Titel: Ueber die Wirkung des Kohlenoxydgases auf schwefelsaures Kali; von Dr. K. Stammer.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1853, Band 127/Miszelle 6 (S. 396–397)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj127/mi127mi05_6

Ueber die Wirkung des Kohlenoxydgases auf schwefelsaures Kali; von Dr. K. Stammer.

Im Journal de Pharmacie, Octoberheft 1852, S. 289 (daraus im polytechn. Journal Bd. CXXVI S. 312) hat Hr. A. Levol eine Notiz veröffentlicht, wornach |397| er meine Angabe, „daß das schwefelsaure Kali bei der Temperatur einer Berzelius'schen Lampe durch Kohlenoxyd zu Schwefelkalium reducirt wird,“ bei seinen Versuchen nicht bestätigt fand.

Ich würde mich vielleicht veranlaßt gefühlt haben, meine Versuche über das Verhalten des schwefelsauren Kalis zu Kohlenoxyd, die ich vor einigen Jahren im Laboratorium des Hrn. Professors H. Rose angestellt habe, nochmals vorzunehmen, wenn ich mich nicht ganz genau noch der Umstände erinnerte, unter denen ich gerade zu diesem Resultate gelangte, und außerdem die Worte meines Notizbuches (in meiner veröffentlichten Abhandlung ließ ich die einzelnen Belege der Thatsachen, als wirklich zu einfach, weg) jeden Zweifel beseitigen würden. Ich lasse dieselben hier folgen:

Schwefelsaures Kali. Als das schwefelsaure Kali einige Zeit in Kohlenoxyd geglüht worden war, nahm es eine röthliche Farbe an, worauf die Wirkung schneller vorging und sich durch die ganze Substanz verbreitete; das entweichende Kohlenoxyd gab eine sehr starke Reaction auf Kohlensäure, während eine Probe mit Ammoniak, Chlorbaryum und Salpetersäure die Abwesenheit der schwefligen Säure darthat. Nachdem die schön rothe Substanz im Kohlenoxyd erkaltet war, übergoß ich sie in einem Kölbchen mit ausgekochtem heißem Wasser, und ließ die Lösung im verschlossenen Gefäße erkalten. Hierauf zugesetzte Salzsäure gab eine deutliche Entwickelung von Schwefelwasserstoff und nur eine sehr geringe Fällung von Schwefel. Dieß beweist, daß Einfach-Schwefelkalium gebildet wurde. – Ich stellte nun den Versuch mit einer gewogenen Menge reinen Salzes an, um zu sehen, ob die Reduction eine vollständige sey. Die Verminderung des Gewichtes erreichte jedoch nicht gänzlich die von der Berechnung verlangte, und es war klar, daß das geschmolzene Schwefelkalium die unzersetzten Theile beschützte.“

Schwefelsaures Natron. Nach 2 1/2 Stunden war auch nicht die geringste Reduction bemerklich, und Salzsäure gab auch keine Spur von Schwefelwasserstoffgas. Es scheint also, daß die Reductionstemperatur des schwefelsauren Natrons oberhalb derjenigen Temperatur liegt, welche meine Glaskugeln ertragen konnten.“

Nach diesen Versuchen scheinen mir meine Angaben wohl keinem Zweifel unterliegen zu können. Warum Hr. A. Levol abweichende Resultate erhielt, kann ich nicht bestimmt sagen. Vielleicht hat er mit nicht vollständig gereinigtem Kohlenoxyd gearbeitet; dasjenige, welches ich stets anwende, ist von jeder Spur Kohlensäure und Wasser frei. Oder – und das scheint mir am wahrscheinlichsten nach A. Levol's Ausdrücken – die angewandten Temperaturgrade waren zu niedrig, vielleicht, weil das Glas zu leichtschmelzbar war. Meine Röhren waren eigens zu dieser Untersuchung von Greiner aus schwerschmelzbarem Glase gefertigt und widerstanden der höchsten durch die Berzelius'sche Lampe erzeugbaren Hitze nur insofern, als die Kugel meistens während der Versuche in einem erweichten Zustande sich befand, indem ich sie bis zur Hellrothglühhitze erhitzte, was Hr. A. Levol nicht gethan zu haben scheint.

Ich bemerke noch, daß ich jetzt zu meinen Versuchen, die ich wegen ihres Interesses für die Erscheinungen welche das Eisen darbietet, noch stets fortsetze, böhmische Röhren anwende, die ich im heftigsten Kohlenfeuer erhitze, wobei indessen die Einrichtung getroffen ist, daß ich dem Gange der Einwirkung immer mit der Waage folgen kann. Vielleicht versuche ich nächstens einmal auf diesem neuen Wege die Einwirkung auf schwefelsaures Natron, und wenn dieses wider mein Erwarten dabei nicht reducirt werden sollte, diejenige auf ein Gemisch von beiden Salzen. Ich muß indessen gestehen, daß mir die Idee, diese Salze auf diesem Wege zu trennen, sehr wenig Wahrscheinlichkeit zu haben scheint. Entweder schützt das nicht reducirte Natronsalz das Kalisalz, oder dieses veranlaßt zugleich die Reduction eines Theils des ersteren – wie das ja so oft vorkommt; endlich dürfte eine vollkommene Reduction nach dem eben Gesagten sehr schwierig seyn, oder eine Temperatur erfordern, die derjenigen zu nahe kommt, wobei das schwefelsaure Natron reducirt zu werden scheint.

Münster, in Westphalen, den 11. März 1853.

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