Titel: Ueber die Traubenkrankheit; von den HHrn. Aguillon und Guérin-Meneville.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1853, Band 127/Miszelle 20 (S. 468)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj127/mi127mi06_20

Ueber die Traubenkrankheit; von den HHrn. Aguillon und Guérin-Meneville.

In einer von Hrn. Camille Aguillon der französischen Akademie der Wissenschaften eingereichten Abhandlung theilt dieselbe die Beobachtung mit, daß in der Umgegend von Toulon Weinstöcke, welche nicht beschnitten werden und durch die Krankheit im vorigen Jahre buchstäblich verfault waren, von derselben ganz frei geblieben sind und prächtige Früchte in Fülle trugen. Diese Thatsache führt ihn auf die Frage, ob die Krankheit nicht Folge übermäßiger Gesundheit sey, welche durch die jährliche Wiederkehr einer sorgsamen Pflege und des Beschneidens herbeigeführt werde. Er schlägt vor, Versuche anzustellen, ob durch Unterlassung des Beschneidens während eines Jahres, wodurch in dem Weinstock, indem man ihm alle Reben läßt, eine Art abzehrender Krankheit hervorgerufen wird, dieser Zustand nicht vielleicht geändert werden könnte.

Hr. Guérin-Meneville bemerkt dazu: diese Beobachtungen bestärken mich nebst vielen anderen analogen Thatsachen in den von mir zuerst ausgesprochenen Ansichten, daß:

1) die Traubenkrankheit Folge einer zu beschleunigten Lebensbewegung, einer Vollsäftigkeit ist, welche wahrscheinlich durch mehrere Jahre aufeinanderfolgende zu gelinde Winter verursacht wird, welche die Lebenskräfte zu einer Zeit in Thätigkeit setzten, wo sie ruhen sollte;

2) daß die Entwickelung des Oidium Tuckeri die Folge dieses abnormen Zustands der Weinstöcke ist;

3) daß die Krankheit gesunden Individum durch die Keimkörner des Oidium nicht mitgetheilt werden zu können scheint;

4) daß es sehr gut wäre, unter Fortsetzung der chemischen oder mechanischen Proben, durch welche es gelang die Geländertrauben zu retten, zugleich praktische und wissenschaftliche Versuche anzustellen, um den Werth der an verschiedenen Orten beobachteten Thatsachen zu würdigen und zu sehen, ob aus denselben nicht irgend ein rationelles Verfahren für die Cultur im Großen abgeleitet werden könne.

(Comptes rendus, Januar 1853, Nr. 3.)

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