualität einen entschiedenen Vorsprung gewonnen haben, den sie sich durch die erschwerte Ausfuhr desselben dauernd zu sichern wußten. Die Walker-Erde des Böhmer Waldes ist von geringer Güte, und die sächsischen Fabrikanten zogen es daher bis jetzt vor, die theure und minder zweckmäßige Seife statt der Erde bei der Tuchbereitung anzuwenden.

In der Gemarkung von Mehrenberg bei Weilburg (im Lahnthal, Herz. Nassau) hat man nun so mächtige Lagerungen der besten Walker-Erde entdeckt, daß man die Tuchfabriken eines großen Theils von Europa auf sehr lange Zeit daraus versehen könnte. Dieselbe wird mit leichter Mühe gewonnen, da sie nur mit einer dünnen Sandschicht bedeckt ist; sie erfordert daher keinen eigentlichen bergmännischen Betrieb. Da den Bauern, welche bisher das Ausgraben der Erde betrieben, Capital und technische Intelligenz fehlt, so haben sie sich keinen Absatz im Großen zu verschaffen gewußt. Allein trotz der nachlässigen Behandlung der Walker-Erde-Felder hat dieser fetteinsaugende Thon sich dennoch bereits die Fabriken am Niederrhein und in Brandenburg erobert. Nach Aachen, Berlin, selbst bis Polen hin gehen bedeutende Sendungen der Mehrenberger Walker-Erde. In neuester Zeit haben nun mehrere Fabrikanten die besten Gruben angekauft und richten, mit dem nöthigen Capital gerüstet, einen regelmäßigen Betrieb ein. Um die Aufmerksamkeit von ganz Deutschland sowie der Nachbarländer auf die Mehrenberger Walker-Erde zu lenken, wollen diese gemeinnützigen Männer nur das beste Material auf den Markt liefern, welches dem bisher als dem besten anerkannten englischen Thon in keiner Weise nachstehen dürfte. Bei dem internationalen Wettkampf in der Industrie ist jede Förderung der vaterländischen Gewerbthätigkeit wichtig, und das bessere und auch wohlfeilere Walken des Tuches ist gewiß nicht gering anzuschlagen. Aber auch der commercielle Betrieb unserer Naturschätze nach andern Ländern hat seine Berechtigung durch Förderung der Schifffahrt und anderer Seiten der Volksthätigkeit. Die einheimische Industrie hat doch schon den Vorsprung der Nähe, welche bei diesem gewichtigen Material hoch anzuschlagen ist. (Bremer Handelsblatt.)

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