Titel: Die Thurmuhren von J. Mannhardt in München.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1853, Band 127/Miszelle 1 (S. 310–315)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj127/mi127mi04_1

Die Thurmuhren von J. Mannhardt in München.

1.
Darstellung der noch bestehenden Mißstände an den älteren und neueren Thurmuhren; von J. Mannhardt, Stadtuhrmacher und Mechanikus in München.

Es ist wohl nicht allgemein in Deutschland bekannt, daß ich mich nun schon seit 26 Jahren neben den mechanischen Arbeiten, auch mit Bau und Reparatur der verschiedensten Thurmuhren beschäftige, und solche theils nach einer neuen Bauart an und für sich vereinfächter Werke, theils nach verschiedenen Plänen von mir ausgeführt wurden.

Man war bisher bei Anfertigung neuer wie bei der Reparatur älterer Thurmuhren immer vorzüglich darauf bedacht, dem Gehwerke ein sehr leichtes und womöglich gleichmäßiges Gewicht – was auch als erstes Haupterforderniß zu betrachten ist – zu verschaffen, und suchte dieses theils durch bessere Bearbeitung, theils durch geregeltere Aufstellung so viel als möglich zu erzielen.

Da jedoch die schon bestehenden älteren wie neu erbauten Localitäten für die Aufstellung von Thurmuhren oft größtentheils von ungelegener Bauart sind, aber nicht wohl verändert werden können, so wird dadurch oft nicht nur eine ungünstige Aufstellung der Werke selbst herbeigeführt, sondern es werden aus diesem Umstande auch mitunter lange und schwerfällige Stangenleitungen, Hammerzüge und Winkelräderwerke nöthig.

|311|

Da nun aber sämmtliche Stangenleitungen aus bloßem Rundeisen sind, und von vielen Lagern, worauf sie gehen, unterstützt, und oft eben der ungelegenen Bauart wegen in den verschiedensten Räumen herumgeführt werden müssen, so wird es wohl begreiflich, daß bei so vielen eisernen Zapfen durch den Temperaturwechsel eine ungleiche Reibung, und durch dieselbe eine störende Rückwirkung auf den Gang des Uhrwerkes entstehen muß.

Da ferner diese Uhren wegen Verkürzung der Zeigerleitung in möglichster Höhe aufgestellt werden müssen, die Schallöffnungen der Thürme aber der möglich größten Ausbreitung des Geläutes halber einer entsprechenden Größe bedürfen, so ist die Uhr, je höher sie eben angebracht wird, auch um so mehr nicht bloß dem Einflusse der Witterung, dem durch Vögel, Fledermäuse und Ungeziefer aller Art verursachten Unrath, sondern auch in demselben Grade dem Verziehen und Vermorschen des Holzwerkes, dann dem durch das vermehrte Eindringen des Staubes entstehenden Harzigwerden der Schmiere u.s.w. ausgesetzt, woraus natürlich so mancher größere oder kleinere Uebelstand entstehen muß, je nachdem die Zeigerleitungen mehr oder weniger sind.

Auf solche Weise herbeigeführte Störungen des Uhrwerkes machen oft die Herbeirufung eines Sachverständigen nothwendig, welchem mitunter an 10–30 fl. Reisevergütung bezahlt werden müssen, während die Abhülfe und Instruction für die Person, welche die Uhr bedient, kaum 30 kr. werth ist. – Je mehr Uhren gefertigt und aufgestellt wurden, desto fühlbarer mußten natürlich auch die eben angeführten Uebelstände werden, und ich bin überzeugt, daß jeder, der mehr oder minder mit Thurmuhren umgeht, oder solche in Behandlung hat, zugestehen wird, daß das Stehenbleiben derselben größtentheils entweder von dem Zeigergetriebwerk, oder von Schlagwerk-Auslösungen herrührt. Denn stehen bleiben kann außerdem ein Gehwerk, wenn alles recht gemacht ist, nur dann, wenn ihm von dem Zeigergetriebwerk oder von den Schlagwerkauslösungen das wirkende Gewicht genommen wird.

