Titel: Chemische Untersuchungen von A. Faißt.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1853, Band 127/Miszelle 3 (S. 316–318)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj127/mi127mi04_3

Chemische Untersuchungen von A. Faißt.

(Ausgeführt im chemischen Laboratorium der polytechnischen Schule in Stuttgart.)

I. Bestimmung des Zucker-, Säure etc. Gehalts in einzelnen Früchten.

1) Heidelbeeren (frische). In 100 Theilen sind enthalten:

Zucker 4,2 Proc.
Säure 2,0

2) Himbeeren (frische). In 100 Theilen sind enthalten:

Zucker 5,2 Proc.
Säure 1,5

3) Kirschen (frische, von Schwarzenberg im Schwarzwald):

a) schwarze Kirschen; Zucker 9,6 Proc.
Säure 0,8
b) rothe Kirschen; Zucker 9,4
Säure 1,0

4) Zwetschgen (frische von Stuttgart). In 100 Theilen sind enthalten:

feste Bestandtheile 22 Proc.
Wasser 78

5) Getrocknete Zwetschgen

von Hohenheim enthalten in 100 Theilen:
Zucker 30,59 Proc.
Wasser 27,17 „
Steine 14,73 „
von Feuerbach:
Zucker 31,12 Proc.
Wasser 20,77 „
Steine 16,33 „
von Fellbach:
a) Zucker 32,52 Proc.
Wasser 25,00 „
Steine 18,50 „
b) Zucker 32,51 „
Wasser 28,81 „
Steine 17,02 „
c) Zucker 33,79 „
Wasser 30,33 „
Steine 16,71 „

Der Wassergehalt einer Probe französischer getrockneter Zwetschgen beträgt 25,4 Procent.

II. Analyse zweier Proben Schmierseife.

1) Von Gruner in Calw.

100 Theile Seife enthalten:
Fettsäuren 42,17 Proc.
an Fettsäuren gebundenes und freies Kali 6,43 „
schwefelsaures Kali 4,32 „
Chlorkalium 1,27 „
Wasser, Glycerin etc. 45,81 „
––––––––
100,00
|317|

2) Eine hier im Handel vorkommende Schmierseife (von Worms) enthält in 100 Theilen:

Fettsäuren 38,50 Proc.
an Fettsäuren gebundenes und freies Kali 7,26
schwefelsaures Kali 3,12
Chlorkalium 1,04
Wasser, Glycerin etc. 50,08
––––––––––
100,00

III. Verhalten einzelner Metalle gegen verschiedenes Wasser.

Die Wasser, deren Einwirkung auf Blei, Zink, Kupfer und Eisen beobachtet wurde, waren destillirtes Wasser, Wildbader Wasser und Stuttgarter Brunnenwasser.

Besonders auffallend und interessant ist die Wirkung obiger Wasser unter gleichzeitiger Einwirkung der atmosphärischen Luft auf Blei und Zink.

Das gewöhnliche Brunnenwasser sowie das Wildbader Wasser veränderten selbst nach Verlauf von mehreren Wochen das Blei nicht merkbar – es war keine nachweisbare Menge einer Bleiverbindung im Wasser weder aufgelöst, noch als Niederschlag enthalten; in reinem destillirtem Wasser, welches unter gleichzeitiger Einwirkung von Luft mit Blei in Berührung war, zeigte sich dagegen schon nach einer halben Stunde eine weiße Trübung in Folge der Bildung von kohlensaurem Bleioxyd, die Trübung vermehrte sich nach und nach und es entstand bald ein weißer krystallinischer Bodensatz in nicht unbedeutender Menge. Ein fast ganz entgegengesetztes Verhalten zeigte das Zink gegen obige verschiedene Wasser. In dem destillirten Wasser, welches drei Wochen lang mit Zink – unter Einwirkung der Atmosphäre – in Berührung war, konnte kein Zink in Auflösung nachgewiesen werden, auch blieb das Wasser während dieser Zeit vollkommen klar, während in gewöhnlichem Brunnenwasser, unter denselben Umständen, schon nach einigen Tagen eine Trübung entstand, und ein Zinkgehalt in diesem Wasser leicht nachgewiesen werden konnte.

Ganz dasselbe Verhalten zeigte das Zink gegen Wildbader Wasser, nur mit dem Unterschiede, daß sich bei letzterem die Einwirkung noch schneller und stärker zu erkennen gab, als dieß bei gewöhnlichem Brunnenwasser der Fall war.

In dem Verhalten des Eisens gegen die verschiedenen benannten Wasser war kein eigentlicher Unterschied zu bemerken, sofern das Eisen durch alle Wasser ziemlich gleich schnell und gleich stark alterirt wurde, und sich nach und nach ein reichlicher Bodensatz von Eisenrost bildete.

Auch das Kupfer zeigt sich in seinem Verhalten gegen die verschiedenen genannten Wasser insofern gleich, als nach Verlauf von drei Wochen weder bei Anwendung des einen noch des andern in wässeriger Lösung Kupfer nachgewiesen werden konnte.

IV. Analyse einer englischen Porzellan-Schreibtafel.

Die in England ziemlich gebräuchlichen und von Davenport verfertigten Porzellanschreibtafeln zeichnen sich vor den Tafeln, welche früher in deutschen Porzellanfabriken gemacht wurden, dadurch aus, daß sie glätter sind, daher die Schriftzüge sich gut und vollständig fortwischen lassen; doch sind sie nicht so glatt, daß sich nicht gut darauf schreiben ließe. Die Tafeln, deren Karmarsch in seinem Ausstellungsbericht (polytechn. Journal Bd. CXXV S. 76) erwähnt hat, bestehen aus einer Grundmasse mit einer dünnen Glasurschichte, ganz wie bei unserem gewöhnlichen Porzellan. Weder die Glasur noch die Grundmasse enthalten Blei oder Phosphorsäure, und es finden sich darin nur Spuren Kalk. Die ganze Masse enthielt, wie die Grundmasse ohne Glasur, Kieselsäure, Thonerde und Natron; die Glasur ist auch wie bei hartem Porzellan eine erdige. Die Grundmasse gab, nachdem die Glasur durch Abschleifen entfernt war, in 100 Theilen:

|318|
Kieselerde 37,86 Proc.
Thonerde 47,22
Natron 14,64
Spuren Kalk und Eisenoxyd.
–––––––––
99,72 Proc.

Die Masse unterscheidet sich darnach wesentlich von hartem Porzellan in den Mengenverhältnissen, das Porzellan von Sevres z.B. enthält

59,6 Kieselerde,
35,0 Thonerde,
1,8 Kali,
2,4 Kalk.

(Württemberg. Gewerbeblatt, 1853, Nr. 6 und 7.)

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