Titel: Amerikanisches Knochenöl.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1853, Band 129/Miszelle 10 (S. 79–80)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj129/mi129mi01_10
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Amerikanisches Knochenöl.

Es ist im Vierbrauwesen wohl bekannt, daß der amerikanische Hopfen nicht viel taugt, und jüngst haben wir Gründe genug gewonnen, zu bezweifeln, ob das sogenannte im Handel vorkommende „amerikanische Knochenöl“ von Knochen stamme.

Wer ächtes Knochenöl gesehen, der weiß, daß dasse nie ganz klar und noch weniger dünnflüssig ist, sondern vielmehr einer dünnen Salbe gleicht und ein trübes Aussehen hat, – erst nach langem ruhigen Stehen in den oberen Schichten etwas klar und nach unten zu grießlich wird. Beim Erwärmen entwickelt sich daraus der eigenthümliche Geruch, der an thierische Fette erinnert. Das sogenannte „amerikanische Knochenöl“ ist aber dünnflüssig, beinahe klar, ohne Bodensatz, und der Geruch, den es für sich und beim Verseifen in Natronlauge von sich gibt, ist einem Gemische von schlechtem Olivenöl mit Repsöl nicht unähnlich. Vergleicht man gewöhnliches Repsöl damit, so tritt bei diesem der Geruch nach den Oelen aus den Samen der kreuzblumentragenden Pflanzen unter gleicher Behandlung ganz unverkennbar hervor.

Wenn auf 20 Tropfen Oel 1 Tropfen concentrirte Schwefelsäure gebracht wird, so wird das Oel braun und bekommt einen grauen Rand; beim Umrühren aber wird es schwarzbraun. Dieß geschieht beim sogenannten Knochenöl, wie beim Repsöl.

Im specifischen Gewichte sind sie auch ganz gleich; jenes, wie dieses = 0,915 bei + 12,5° R. In der Kälte werden sie bei – 9 bis 10° R. weiß getrübt und erstarren bei – 15 bis 16° R.

Nur im Verhalten zur salpetrigen Salpetersäure zeigt sich ein kleiner Unterschied. Die Säure muß dazu eigens bereitet werden, indem man in concentrirte rauchende Salpetersäure so lange Stickoxydgas treten läßt, bis die Säure eine dunkelbaue Farbe annimmt. Werden von dieser Säure 30 Tropfen zu 1 Loth des Oels gebracht, so wird das sogenannte amerikanische Knochenöl nach 2 1/4 Stunden so dick, daß ein Glasstab darin stecken bleibt, und die Masse nimmer ausgegossen werden kann, während das Repsöl in dieser Zeit eine salbenartige Consistenz annimmt, und erst nach 12 Stunden so dick wird, wie jenes. Zugleich wird das sogenannte Knochenöl beim Verdicken schwefelgelb, das Repsöl rothgelb.

Hieraus mag sich genugsam entnehmen lassen, daß das sogenannte amerikanische Knochenöl des Handels den Pflanzenölen ähnlicher ist, als einem durch Aussieden der Knochen gewonnenen flüssigen Thierfette. (Kunst- u. Gerwerbebl. d. polyt. Ver. für Bayern, 1853, S. 119.)

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