Aus mehrjähriger Erfahrung hat sich daher ergeben, daß selbst dann, wenn auch eine Uhr in allen ihren Theilen richtig gemacht, mit aller Vorsicht aufgestellt ist, und vorschriftmäßig behandelt wird, dieselbe doch eben nur so lange ununterbrochen richtig gehen kann, bis die erwähnten Uebelstände, früher oder später, je nachdem sie eben vorhanden sind, störend auf den Gang einwirken. Uebrigens haben sich selbst bei den günstigsten Localitäten und Aufstellungen schon ähnliche Fälle ergeben, bei welchen weder das Werk noch der Uhrmacher oder der Aufsteller schuld waren. So ist erst kürzlich die Uhr der Münchener protestantischen Kirche stehen geblieben, welche doch von all' derlei Uhren, wo das Gehwerk die Zeiger treibt, eines der besten ist, indem man bei ihrer Bestellung es weder an dem Auftrage: eines der besten Werke herzustellen, noch an den Mitteln, diesen Auftrag auszuführen ermangeln ließ.

An dem Werke selbst hat es auch nicht gelegen, das Stehenbleiben desselben erfolgte eben nur aus einem der oben angeführten Mißstände, an denen es überhaupt liegt, daß wir bis jetzt noch immer keine ganz verlässig gehenden Thurmuhren haben.

Daß selbst die ältesten Thurmuhrenbauer dieselbe Erfahrung gemacht haben, geht daraus hervor, daß sie die Gehwerke mit den schwersten Kübeln voll Steinen behängt haben, denn um zwei bis drei Räder in dem Uhrwerke selbst umzutreiben, wodurch der Pendel bewegt wird, braucht man nur ein sehr kleines und gleiches Gewicht, was für einen richtigen Gang des Pendels eine Hauptsache ist, wogegen das überschwere und ungleich wirkende Gewicht die nachtheiligsten Folgen auf denselben ausübt; aus welchem Grunde eine Trennung der beiden Functionen, nämlich den Pendel zu bewegen und die Zeiger zu treiben, aus der Sache selbst hervorgeht.

Hiezu fand sich endlich im Jahr 1842 die Gelegenheit, als für die Frauenthürme in München bei mir eine neue Uhr bestellt wurde, welche auf zwei Thürmen, auf 6 Zifferblättern von 22 Fuß Durchmesser, Stunden und Viertel zu zeigen hat, und zu welcher noch die 6 Zeigerwerke verwendet wurden, wie sie von der Uhr, die schon vor 300 Jahren gemacht wurde, noch vorhanden waren, mit der schwerfälligen Zeigerleitung, die im Freien von einem Thurme zum andern hinüberläuft.

Es wird also einem Jeden einleuchtend seyn, daß gerade bei dieser Uhr die größten Reibungsdifferenzen stattfinden müssen. Bei Anfertigung dieses neuen Uhrwerkes wurden auch die angedeuteten Mißstände von mir näher ins Auge gefaßt, und dasselbe mit einem eigenen Zeigergetriebwerke und einem abgesonderten Geh |312| werke ausgeführt, worauf erst weitere Beobachtungen über den ganz richtigen Gang verschiedener Thurmuhren angestellt werden konnten.

Dieses Uhrwerk veranlaßte durch seinen richtigen Gang die Bestellung folgender Werke:

1) eine Uhr für den Stadtthurm in Winterthur in der Schweiz;

2) eine Normaluhr für den Bahnhof in Zürich;

3) eine dergleichen nach Nürnberg;

4) eine solche nach Augsburg, und

5) die für das Bahnhofgebäude in München.

Die Frauenthurmuhr hat eine Zeigerleitung von 150 Fuß, die zu Winterthur von 90 Fuß, und die in Zürich zeigt an 3 Thürmen auf 6 Zifferblättern, und hat eine Stangenleitung von 130 Fuß; die Uhr vom Münchner Bahnhofgebäude zeigt auf 4 Zifferblättern und hat eine Zeigerleitung von 450 Fuß.

