Titel: Violette, über die Holzkohlen.
Autor: Violette,
Fundstelle: 1853, Band 129, Nr. IX. (S. 42–45)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj129/ar129009

IX. Ueber die Holzkohlen; von Hrn. Violette.

Aus den Comptes rendus, Mai 1853, Nr. 20.

Hr. Violette, dessen erste Abhandlung über die Holzkohlen im polytechn. Journal Bd. CXXIII S. 117, 185 und 291 mitgetheilt wurde, hat der französischen Akademie der Wissenschaften eine zweite Abhandlung über denselben Gegenstand eingereicht; der summarische Inhalt derselben ist folgender:

1) Die verschiedenen Holzarten, bei gleicher Temperatur verkohlt, geben nicht die gleiche Menge Kohle; die Ausbeute an Kohle, welche bei 72 Holzarten von 30 bis 54 Procent wechselte, ist also nach der Natur des Holzes verschieden.

2) Die Kohlen der bei gleicher Temperatur verkohlten Holzarten haben nicht gleiche Elementar-Zusammensetzung; bei der Analyse von 72 Kohlenarten differirte der Gehalt an Kohlenstoff um 15 Procent. Die |43| Zusammensetzung der Kohlen ist also eine verschiedene, denn sie hängt nicht bloß von der Temperatur ab, wobei die Verkohlung geschah, wie früher bewiesen wurde, sondern auch von der Natur des Holzes.

3) In demselben Baum (Kirschbaum) sind die näheren Bestandtheile ungleich vertheilt. Das Blatt und die Wurzelfasern haben gleiche Zusammensetzung; sie enthalten 5 Procent weniger Kohlenstoff als das Holz des Stammes. Die Rinden des kleinsten Zweiges und der kleinsten Wurzel haben dieselbe Zusammensetzung; sie enthalten 5 Procent mehr Kohlenstoff als die Rinde des Stammes. Das eigentliche Holz hat dieselbe Zusammensetzung in dem Stamm, den Aesten und den Wurzeln. Das Blatt enthält 33 Procent mehr Wasser als das Holz des Stammes. Die Mineralsubstanzen sind im Baum sehr ungleich vertheilt; wenn man die Quantität Asche, welche das Holz des Stammes liefert, mit 1 bezeichnet, so ist diejenige des Blattes 25, diejenige der Wurzelfasern 16, diejenige der Astrinde 11, diejenige der Rinde des Stammes 9, diejenige der Wurzelrinde 5.

4) Die Kohlen absorbiren an feuchter Luft mehr oder weniger Wasser, je nach der Temperatur ihrer Verkohlung; bei je höherer Temperatur sie verkohlt worden sind, desto weniger Wasser absorbiren sie.

Kohlen, bereitet absorbirten Wasser:
bei 150° C. 21 Proc.
250° 7 Proc.
350° 6 Proc.
430° 4 Proc.
1500° 2 Proc.

Kohlen in Pulverform absorbiren beiläufig zweimal mehr Wasser, als dieselben Kohlen in Stücken.

5) Die Wärmeleitfähigkeit der Kohlen wächst mit der Temperatur ihrer Verkohlung; bei Kohlen welche zwischen 150° und 300° C. bereitet wurden, ist sie schwach und ziemlich constant; sind die Kohlen aber bei höherer Temperatur dargestellt, so nimmt sie rasch zu und erreicht einen Werth gleich 2/3 von derjenigen des Eisens.

6) Die Leitfähigkeit der Kohlen für die Elektricität wächst mit der Temperatur ihrer Verkohlung; die bei 1500° C. bereitete Kohle leitet die Elektricität viel besser als der Graphit aus den Leuchtgasretorten, und ist zur elektrischen Beleuchtung vollkommen tauglich.

7) Die Dichtigkeit aller in Pulver verwandelten Holzarten ist dieselbe, und größer als diejenige des Wassers; sie ist ungefähr = 1520, das Wasser = 1000 angenommen. Sogar das Korkholz ist schwerer |44| als Wasser. Die Dichtigkeit der Holzarten, wie man sie in vielen Büchern angegeben findet, ist nur der Ausdruck ihrer Porosität.

Die Dichtigkeit der Kohlen ist nach der Temperatur ihrer Verkohlung verschieden; sie ist größer als diejenige des Wassers; sie nimmt von 1507 bis 1402 ab bei den Kohlen welche zwischen 150° und 270° C. bereitet wurden; sie wächst von 1402 bis 1500 bei den Kohlen welche zwischen 270° und 350° bereitet sind; sie nimmt auch noch zu bei denjenigen Kohlen welche zwischen 350° und 1500° dargestellt worden sind, und erreicht dabei ihren höchsten Werth, welcher = 2002 ist, das Wasser = 1000 angenommen.

