Titel: Zwei Salben für Leder und Lederwerk; von W. L. Hardegg in Stuttgart.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1853, Band 129/Miszelle 9 (S. 158–159)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj129/mi129mi02_9

Zwei Salben für Leder und Lederwerk; von W. L. Hardegg in Stuttgart.

Auf Grund nachstehender Beschreibung hat der Genannte im Jahre 1846 ein sechsjähriges Erfindungspatent auf zwei Salben für Leder und Lederwerk in Württemberg erhalten.

Salbe Nro. 1. 25 Pfund reines Gelbwachs in 25 Pfund Terpenthinöl aufgelöst, bilden ein Präparat, welchem, wenn es über Feuer flüssig gemacht worden, 25 Pfund weißes Helles Ricinusöl, 50 Pfund gereinigtes, vorher abgekochtes Leinöl, 25 Pfund reines Baumöl beigesetzt werden. Wenn diese Fette sich gehörig vermengt haben, was über mäßigem Kohlenfeuer geschehen muß, so werden ferner bei stets mäßigem Hitzgrad 37 1/2 Pfund reinster Holztheer unter stetem Umrühren darunter gemengt. Ist die gleichmäßige Vermengung des Holztheers mit der übrigen Masse hergestellt, so ist eine hornartige fette Salbe fertig, und es muß das Feuer sogleich unter dem Kessel entfernt werden.

Salbe Nro. 2. Die Bereitungsart ist dieselbe, wie die von Nro. 1, nur sind andere Verhältnisse der Bestandtheile zu Grunde gelegt, um das Product bei ähnlichem Erfolge um Bedeutendes billiger herzustellen: 12 1/2 Pfund reines Gelbwachs in 12 1/2 Pfund Terpenthinöl gelöst, 12 1/2 Pfund Ricinusöl, 125 Pfund gereinigtes und vorher abgekochtes Leinöl, 3 1/4 Pfund Holztheer.

Wirkung der benannten Salben. Durch die gründliche Behandlung mit der Salbe Nro. 1 erhält das Leder Schutz gegen die Einwirkung von Luft, Hitze, Schweiß oder sonstiger Feuchtigkeit. Von 6 zu 6 Monaten mit dieser Salbe gehörig getränkt, bleibt es stets sammetartig weich, wird wasserdicht und erhält eine dem Kautschuk ähnliche Dehnbarkeit. Fußbekleidungen werden dadurch angenehm zu tragen, denn das so behandelte Leder zieht sich nach dem Fuße, drückt nicht und erhält dem Fuß eine angenehme Kühle. Der Fußschweiß wirkt auf das so behandelte Leder nicht mehr ein, es bleibt weich, geschmeidig, und darum von längerer Dauer; auch das Abfärben oder Rothwerden des Leders verhindert die Salbe. Dieselbe bildet auf dem Leder keine Kruste und dringt in den Kern der Haut total ein. Unmittelbar nach der Behandlung mit der Salbe kann das Lederwerk gewichst oder lackirt werden und nimmt nun einen dauerhaften Glanz an.

Die Behandlung des Leders mit der Salbe ist folgende: Das Leder wird, je nachdem es mehr oder minder gute Gerbung hat, 12 bis 24 Stunden in weiches Wasser gelegt und während dieser Zeit einigemale zusammengerieben oder gewalkt, als ob es gewaschen werden sollte. Es wird sich alsdann eine Fettigkeit auf der Oberfläche zeigen, welche abgeschabt werden muß. Hiernach wird das Leder durch Pressen und Aufspannen von der überschüssigen Feuchtigkeit befreit und zum Trocknen |159| der Luft ausgesetzt. Wenn es beinahe abgetrocknet, wird es wieder leicht gerieben und dann mit der Salbe in der Nähe eines Feuers eingerieben, so viel als es zu verschlucken vermag, alsdann an der Sonne oder sonstiger Wärme getrocknet.

Altes Lederwerk an Fußbekleidungen, Pferdegeschirr, Chaisen u.s.w. muß jedenfalls von allem Schmutze durch Waschen mit weichem Wasser befreit werden und wird sodann, noch nicht vollkommen abgetrocknet, innerhalb 24 Stunden dreimal gut eingerieben.

Die Salbe Nro. 2 kömmt bedeutend billiger zu stehen; sie hat ähnliche Wirkung wie die erste, nur macht sie nicht so wasserdicht und verleiht nicht ganz die Kraft und Dauer, wie Nro. 1; weßhalb die Anwendung derselben nur für solche Gegenstände taugt, welche weniger strengen Strapazen ausgesetzt werden. (Gewerbeblatt für Württemberg 1853, S. 142.)

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