Man hat sich aus mehrjähriger Erfahrung überzeugt, daß sich bei diesen Uhren mit abgesonderten Gehwerken weder durch die verschiedenartigen Witterungsverhältnisse, noch durch sonstige Uebelstände der Gang verändert hatte, während bei den so vielen anderen neueren wie älteren Uhren, bei welchen, wie gewöhnlich, das Gehwerk die Zeiger treibt, verschiedene Mißstände sich ergaben, deren Beseitigung zeitraubend und kostspielig war.

Nach den verschieden angestellten Beobachtungen haben die angeführten zweierlei Uhrwerke gezeigt, daß, wenn das Gehwerk das kleinste und gleichbleibendste Gewicht, die wenigsten Zapfen und Reibungen besitzt, dem Stocken und Zähwerden des Oeles und dem Einwirken des Temperaturwechsels möglichst vorgebeugt ist, solches die besten und zuverlässigsten Uhren sind.

Ein weiteres, ebenso wichtiges Erforderniß ist andererseits eine größere abgesonderte Kraft zur Betreibung der Zeigerleitungswerke und Schlagwerk-Auslösungen. Die an der Frauenthurmuhr zu München, wie an der zu Winterthur und den angeführten Bahnhofuhren – sämmtliche mit abgesonderten Gehwerken – gemachten günstigen Erfahrungen, die alle noch mit 3 Werken und Gewichten ausgeführt sind, veranlaßten mich weiters, auf Mittel zu denken, wie nach dieser Manier auch für die minder bemittelten Gemeinden Uhren um billigern Preis mit wenigen Werken und Gewichten herzustellen seyen.

Im Jahre 1850 gelang es mir solche Uhren auszuführen, wovon eine der Industrie-Ausstellung zu Leipzig übersendet wurde, und ein sehr empfehlendes Gutachten über dieselbe erfolgte.

Letztgenanntes Werk hat in dem Thurme des großartigen Rathhauses der Stadt Fürth seinen Aufstellungsplatz gefunden.

Eine zweite eben solche Uhr befindet sich in der Peterskirche zu Würzburg. Die Uhr in Fürth hat 4 Zifferblätter von 11 Fuß Durchmesser; die Localitäten erforderten eine complicirte Zeigerleitung.

Die Uhr in Würzburg ist beinahe zu ebener Erde aufgestellt, von wo aus die Zeigerstange durch 4 Winkelräderwerke über 135 Fuß weit in das hinterste und oberste Portal der Kirche geführt wird, wo sie Stunden und Viertel zeigt. Ferner schlägt diese Uhr auf zwei weit entfernten Thürmen, und zwar auf dem einen Stunden und Viertel, und auf dem andern die Stunden nach, wobei die größten und entferntesten Winkel und Drahtzüge vorkommen, was den Beweis liefert, daß diese Uhren bei den allerverschiedensten Gelegenheiten und Größen der Zifferblätter und Glocken mit Vortheil zu verwenden sind.

2.
Ueber eine von J. Mannhardt neu construirte Thurmuhr.

(Gutachten des Central-Verwaltungs-Ausschusses des polytechn. Vereins für das Königreich Bayern.)

Unterm 7. April vorigen Jahres überreichte Hr. Mechanikus Mannhardt dem Central-Verwaltungs-Ausschusse des polytechnischen Vereines für das Königreich Bayern eine Beschreibung einer von ihm ganz neu construirten Thurmuhr nebst |313| einer Darstellung des Standes sowohl der ältern, als der bisher bekannten Thurmuhren, zur näheren Prüfung und Beurtheilung.

Hr. Mannhardt hatte zwar schon im Jahre 1850 eine solche neu construirte Uhr in der Industrie-Ausstellung zu Leipzig, für welche derselbe von der dortigen Prüfungskommission nicht nur ein sehr gediegenes Gutachten, sondern auch die goldene Medaille sich erworben hat.

Während des kurzen Zeitraumes von damals bis jetzt hat Hr. Mannhardt diese dort neu construirte Uhr wieder bedeutend vereinfacht und vervollkommnet, so daß die Commission des polytechnischen Vereins, bestehend aus den Herren: Conservator etc. Dr. Schafhäutl, Opticus etc. Sigm. Merz, Hofuhrmacher Joseph Minutti, Uhrmacher Johann Carl Fischer, Franz Höß, königl. Hofbrunnenmeister, sich veranlaßt sah, dieses nach eigenthümlicher Construction erbaute mit den so erheblichen Vorzügen vor allen übrigen wo immer befindlichen Thurmuhren begabte Werk näher darzulegen.

