Titel: Entgegnung auf „Einige Bemerkungen etc.“ des Prof. C. M. Bauernfeind in München.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1853, Band 127/Miszelle 12 (S. 319–320)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj127/mi127mi04_11

Entgegnung auf „Einige Bemerkungen etc.“ des Prof. C. M. Bauernfeind in München.

(Siehe polytechn. Journal, 2tes Januarheft 1853, S. 159.)

Hr. Prof. Bauernfeind in München hat mit mehr Eifer als Ueberlegung sich zu einer gehässigen Polemik gegen mein Buch „Die Instrumente und Werkzeuge der Meßkunst etc.“ bewogen gefunden, auf welche ich ihm Folgendes zu erwidern mich veranlaßt sehe.

Ich muß zuvörderst die Insinuation abweisen, als habe ich in irgend einer Weise ihm die Ehre seiner Erfindung oder die Autorschaft seines separat gedruckten Journalartikels beeinträchtigen oder gar zu seinem Nachtheile verwischen wollen. Jedermann wird sich davon leicht überzeugen. Wenn Hr. Prof. B. mir mit Grund etwas zur Last legen kann, so ist es der Umstand, daß ich seiner Erfindung durch |320| den Umfang des darüber Angeführten eine größere Bedeutung beimaß, als sie verdient und ich aus irgend einem Grunde Ursache hatte, sowie daß ich die constructive Variation seines Instrumentchens anzuführen übersah. Das letztere Versehen wäre denn in wenig Worten zu beseitigen gewesen; Hr. Prof. B. widmet dem ein paar Spalten und mag dabei von anderen Motiven geleitet seyn. Ich finde dieß unzweideutig in der Art und Weise, wie er über den übrigen Theil meines Buches herfällt. Hr. Prof. B. behauptet u.a., „das Buch sey zum größten Theil Wort für Wort aus Büchern und Zeitschriften abgedruckt.“ Ich nenne diese Behauptung eine Unwahrheit, gleichviel ob sie aus Absicht oder Unkenntniß aufgestellt worden. Hr. Prof. B. führt für seine ganze Behauptung zwei s. g. Beweise an: eine Stelle seiner Broschüre, welche „ohne seinen Namen anzuführen“ aufgenommen sey. Hätte Hr. Prof. B. sehen wollen, so würde er gefunden haben, daß ich am Ende des §. 89 ausdrücklich auf diese Stelle (§. 68) verwiesen. Er führt ferner als Belegestück für seine Behauptung einen Aufsatz über den Reichenbach'schen Distanzenmesser an, bei dessen theilweiser Aufnahme allerdings der Name des Verfassers (Hr. Prof. Decher in Augsburg) nicht genannt ist. Wäre es dem Hrn. Prof. B. wirklich bloß um eine Kritik meines Buches und nicht um eine gehässige Anfeindung zu thun gewesen, so hätte er auch bei näherer Ansicht des Decher'schen Aufsatzes, den ich zum geringsten Theile benutzte, finden können, daß derselbe hauptsächlich einen Streit mit Dr. Romershausen behandelte, der für meine Schrift um so weniger von Interesse seyn konnte, als beide Theile eben in einer Sache kämpften, über welche mir noch immer das Urtheil von Schulz-Montanus als ein zutreffendes gilt.

Es ist nicht meine Art, mich mit den Verdiensten Anderer zu schmücken, und ich habe früh im Leben Bescheidenheit gelernt; auch bin ich weit davon entfernt, meinem Buche nur einen Theil der Bedeutung beizulegen, die Hr. Prof. B. für sein Werkchen und sein Instrumentchen beansprucht. Indeß ist jenes von Sachverständigen als eine nützliche Arbeit anerkannt worden und hat eine erfreuliche Verbreitung gefunden. Wie sich bei einer derartigen Arbeit von selbst versteht, waren alle vorhandenen und zerstreuten Materialien dafür zu benutzen. Daß dieß nicht in dem Maaße und der Weise geschehen, wie Hr. Prof. B. behauptet, und daß eben diese seine Behauptung eine Unwahrheit ist, will ich ihm zeigen, indem ich ihn nur auf folgende von mir zuerst beschriebene Instrumente und Vorrichtungen verweise: die Oldendorff'sche Meßkette (§. 13), die Vorrichtung zum Einziehen der Mikrometerfäden (§. 32), die verbesserten Meßtischköpfe (§§. 103. 104. 115. 116), die Boussolen im §. 131, den Gruben-Boussolen-Theodolit (§. 145–148), die Theodoliten in den §§. 157 u. 158, die Gruben-Theodoliten (§§. 183–197), die Nivellir-Instrumente in den §§. 255–261 u. 266, den Architekten-Meßapparat (§. 275) u.s.w. Auch die beiden englischen Theodoliten (§. 171–175) und Gravatt's Libelle (§. 270. 271) sind meines Wissens bis jetzt in Deutschland unbekannt gewesen. – Wenn ich nun auch auf den Ruhm verzichten muß, ein Meßwerkzeug von ersetzbarem Werthe erfunden zu haben, so hege ich doch die Ueberzeugung, der Meßkunst einen größeren Dienst dadurch erwiesen zu haben, daß ich gute, verbesserte und vervollkommnete Instrumente beschrieben. Um deßwillen ist es mir denn auch völlig gleichgültig, ob Hr. Prof. Bauernfeind seine wenig würdige und leichtfertige, mit Unwahrheiten vermischte Polemik fortsetzt oder nicht; ich werde ihm nicht weiter als durch die möglichste Verbreitung dieser Entgegnung antworten.

Dr. E. Schneitler in Berlin.

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