Titel: Verfahren schwere Gegenstände aus dem Wasser emporzuschaffen, von Dr. Gianetti.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1853, Band 129/Miszelle 3 (S. 75–76)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj129/mi129mi01_3
|76|

Verfahren schwere Gegenstände aus dem Wasser emporzuschaffen, von Dr. Gianetti.

Dr. Gianetti hat unlängst am Seineufer bei Paris einen merkwürdigen und sehr wichtigen Versuch angestellt; mittelst eines kleinen Ballons von beiläufig 1 1/2 Fuß Durchmesser, der plötzlich am Grund des Wassers aufgeblasen wurde, hob er nämlich ein Gewicht von hundert Kilogrammen auf die Oberfläche empor. Dazu diente ein metallenes Gefäß mit zwei Abtheilungen und drei Tubulaturen; durch die zwei ersten Tubulaturen gießt er Natron-Bicarbonat in eine der Abtheilungen, in die andere aber Salzsäure; auf die dritte Tubulatur schraubt er den Ballon von Leder oder einem sehr starken undurchdringlichen Zeug. Bei dem Versuch, welchem wir beiwohnten, war das emporzuschaffende Gewicht noch nicht in das Wasser gesenkt; man befestigte das Gefäß mit dem Ballon an den Ring, welcher die vier Gewichte von 25 Kilogr. vereinigte, und die Gehülfen ließen das Ganze auf den Grund der Seine hinabsinken. Eine Schnur, welche Hr. Gianetti in der Hand hielt, war auf dem Gefäß an einem kleinen Hebelarm befestigt worden; durch Anziehen derselben drehte, er einen Hahn und stellte die Communication zwischen den zwei Abtheilungen des Gefäßes her, um die zwei Flüssigkeiten in Berührung zu bringen und zu vermischen, wodurch sich reichlich Kohlensäure entwickelte, die sogleich den Ballon aufblähte, welcher dann an die Oberfläche des Wassers aufstieg und die schweren Gewichte mit sich zog.

Dr. Gianetti ist überzeugt, daß von seinen Hebeballons zahlreiche nützliche Anwendungen gemacht werden können. So ist es bekanntlich sehr schwierig, die Taucherglocken am Grunde des Wassers von ihrer Stelle zu versetzen und sie wieder an die Oberfläche aufsteigen zu machen; wenn man aber an ihrem Rand eine hinreichende Anzahl von Gefäßen und Ballons befestigen würde, welche die Taucher nach Belieben füllen können, so sind dieselben vollkommen Meister ihres Apparats und werden großen Gefahren entgehen. Soll ein Anker ohne viele Arbeit und fast plötzlich aufgezogen werden, welchen man sonst fahren lassen müßte, indem man sein Tau zerhaut, so senkt man eine hinreichende Anzahl von Hebeapparaten bis auf ihn hinab, welche sich auf irgend eine Weise daran befestigen lassen, öffnet dann alle Hähne, die Ballons schwellen auf, der Anker steigt empor und man kann ihn dann leicht an sich ziehen. Ein Schiff, welches mit einer hinreichenden Anzahl von Hebeballons versehen ist, kann, wenn es leck wird, nicht untersinken; wenn ein Schiff wegen Annäherung des Sturms oder der feindlichen Flotte genöthigt ist in den Hafen zurückzukehren, und gewahr wird daß seine Wassertracht zu stark, daß das Wasser nicht tief genug ist, so schwellt es seine Ballons auf, welche es heben werden, und es kann so in Rheden gelangen, welche ihm sonst unzugänglich wären. Durch dasselbe Mittel kann man versunkene Schiffe, sehr schwere in das Meer gefallene Gegenstände emporschaffen, selbst wenn das Wasser tief ist, denn die Kohlensäure entbindet sich noch unter ungeheuren Pressionen. (Cosmos, revue encyclopédique, Juni 1853.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: