Titel: Gewinnung von Paraffin als Kerzenmaterial bei Verarbeitung der Schieferkohlen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1853, Band 129/Miszelle 7 (S. 157)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj129/mi129mi02_7

Gewinnung von Paraffin als Kerzenmaterial bei Verarbeitung der Schieferkohlen.

Die Verarbeitung der Schieferkohlen wurde bekanntlich von Selligue in Frankreich zuerst industriell betrieben; derselbe gewann bei der Destillation der Schieferkohlen aus der Gegend von Autun: 1) flüchtige oder ätherische Oele; 2) fixe Oele; 3) paraffinhaltige Oele, welche er zur Anfertigung von Wagen- und Maschinenschmiere anwendete; 3) eigentliches Paraffin zur Kerzenfabrication; 4) einen Farbstoff und Ammoniak; 5) Theer; 6) einen trockenen Rückstand, welcher zum Entfärben der Syrupe oder zum Desinficiren benutzt werden kann. (Man s. Mallet's Abhandlung über die Fabrication der flüssigen Kohlenwasserstoffe, im polytechn. Journal, Jahrgang 1847, Bd. CVI S. 116.)

Ein derartiges Etablissement in Deutschland, die Augusten – Hütte zu Beuel bei Bonn, der Gesellschaft A. Wiesmann und Comp. gehörend, gewinnt gegenwärtig unter der technischen Direction des Hrn. P. Wagenmann bei einer täglichen Verarbeitung von 350 Centnern ausgezeichneter Blätterkohlen eine bedeutende Quantität Paraffin, woraus Kerzen fabricirt werden, die sich sehr günstig gegen Wachs und Wallrath stellen und per 100 Pfd. 66 2/3 Thlr. kosten.

Die innere Räumlichkeit der Gebäude dieser Fabrik, bei deren Herstellung Holz so viel als möglich vermieden wurde, beträgt über 40,000 Quadratfuß; die Triebkraft liefert eine Dampfmaschine von 24 Pferdekräften.

Von den aus der Blätterkohle abdestillirten Oelen hat das leichteste ein spec. Gewicht von 0,730 und eignet sich (wie das Benzin) vorzüglich zum Reinigen der Kleider und Handschuhe von Flecken. Man vereinigt die leichten Oele mit schwereren, so daß die Mischung ein spec. Gewicht von 0,830 erhält; dieselbe dient als Leuchtmaterial und hat eine weingelbe Farbe; man versendet sie in Zinkflaschen; 100 Quart kosten 30 Thlr.

Die fixen Oele werden trocknend gemacht und zu Häuseranstrich verwendet; 100 Quart kosten 20 Thlr. Theilweise werden sie auch zu Ruß für lithographische und Buchdruckerschwärze verbrannt. – Die abdestillirte Blätterkohle gibt gemahlen und geschlämmt eine ordinäre Schwärze.

Fernere Producte dieser Anstalt sind: Asphalt, zur Lackfabrication geeignet, und Schmiere für Bergwerks-Förderwagen und Lastwagen.

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