Titel: Lea's neue Maschinenschmiere.
Autor: Lea, John
Fundstelle: 1853, Band 129, Nr. LXXXI. (S. 355–358)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj129/ar129081

LXXXI. Neue Maschinenschmiere; von Hrn. John Lea in London.

Aus einem Vortrag in der Gesellschaft der Maschinenbauer zu Birmingham.

Aus dem Civil Engineer and Architect's Journal, Juli 1853, S. 264.

Während sehr bedeutende und schätzbare Verbesserungen in der Construction der Locomotiven und der Eisenbahnen gemacht worden sind, läßt sich dieß nicht von der Kostenersparung bezüglich des Schmiermaterials für |356| die zahlreichen Maschinentheile sagen. Seit der Einführung der Eisenbahnen ist in dieser Hinsicht kaum eine Veränderung in den zu diesem wichtigen Zweck angewendeten Materialien gemacht worden. Oel und Talg wurden ursprünglich gebraucht und dienen im Wesentlichen noch jetzt zur Maschinenschmiere, besonders für die Locomotiven. Den flüssigeren Materialien der Maschinenschmiere, den Oelen, fehlt die nöthige Consistenz, um dem Druck zu widerstehen, während die festen Fette bei gewöhnlicher Temperatur nicht flüssig genug sind. Sowohl die thierischen als auch die Pflanzenöle aller Art enthalten ursprünglich Uneinigkeiten, welche ihre Wirksamkeit wesentlich schwächen; manche von ihnen enthalten erdige Substanzen, welche sehr bald in eine zähe, hindernde und angreifende Materie von solcher Consistenz verwandelt werden, daß sie die metallischen Oberflächen sehr stark abnutzen, besonders wenn die Temperatur in einem solchen Grade erhöht wird, daß die Metalle erweicht werden. Auch enthalten alle Oele mehr oder weniger wässerige Theile, welche eine Oxydation der polirten Oberflächen der bewegenden Maschinentheile veranlassen und sie dadurch ebenfalls angreifen, während die Flüssigkeit durch ihre eigene Wirkung verdorben wird. Ueberdieß sind die meistens zur Maschinenschmiere angewendeten Oele so flüssig, daß viel davon verloren geht, indem sie durch die geringste Oeffnung auslaufen. Es ist daher eine Maschinenschmiere wünschenswerth, welche die nothwendige Geschmeidigkeit und Consistenz besitzt, und dabei frei von den Unreinigkeiten und charakteristischen Mängeln der ungereinigten Oele ist.

Die im Folgenden besprochene neue Maschinenschmiere enthält als Grundlage sorgfältig gereinigten Fischthran mit einem Zusatz von Kautschuk, nebst geschlämmtem Bleiweiß und Mennige, um eine Art Metallseife zu bilden, welche die nothwendige ölige einschmierende Eigenschaft, eine angemessene Flüssigkeit und so viel Consistenz besitzt, daß sie dem Druck der gewöhnlichen Zapfenlager widerstehen kann. Der Thran wird auf eine Temperatur von 400 bis 500° F. (164 bis 208° R.) erwärmt, dann der fein zerschnittene Kautschuk hinzugethan, im Verhältniß von 50 Pfd. auf 1 Tonne Thran; nachdem der Thran den Kautschuk vollständig aufgelöst hat, wird die Temperatur bedeutend erniedrigt, und es werden hierauf gleiche Quantitäten von fein gepulverter Mennige und Bleiweiß, nämlich 25 Pfd. von jedem auf die Tonne Thran hinzugesetzt.

Die Mineralstoffe haben hier den Zweck, die Composition zu vulcanisiren und bei deren Anwendung bilden sie eine höchst dünne, nicht leitende Schicht zur Trennung der Zapfen von dem Zapfenlager, wodurch Reibung und folglich auch Erhitzung und Verluste an Material vermieden |357| werden. Mit dem Ausdruck „Vulcanisirung“ wollen wir die Eigenschaft des Schmiermaterials bezeichnen, daß es bei den gewöhnlichen Temperaturveränderungen seine Consistenz nicht bedeutend ändert.