1. Diese neue Uhr hat nur zwei Hauptwerke und zwei Gewichte zum Aufziehen, wovon das eine Werk die Viertel schlägt, die Zeiger treibt und das Gehwerk in jeder. Minute aufzieht; das andere Werk dagegen die Stunden, und, wenn es verlangt wird, nach einer Zwischenpause die Stunden nachschlägt.

2. Das Gehwerk, die Laufräder und Büchsen sind von Messing, die Zapfen und Getriebe von Stahl, und das ganze Werk dieser Uhr ist so angebracht, daß ohne Zerlegung des sehr compendiös zusammengebauten Gestelles alle Theile einzeln und bequem herauszunehmen sind.

3. Besitzt das Gehwerk nur ein kleines Steigrad mit zwei Zapfen zum Einölen, wodurch dem schwerfälligen Gang, dem Stocken des Oeles und dem Wechsel der Temperatur möglichst ausgewichen ist.

4. Wird das Gehwerk mit der kleinsten und gleichmäßigsten Kraft getrieben, weil die Feder in jeder Minute aufgezogen wird.

5. Bewegt sich der Pendel nur in zwei Federn, wodurch die Ankerwelle, Zapfen und alle übrigen reibenden und einzuölenden Theile gänzlich wegfallen.

6. Ist die Einrichtung so getroffen, daß, wo es besonders darauf ankommt, wie z.B. bei Stadt- und Bahnhof-Normaluhren, sich der Pendel und das Steigrad außer dem Kasten noch unter einem Glasverdecke bewegt, wodurch das Oel die längste Zeit rein und gleich bleibt.

7. Die Pendelstange ist von einem eigens hiezu präparirten Holze, welches sich in seiner Länge beständig gleich bleibt, was für den richtigen Pendelgang eine Hauptsache ist.

8. In den Schlagwerken sind die Laufwerke so eingerichtet, daß sich dieselben in ihren Functionen gleich bleiben, wodurch das Verstellen der Windfänge, das Schwerer- oder Geringermachen der Gewichte ganz wegfällt, was bei den übrigen Thurmuhren bisher stattfand und zum Theile noch stattfindet.

9. Die Schlagwerke besitzen eine ganz eigenthümliche Art Hammerzüge, bei welchen eine gleichmäßige Hebung der Hämmer erzielt und ein scharfer Abfall erzweckt wird. Dadurch fallen außerdem alle Rollen, Reife, Schrauben, Muttern und ein mühsames Ausputzen weg.

10. Bei den Laufwerken sind die runden Getriebstecken, welche sich so schnell ausreiben und die Radzähne angreifen, entfernt, dagegen aber die Verzahnungen so construirt und ausgeführt, wie es die Abwicklung des Eingriffes von selbst vorschreibt, wodurch ein sanfter Gang und die größte Dauer erzielt wird.

11. An dem Viertelschlagwerke, welches ohnehin einen geringeren Hammer zum Heben hat, ist das Treiben der Zeigerwerke und das minutenweise Aufziehen des Gehwerkes, wodurch ein drittes Laufwerk erspart wird, mitangebracht, und das Viertelschlagwerk löst sich bei jeder fünfzehnten Minute durch das Zeigergetrieb aus.

12. Die Anbringungsart dieser Uhren gestattet einen sehr kleinen festen Bau des Gestelles, wodurch es zulässig wird, dasselbe gleich von der Werkstätte aus in einem kleinen zerleg- und verschließbaren Kasten aufzustellen, womit selbes auch überall viel leichter placirt werden kann; es ist sohin der Zutritt des Aufziehers, die Beibringung von Staub und das Auftrocknen des Oeles möglichst vermieden, und es werden außerdem noch der Rost zur Aufstellung der Uhr und die oft so theuren, viel Raum einnehmenden und doch wenig Schluß haltenden Bretterverschläge in den Kirchtürmen erspart. Es ist sehr einleuchtend, daß auf diese Art ein großer Theil |314| des Ausputzens und Einschmierens von selbst wegfällt und die möglichste Reinhaltung erzielt ist.

13. Der Bau derselben gestattet eine Vorrichtung anzuwenden, daß selbst von dem Unkundigsten ohne Fehlgriff die Anwellen und Büchsen abgenommen, die Zapfen und Löcher gereinigt werden können, was besonders für Plätze, wo keine Uhrmacher sind, wichtig ist.

14. Erlauben diese Uhren vermöge ihrer vergrößerten Kraft vom Viertelschlaggewichte zum Zeigertreiben und der verstärkten zum Stundenschlage, daß selbe möglichst unten aufgestellt werden dürfen. Dadurch wird nicht nur die Bedienung außerordentlich erleichtert, sondern es werden dieselben der Nähe wegen öfters besucht und deßhalb schon wird der Platz der Uhr reinlicher gehalten. Das Schwanken der Thürme durch Geläute und Stürme, der Zugang von Gewittern und aller Unrath, der durch die großen Oeffnungen von oben freien Zutritt hat, ist von unten vermieden, weßwegen die von Hrn. Mannhardt in der Darstellung bezeichneten Mängel, welche auf den Gang und die Dauerhaftigkeit der Werke störend einwirken, großentheils von selbst wegfallen.

15. Gehen und schlagen dieselben viel gleichmäßiger und man kann vermöge der größeren Kraft und dadurch ausgeglichenen Störung bei jeder Witterungszeit und anderen Zufällen auf einen gesicherten Fortgang rechnen.

16. Kann der Pendel bequem regulirt und können die Zeiger rück- und vorwärts gerichtet werden.

17. Nach der Anordnung der Werke, daß solche schon in einem Kasten aufgestellt sind, gestattet die nöthige Kraft zum Zeigertreiben, daß auf Plätzen, wo schon alte Uhren gestanden sind, die älteren Zeigerwerke, Hämmer und anderes, wenn sie einigermaßen noch brauchbar sind, mit weniger Reparatur zu verwenden sind, was die Kosten erleichtert. Deßhalb können diese Uhren auch von andern Uhrmachern, wenn sie schon mit Thurmuhren zu thun hatten, mittelst einer Anleitung aufgestellt werden, was die eigenen Reisekosten erspart.

Oben geschilderte Uhren sind für alle Größen von Glocken und Zifferblättern geeignet. Hr. Mannhardt hat schon im Jahre 1850 ein Zeigerleitungswerk aus einem rohen Eisengestänge von 432 Schuh zur Probe in seinem Hause angerichtet, und dasselbe mit Vortheil getrieben, um sich zu überzeugen, daß diese Uhren für weit entfernte und etwas mehr Kraft erfordernde Zeigerwerke mit Vortheil zu verwenden sind. Diese Uhren sind endlich auch wegen ihres so kleinen Baues und geringen Gewichtes zur weitesten Versendung geeignet.

Hr. Mannhardt hat somit nicht nur in allen Theilen ein ganz neues Werk hergestellt, sondern auch die in seiner Darstellung angeführten Mängel zu beseitigen gewußt, wodurch die Fabrication der Thurmuhren nebst deren Aufstellung auf einen völlig anderen Standpunkt versetzt ist, welcher alle denkbaren Vortheile in Erbauung, Aufstellung und Bedienung jener Uhren gewährt und wirklich nichts mehr zu wünschen übrig läßt.

Man hat in den Ausstellungen sowohl in Leipzig als in London die Gelegenheit gehabt, sich von allen anderen Arten von großen Uhren zu überzeugen, daß weder eine so compendiöse Ausführung der Werke noch eine so schonende Aufstellung und Erleichterung der Bedienung angetroffen werden konnte. Sie haben weder einen so einfachen Gang, noch so zweckdienliche Hammerzüge, noch ein Gestell, das einen so kleinen Raum einnimmt, um an demselben die Lager und Büchsen bequem abnehmen und putzen zu können, ohne daß die Räder und Getriebe aus den Eingriffen kommen, und zugleich gestattet, dieselben wegen möglichster Reinhaltung und erleichterter Aufstellung in einem so kleinen verschließbaren Kasten anzubringen. Ebensowenig wird bei denselben das Viertelschlagwerk zum Zeigertreiben und Aufziehen des Gehwerks, durch welches ein drittes Laufwerk erspart wird, verwendet.

Hr. Mannhardt hat nun über zweihundert neue Thurmuhren verfertigt und über fünfzig alte umgearbeitet, und wo es darauf ankam, auch Normaluhren, als auf der hiesigen Frauenkirche, zu Winterthur etc., und Bahnhofuhren hergestellt, die in ihren Functionen nichts zu wünschen übrig lassen. Denn wir haben schon seit zehn Jahren die Beweise an unserer Frauenkirchthurmuhr, daß dieselbe ununterbrochen so pünktlich fortgeht, daß sie der Stadtnormaluhr vorgezogen wird. Dieß veranlaßte Hrn. Mannhardt auf Mittel zu denken, wie dieser hohe Zweck mit |315| wenigen Werken und Gewichten zu Stande gebracht werde, so daß auch minder bemittelte Gemeinden solche ausgezeichnete Uhrwerke um geringere Kosten erhalten können.

Die Art, wie er solches erreicht hat, muß zu den sinnreichsten Erfindungen gerechnet werden.

Hr. Mannhardt hat inzwischen für diese neueren Uhren eigenthümliche Maschinen und Vorrichtungen hergestellt, und ist dadurch in Stand gesetzt, nicht nur die besten und gediegensten Werke auszuführen, sondern auch dieselben um einen mäßigen, billigen Preis abgeben zu können, so daß wir also seine Thurmuhren in jeder Beziehung bestens empfehlen können.

Er begann seine Thurmuhrverbesserung mit der Uhr zu Egern am Tegernsee im Jahre 1826, über welche der Central-Verwaltungs-Ausschuß des polytechnischen Vereins schon in seinem Blatte47) ein umfassendes Gutachten abgegeben hat. Seit dieser Zeit war jede neue Thurmuhr, die er gebaut, ein neuer Schritt zu jenem bisher unerreichten Grade von Vollkommenheit, von der die gegenwärtige Thurmuhr das sprechendste Zeugniß gibt. Sie ist ein Triumph technischen Scharfsinnes und mechanischer Combinationsgabe, die uns eine zeitmessende Maschine von solcher Einfachheit und Zweckmäßigkeit geliefert haben, daß nicht abzusehen ist, was an ihr noch Wesentliches mit der Zeit geändert werden könnte.

Schließlich ist noch zu bemerken, daß diese Vereinfachung und Vervollkommnung des Uhrenbaues theilweise ein Resultat jener allgemeinen Umschaffung im Maschinenbaue ist, welche Mannhardt durch Verbesserungen der Arbeite- und Werkzeugmaschinen im Verlaufe seiner langen Wirksamkeit hervorgerufen hat.48) (Bayer. Kunst- und Gewerbeblatt, Maiheft 1852.)

Privilegium: Seine Majestät der König von Bayern haben unterm 7. October v. Is. dem Mechanikus und Stadtuhrmacher Johann Mannhardt von München ein Gewerbprivilegium auf Ausführung seiner Erfindung, bestehend in eigenthümlich construirten Thurmuhren, welche mit nur zwei Werken und Gewichten alle Funktionen der früheren Uhren mit vier Werken verrichten, den einfachsten und möglichst gleichmäßigen Gang haben, wegen der vom Gehwerke abgesondert zu vergrößernden Kraft zum Zeigertreiben und Schlagen mit möglichster Benützung älterer Theile – statt oben – unten im Thurme aufgestellt werden können, größere Dauer und leichtere Bedienung erzielen lassen, und zugleich um den billigsten Preis hergestellt werden können, für den Zeitraum von fünf Jahren zu ertheilen geruht. (Regierungsbl. f. d. Königr. Bayern, Nr. 53, 30 October 1852.)

|315|

Siehe Kunst- und Gewerbeblatt, 1826, S. 529.

|315|

Siehe Kunst- und Gewerbeblatt, 1850, S. 199.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: