Titel: Die Lichtbilder in natürlichen Farben, von dem Amerikaner L. Hill.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1853, Band 129/Miszelle 6 (S. 77–78)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj129/mi129mi01_6
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Die Lichtbilder in natürlichen Farben, von dem Amerikaner L. Hill.

Wir haben im polytechn. Journal, Jahrgang 1851, Bd. CXX S. 466 Auszüge aus den Briefen mitgetheilt, welche Hr. Levi L. Hill über das von ihm entdeckte Verfahren, Lichtbilder auf Metallplatten mit allen Farben der Natur hervorzubringen, an den Herausgeber des Daguerreian Journal of New York schrieb. Die Wahrheit von Hill's Behauptungen wurde seitdem vielfach bezweifelt; der Bericht, welchen unlängst eine Commission des Patent-Amts in Washington an den Senat über Hill's Entdeckung erstattete, bestätigt dieselben jedoch über alle Erwartung; wir theilen diesen Bericht nach dem American polytechnic Journal, Aprilheft 1853, S. 298 vollständig mit:

„Hr. Levi L. Hill erschien vor dem Ausschuß des Patent-Amts, erklärte demselben den Verlauf und die Principien seiner Erfindung, und legte zahlreiche Proben seiner farbigen Lichtbilder vor. Nach der Meinung der Ausschußmitglieder liefern diese Proben hinreichende Beweise, daß der Erfinder das Problem der photographischen Färbung gelöst hat. Wir bekamen die Platten in unsere Hand, welche weder mit Glastafeln belegt noch mit einem sonstigen Ueberzug versehen waren; durch Reiben derselben und sonstige Proben konnten wir uns von der Dauerhaftigkeit dieser Bilder überzeugen. Die meisten Physiker, sowohl in Europa als in Amerika. scheinen an dem Erfolg ihrer Bemühungen in diesem Zweige der Wissenschaft längst verzweifelt zu seyn und dieselben aufgegeben zu haben, aber die Heliochromie ist jetzt durch einen unserer Mitbürger entdeckt worden, welcher in einem der wilden Thäler des Catskill-Gebirges wohnt, weit entfernt von den Schulen der Kunst. Hr. Hill gelangte zu dieser Entdeckung, wodurch die Werke der Natur mit ihren ursprünglichen Farben copirt werden können, nach dreijähriger ausdauernder Arbeit. Er gibt selbst zu, daß seine Entdeckung in ihren praktischen Details noch nicht zur Vollkommenheit gebracht ist, worüber man sich nicht wundern darf, weil erst zwei Jahre verflossen sind, seitdem er das erste günstige Resultat erhielt. Aber die schönen Resultate, welche er bereits erzielt hat, lassen nicht bezweifeln, daß er sein Verfahren in nicht ferner Zeit zur Vollkommenheit bringen wird.

Die künftige Nützlichkeit und Wichtigkeit dieser Erfindung in ihrer Anwendung für Porträts, Landschaften, für die Botanik, die pathologische Anatomie, die Mineralogie, die Konchyliologie, die Ethnographie, zum Copiren schätzbarer Gemälde, und zu mannichfaltigen ornamentalen Zwecken, ist augenscheinlich. Die Ausschußmitglieder sind vollkommen überzeugt von der Originalität und Priorität, welche Hr. Hill für seine Erfindung beansprucht, und halten es für gerecht und billig, daß er gehörig geschützt und aufgemuntert wird, hauptsächlich weil seit der Besprechung seiner Entdeckung in den Zeitungen rivalisirende Ansprüche in Frankreich erhoben wurden. Da Hill's Verfahren ein rein chemisches ist, so dürfte ihm unser gegenwärtiges Patentgesetz für seine Erfindung keine hinreichende Sicherheit gewähren: weil aber die gegenwärtige Versammlung des Congresses nur noch von kurzer Dauer ist und die Geschäfte desselben sich drängen, so weiß der Ausschuß kein besseres und wirksameres Mittel vorzuschlagen, wodurch dem Verlangen des Hrn. Hill genügt werden könnte, als seine Denkschrift nebst diesem Bericht unter die Acten des Senats aufzunehmen, welche dem Druck übergeben werden.“

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