Titel: Die Brückenwaagen von Poley in Liverpool.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1853, Band 129/Miszelle 2 (S. 75)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj129/mi129mi01_2

Die Brückenwaagen von Poley in Liverpool.

Dieselben weichen von den in Deutschland überall und auch in Frankreich am häufigsten verbreiteten sogenannten Straßburger Brückenwaagen (Quintenz'sche Waage) darin ab, daß bei letzteren das Gewicht einer auf der Brücke liegenden Last nur durch Auflegen entsprechender verjüngter Gewichte auf die Waagschale gewogen wird, was also einen ziemlichen Vorrath von Gewichtssteinen nothwendig macht, während die erstere Waage mehr auf dem Princip der Schnellwaage beruht, wobei nämlich verschiedene Gewichte auf der Brücke durch Verschieben eines Laufergewichts auf dem eingetheilten Waagebalken angegeben werden. Entweder nun dient hierzu bloß das Laufergewicht (bei einigen Waagen sind deren zwei vorhanden, eins für die größeren Gewichte, das andere für Unterabtheilungen), oder es werden am Ende des langen Hebels außerdem noch Gewichtssteine aufgelegt, welche jedoch nur die größeren Gewichtszahlen anzugeben bestimmt sind, während vermittelst des Laufergewichts alle Unterabtheilungen der Gewichte angegeben werden. Mancherlei Modificationen finden in dieser Beziehung statt Die bei den ausgestellten Waagen am meisten vorkommende Einrichtung ist aber folgende:

Am Ende des längeren Armes eines ungleicharmigen Waagebalkens ist als unverrückbares Gegengewicht ein hohler Körper von der Form eines Kugelabschnittes angehängt, auf dessen Fläche sich kreisförmige, mit verschiedenen Gewichtszahlen bezeichnete eiserne Scheiben auflegen lassen. An dem kürzeren Hebelarm ist in einer angemessenen Entfernung vom Aufhängepunkt eine Stange auf einer Schneide aufgehängt, welche in der Tragsäule der Waage herabführt, und unten mit den unter der Waagebrücke liegenden Hebeln, ähnlich wie bei der Quintenz'schen Waage, verbunden ist. An der Verlängerung des kurzen Hebelarms befindet sich ein längs einer Schraube verschiebbares Gewicht – wir wollen es Regulirgewicht nennen – welches dazu dient, die Waage zu reguliren, so daß sie ohne Belastung der Brücke und des erwähnten Gegengewichts am langen Arm im Gleichgewicht steht. Die auf das Gegengewicht aufzulegenden Gewichtsscheiben geben Centner an. Um nun einzelne Pfunde wiegen zu können, ist der lange Arm des Waagebalkens in 112 Theile getheilt, und zwar dergestalt, daß bei je 28 Theilen, welche 1/4 Cntr. entsprechen, die Theilung immer wieder mit 0 beginnt. Auf dieser Theilung läßt sich ein kleines Laufergewicht verschieben, vermittelst dessen die einzelnen Pfunde angegeben werden. Um die Waage in Ruhe zu setzen oder sie spielen zu lassen, ist entweder die bei der Quintenzwaage gewöhnliche Einrichtung angebracht, oder es ist der Unterstützungspunkt der Waage an dem einen Ende eines Hebels aufgehängt, welcher beim Senken des anderen Endes die Waage in wiegfertigen Zustand versetzt, während derselbe beim Aufheben die Schneide von der angehängten Last befreit und die Brücke zur Ruhe bringt.

Die Waage ist übrigens, je nach ihrer besondern Bestimmung, als zum Wiegen von Fässern, Waarenballen, von Vieh, Wagen, zu Haushaltungszwecken u.s.w. in entsprechenden Größen und Formen gebaut, wobei die Brücke entweder in der Ebene des Fußbodens liegt, oder, wie bei der Quintenz'schen Waage, die Decke eines das untere Hebelwerk einschließenden Kastens, welcher feststeht oder zum Behuf des leichteren Transportirens auf Rollen gesetzt ist, bildet. (Amtl. Bericht über die Londoner Industrie-Ausstellung, Bd. I. S. 521.)

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