Titel: Ueber die Darstellung des Phloridzins und sein Verhalten zu einzelnen Reagentien; von Dr. Julius Löwe.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1853, Band 129/Miszelle 6 (S. 156–157)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj129/mi129mi02_6

Ueber die Darstellung des Phloridzins und sein Verhalten zu einzelnen Reagentien; von Dr. Julius Löwe.

Das Phloridzin, eine dem Salicin mannichfach ähnliche Substanz, wurde von de Konink entdeckt und findet sich in der Wurzelrinde verschiedener Obstbäume. Sein Vorkommen ist jedoch nicht allein auf die Rinde der Wurzeln beschränkt, wenngleich es in größerer Menge daraus zu gewinnen ist, denn ich habe es sowohl in der Rinde der Zweige verschiedenen Alters, als wie in der des Stammes von Kirsch-, Birn-, Aepfel-, Pflaumen- und Mirabellenbäumen aufgefunden. Am vortheilhaftesten für seine Darstellung erkannte ich folgende Methode: die kleingeschnittene Rinde wird kurze Zeit in Wasser aufgeweicht, alsdann mit dünner Kalkmilch versetzt und das Ganze 1/4 Stunde im Kochen erhalten. Die Flüssigkeit trennt man durch Abgießen von dem Rückstande, spült letzteren durch etwas warmes Wasser ab und scheidet die so erhaltene Lösung durch Filtration von dem noch aufgeschwemmten Kalkhydrate. Das dunkelbraun gefärbte Filtrat versetzt man mit Salzsäure in geringem Ueberschuß, worauf nach kurzem Stehen körnige, gelblich gefärbte Krystalle von unreinem Phloridzin anschießen. Dieselben werden mit wenig Wasser abgewaschen, zwischen grobem Fließpapier getrocknet und darauf nochmals in Wasser gelöst und mit dünner Kalkmilch zum Kochen erhitzt, alsdann filtrirt und das Filtrat wie anfangs bis zur schwach sauren Reaction mit Salzsäure angesäuert. Aus dieser Lösung krystallisirt das Phloridzin in schönen, sternförmig gegen einander aufgestellten oder zu langen Büscheln verwachsenen Nadeln, von dem Glanze der Weißen Seide, welche so frei von Farbstoff sind, daß eine Behandlung mit Kohle ganz umgangen werden kann.

Reactionen.

Setzt man zu trockenem Phloridzin verdünnte Salpetersäure, so färbt sich dasselbe schwach schwefelgelb, bald darauf graulich gelb und zuletzt bräunlich, indem es sich zersetzt; concentrirte Salpetersäure zerstört es sogleich unter Gasentwickelung und Braunfärbung.

Englische Schwefelsäure färbt die Krystalle unter Lösung hellgelb und kurze Zeit darauf orange; Vitriolöl löst sie sogleich unter lebhafter Röthung, die Lösung setzt nach wenigen Minuten braunrothe Flocken ab.

Wenige Tropfen von unterchlorigsaurem Natron oder Kalk färben das trockene Phloridzin oder seine concentrirten Auflösungen intensiv orange. Mit Hülfe dieser Reaction kann man diesen Bitterstoff, ähnlich wie mit Schwefelsäure das Salicin, in den verschiedenen Pflanzentheilen, wie in der Rinde der Wurzeln, Zweige oder der des Stammes mit aller Sicherheit erkennen, denn dieselben werden beim Betropfen mit genannter Lösung, wie das reine Phloridzin, lebhaft orange gefärbt. Chlorwasser bringt in den Lösungen desselben keine sichtbaren Reactionen hervor.

Eisenchlorid und Eisenoxydsalze bewirken beim Zusatz zu in Wasser gelöstem Phloridzin eine braunrothe, etwas schwach ins Violette spielende Färbung, die bei gelindem Erwärmen um so deutlicher hervortritt. Eisenoxydulsalze, die frei von Oxyd sind, zeigen diese Reaction nicht.

Goldchlorid wird von den Lösungen des Phloridzins zersetzt unter Abscheidung von metallischem Gold.

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Unterchlorigsaures Natron oder Kalk, so wie Eisenchlorid geben somit ein ganz charakteristisches Reagens ab, um das Phloridzin jederzeit entweder in seinen Lösungen oder im festen Zustande zu erkennen.

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