Titel: Ueber die Krystallisation des Schwefels aus alkalischer Lösung; von Dr. Julius Löwe.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1853, Band 129/Miszelle 5 (S. 155–156)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj129/mi129mi02_5

Ueber die Krystallisation des Schwefels aus alkalischer Lösung; von Dr. Julius Löwe.

Leitet man in starken Weingeist so lange Ammoniakgas, als davon absorbirt wird (Liquor Ammon. vinosus) und sättigt alsdann diese Flüssigkeit vollständig mit Schwefelwasserstoffes, so nimmt diese Lösung wie die wässerige des Schwefelammoniums, nach einiger Zeit eine tief dunkelgelbe Farbe an. Gibt man sie in eine Retorte und destillirt bei gelinder Wärme über, so beschlägt sich bei digerirender Destillation der Hals der Retorte und der Bauch der Vorlage mit den schönsten Krystallschüppchen von Ammoniumsulphhydrat, welche sich in sternförmigen Gruppen gegen einander aufstellen, jedoch bei fortgesetzter Destillation wieder verschwinden. Sowohl aus dem Destillat als aus der ursprünglichen Flüssigkeit setzten sich nach einiger Zeit ruhigen Stehens lange spießförmige Krystalle ab, welche von den Wandungen des Gefäßes nach dem Centrum der Lösung angeschossen waren. Die Flüssigkeit entfärbte sich nach beendeter Krystallisation gänzlich, und aus den zarten gelblichen Prismen schloß ich, daß sie aus reinem Schwefel beständen, wozu mich einige Voruntersuchungen berechtigten. Dessenungeachtet unterwarf ich sie einer quantitativen Bestimmung, indem ich sie mit starker Salpetersäure zu Schwefelsäure oxydirte und letztere Säure gebunden an Baryt bestimmte. Der aus der Schwefelsäure berechnete |156| Schwefel entsprach genau der zur quantitativen Untersuchung verwendeten Menge, so daß damit der Nachweis für den reinen Schwefel geliefert war. Mit Hülfe des Mikroskops erkannte ich bei starker Vergrößerung, daß jedes einzelne Spießchen aus einem Aggregat zusammengewachsener mikroskopisch kleiner rhombischer Octaëder mit stumpfen Scheitelkanten bestand, dieselbe Krystallform also, unter welcher dieses Element aus Lösungen von Chlorschwefel, Schwefelkohlenstoff und Terpenthinöl anschießt. Dieses eigenthümliche Herauswachsen unter so zarten Gestalten aus oben angeführter Lösung ist so überraschend, daß ich diese Beobachtung interessant für die Veröffentlichung hielt.

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