8) Die Kohlen, nachdem sie angezündet sind, bleiben mehr oder weniger lange Zeit im Glühen, und zwar um so kürzere Zeit, je höher die Temperatur ihrer Verkohlung war; die zwischen 1000° und 1500° bereiteten Kohlen lassen sich nicht in Brand setzen und können sogar nicht angezündet werden.

9) Die der Hitze ausgesetzten Kohlen entzünden sich von selbst in der Luft, bei wandelbaren Temperaturen. Die brennbarste von allen Holzkohlen ist diejenige des Weidenschwamms, sie entzündet sich von selbst in der Luft bei 300°. Die Kohlen aller anderen Holzarten, bei der constanten Temperatur von 300° bereitet, entzünden sich von selbst in der Luft zwischen 360° und 380°, je nach der Natur des angewandten Holzes, indem die Kohle von einem leichten Holz sich leichter entzündet als diejenige von einem schweren Holz.

10) Die bei steigenden Temperaturen bereiteten Kohlen derselben Holzart entzünden sich in der Luft von selbst bei sehr ungleichen Temperaturen, welche mit dem Grad ihrer Verkohlung wachsen. Die zwischen 260° und 280° bereiteten Kohlen brennen zwischen 340° und 360°; die zwischen 290° und 350° bereiteten brennen zwischen 360° und 370°; die bei 432° bereiteten brennen bei ungefähr 400°; die zwischen 1000° und 1500° bereiteten brennen zwischen 600° und 800°; die beim Schmelzpunkt des Platins bereitete Kohle entzündet sich erst bei ungefähr 1250°, dem Schmelzpunkt des Kupfers.

11) Wenn die Kohlen mit Schwefel vermengt worden sind, so erfolgt ihre Selbstentzündung in der Luft bei einer viel niedrigeren Temperatur als ohne diesen Zusatz. Werden die bei Temperaturen zwischen 150° und 400° bereiteten Kohlen mit Schwefel gemengt, so entzünden sie sich bei 250° und brennen ganz ab; werden hingegen die bei Temperaturen zwischen 1000° und 1500° bereiteten Kohlen mit Schwefel gemengt auf 250° erhitzt, so verbrennt nur der Schwefel und die Kohlen bleiben unversehrt.

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12) Die Holzkohlen zersetzen den Salpeter bei einer Temperatur, welche nach derjenigen ihrer Darstellung verschieden ist. Die bei Temperaturen zwischen 150° und 432° bereiteten Kohlen zersetzen den Salpeter bei 400°; die bei Temperaturen zwischen 1000° und 1500° bereiteten Kohlen zersetzen hingegen den Salpeter erst bei der Rothglühhitze.

13) Der Schwefel zersetzt den Salpeter bei einer Temperatur, welche höher ist als diejenige welche die Kohle erfordert; diese Zersetzung findet etwas über 432° statt.

14) Der Schwefel entzündet sich in der Luft bei der Temperatur von 250°; es war unmöglich ihn bei der Temperatur von 150° zu entzünden, welche in den Lehrbüchern der Chemie angegeben wird.

Die thermometrische Bestimmung der Entzündbarkeit der Pulverbestandtheile gestattet die aufeinanderfolgenden Erscheinungen seiner Verbrennung zu erklären. Das Pulver brennt bei 250° C. ab, weil der Schwefel, welcher bei dieser Temperatur zu brennen anfängt, die Temperatur der Kohle auf denjenigen Grad steigert, welcher zu ihrer Verbindung mit dem Salpeter nöthig ist. Folgende Thatsachen über die Entzündlichkeit des Pulvers bestätigen diese Erklärung.

15) Die Entzündlichkeit des Schießpulvers ist eine verschiedene, je nach seinem Satz und der Größe der Körner. Das gekörnte Pulver ist weniger brennbar als das Mehlpulver. Das gekörnte Pulver entzündet sich zwischen 270° und 320° C., während das Mehlpulver von jedem Pulversatz zwischen 265° und 270° abbrennt.

16) Da wir jetzt die Elementar-Zusammensetzung der Holzkohlen je nach der Temperatur ihrer Bereitung genau kennen, so vermögen wir auch den Pulversatz mit Vortheil abzuändern. Man hat zur Probe Jagdpulver mit einem vom gewöhnlichen sehr abweichenden Sah fabricirt, der aber nach der wirklichen Zusammensetzung der Kohlen berechnet war, und dieses Pulver ergab eine viel größere treibende Kraft als die vorschriftsmäßige; es sollten daher alle Pulversätze nach der wirklichen Zusammensetzung der Kohle abgeändert werden.

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