Titel: Notizen von Albert Ungerer, technischer Chemiker in Pforzheim.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1853, Band 127/Miszelle 3 (S. 463–464)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj127/mi127mi06_3

Notizen von Albert Ungerer, technischer Chemiker in Pforzheim.

1. Verfahren um schwefelsaures Kali und unterschwefligsauren Baryt in größeren Krystallen zu erhalten.

Bekanntlich wird das schwefelsaure Kali meistens in Krystallrinden in den Handel gebracht, weil es sich aus seiner wässerigen Lösung nur unter besonders günstigen Umständen in einzelnen größeren Krystallen ausscheidet, da es sich, nur in sehr heißem Wasser in ziemlicher Quantität auflöst und deßhalb an allen Stellen, wo sich die Lauge etwas abkühlt, zugleich auskrystallisirt, was stets die Bildung von größeren Krystallen, besonders wenn sich überhaupt nicht viel Salz ausscheidet, verhindert.

Ist das schwefelsaure Kali aber neben anderen Salzen in Lösung, oder hat man eine Lösung, welche eigentlich bloß die Elemente zu seiner Bildung enthält, so verhält sich die Sache anders.

Aus einer heiß gesättigten Lauge, welche neben schwefelsaurem Kali noch Chlornatrium enthält, oder was dasselbe ist, aus einer gemischten Lösung von Glaubersalz und Chlorkalium scheiden sich, wenn die Lösung nicht zu rasch erkaltet oder man eine ziemliche Quantität Lauge hat, bei Temperaturen über + 4° R. nur Krystalle von schwefelsaurem Kali aus; bei Temperaturen unter + 4° R. erhält man dagegen neben wenig schwefelsaurem Kali, das sich ausscheidet so lange die Lauge noch wärmer ist, viel Glaubersalz, und zwar krystallisirt das schwefelsaure Kali bei einer Temperatur von + 8 bis 10° R., und wenn das Chlornatrium in einiger Menge vorherrscht, stets besonders rein und groß. Läßt man die Lauge nach einigen Tagen, wenn sich nichts mehr ausscheidet, aus den Krystallisationsgefäßen ab und gießt frische hinzu, so kann man in kurzer Zeit Krystalle bis zu Haselnuß-Größe in Menge erhalten.

Eigenthümlich ist die Form dieser Krystalle. Das aus Wasser krystallisirte schwefelsaure Kali tritt stets in scheinbaren Dihexaëdern, mit selten abgestumpfter Spitze oder in geschobenen vierseitigen Säulen auf; das aus Chlornatriumlösung krystallisirte jedoch immer als scheinbare Dihexaëder mit Säulenflächen, abgestumpfter Spitze und zwei Zuschärfungen der Dihexaëderspitze.

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Beim Losschlagen der Krystalle aus den hölzernen Standen phosphorescirt das Salz auffallend stark. Der Grund, daß das schwefelsaure Kali unter genannten Umständen in großen Krystallen auftritt, mag wenigstens theilweise darin liegen, daß die Salze zum Theil als Chlorkalium und Glaubersalz in Lösung sind und sich erst während dem Erkalten zu schwefelsaurem Kali und Chlornatrium anordnen, da sich bei der herrschenden Temperatur und dem Concentrationsgrade nur schwefelsaures Kali ausscheiden kann.

Auf eine einigermaßen analoge Weise erhielt ich auch größere Krystalle von unterschwefligsaurem Baryt. Ich kochte nämlich rohes, durch Glühen von Kohle mit Schwerspath erhaltenes Schwefelbaryum mit Wasser aus und übergoß den Rückstand auf einem Trichter mit verdünnter Salzsäure, um etwa vorhandenen kohlensauren Baryt aufzulösen; die klare abgelaufene Flüssigkeit blieb zufällig einige Monate in einem zugekorkten Kolben beiseite gestellt, nach welcher Zeit sich aus der hauptsächlich Chlorbaryum enthaltenden Lösung eine ziemliche Menge unterschwefligsaurer Baryt in Nadeln bis zu 1/2 Zoll Länge ausgeschieden hatte; dieselben hatten ganz das Ansehen und den Glanz von aus Salzsäure krystallisirtem Chlorblei und behielten denselben auch nach dem Zersetzen durch Glühen bei.

2. Schwefelsaures Bleioxyd als Surrogat für Zinnoxyd, um Gläser undurchsichtig zu machen.

Um Glasflüsse undurchsichtig zu machen, wendet man hauptsächlich Zinnoxyd an. Es läßt sich jedoch hiezu auch recht gut schwefelsaures Bleioxyd gebrauchen, wenn es in hinreichender Quantität angewandt wird, wie ich durch mehrere Versuche gefunden habe. Wenn man zu einem ohnedem bleihaltigen Glasfluß beim Zusammenschmelzen statt Bleioxyd schwefelsaures Blei nimmt, so daß der Fluß gegen 25 Proc. davon enthält, so erhält man ein sehr schönes emailartiges Glas, das zwar sehr schwer ist, allein beim Schmelzen viel dünnflüssiger wird als ein zinnoxydhaltiger Fluß von ähnlicher Zusammensetzung.

3. Ueber eine Verbindung von Jod mit Schelllack.

In letzter Zeit hatte ich Gelegenheit eine eigenthümliche Verbindung von Jod mit Schelllack zu beobachten. Eine einige Zoll lange Glasröhre, welche etwa 2 Gram. Jod enthielt, ward schon vor mehreren Jahren an beiden Enden mit gewöhnlichem Schelllack zugekittet. Schon nach kurzer Zeit wurde der Inhalt der Röhre schmierig und schwarz. Als ich vor einigen Tagen die Röhre wieder unter die Hände bekam, war der Schelllack auf einer Seite ganz in die Röhre hineingedrückt und das Jod aus derselben verschwunden. Die Röhre enthielt eine kautschukähnliche schwarze Masse, in welche auch der außerhalb der Röhre befindliche Schelllack verwandelt war.

Kochendes Wasser nahm daraus etwas Jod auf, wodurch die Masse etwas zerreiblich wurde. Kochender Weingeist löste so ziemlich Alles auf, allein die Lösung wurde durch Wasser nicht getrübt.

Beim Erhitzen gibt die Masse zuerst etwas Jod aus und dann ziemlich viel eines dunkelbraunen jodhaltigen brenzlichen Oeles, das dem Bernsteinöl ähnlich riecht. Als Rückstand bleibt eine poröse glänzende Kohle. Es scheint mir dieses Verhalten von Jod zu Schelllack einige Aehnlichkeit mit dem Vulcanisiren der Gutta-Percha und des Kautschuks zu haben und eine nähere Untersuchung zu verdienen.

4. Um die Farben dünner Blättchen in einem einfachen Experimente zu zeigen

versetzt man eine concentrirte heiße Lösung von chlorsaurem Kali mit einer Lösung von kohlensaurem Kali, wornach sich das chlorsaure Kali gleich in sehr dünnen Blättchen ausscheidet, welche die Farben des Prismas in schönster Reinheit zeigen.

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