Wenn zwischen zwei Metallflächen keine unmittelbare Berührung stattfindet, so kann auch keine Reibung derselben und folglich keine Temperaturerhöhung und Verflüchtigung des Materials eintreten. Bei den mit diesem Gemisch angestellten Versuchen konnte man bei keinem Druck auf die Zapfenlager, selbst nicht bei sehr großen Geschwindigkeiten, ein Verdrängen der Schmiere oder eine Temperaturerhöhung wahrnehmen. Diese Schmiere wird mit gewöhnlichen wollenen oder baumwollenen Dochten angewendet, die aber nur dann wirken, wenn die Maschinentheile in Bewegung sind, während beim Stillstande derselben nichts mehr abfließt.

Alle mit dem neuen Gemisch unter gleichen Umständen angestellten Versuche haben auch gleiche Resultate gegeben. Wir begnügen uns, einen von diesen Versuchen, welcher auf der Manchester- und Crewe-Station der London- und Nord-West-Eisenbahn angestellt wurde, speciell zu beschreiben. Die neue Schmiere wurde bei einer Locomotive für die Eilzüge (Nr. 15) angewendet und zum Vergleich eine andere Locomotive (Nr. 8) von gleicher Construction und gleicher täglicher Leistung, wie gewöhnlich mit Oel und Talg geschmiert. Man setzte diese Versuche mehrere Wochen lang fort, und der Bahn-Ingenieur theilte dann die folgenden Resultate mit: Jede Maschine durchlief bei diesen Versuchen etwa 2340 englische Meilen in 18 Tagen; die Kosten für Oel und Talg betrugen fast 4 Pence per Achsbüchse und 1000 Meilen, während das neue Gemisch bei derselben Leistung nur 1 Penny kostete (jetzt, bei verminderten Preisen, nur 1/2 Penny) per Achsbüchse und 1000 engl. Meilen. Diese neue Maschinenschmiere ist weit besser als jede bekannte natürliche oder künstliche, und es ist auch keine andere so wohlfeil. Ein anderer wichtiger Vortheil dieses Schmiermaterials besteht darin, daß es nicht so oft aufgetragen zu werden braucht, und es daher bei weitem nicht so nachtheilig ist, wenn das regelmäßige Schmieren einmal aus irgend einem Grunde unterbleibt.

Der Verfasser erhielt von einer ganzen Reihe von Eisenbahn-Verwaltungen Angaben über die durchschnittlichen Kosten des Schmiermaterials für ihre Locomotiven und Tender, wornach per Achsbüchse und 1000 Meilen etwa 1 Shill. für Schmiere ausgegeben wurde. Die Unterschiede dieser Kosten sind nicht bedeutend, indem sie niemals mehr als 14 Pence per Büchse auf die erwähnte Entfernung, und nie weniger als 11 Pence betrugen, wobei aber auch das Schmieren aller übrigen Maschinentheile eingerechnet ist.

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Man kann der neuen Maschinenschmiere, welche dem Kautschuk ihre wesentlichen Eigenschaften und auch die schwarze Farbe verdankt, verschiedene Grade der Consistenz geben, wie sie ihre Anwendung bei verschiedenen Arten von Zapfen erfordert, nämlich durch Abänderung des Verhältnisses von Bleiweiß und Mennige. Der Thran löst beim Siedepunkt nicht mehr als die angegebene Quantität Kautschuk auf, und nur die Mennige und das Bleiweiß, welche bloß mechanisch beigemengt sind, ertheilen dem Gemisch die größere Verdickung. Schon im J. 1848 ließ sich Hr. Donlan dieses Gemisch patentiren, es wurde aber bis jetzt keine Anwendung davon gemacht.

Auf einige aufgeworfene Fragen erwiederte Hr. Lea, daß man in dem Gemisch, nachdem es mehrere Monate gestanden, durchaus keinen Niederschlag beobachtet habe; die dünnere Composition fließe eben so gut wie Oel mit Anwendung eines Dochts aus den Schmierbüchsen, während die dickere bei den stärksten Zapfen und der größten Belastung angewendet werden könne; das Pfund der neuen Schmiere koste 7 bis 8 Pence; man verbrauche aber davon weit weniger als von der gewöhnlichen Maschinenschmiere.

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